Entstehen, Niedergang und Organisation der Hanse


Hausarbeit, 2002
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Kaufmannshanse zur Städtehanse
2.1. Das Entstehen der Hanse als Kaufmannshanse
2.2. Die Städtehanse formiert sich

3. Die Organisation der Städtehanse
3.1. Die Mitglieder der Hanse
3.2. Die Tagungen der Hanse
3.3. Die vier Kontore

4. Der hansische Handel
4.1. Handelsraum und Handelsgüter
4.2. Der hansische Kaufmann
4.3. Das Münzwesen
4.4. Die Schiffe

5. Das Verhältnis der Hanse zu den Territorialherren

6. Der Niedergang der Hanse

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff der Hanse stammt aus dem althochdeutschen Sprachschatz und bedeutet übersetzt etwa soviel wie "Bund, Schar, Gemeinschaft". Eine bedeutungsgeschichtliche Untersuchung des Wortes erweist sich allerdings als wenig ergiebig, da der Begriff in verschiedenen Variationen verwendet wurde und somit keine Aufschlüsse über das Wesen der Hanse erlaubt.[1]

Die Hanse lässt sich als historisches Phänomen nur sehr schwer mit gewöhnlichem kategorialem Denken, welches auf modernen staatsrechtlichen Begriffen fusst, erfassen. Weder die Rechtsnatur der Hanse noch die Frage, wer eigentlich zur Hanse gehörte und wer nicht, lässt sich damit in irgendeiner Weise zu-friedenstellend beschreiben. Gleichwohl war die deutsche Hanse, deren Organisationsmerkmale zu ihrer Blütezeit als Städtehanse Schwerpunkt dieser Darstellung sein sollen, lebenskräftige Wirklichkeit. Neben der Organisationsstruktur und einer Beschreibung des Handelswesens sollen auch das Entstehen und der Niedergang der Hanse dargestellt werden.

Die deutsche Hanse entstand ursprünglich als ein Zusammenschluss von norddeutschen Kaufleuten zur Förderung ihres Handels. In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde dieser Bund in eine Städtegemeinschaft umgewandelt. Der Hanse gehörten in ihrer Blütezeit nahezu 2ää See- und Binnenstädte an, sie erreichte ein Gebiet von 1500 km Länge von der Zuidersee bis zum Finnischen Meerbusen.

Einen genau bestimmbaren Zeitpunkt des Anfangs und des Endes der Existenz der Hanse gibt es nicht, die Hanse ist nie im eigentlichen Sinne gegründet worden. Es lässt sich diesbezüglich lediglich sagen, dass sich ihre Geschichte zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert vollzog.

Waren Städtebünde wie z.B. der oberitalienische Lombarden-bund in erster Linie zu politischen Zwecken, zur Verteidigung der Autonomie und des Rechtsstatus ins Leben gerufen worden, so entstand die Hanse im wesentlichen aus wirtschaftlichen Zwecken. Die Mittel, mit denen die Hanse ihre Ziele verfolgte, waren dann auch im wesentlichen diplomatischer Natur. Die Hanse war in ihrer Struktur während ihrer ganzen Geschichte immer eine sehr lockere, auf Freiwilligkeit beruhende Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz war die Hanse aber gleichzeitig immer eine aus ihrer wirtschaftlichen Vormachtstellung heraus entstandene permanente politische Macht.[2]

2. Von der Kaufmannshanse zur Städtehanse

2.1. Das Entstehen der Hanse als Kaufmannshanse

Ein Gründungsdatum der Hanse gibt es nicht. Auch lässt sich kein Zeitpunkt nennen, an dem die Hanse "fertig" dasteht. Die Hanse war eine natürlich gewachsene Vereinigung, welche über viele Etappen wie z.b. der Ostkolonisation, der Gründung Lübecks 1159 als Tor Westeuropas nach Osten oder der Bildung der Gotländischen Genossenschaft zu der Hanse als der Gemeinschaft der im Ost- und Nordseeraum privilegierten Kaufleute führte.[3]

Die Geschichte der Hanse war geprägt von zwei Hauptetappen. Zuerst bildete sich die Kaufmannshanse, welche dann im 14. Jahrhundert in die Städtehanse überging. Dieser Übergang von der älteren Kaufmannshanse in die Städtehanse gilt allgemein als ein epochaler Einschnitt hansischer Geschichte. In ihrem Wesen änderte sich allerdings wenig, die Hanse blieb immer eine Hanse der Kaufleute, welche die Träger des Handels und die Nutznießer der Privilegien waren. Kaufmannshanse und Städtehanse waren nicht etwas von Grund auf Verschiedenes, der Unterschied beider Hanseetappen ist im Kern in einer Verschiebung der äußeren Struktur und Organisation der Hanse zu sehen. Die Hanse war in ihrer Werdezeit wie in ihrer Blütezeit mit all ihren Unzulänglichkeiten immer das Werk der Kaufleute und der Städte zugleich.[4]

