Die Reformbestrebungen von Kardinal Otto Truchseß von Waldburg und die Durchführung des Interims in Augsburg - Basierend auf einer Quelle von Paul Hektor Mair


Seminararbeit, 2006
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Augsburg im 16. Jahrhundert
2.1 Zur Überlieferung der verwendeten Quellen
2.2 Der Chronist Paul Hector Mair
2.3 Eine Messe in Augsburg nach der Reformation

3. Paul Hector Mair und das Augsburger Interim
3.1 Predigten als Medium der Politisierung
3.2 Mittel zur Rekatholisierung
3.3 Augsburg während des Interims

4. Schluss

5. Literaturliste

1. Einleitung

„Also seind jetzmals dardurch alle predigten in der stat abgestrikt, kain raichung der sacrament mer, noch evangelische lehr. Die armen kindlein ligen, ja sterben zum thail ungetauft, und also nichts dann eitel Gräuel, not, angst, kommernus und trübsal vorhanden.[1]

Mit diesen Worten beschrieb der Augsburger Ratsdiener und Chronist Paul Hektor Mair die Gemütsverfassung der evangelischen Bevölkerung im August 1551. Verantwortlich für dieses elende Befinden der Protestanten war, so der Chronist, das Augsburger Interim von 1548. Ausgehend von der Erklärung Paul Hektor Mairs, soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Konfessionalisierung in Augsburg um 1550 vorangeschritten war.

Dabei dient der Begriff der Konfessionalisierung als sozialhistorisches Alternativkonzept für das, was aus kirchen- und politikgeschichtlicher Perspektive früher „Gegenreformation“ hieß[2]. Die wichtigsten Vertreter auf dem Gebiet der Konfessionalisierung sind Heinz Schilling und Heinrich Richard Schmidt. Dabei vertritt Schilling die These, dass die in der Reformationsepoche aufgebrochenen theologischen Differenzen erst während der Konfessionalisierung des ausgehenden 16. Jahrhunderts ihre gesellschaftliche Dynamik voll entfalten und damit für den Allgemeinhistoriker eine neue Qualität erreichen[3]. Heinrich Richard Schmidt zeigt zur Konfessionalisierung auf, dass die Gemeinden selber und nicht der Staat Träger der Konfessionalisierung und Disziplinierung gewesen seien[4]. Die Städtechroniken[5] und die Buchreihe zur Augsburger Reformationsgeschichte[6] von Friedrich Roth bildeten die Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten, die in den nachfolgenden Jahrzehnten geschrieben werden sollten. Des Weiten wird bei der vorliegenden Arbeit auf die Publikationen von Wolfgang Wallenta[7], Paul Warmbrunn[8] und Friedrich Zoepfl[9] zurückgegriffen, die sich alle mit der Reformationsgeschichte und Konfessionalisierung in Augsburg auseinandergesetzt haben.

Anhand am Beispiel der Stadt Augsburg wird in dieser Arbeit versucht, dem Problem der Konfessionalisierung und deren Folgen für das gesellschaftliche Leben näher zu kommen und diesen komplexen Sachverhalt zu verdeutlichen.

Ausgehend von einer zentralen Quelle vom Augsburger Chronisten Paul Hektor Mair wird zunächst das Leben von des Stadtschreibers und im Anschluss daran die Stadt Augsburg im 16. Jahrhundert vorgestellt. Nach dieser Einordnung des Themas in den geschichtlichen Kontext, beschäftigt sich der zweite Teil dieser Arbeit konkret mit der Konfessionalisierung in Augsburg. Dabei sollen besonders die Auswirkungen des Interims auf das gesellschaftliche Leben betrachtet und erläutert werden, bevor es anschließend zu den Maßnahmen zur Rekatholisierung durch Kaiser Karl V. geht. Bei der zentralen Quelle handelt es sich um eine von Kardinalbischoff Otto Truchseß von Waldburg gehaltene Messe, die auf den 18. August 1549 zu datieren ist.

