Ist Erziehung ohne Strafe möglich?


Hausarbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung des Themas Strafe in den verschiedenen Erziehungsstilen
2.1 kurze Definition der Erziehungsstile nach E. Weber
2.2 Strafe in der antiautoritären Erziehung
2.3 Strafe in der demokratischen Erziehung
2.4 Strafe in der autoritären Erziehung
2.5 Vergleich antiautoritärer und demokratischer
Erziehung in Bezug auf den Gesichtspunkt Strafe

3. Schlussbetrachtung

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

Heutzutage erfährt man in den Medien ständig etwas darüber, wie man sein Kind richtig erziehen soll. Gute Beispiele sind dafür Zeitschriften und auch das Fernsehen. Hier laufen im Moment zur besten Sendezeit, also um 20.15 Uhr ständig Sendungen, in denen Pädagogen verzweifelten Eltern helfen bzw. helfen wollen.

Natürlich spielt der Begriff der Strafe dabei auch eine große Rolle und es gibt viele verschiedene Auffassungen darüber, ob Strafe für die Erziehung notwendig ist. Damit man diese Frage erläutern kann sollte man erst einmal die Begriffe Erziehung und Strafe definieren. Nun gibt es zu dem Grundbegriff der Pädagogik Erziehung sehr viele verschiedene Definitionen und man könnte eine ganze Hausarbeit mit diesem Thema füllen. (vgl. Böhm 2000, S.156; Gudjons 2003, S.186) Am Besten gefällt mir für mein Thema die Definition von Brezinka, da er kurz und knapp auf den Punkt bringt was Erziehung bedeutet und er genau den Aspekt von Erziehung beschreibt, dem ich meine Hausarbeit widmen möchte. Brezinka beschreibt Erziehung als das aktive Einwirken von Menschen auf psychische Merkmale anderer Menschen mit dem Ziel diese zu bestärken oder im positiven Sinne zu ändern. Es werden also Tätigkeiten, die andere Menschen in ihrer Entwicklung fördern, als Erziehung bezeichnet. (vgl. Gudjons 2003, S.188) Bei dem Begriff der Strafe gibt es ebenfalls sehr viele Erklärungsmodelle. Das wäre durch die vielen verschiedenen Arten von Strafe zu begründen. Dieser Begriff ist ein relativ häufig eingesetztes Erziehungsmittel. Es gibt vor allem die Form der körperlichen und der seelischen Strafe. Beide sollen dazu dienen einem Fehlverhalten vorzubeugen oder zur Abschreckung vor einer neuen Untat. Ich werde hier nur auf die psychische Strafe eingehen, da es heutzutage kein Thema mehr sein dürfte, ob man ein Kind schlagen darf oder nicht, denn das hätte schwere physische Schäden für die Kinder. Erst vor kurzem hat man in den Zeitungen gelesen, dass eine Mutter verurteilt wurde, weil sie ihr Kind geschlagen hat. Es gibt also sogar Gesetze dafür damit ein Kind vor Schlägen geschützt wird. ( Amtsgericht Burgwedel 2004, Urteil ) Da sind sich auch die meisten Wissenschaftler einig, dass diese Form der Strafe in keiner Hinsicht vernünftig ist. Trotzdem gibt es bei fast keinem anderen Erziehungsmittel so viele Diskussionen, ob nun auch die verbale Strafe eine notwendige Methode ist oder nicht. Einmal, wie oben schon erwähnt, in den Medien, aber auch unter den Erziehungswissenschaftlern gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen, wie ich später noch erläutern werde. In meiner folgenden Arbeit möchte ich nun anhand einiger Vertreter exemplarisch auf die Erziehungsstile eingehen, da man dort diese gegensätzlichen Meinungen am Anschaulichsten und Deutlichsten erkennen kann. Ich werde die Bedeutendsten vorstellen und dann zwei miteinander vergleichen. In der Schlussbetrachtung wird es darum gehen eine Antwort auf die Frage „Ist Erziehung ohne Strafe möglich“ zu finden.

2. Bedeutung des Themas Strafe in den verschiedenen Erziehungsstilen

2.1 Eine kurze Definition der Erziehungsstile nach E. Weber

Bis circa zur Mitte der Fünfziger Jahre hat keiner von komplexen Erziehungsformen gesprochen, sondern es ging immer um einzelne Erziehungsmittel. Erich Weber war einer der Ersten, die sich dann diesem Komplex widmeten und er hat Definitionen für die verschiedenen Erziehungsstile erarbeitet. Das ist heute noch viel zitiert und alle anderen Modelle sind auf dieser Basis. Sicherlich ist es jedoch sinnvoll sich erstmal anzuschauen was denn überhaupt das Wort Erziehungsstil bedeutet. Sie beschreiben nach Weber Formen von Erziehung, die den gleichen Sinn verfolgen und durch bestimmte Methoden gekennzeichnet sind. (vgl. Weber 1972, S.27 ff)

Er unterscheidet drei Erziehungsstile und zwar den Laisser - Faire bzw. antiautoritären Stil, den demokratischen und den autokratischen bzw. autoritären Stil.