Die Kaufmannshanse war der Zusammenschluss von Kaufleuten am auswärtigen Handelsort. In der Mitte des 12. Jahrhunderts begann ein verstärkter Zustrom der Deutschen in Richtung Osten. In diese Zeit fällt unter anderem die bereits erwähnte Gründung Lübecks, welche als Handelsstadt einen raschen Aufstieg nahm und in der Hanse eine bedeutende Führungsrolle spielte.

Das Resultat der Ostkolonisation war, dass die bis dahin vornehmlich von Slawen und Skandinaviern beherrschte Ostsee unter einen starken Einfluss deutscher Kaufleute geriet.[5] Mit der wachsenden Besiedlung des Ostens wuchs zudem auch dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, das Ostseegebiet wurde mit der Nordsee allmählich zu einem zusammenhängenden Kultur- und Handelsgebiet. Der Ost-West-Handel erhielt neue Dimensionen. Die Kaufleute des Ostens konnten dabei schnell eine bedeutende Stellung erringen, da sie das reiche Wirtschaftsgebiet des Ostens, welches sie erschlossen hatten, in die Märkte Nordwesteuropas einbringen konnten. Die an Größe und Leistungsfähigkeit zunehmenden Städte des Westens konnten ihren Bedarf an Nahrungsmitteln und Rohstoffen im Osten decken und waren gleichzeitig von ihm als Absatzmarkt abhängig. So erlangten die Kaufleute aus dem Osten im Ost-West-Handel eine Schlüsselstellung.[6]

Gotland war in jener Zeit für den Ostseehandel von immanenter Bedeutung. Es war deshalb eine Bestrebung der Deutschen, sich mit den Gotländern zu verständigen. Dies geschah mit der Gründung der Genossenschaft der Gotland besuchenden Deutschen.[7] Diese Gotländische Genossenschaft entwickelte sich rasch. Sie lässt sich gewissermaßen - als Frühform hansischer Organisation - als deren Keimzelle und Ursprung bezeichnen.[8]

Man breitete von Gotland ausgehend den Handel schnell auf die Küstenländer der Nord- und Ostsee aus, gründete Niederlassungen und erlangte von den Fürsten Privilegien. Man griff nach Russland und Livland aus, wobei vor allem Nowgorod das bevorzugte Ziel der Gotlandfahrer war. Es bestand dort ein großer Markt für Ostwaren, Pelze und Wachs.

Im Osten Deutschlands wurden in jener Zeit viele neue Städte gegründet, welche hauptsächlich von Lübeck aus geplant und von dort auch mit Gründerkaufleuten bevölkert wurden. In jener Zeit wurden unter anderem die Hansestädte Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald gegründet. Die Genossenschaft der Gotlandfahrer schaffte es als treibende Kraft innerhalb eines Jahrhunderts, die führende Handelsrolle in Nord- und Ostsee zu übernehmen. Mit der Expansion des Handels begann auch der Niedergang der Gotländischen Genossenschaft, welche seit der Mitte der Mitte des 13. Jahrhunderts im Grunde nur noch theoretisch bestand. Die sich entwickelnden Städte begannen, an die Stelle der Genossenschaft zu treten.[9]

2.2. Die Städtehanse formiert sich

Die Städte begannen, Beziehungen zueinander aufzunehmen und ihre politische Autorität zu vergrößern. Es zeigte sich, dass eine genossenschaftliche Organisation von Kaufleuten den Aufgaben, welche mit der Ausweitung ihrer Tätigkeit und den sich daraus ergebenden Konflikten, die sich aus der Wahrung ihrer Interessen ergaben, nicht mehr gewachsen waren.[10]

Die Stadt als geschützter, rechtlich privilegierter und politisch autonomisierter Raum war die Grundlage der hansischen Struktur in ihrer Blütezeit. Die Städte fungierten sowohl als überregionaler Sammelmarkt als auch als lokaler Nahmarkt und Gewerbestandort. Die Stadt stellte das eigentliche Basisorgan des Hansebundes dar. Sie zeichnete sich vor allem durch zwei Merkmale aus:

