Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Sozialstaat ist nicht neu, sondern stellt sich schon seit einigen Jahren. Ich möchte sie in dieser Arbeit aufgreifen und wissenschaftliche Ergebnisse dazu darstellen, um mich anschließend der Frage noch einmal zuzuwenden.
Zunächst möchte ich zu diesem Zweck die Ausgangssituation darstellen, in der die Frage erörtert wurde. Diese Darstellung beschreibt zum einen die wirtschaftliche Situation bzw. Entwicklung der BRD, zum anderen den Sozialstaat. Was letzteres betrifft, möchte ich sowohl auf den Sozialstaat im allgemeinen als auch in seiner spezifisch deutschen Ausprägung eingehen. Anschließend möchte ich mich genauer der Frage zuwenden, inwiefern ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Sozialstaat besteht. Dabei möchte ich die Ergebnisse von Sven Jochem und Nico Siegel sowie von Gerhard Bäcker, Reinhard Bispinck, Klaus Hofemann und Gerhard Naegele heranziehen. Jochem und Siegel konzentrieren sich in ihren Ausführungen eher auf den Fakt, dass der deutsche Sozialstaat vorwiegend beitragsfinanziert ist, während Bäcker, Bispinck, Hofemann und Nagele darüber hinausgehende Punkte ansprechen und den Punkt, dass der Sozialstaat beitragsfinanziert ist, nur kurz streifen. In einem Fazit möchte ich die Ergebnisse anschließend kurz zusammentragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangssituation in Deutschland
2.1. Die wirtschaftliche Situation
2.2. Der Sozialstaat im allgemeinen und in der deutschen Ausprägung
3. Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Sozialstaat
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Fragestellung, inwiefern der deutsche Sozialstaat mitverantwortlich für die hohe Arbeitslosigkeit ist und ob eine Reduzierung sozialstaatlicher Leistungen zwangsläufig zu einer Belebung der Wirtschaft und einer höheren Erwerbstätigkeit führt.
- Analyse der wirtschaftlichen Situation und Beschäftigungsperformanz in Deutschland
- Definition und Charakterisierung des deutschen Sozialstaats
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sozialversicherungssystem und Arbeitslosigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit der These der beschäftigungshemmenden Wirkung von Lohnnebenkosten
- Bewertung des Sozialstaats als produktiver und stabilisierender Faktor
Auszug aus dem Buch
3. Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Sozialstaat
Die politische Diskussion in Bezug auf die Arbeitslosigkeit hat sich in den letzten Jahren vermehrt der Frage zugewandt, ob die Ursache der Arbeitslosigkeit der Sozialstaat ist (vgl. Jochem/Siegel 1999, S.9). Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da die empirischen Beweise (noch) spärlich sind. Ich möchte mich bei der Beantwortung auf die Ergebnisse von Nico Siegel und Sven Jochem sowie von Gerhard Bäcker, Reinhard Bispinck, Klaus Hofemann und Gerhard Naegele stützen.
Zunächst einmal stellen Siegel und Jochem fest, dass es 3 Befunde über den Zusammenhang zwischen Sozial(versicherungs)staat und Beschäftigungsperformanz gibt, die da wären: das Beschäftigungsniveau ist in der BRD im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich; es gibt eine mangelnde Beschäftigungsperformanz im Dienstleistungssektor; von einem ausgebauten Sozialstaat gehen negative Beschäftigungsimpulse auf die Dienstleistungen im niedrig-produktiven Bereich aus (vgl. Jochem / Siegel 1999, S.10).
In Bezug auf den beitragsfinanzierten Wohlfahrtsstaat stellen Siegel und Jochem zunächst fest, dass dieser auch als Problemabsorber fungieren kann, z.B. im Falle der Frühverrentungspolitik (vgl. Jochem / Siegel 1999, S.12), dass aber die 630 Mark-Jobs, die ja nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen, die „Quasi-Nichtbesetzung von Lohnsegmenten aufgrund fehlender Anreizstrukturen für Arbeitnehmer und wachsender Gesamtlohnkosten für Arbeitgeber“ (Jochem/Siegel 1999, S. 16) fördern. Hier wird schon deutlich, dass man bei Beantwortung der Frage, ob der Sozialstaat für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich ist, zwischen den einzelnen Teilen des Sozialstaats differenzieren muss und eine Pauschalantwort nicht möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte um den Sozialstaat vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosenzahlen ein und legt die methodische Vorgehensweise zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sozialstaat und Arbeitslosigkeit dar.
2. Die Ausgangssituation in Deutschland: Dieses Kapitel skizziert die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren und definiert den Sozialstaat als Institutionengefüge, das den Marktprozess steuernd ergänzt.
3. Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Sozialstaat: Hier werden wissenschaftliche Ergebnisse diskutiert, die aufzeigen, dass der Einfluss des Sozialstaats nicht pauschal beurteilt werden kann, da einzelne Elemente sowohl hemmend als auch stabilisierend auf die Beschäftigung wirken.
4. Fazit: Das Kapitel fasst zusammen, dass kein eindeutiger Kausalzusammenhang zwischen dem Sozialstaat als Ganzes und der Arbeitslosigkeit besteht und fordert eine differenzierte Betrachtung einzelner sozialpolitischer Instrumente.
Schlüsselwörter
Sozialstaat, Arbeitslosigkeit, Beschäftigungsperformanz, Sozialversicherung, Lohnnebenkosten, Niedriglohnsektor, Sozialpolitik, Wirtschaftsstandort, Arbeitsmarktanreize, Sozialleistungsquote, Beschäftigungsniveau, Strukturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verbreitete These, ob der Sozialstaat in Deutschland die Hauptursache für die hohe Arbeitslosigkeit darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, die Struktur des Sozialversicherungssystems sowie die Auswirkungen sozialpolitischer Maßnahmen auf die Arbeitsnachfrage und das Arbeitsangebot.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte darüber zusammenzuführen, ob ein Abbau des Sozialstaats automatisch zu mehr Beschäftigung führt, oder ob die Zusammenhänge wesentlich komplexer sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, indem sie die Forschungsergebnisse renommierter Autoren wie Jochem, Siegel, Bäcker u.a. gegenüberstellt und kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die wirtschaftliche Lage Deutschlands, definiert den Sozialstaat und prüft anhand empirischer Indikatoren den Einfluss von Beiträgen und Leistungen auf die Beschäftigungsdynamik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialstaat, Beschäftigungsperformanz, Lohnnebenkosten, Niedriglohnsektor und Sozialversicherungspolitik.
Welche Rolle spielt die Beitragsfinanzierung für den Arbeitsmarkt?
Laut der in der Arbeit zitierten Forschung haben besonders die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung einen negativen Effekt auf das Beschäftigungsniveau, insbesondere im Niedriglohnsektor.
Gibt es Belege für eine verbreitete Arbeitsunwilligkeit?
Nein, die Arbeit stellt fest, dass es keine repräsentativen Belege für eine mangelnde Anpassungsbereitschaft gibt; das Kernproblem liegt eher in einer Diskrepanz zwischen offenen Stellen und Arbeitssuchenden.
- Quote paper
- Sarah Kleefuß (Author), 2005, Welche Auswirkungen hat der Sozialstaat auf die Arbeitslosigkeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61623