Adler und Jung, die Abgrenzung zu Freud


Hausarbeit, 2004

20 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Vorwort/ Einleitung

1. Individualpsychologie

I. Was ist Individualpsychologie?

II. Biographie (Alfred Adler)

III. Schlüsselwörter

(1)Minderwertigkeit

(2)Kompensation

(3)Gemeinschaftsgefühl

(4)Lebensstil

2. Analytische Psychologie

I. Was ist analytische Psychologie?

II. Biographie (C. G. Jung)

III. Schlüsselwörter

(1)Persönliches Unbewusstsein

(2)Kollektives Unbewusstsein

(3)Symbol

(4)Traumdeutung

(5)ICH-Bewusstsein

(6)Selbst

(7)Individuation

(8)ICH-Werdung

(9)Selbst-Verwirklichung

3. Zusammenfassung/Abgrenzung zu Sigmund Freud

Literatur 20

Vorwort

Die Psychoanalyse war zu Beginn eine Triebpsychologie, sie wurde, ungefähr ab 1910, dann zu einer reinen Psychologie, in der organische Entwicklungen zwar noch in Gestalt des Triebbegriffs eine Rolle beibehielten, in der aber die psychische Welt das Wesentliche war: Phantasien, Wünsche und Vorstellungen. Sie stellen seitdem die Hauptgegenstände psychoanalytischen Forschens dar.

Dabei grenzt sich Psychoanalyse als Tiefenpsychologie oder Psychologie des Unbewussten von der übrigen Psychologie ab. Sie befasst sich mit der Psychologie unbewusster Prozesse. Die gesamte Theorie der Psychoanalyse bezieht sich somit auf Prozesse rein psychischer Natur. Dazu gehören Angst und Abwehrmechanismen, Funktion und Struktur des ICH’s, die Objektbeziehungen, das Selbst sowie die Krankheitslehre (Psychopathologie: Psychosen, Neurosen, etc.).

Nicht nur Sigmund Freud - der wohl bekannteste Entwicklungspsychologe -, auch Erik Erikson, Alfred Adler, Carl Gustav Jung und viele andere waren erfolgreiche (bekannte) Psychoanalytiker, deren Grundsteine bis in die heutige Zeit reichen.

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich den Theorien von Alfred Adler und Carl Gustav Jung näher zuwenden. Bei der Herangehensweise stellte ich mir vor allem folgende wichtige Fragen:

A. Adler und C. G. Jung waren Freud’sche Schüler. Wie kam es dazu, dass sich Adler und Jung von Freud abgrenzten? Welche Gründe führten zur „Trennung“ und was sind nun die wesentlichen Unterschiede der Theorien?

1. Individualpsychologie: Alfred Adler (1870 – 1937)

I. Was ist Individualpsychologie?

„Die Bezeichnung >Individualpsychologie< ist irreführend, legt sie doch die Vermutung nahe, dass diese Psychologie im Gegensatz zur Sozialpsychologie steht. Ganz im Gegenteil aber ist die Adler’sche Individualpsychologie eine Sozialpsychologie, die den Menschen nicht isoliert, sondern in seinen gesellschaftlichen Beziehungen sieht. Adler hat diese Bezeichnung gewählt, um seine Psychologie abzugrenzen von psychologischen Betrachtungsweisen, die die Person in einzelne Elemente zerlegen“
(Jacoby, Henry; 1974; S. 1)

Der Begriff selbst leitet sich ab von dem lat. Wort individuus = unteilbar. Alfred Adler, bezeichnete damit eine unteilbare Ganzheit des Menschen; das „einheitliche Wesen“.

II. Biographie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alfred Adler (Bild rechts) ist der Schöpfer der Individualpsychologie. Er kam am 07.02.1870 als zweiter Sohn in der Nähe von Wien zur Welt, wo er auch die meiste Zeit seines Lebens verbrachte. Bis zu seinem 4. Lebensjahr konnte A. Adler nicht laufen, denn er litt an Rachitis*.

Während seines 5. Lebensjahres wäre er fast an Pneunomie** gestorben.

