Einleitung
1.1 Problemstellung und Untersuchungsziel
Die Unternehmenstätigkeit auf dem freien Markt ist grundsätzlich für jedes Unternehmen mit Risiken verbunden. Risiken sind ein integraler Bestandteil der Geschäftstätigkeit.
Sie werden jedoch bewusst in Kauf genommen, um die Gewinnpotentiale des
Marktes erschließen zu können. Erfolgreich sind Unternehmen, die eine Kontrolle über ihre Risikopositionen ausüben, die diese identifizieren, bewerten und steuern können und gleichzeitig ihre Chancen wahrnehmen. Risiken und Chancen sind zwei Seiten der selben Medaille, die sich gegenseitig bedingen, aber in ihren Potentialen gesteuert werden können. Für eine erfolgreiche Unternehmenstätigkeit ist somit eine zielorientierte, bewusste und systematische Auseinandersetzung mit Risiken und Chancen erforderlich. Ein effektives und effizientes Risikocontrolling (RC) kann diesen Anforderungen gerecht werden. Das Operieren des RC im Spannungsfeld zwischen Verlustvermeidung und Ertragsrealisierung stellt dabei besonders hohe Anforderungen und kann bei erfolgreicher Umsetzung daher einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil begründen. Der Einfluss
des RC auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat vor allen Dingen durch die Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, die Globalisierung und dem daraus resultierenden weltweiten Wettbewerb wesentlich an Gewicht
gewonnen. Besonders nachdrücklich wirken sich diese Entwicklungen dabei auf die Medienbranche aus. Deswegen besteht hier ein außerordentlich hoher Bedarf an einem effektiven RC.
Da sich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Medienbranche in den letzten Jahren zudem wesentlich erhöht hat, ist es verwunderlich, dass es in der wissenschaftlichen Literatur, an einer diesem Stellenwert angemessenen Thematisierung der betriebs- und volkswirtschaftlich drängenden Relevanz eines effektiven Risikocontrolling in Medienunternehmen (MU) mangelt. Um diesem Missstand entgegenzutreten, beschäftigt sich diese Diplomarbeit ausführlich mit einem effektiven Risikocontrolling in MU
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Untersuchungsziel
1.2 Gang der Untersuchung
2 Grundlagen des Risikocontrolling
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.1.1 Risikobegriff
2.1.2 Risikomanagement und Risikocontrolling
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen für das Risikocontrolling
2.2.1 KonTraG, Sarbanes-Oxley-Act und Basel II
2.2.2 Weitere rechtliche Vorschriften
2.3 Risikopolitische Grundsätze als Voraussetzung eines erfolgreichen Risikocontrolling
2.4 Risikomanagement-Prozess
2.4.1 Risikoidentifikation und Risikoanalyse
2.4.2 Risikobewertung
2.4.3 Risikosteuerung
2.4.4 Risikoüberwachung
2.5 Prozessüberwachung
2.6 Risikokommunikation und Risikodokumentation
3 Medienunternehmen und deren Risiken
3.1 Begriffsabgrenzung und Besonderheiten von Medienunternehmen
3.2 Arten von Medienunternehmen
3.3 Aktuelle Herausforderungen für Medienunternehmen
3.4 Risiken ausgewählter Medienunternehmen
3.4.1 Risiken für Zeitungsverlage
3.4.2 Risiken privater Free-TV-Anbieter
4 Risikocontrolling in Medienunternehmen
4.1 Bedeutung des Risikocontrolling für Medienunternehmen
4.2 Auswirkung der rechtlichen Rahmenbedingungen auf Medienunternehmen
4.3 Instrumente des Risikocontrolling für ausgewählte Medienunternehmen
4.3.1 Balanced Scorecard als strategisches Instrument
4.3.2 Identifikation und Analyse von Risiken
4.3.2.1 Checklisten
4.3.2.2 Frühwarnsysteme
4.3.2.3 Szenario-Technik
4.3.3 Bewertung von Risiken
4.3.3.1 Scoring-Modelle
4.3.3.2 Risiko-Portfolios
4.3.4 Steuerung von Risiken
4.3.4.1 Risikovermeidung
4.3.4.2 Risikoverminderung
4.3.4.3 Risikoüberwälzung
4.3.4.4 Risikoakzeptanz
4.3.5 Überwachung der Risiken
4.4 Kommunikation und Dokumentation der Risiken
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Notwendigkeit und praktische Ausgestaltung eines effektiven Risikocontrolling in Medienunternehmen (MU) unter Berücksichtigung branchenspezifischer Besonderheiten und Herausforderungen wie der Digitalisierung und Globalisierung.
- Analyse der Grundlagen des Risikocontrolling unter rechtlichen Aspekten.
- Erörterung der branchenspezifischen Risiken für Zeitungsverlage und private Free-TV-Anbieter.
