Diese Arbeit befasst sich mit der „Frühzeit der globalen Umweltkrise“ und thematisiert den immer noch währenden Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie. Diese beiden Pole lassen sich Anfang der 1970er Jahre anhand der Industrieländer und weniger entwickelten Länder festmachen.
In den Industrieländern, ausgehend von den USA, nimmt die krisenhafte Wahrnehmung der Umwelt seit den 60er Jahren zu, nachdem Wissenschaftler auf die Verschwendung endlicher Ressourcen und die Überlastung der Natur durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum hingewiesen hatten. Der erste Bericht des Club of Rome, die „Grenzen des Wachstums“ , prognostizierte im Frühjahr 1972 einen drastischen Bevölkerungsrückgang in der Zukunft durch die Folgen exponentiellen Wachstums. Doch die sich anschließende Forderung nach einem Nullwachstum provozierte Kritik von allen Seiten, weil hier nichts weniger gefordert wurde, als die Umkremplung des gesamten weltwirtschaftlichen Systems, in dem sich Wachstum als Ziel jeglicher Politik durchgesetzt hatte.
Vermehrt kam es zu neomalthusianischen Forderungen, dass die Entwicklungsländer ihr rasches Bevölkerungswachstum unter Kontrolle bringen sollten, da dieses die Existenz der gesamten Menschheit gefährde. Dennoch spielten die Bedürfnisse der weniger entwickelten Länder bei der entfachten Wachstumsdebatte keine vordergründige Rolle. Dies änderte sich schlagartig mit der UNO-Umweltkonferenz in Stockholm 1972, die unter dem Motto „only one earth“ stand.
Wie reagierten die weniger entwickelten Länder auf die Besorgnisse der Industriestaaten? Welche Rolle spielte für sie Anfang der 70er Jahre das Verhältnis von Umwelt und Wachtum?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Umweltkrise in den Industrienationen
3 Der erste Bericht des Club of Rome
3.1 Reaktionen auf >Die Grenzen des Wachstums<
3.2 Das Bariloche Modell >Grenzen des Elends<
4 Auseinandersetzungen um Wachstum und Umwelt in der internationalen Politik Anfang der 70er Jahre
4.1 Founex als Ausgleich zwischen Entwicklung und Umwelt
4.2 >Only one earth<, die erste internationale „Umweltkonferenz“
5 Grundbedürfnisse und Cocoyoc
6 Fazit
7 Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Frühzeit der globalen Umweltkrise zu Beginn der 1970er Jahre und analysiert dabei den Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie aus der Perspektive der weniger entwickelten Länder, um deren spezifische Rolle und Reaktionen auf die damalige Wachstumsdebatte der Industrienationen kritisch zu beleuchten.
- Die Wahrnehmung der globalen Umweltkrise in den Industrienationen
- Die kritische Auseinandersetzung der weniger entwickelten Länder mit dem Club of Rome
- Die Bedeutung der Founex-Konferenz und der Stockholmer Umweltkonferenz für das Nord-Süd-Verhältnis
- Die Rolle der Dependenztheorie in der entwicklungspolitischen Diskussion
- Grundbedürfnisstrategien als Antwort auf klassische Wachstumsmodelle
Auszug aus dem Buch
3.1 Reaktionen auf >Die Grenzen des Wachstums<
Als mit der MIT-Studie die Frage aufkam, ob zur Bewältigung der Krise eine Art „Nullwachstum“ nötig sei, wandelte sich die Diskussion um eine angemessene Umweltpolitik in eine ideologische Auseinandersetzung um das bestehende Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. „Da Wachstum im Kapitalismus stets Wachstum des Kapitals ist, würde Nullwachstum die Abschaffung des Kapitalismus voraussetzen, denn das Kapital kann ohne zu akkumulieren nicht existieren.“
Neben dem großen weltweiten Interesse provozierte der Bericht damit harsche Kritik aus drei Richtungen. Die Ökonomen kritisierten neben der Ausklammerung technischen Fortschritts vor allem das Fehlen eines marktsteuernden Preismechanismus als zentrales Element neoklassischer Wirtschaftstheorie. Der Nobelpreisträger Simon Kuznets sah wie andere Wirtschaftswissenschaftler den „allgemeinen Gleichgewichtszustand“ als völlig unrealistisch an und stellte die Frage, wie technischer Umweltschutz ohne eine wachsende Wirtschaft überhaupt zu finanzieren sei. Auch nach Ansicht der Weltbank, eine der wichtigsten Entwicklungsorganisationen, wird das MIT Modell durch das völlige Außerachtlassen der Selbstregulierungs- und der Anpassungskräfte sowie des technologischen Fortschritts jeglicher Realität beraubt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Frühzeit der globalen Umweltkrise ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Nord-Süd-Konflikt im Kontext von Ökonomie und Ökologie.
2 Umweltkrise in den Industrienationen: Dieses Kapitel thematisiert die Entstehung der Umweltdebatte in den Industrieländern der 1960er Jahre, getrieben durch Umweltverschmutzung und die Sorge um endliche Ressourcen.
3 Der erste Bericht des Club of Rome: Es wird der Bericht „Grenzen des Wachstums“ analysiert, der das Wachstumsparadigma in Frage stellte und eine weltweite Debatte über ein Nullwachstum auslöste.
3.1 Reaktionen auf >Die Grenzen des Wachstums<: Hier werden die ideologischen Widerstände gegen das Nullwachstum und die Kritik von Ökonomen, Weltbank und Linken untersucht.
3.2 Das Bariloche Modell >Grenzen des Elends<: Das Kapitel stellt das als Gegenentwurf konzipierte Bariloche-Modell vor, das soziale Bedürfnisse über das reine ökologische Primat stellt.
4 Auseinandersetzungen um Wachstum und Umwelt in der internationalen Politik Anfang der 70er Jahre: Es wird untersucht, wie die Umweltkrise auf UN-Ebene zu einer internationalen politischen Herausforderung wurde.
4.1 Founex als Ausgleich zwischen Entwicklung und Umwelt: Dieses Kapitel erläutert den Versuch, Entwicklungsländer und Umweltbelange durch das Konzept des „Ecodevelopment“ in Einklang zu bringen.
4.2 >Only one earth<, die erste internationale „Umweltkonferenz“: Der Verlauf der Konferenz von Stockholm wird beleuchtet, wobei die Rolle der Entwicklungsländer als Interessenvertreter der „Dritten Welt“ im Fokus steht.
5 Grundbedürfnisse und Cocoyoc: Es wird die Deklaration von Cocoyoc thematisiert, die das Scheitern bisheriger Entwicklungspolitik kritisiert und auf Grundbedürfnisse statt bloßem Wachstum setzt.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Umweltkrise die internationale Staatenwelt dazu zwang, Umweltschutz und Entwicklung fortan untrennbar miteinander zu verknüpfen.
Schlüsselwörter
Umweltkrise, Club of Rome, Nullwachstum, Entwicklungsländer, Founex, Stockholm 1972, Dependenztheorie, Grundbedürfnisstrategie, Nord-Süd-Konflikt, Bariloche-Modell, Kapitalismus, Nachhaltigkeit, Umweltpolitik, Industrialisierung, Weltwirtschaftsordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Anfänge der globalen Umweltkrise in den 1970er Jahren und konzentriert sich dabei auf den Nord-Süd-Konflikt, insbesondere darauf, wie Entwicklungsländer auf die Forderungen nach Umweltschutz reagierten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Kritik am Wachstumsparadigma des Club of Rome, die diplomatischen Auseinandersetzungen auf der Stockholmer Umweltkonferenz und die theoretische Fundierung durch die Dependenztheorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu zeigen, dass für die weniger entwickelten Länder Entwicklung und Armutsbekämpfung vorrangig waren und sie den Umweltschutz der Industrienationen zunächst als Bedrohung ihrer eigenen wirtschaftlichen Aufstiegschancen wahrnahmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung offizieller Verlautbarungen, zeitgenössischer Dokumentationen, Konferenzberichten und politikwissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Im Hauptteil werden die Reaktion auf die „Grenzen des Wachstums“, die Founex-Konferenz, die Stockholmer Umweltkonferenz sowie die Cocoyoc-Deklaration detailliert gegenübergestellt.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Nord-Süd-Konflikt, Umweltkrise, Wachstumskritik, Entwicklungspolitik und ökologische Verantwortung sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Warum sahen die Entwicklungsländer den Umweltschutz als „Erstes Welt Phänomen“?
Da der Norden bereits einen hohen Wohlstand erreicht hatte, fürchteten die Entwicklungsländer, dass ökologische Auflagen den eigenen Industrialisierungsprozess verhindern und sie in der Rolle als unterentwickelte Agrarländer zementieren würden.
Inwiefern unterschied sich das Bariloche-Modell vom Bericht des Club of Rome?
Während der Club of Rome den Fokus auf die physischen Grenzen legte, betonte das Bariloche-Modell die sozialpolitischen Ursachen der weltweiten Probleme wie Machtverteilung und Armut als Kernprobleme.
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- Daniel Wendler (Author), 2006, Umwelt und Wachstum aus Sicht der weniger entwickelten Länder zu Beginn der 70er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61678