2. Augsburg im 16. Jahrhundert

2.1 Zur Überlieferung der verwendeten Quellen

Bei der zu untersuchenden Hauptquelle handelt es sich um einen Text aus der ersten Chronik des Augsburger Stadtschreibers Paul Hektor Mair aus dem Jahre 1549. Augsburg war zu dieser Zeit im Religionskrieg verwickelt, da sich der Großteil der Augsburger Bevölkerung auf die Seite von Martin Luther stellte. Ab 1537 entzog die Stadt Augsburg den Katholiken alle Kirchengüter und Kirchenrechte, so dass Augsburg bis 1547 fast rein evangelisch war. Im Religionskrieg („Schmalkaldischer Krieg“) gegen Kaiser Karl V. musste Augsburg die Niederlage akzeptieren und wurde aufgefordert von 1547 (1547/48 der „geharnischte“ Reichstag[10] ) bis 1555 den Reichstag in Augsburg dreimal abzuhalten. Die Folgen waren für die Stadt unerträglich, denn die Einwohner mussten das verhasste Interim annehmen, der gegen Karl V. kriegsführende Rat der Stadt wurde abgesetzt, die Zünfte wurden aufgelöst und man übergab die Obrigkeit den Patriziern[11]. Diese gravierenden Umwälzungen folgten alle nach dem ersten Reichstag von 1547/48.

Die Quelle ist zu finden in den kommentierten Quelleneditionen der deutschen Städte[12]. Da die Chronik in einer Quellenedition erschienen ist, ist das Quellenstück vollständig abgedruckt. Jedoch ist zu beachten, dass bei Quelleneditionen Veränderungen und Variationen zu den ursprünglichen Quellen mit eingebaut sein könnten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die originalen Schriftstücke nicht immer eindeutig zu entschlüsseln sind. Im Folgenden werde ich daher auf die Bearbeitung der Quellenedition eingehen.

Die Herausgeber der Quellenedition, vor allem Friedrich Roth, haben sich auf die in Handschrift verfasste Chronik von Paul Hector Mair bezogen, die sich in der Augsburger Stadtbibliothek befindet. Dabei ist zu vermerken, dass zur Zeit Mairs die Chronik sechzehn Mal handschriftlich kopiert wurde, von denen acht mit derselben Hand geschrieben worden sind. Alle sechzehn Kopien stimmen nicht vollkommen überein, was möglicherweise daraus abzuleiten ist, dass beim Abschreiben oder Diktieren zur damaligen Zeit vereinzelt Variationen subjektiver Art aufgetreten sind[13]. Die sich in der Augsburger Stadtbibliothek befindende Chronik macht im Unterschied zu den anderen fünfzehn handgeschriebenen Chroniken jedoch den Eindruck, als ob sie die abschließende „Endchronik“ sei, da sie mit besonderem Fleiß angefertigt worden ist, was anhand schöner Verzierungen und sauberer Arbeit zu sehen ist[14].

Die Quellenedition verfügt über mehr Einträge als die „Endchronik“, da fehlende zeitliche Ereigniseinträge mithilfe der anderen handschriftlichen Chroniken ergänzt worden sind. So ist die Quellenedition ein komplettes chronologisches Werk aller angefertigten handschriftlichen Chroniken. Dabei wurden aber nur die Überschriften der fehlenden Begebenheiten übernommen und auf die Standorte der abwesenden Ereignisquellen verwiesen. Dies ist eine Konsequenz daraus, dass die Herausgeber sich nur auf das Schriftstück aus der Augsburger Stadtbibliothek konzentriert haben. Des Weiteren bleiben Abweichungen in den Wortformen und offensichtliche Schreib-, Hör- oder Lesefehler der Schreiber unberücksichtigt[15]. Dabei werden jedoch die Abweichungen der anderen Handschriften in den Fußnoten vermerkt. Das Register haben die Editoren mithilfe der ältesten geschriebenen Chronik ergänzt. Wenige Geschehnisse, die ohne Überschrift waren, wurden von den Herausgebern mit einem passenden Titel überschrieben, um sie geeignet in das Register einreihen zu können[16].

Insgesamt lässt sich daraus schließen, dass die Quellenedition authentische Texte wiedergibt und somit keine weiteren Fragestellungen zur Echtheit der Schriften zulässt.