Unter Beeinflussung seiner eigen erlebten „Organminderwertigkeit“ soll auch sein späteres theoretisches Konzept entstanden sein. 1888 begann A. Adler das Fach Medizin an der Universität in Wien zu studieren. Während seiner Studienzeit lernte er auch seine spätere Frau Raissa Timofeyewna kennen. Sie kam zum Studieren aus Russland nach Wien. 1895 machte A. Adler seinen Abschluss in Medizin, zwei Jahre später heiratete er.

Er gründete seine Arztpraxis in einem sozial schwächerem Viertel in Wien, gegenüber dem Prater, einem Unterhaltungspark. Ein Großteil seiner Patienten waren Zirkusartisten, darum wird vermutet, dass A. Adler deren ungewöhnlichen Fähigkeiten weitere Einsichten über organische Minderwertigkeit und ihrer Kompensation eröffnet haben (vgl. Furtmuller 1964). Weiterhin ließ A. Adler sich zum Augenarzt, Internisten und Neurologen ausbilden. Zur Begegnung mit Freud kam es dann 1902. Er arbeitete bis 1911 sehr intensiv mit Freud zusammen, wobei er immer Wert darauf legte, dass er kein Schüler, sondern ein Mitarbeiter Freuds sei. 1907 veröffentlichte A. Adler sein Werk „Studie über Minderwertigkeit von Organen“. Freud rühmte die Intelligenz und Ursprünglichkeit von Adler. Freud versuchte die in seinen Augen wohl originellen Adlerschen Gedankengänge in sein psychoanalytisches System zu integrieren. Sigmund Freud lud A. Adler zu den Diskussionsrunden der Gesellschaft ein und ernannte ihn zum Präsidenten der Wiener Gesellschaft der Psychoanalytiker und zum Co-Editor der Organisationszeitung. Im Gegensatz zu Freud, soll A. Adler das Leben eines kleinen Bürgers, fleißig, bescheiden und ohne groß von sich reden zu machen gelebt haben.

Erst 1911 kam es zum Bruch mit Freud, da A. Adler später an der

Ubiquität* des Ödipus-Komplexes, an der Libido-Theorie, am psychischen Determinismus**, an der Wunscherfüllungs-Theorie der Träume und anderen Ansätzen von Freud zweifelte. Adler und neun weitere Mitglieder der Gesellschaft traten somit aus und gründeten die Gesellschaft Freier Psychoanalytiker. Diese Organisation wurde die Gesellschaft für individuelle Psychologie, auch „Individualpsychologische Vereinigung“ genannt. In der Zeit bis etwa 1933 publizierte A. Adler noch einige weitere Werke seiner Theorie.

Im 1. Weltkrieg diente Adler an der russischen Front und später in einem Kinderhospital als Militärarzt in der österreichischen Armee. Nach dem Krieg arbeitete er weiter an seiner individualpsychologischen Theorie und Praxis, die er immer mehr als ein Heilmittel für die an Machtwahn erkrankte Welt verstand. Außerdem war er in verschiedene Projekte involviert, u.a. in der Lehrausbildung und an Universitätskliniken. A. Adler versuchte zudem zusammen mit seinen Mitarbeitern das Wiener Schulwesen zu reformieren. Er wollte die starre Autorität in der Schule abbauen und die Schule zu einer Lerngemeinschaft machen, die auf gegenseitiger Unterstützung beruhen kann. In vielen Erziehungsberatungsstellen wurden Eltern, Lehrer, Ärzte und Sozialarbeiter anhand von Beispielen Möglichkeiten eines freieren Umgangs mit Kindern aufgezeigt. Bis dann 1931 die individualpsychologische Versuchsschule durch Oskar Spiel, Ferdinand Birnbaum und Franz Scharmer eröffnet wurde.

1926 zog es A. Adler das erste Mal nach Amerika, wo er verschiedene Vorlesungen hielt und eine Gastprofessur für Medizinische Psychologie an der Long Island College of Midicine - University in New York annahm. Seid Mitte der Zwanziger Jahre fand A. Adler immer mehr Anerkennung auf dem Gebiet der Kinderpsychologie und der Beziehungspsychologie innerhalb von Familien in Mitteleuropa und den USA. Ende der Zwanziger Jahre konzentrierte sich A. Adler fast ganz auf die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und zwischen Mann und Frau.

1934 verließ A. Adler mit seiner Familie endgültig Wien und lebte lange Zeit im Staate New York. Am 28. Mai 1937 verstarb Alfred Adler bei einer Vortragsreihe in Schottland an einem Herzinfarkt.

III. Schlüsselwörter der Individualpsychologie:

(1) Minderwertigkeit

Im Zentrum der Theorie von A. Adler steht das Minderwertigkeitsgefühl. Die Möglichkeit der individuellen Vererbung lehnte A. Adler ab. Als Säugling ist der Mensch hilflos, schwach, abhängig und auf die Fürsorge seiner Bezugsperson (Mutter, Vater…) angewiesen. Kleinkinder fühlen sich in der Welt der Erwachsenen minderwertig, da sie sich z.B. häufig mit älteren Kindern oder ihren Eltern vergleichen. Aber gerade diese Minderwertigkeit ist lt. Adler die treibende Kraft des Kindes. Aus dieser Kraft heraus werden Ziele gesetzt und versucht zu erreichen. Wer sich vollkommen fühlt, ist nicht mehr motiviert zu lernen. Ebenso können bestimmte Erfahrungen in der frühen Kindheit, die z.B. negativ waren oder die Selbstbewertung negativ beeinflussen, das Gefühl der Minderwertigkeit zu einem Minderwertigkeitskomplex verstärken. Dies könnte der Grundstock zu neurotischen Entwicklungen sein.

[...]


* Rachitis [die; griechisch] englische Krankheit

durch Störung des Calcium- und Phosphatstoffwechsels charakterisierte Erkrankung, die auf Vitamin-D-Mangel beruht. Sie führt zu typischen Veränderungen des Skeletts (u. a. Verunstaltung des Brustkorbs [Hühnerbrust] und des Beckens sowie zu Verkrümmungen der Beine und der Wirbelsäule). Weitere Anzeichen sind u. a.: schlechtes Gedeihen, Muskelschwäche, Schwitzen am Hinterkopf und Nacken, verspätetes oder ausbleibendes Sitzen- und Stehen- bzw. Gehenlernen, Wachstumsrückstand (rachitischer Zwergwuchs); besonders gefährdet sind falsch ernährte Säuglinge und Kleinkinder, vor allem in der dunklen Jahreszeit. Zur Behandlung und Vorbeugung dienen daher vitaminreiche Ernährung, Vitamin-D-Präparate und ausreichende Sonnenbestrahlung bzw. Höhensonne, da die Vitamin-D-Bildung in der Haut unter Einwirkung von UV-Licht auf eine Vorstufe erfolgt.

** Pneunomie, Lungenentzündung, <auch> Pneu | mo | nek | to ' mie <f. 19> operative Entfernung eines Lungenflügels; oV Pneumektomie [<grch. pneumon „Lunge“ + Ektomie ]

* U|bi | qui | tät f. 10 nur Sg. 1. Allgegenwart; 2. überall erhältl. Ware.
“[…]Überwiegend in der Biologie taucht folgende Bedeutung auf: Ubiquität bedeutet hier das "Nicht-Gebunden-Sein" einer Spezies an einen bestimmten Standort oder Lebensraum.“

** De | ter | mi | nis | mus m. Gen. – nur Sg. philosoph. Lehre, dass 1. alle Vorgänge vorbestimmt seien, 2. der menschl. Wille von äußeren Ursachen abhängig und daher nicht frei sei; Ggs.: Indeterminismus

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Adler und Jung, die Abgrenzung zu Freud
Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Oldenburg  (FB Sozialwesen)
Veranstaltung
Grundlagen der Entwicklungspsychologie
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V61573
ISBN (eBook)
9783638550048
ISBN (Buch)
9783640860845
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adler, Jung, Abgrenzung, Freud, Grundlagen, Entwicklungspsychologie
Arbeit zitieren
Anke Hartwig (Autor), 2004, Adler und Jung, die Abgrenzung zu Freud, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61573

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