1. "1. Die Stadt war als politisch - rechtliche Bürgergemeinde die einzige, mit allen Mitteln ausgestattete Macht, die sich gegenüber den Bürgern und Bewohnern unmittelbar Geltung verschaffen konnte.
2. Die Stadt stellte als Mitglied des Bundes sein grundlegendes Element dar, und sie erhielt von der Gesamtheit der Mitgliedsstädte Befugnisse hinsichtlich eventueller bündischer Funktionen."[11]

Die Städte waren Träger der hansischen Aktivitäten. Man kannte in den Städten keine rechtlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Bürgern. In den Städten herrschte Rechtsgleichheit. Aus diesem Grunde versuchten die Städte auch, jede Personengruppe, die Privilegien für sich in Anspruch nehmen konnten (Geistliche, Ritter), möglichst fernzuhalten. Dies führte mitunter zu heftigen Auseinandersetzungen insbesondere mit der Kirche.[12]

Hinsichtlich der sozialen Beziehungen gab es je nach Berufsstand unterschiedliche Rangordnungen. Da die Hansestädte Handelsstädte waren, nahmen natürlicherweise die Kaufleute die vornehmste Stellung ein. Nur selten hatten Handwerker ein öffentliches Amt inne. In allen größeren Städten waren Kaufmannschaft und Stadtregiment gleichbedeutend. Diese Sonderstellung der Kaufmannschaft brachte es mit sich, dass diese viel weniger der regulierenden Hand der Stadtregierung unterworfen waren wie die übrigen Bewohner. Während alle anderen Betätigungsgebiete der Ordnungsgewalt des Rates unterworfen waren, blieb die Kaufmannschaft von jeglicher Zwangsorganisation fast frei.[13]

Angesichts des zunehmenden Verfalls der Reichsgewalt formierten sich immer mehr Städte zu Städtebündnissen zusammen. (z.B. der Rheinische Bund 1254). Man wollte damit der wirtschaftlichen Macht durch Selbsthilfe Ordnung und Frieden verschaffen, Handel und Verkehr sichern und die erworbenen Rechte und Freiheiten gegen jegliche Übergriffe absichern.[14] In dieser Zeit trat auch Lübeck aufgrund seiner Lage, seiner materiellen Überlegenheit und der Gefolgschaft der einflussreichen übrigen wendischen Städte an die Stelle von Gotland als Knotenpunkt der Hanse. Nach der Überwindung erster Kraftproben[15] unter der Führung Lübecks fanden die Städte allmählich zu einem festen Zusammenhalt. Schwierigkeiten gab es aber insbesondere mit Dänemark, das immer wieder im Verlauf des 14. Jahrhunderts die Hanse ernstlich bedrohte. Erst der am 24.05.1370 besiegelte Friede von Stralsund gab den deutschen Kaufleuten ihre Freiheiten des Handels in Dänemark zurück. Dieser durch die sogenannte Kölner Konföderation[16] erzielte Triumph über Dänemark hatte "... die Hanse als neue Macht in Europa ausgewiesen, die zwar nicht souverän war, da die Städte rechtlich verschiedenen Herren unterstanden, die aber den Willen und die Fähigkeit besaß, ihre Handelsinteressen notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen. Es gab nichts Vergleichbares im damaligen Europa."[17]

[...]


[1] vgl. Henn 1989, S.15f.

[2] vgl. Dollinger 1989, S.9

[3] vgl. Henn 1989, S.19

[4] vgl. ebd., S. 19f.

[5] vgl. Daenell (Bd.1) 1905/73, S.3

[6] vgl. Pagel 1983, S.47

[7] vgl. Dollinger 1989, S.41

[8] vgl. Pagel 1983, S.28

[9] vgl. Dollinger 1989, S.65f.

[10] vgl. Pagel 1983, S.48

[11] Wernicke 1983, S.87

[12] vgl. Pagel 1983, S.158

[13] vgl. ebd., S.

[14] vgl. Pagel 1983, S.48

[15] z.B. Boykott gegen Brügge, Handelsperre gegen Norwegen

[16] es handelte sich dabei um ein Kriegsbündnis verschiedener Hansestädte gegen Dänemark

[17] Pagel 1983, S.63

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Entstehen, Niedergang und Organisation der Hanse
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Wirtschafts- und Kulturgeschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Mediävistik
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V6163
ISBN (eBook)
9783638137997
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehen, Niedergang, Organisation, Hanse, Einführung, Mediävistik
Arbeit zitieren
Thorsten Lemmer (Autor), 2002, Entstehen, Niedergang und Organisation der Hanse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6163

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Entstehen, Niedergang und Organisation der Hanse


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden