Die natürliche Entwicklung des Menschen ist vor allem durch eine schier unbegrenzte Anzahl von Möglichkeiten des Lernens und Erfahrens charakterisiert. Ständig bekommen wir neue Impulse, Ansichten zu entwickeln, eine eigene Identität zu bilden und individuelle Wünsche dabei zu äußern - ein Phänomen, dass sich grundsätzlich durch das ganze Leben zieht, in der Kindheit und Jugend allerdings besondere Ausprägung erfährt. Probleme der Sexualentwicklung, die in der Pubertät noch weltbewegend und essentiell waren, erscheinen uns bereits wenige Jahre später als nichtig oder sogar lächerlich. Was macht die Entdeckung der eigenen Sexualität in der Zeit des Heranwachsens also derart mysteriös und problematisch? Wie und wann kommt es überhaupt zur Bildung einer sexuellen Identität und warum ist es in unserem heutigen, aufgeklärten Zeitalter noch immer ein fast automatischer Vorgang, die in der Pubertät aufkommenden Wünsche, sexuellen Vorstellungen und -Gedanken geheim halten zu wollen? Mit diesen und weiteren Fragen der Sexualpsychologie soll sich folgender Text beschäftigen, wobei vor allem auf die Geheimnisbildung bei Entwicklung der autoerotischen Sexualität eingegangen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Entwicklung einer sexuellen Identität
2.1. Was versteht man eigentlich unter Sexualität?
2.2. Entwicklungsstufen der Sexualität
2.2.1. Sinnliche Erfahrungen vor der Geburt
2.2.2. Sinnliche Erfahrungen nach der Geburt
2.2.3. Die ersten Lebensmonate
2.2.4. Die ersten Lebensjahre
2.2.5. Der Schuleintritt
2.2.6. Die Pubertät
2.3. „Zeig mir Deins und ich zeig Dir meins!“ – das Geheimnis der „Doktorspiele“
3. Masturbation– ein Phänomen der Gegenwart?
3.1. Historischer Rückblick – das Masturbationsverbot des 18. Jahrhunderts
3.2. Masturbation heute
3.3. Wie Selbstbefriedigung zum Geheimnis werden kann
3.4. Der offene Umgang – soziale Determinanten der Sexualentwicklung
3.5. Eine Beispielstudie der BzgA
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Geheimnissen im Kontext der kindlichen und jugendlichen Sexualentwicklung. Dabei wird analysiert, wie sich sexuelle Identität bildet, warum autoerotische Handlungen häufig mit Scham oder Geheimhaltung verknüpft sind und welchen Einfluss soziale Rahmenbedingungen sowie die elterliche Erziehung auf einen gesunden Umgang mit der eigenen Sexualität haben.
- Phasen der menschlichen Sexualentwicklung von der Geburt bis zur Pubertät
- Die Rolle von Doktorspielen bei der Entdeckung der eigenen Identität
- Historische und gesellschaftliche Aspekte des Masturbationsverbots
- Differenzierte Betrachtung von Selbstbefriedigung im Jugendalter
- Der Einfluss elterlicher Aufklärung und Vertrauensbasis auf das Sexualverhalten
Auszug aus dem Buch
3.3. Wie Selbstbefriedigung zum Geheimnis werden kann
Für das Kind folgert aus einer distanzierten oder negierenden Haltung zur Masturbation, dass es schnell das Gefühl vermittelt bekommt, es würde etwas Schlechtes, Verbotenes tun, da durch das Verhalten der Eltern oder BetreuerInnen ein Teil ihrer Sexualität verleugnet oder abgelehnt wird. Es fühlt sich nicht akzeptiert, wie es ist und kann im schlimmsten Fall schwere Folgen aus dieser Botschaft davontragen.
Die Selbstvorwürfe, die der bzw. die Masturbierende sich macht, beziehen sich häufig auf das zentrale Charakteristikum – sozusagen das „Wesen“ - der Masturbation selbst. Denn dieses sagt aus, dass es sich dabei um eine agierende Person handelt, die sich sexuelle Befriedigung verschafft. Während dieses Aktes situiert sich die Person deutlich exklusiv, sie schließt gezielt andere Personen aus, will mit sich allein sein und empfindet jede andere Person als Störung, weswegen sie natürlich im Geheimen stattfindet. Die Anwesenheit weiterer Personen wird somit nicht nur unbrauchbar, sondern als hochgradig störend empfunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor führt in die Thematik der menschlichen Entwicklung ein und stellt die Frage, warum sexuelle Wünsche im Jugendalter häufig als geheimhaltungswürdig empfunden werden.
2. Entwicklung einer sexuellen Identität: Dieses Kapitel skizziert die verschiedenen Phasen der sexuellen Entwicklung von der Geburt bis zur Pubertät und beleuchtet die Bedeutung von Doktorspielen.
3. Masturbation– ein Phänomen der Gegenwart?: Es wird die historische Entwicklung des Masturbationsverbots sowie der aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Umgang mit dem Thema Selbstbefriedigung und soziale Einflussfaktoren analysiert.
Schlüsselwörter
Sexualentwicklung, Geheimnisbildung, Masturbation, Jugendsexualität, Identitätsfindung, Sexualaufklärung, Pubertät, Autoerotik, Doktorspiele, Kindheit, Sozialisation, Intimität, Selbstbefriedigung, Tabuisierung, Sexualpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit beleuchtet die Rolle von Geheimnissen im Prozess der sexuellen Reifung während Kindheit und Jugend und hinterfragt, warum sexuelle Erfahrungen oft tabuisiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Stufen der sexuellen Entwicklung, der Bedeutung von Doktorspielen, dem geschichtlichen Wandel des Masturbationsverständnisses und sozialen Faktoren der Sexualaufklärung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, ein Verständnis für die "normale" Sexualentwicklung zu fördern und aufzuzeigen, wie Eltern und Pädagogen durch Offenheit einer unnötigen Mystifizierung und Scham bei Jugendlichen entgegenwirken können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse unter Einbeziehung von sexualpsychologischen Theorien sowie Daten aus Beispielstudien der BzgA zur Jugendsexualität.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die Etappen der kindlichen Sexualentwicklung, die historische Entwicklung von Masturbationsverboten sowie die psychologischen Auswirkungen, die durch eine negierende Haltung des Umfelds entstehen können.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die zentralen Begriffe umfassen Sexualentwicklung, Geheimnisbildung, Masturbation, Aufklärung und das Recht auf Intimität.
Was unterscheidet Onanie von Masturbation gemäß der Definition in der Arbeit?
Die Autorin differenziert, dass der Begriff Onanie historisch oft spezifisch auf männliche Selbstbefriedigung bezogen wurde, während Masturbation als allgemeiner Begriff für das autoerotische Verhalten beider Geschlechter steht.
Warum spielt die Vertrauensbasis zu Hause eine so große Rolle?
Die Studie der BzgA zeigt, dass eine gute Vertrauensbasis zu den Eltern die Chance erhöht, dass Jugendliche bei sexuellen Fragen einen kompetenten Ansprechpartner haben, was den Umgang mit dem Thema entlastet.
- Quote paper
- Claudia Becker (Author), 2006, Zwischen Doktorspielen und Masturbation. Wie die Sexualentwicklung von Kindern und Jugendlichen zum Geheimnis gemacht wird, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61715