2.2 Der Chronist Paul Hector Mair

Mair wurde 1517 in Augsburg geboren, wuchs jedoch in Böhmen auf, ehe er Mitte der Dreißiger Jahre wieder nach Augsburg kam. 1537 trat Mair die Nachfolge für seinen Großvater Hans Mair im Ratsdieneramt an, war also am Anfang der Unruhen wieder in Augsburg. Er heiratete die Tochter eines Stadtgerichtsschreibers und hatte mit ihr 18 Kinder, von denen zehn am Leben blieben. 1541 wurde Mair erster Ratsdiener. Durch das Erbe seines Großvaters und durch die Hochzeit kam er früh zu Wohlstand, wusste aber nicht mit dem Geld umzugehen. Seine kostspieligen Liebhabereien trieben ihn zu finanziellen Schwierigkeiten. Von 1546 bis 1579 hatte er systematisch städtische Gelder veruntreute, ehe dieser jahrelange Schwindel und ein Verhältnis zu einer ärmlichen Witwe aufgedeckt wurde. Obwohl sein Ansehen in der Stadt sehr beträchtlich war und er mit hochrangigen Personen befreundet war, blieb ihm der Galgen nicht erspart[17]. Er wurde am 10. Dezember 1579 in Augsburg gehängt.

[...]


[1] Roth, F., Die Chroniken der deutschen Städte, Band 32, Leipzig 1917 (photomechanischer Nachdruck Stuttgart 1966). S. 248.

[2] Reinhard, W., Konfessionalisierung, Völker-Rasor, A. (Hg.), Frühe Neuzeit, München 2000, S. 299-303.

[3] Schilling, H., Die Konfessionalisierung im Reich. Religiöser und gesellschaftlicher Wandel in Deutschland zwischen 1555 und 1620, in: HZ (Band 246), München 1988, S. 1-45.

[4] Reinhard, W., Konfessionalisierung, S. 302.

[5] Roth, F., Die Chroniken der deutschen Städte, Band 32 bzw. Band 33, Leipzig 1917 (photomechanischer Nachdruck Stuttgart 1966).

[6] Roth, F., Augsburgs Reformationsgeschichte (1517-1555), 4 Bände, München 1901-1911.

[7] Wallenta, W., Katholische Konfessionalisierung in Augsburg. 1548- 1648. Zugl.: Diss., Universität Augsburg, 2001. Hamburg 2003.

[8] Warmbrunn, P., Zwei Konfessionen in einer Stadt. Das Zusammenleben von Katholiken und Protestanten in den paritätischen Reichsstädten Augsburg, Biberbach, Ravensburg und Dinkelsbühl von 1548 bis 1648, Wiesbaden 1983.

[9] Zoepfl, F., Das Bistum Augsburg und seine Bischöfe im Reformationsjahrhundert, Augsburg 1969.

[10] Jedin, H., Handbuch der Kirchengeschichte. Katholische Reform und Gegenreform, Band IV, Freiburg 1967, S. 301- 306.

[11] Roth, Chroniken der deutschen Städte, Band 32, S. V.

[12] Roth, Die Chroniken der deutschen Städte, Band 32, S. 186.

[13] Ebd. S. LXXXIX.

[14] Ebd. S. IC.

[15] Ebd. S. 21.

[16] Ebd. S. LXXXVIII.

[17] Eine ausführliche Lebensbeschreibung bei Roth, Chroniken der deutschen Städte, Band 32, S. V- XLVIII.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Reformbestrebungen von Kardinal Otto Truchseß von Waldburg und die Durchführung des Interims in Augsburg - Basierend auf einer Quelle von Paul Hektor Mair
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie)
Veranstaltung
Grundmodul: Köln-Nürnberg-Paris: Städtische Lebensformen vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V61442
ISBN (eBook)
9783638548991
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit behandelt das Problem der Konfessionalisierung in Augsburg.
Schlagworte
Reformbestrebungen, Kardinal, Otto, Truchseß, Waldburg, Durchführung, Interims, Augsburg, Basierend, Quelle, Paul, Hektor, Mair, Grundmodul, Köln-Nürnberg-Paris, Städtische, Lebensformen, Spätmittelalter, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Harald Pohlschmidt (Autor), 2006, Die Reformbestrebungen von Kardinal Otto Truchseß von Waldburg und die Durchführung des Interims in Augsburg - Basierend auf einer Quelle von Paul Hektor Mair , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61442

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