- Ableitung konkreter Instrumente wie Balanced Scorecard Plus, Frühwarnsysteme und Szenario-Technik.
- Bewertungsmethoden für qualitative und quantitative Risiken in Medienunternehmen.
- Strategien zur Risikosteuerung und Kommunikation innerhalb von Medienorganisationen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsabgrenzung und Besonderheiten von Medienunternehmen
Eine exakte, alle Erscheinungsformen umfassende Abgrenzung des Begriffs „Medienunternehmen“ erscheint insbesondere aufgrund der Breite medialer Leistungsangebote und der kontinuierlichen Fortentwicklungen von Kommunikationstechnologien geradezu aussichtslos. In der wissenschaftlichen Literatur wird regelmäßig zwischen einer engen und einer weiten Begriffsauffassung unterschieden. Ein enges Begriffsverständnis erfasst ausschließlich aktuell berichtende Massenmedien wie Fernsehen, Hörfunk, Anzeigenblatt, Zeitschrift und Zeitung. Diese enge Auffassung korrespondiert auch mit der Definition des Mediensektors durch die Monopolkommission.
Schon bei einer ersten, oberflächlichen Betrachtung der Medienbranche fällt ein wesentliches Charakteristikum auf, nämlich dass die angebotenen Produkte in der Regel aus zwei Komponenten bestehen. Zum einen beinhaltet das Mediengut eine immaterielle Komponente, einen Kommunikationsinhalt, der grundsätzlich eine Leistung im Sinne des Urheberrechts darstellt. Zum anderen ist dieser Kommunikationsinhalt regelmäßig an eine materielle Komponente gebunden, ein Trägermedium zum Transport der Inhalte (z.B. Papier, DVD-Rohling, Rundfunkwellen). Die Kommunikationsinhalte bestehen dabei aus gebündelten Informationen z.B. in Form von Nachrichten oder Unterhaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Risikocontrolling in Medienunternehmen ein und erläutert den Gang der Untersuchung.
2 Grundlagen des Risikocontrolling: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, beleuchtet rechtliche Rahmenbedingungen und beschreibt den Risikomanagement-Prozess.
3 Medienunternehmen und deren Risiken: Es werden Besonderheiten von Medienunternehmen sowie aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung analysiert, um spezifische Risiken für Zeitungsverlage und Free-TV-Anbieter abzuleiten.
4 Risikocontrolling in Medienunternehmen: Hier wird die praktische Umsetzung des Risikocontrolling durch spezifische Instrumente wie BSC+, Scoring-Modelle und Szenario-Techniken dargelegt.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit des Risikocontrolling zusammen und betont die Bedeutung proaktiver Maßnahmen für den Unternehmenserfolg.
Schlüsselwörter
Risikocontrolling, Medienunternehmen, Risikomanagement, Zeitungsverlage, Free-TV-Anbieter, Digitalisierung, Globalisierung, Balanced Scorecard, Frühwarnsysteme, Szenario-Technik, Risikobewertung, Risikosteuerung, Anzeigen-Auflagen-Spirale, Publizistische Qualität, Medienökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und der operativen Umsetzung eines Risikocontrolling-Systems speziell für die Medienbranche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Risikocontrolling, die Identifikation medienspezifischer Risiken und die Anwendung geeigneter Instrumente zur Risikoanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein effektives und effizientes Modell des Risikocontrolling für Zeitungsverlage und Free-TV-Anbieter zu erarbeiten, um deren Bestand und Erfolg in einem dynamischen Marktumfeld zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und entwickelt darauf aufbauend methodische Instrumente, wie beispielsweise eine adaptierte Balanced Scorecard für Medienunternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Besonderheiten von Medienprodukten (z.B. Erfahrungsgüter, duale Marktverbundenheit) und leitet daraus notwendige Prozessschritte für Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Risikocontrolling, Medienunternehmen, Digitalisierung und verschiedene Risiko-Management-Instrumente wie Frühwarnsysteme.
Warum ist das Risikocontrolling bei Medienunternehmen so anspruchsvoll?
Aufgrund der dualen Marktverbundenheit (Werbemarkt und Rezipientenmarkt) und der Unbestimmtheit von Input-Output-Relationen bei Medienprodukten ist das Risikomanagement in dieser Branche besonders komplex.
Was bedeutet die "Anzeigen-Auflagen-Spirale" im Kontext des Risikocontrolling?
Sie beschreibt den wechselseitigen Zusammenhang zwischen der Reichweite eines Medienangebots und dessen Werbeeinnahmen; ein Misserfolg auf einem Markt verstärkt das Risiko auf dem anderen, was für das Risikocontrolling als zentraler Beobachtungspunkt dient.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Kaufmann Jens Schiffgens (Autor:in), 2006, Risikocontrolling in Medienunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61649