Bei dem Laisser - Faire Stil liegt die Verantwortung bei den Kindern. Sie sind dafür zuständig die Situation zu regeln. Sie bekommen keinerlei Anweisungen. Man kann den Erzieher hier kaum noch als Erzieher bezeichnen, denn er hat eigentlich nur noch die Aufgabe den Kindern Fragen zu beantworten, aber sonst nimmt er keinerlei Einfluss und sie bestimmen alles vollständig alleine. Der Erzieher hat eigentlich hauptsächlich die Aufgabe des Beaufsichtigens.

Der demokratische Weg der Erziehung ist der zweite Stil den Weber beschreibt. Hierbei gibt der Pädagoge anfänglich Hinweise und Bemerkungen und bespricht das Vorgehen mit den Kindern. Dann arbeiten sie auch weitestgehend selbstständig und der Erzieher hilft ab und zu. Die Verantwortung tragen auch hier die Kinder und der Pädagoge versucht als Gleichberechtigter betrachtet zu werden bzw. die Kinder als gleichberechtigt zu betrachten.

Bei der autokratischen Erziehung spielt der Pädagoge eine sehr dominante Rolle. Alles Wichtige wird den Kindern vorgegeben und somit besteht für die Kinder kaum Bedarf an Eigeninitiative, sondern es wird von ihnen totaler Gehorsam und absolute Disziplin gefordert. Die Führung und die Verantwortung werden also den Kindern aus der Hand genommen, denn das macht alles der Erzieher. (vgl. Weber 1972, S.218 ff)

2.2 Strafe in der antiautoritären Erziehung

Alexander Sutherland Neill ist 1883 geboren und 1973 verstorben. Er gründete 1921 in England die Schule Summerhill. Diese Schule war eine Internatsschule in der Jungen und Mädchen nach völlig neuen Grundsätzen erzogen wurden. Er beschäftigte sich aber nicht nur mit der Rolle des Pädagogen in der Schule, sondern auch mit der Erziehung im Elternhaus. Sicherlich ist es als etwas problematisch betrachten, dass man einen Autor nimmt, der nicht aus der aktuellen Zeit stammt, aber seine Aussagen bestimmen auch heute noch die Grundsätze der antiautoritären Erziehung. (vgl. Böhm 2000, S.28) Außerdem findet man kaum noch jemanden, der so hundertprozentig hinter seiner Einstellung steht. Hätte er sonst eine Schule gegründet, die seinem Erziehungsstil angepasst ist? Sicherlich nicht.

Neill sein Ausgangspunkt war, dass man überall Kinder sieht, die gehemmt und ängstlich sind. Dieses Verhalten wird sich dann auch im Erwachsenenalter nicht ändern. Das heißt also, dass diese Personen alles tun werden was jemand von ihr verlangt und Angst davor haben etwas falsch zu machen. Um dem vorzubeugen müssen Kinder dann frei erzogen werden, wobei man eigentlich gar nicht mehr von Erziehung im oben genannten Sinne sprechen kann. Die Kinder sollen alles machen können was sie wollen, ohne irgendeine Beeinflussung der Erwachsenen. Nach Neill kommen sich die Begriffe Belohnung und Strafe recht nah. Wenn man nun einem Kind eine Belohnung in Aussicht stellt, dafür das es seine Aufgabe gut macht, dann sieht es das Kind als Strafe wenn es z.B. den Lolli nicht bekommt, weil es sich nicht dementsprechend bewährt hat. Seiner Meinung nach handelt ein junger Mensch dann nur aus eigenem Interesse. Wenn er also für eine Arbeit eine Belohnung versprochen bekommt, so erledigt er diese nur, um die Vergütung zu erhalten, und nicht um dem Erzieher zu helfen. Das hat dann für das Kind einen rein egoistischen Zweck. Durch diese Form machen die Pädagogen das kleine Individuum dazu fähig, später auch arbeiten zu erledigen, die keinen Spaß machen. Das sieht Neill als sehr problematische an, denn jeder Mensch hat das Recht sich so zu entwickeln wie er es möchte und sich demnach auch auf Dinge vorbereiten kann, die ihn wirklich interessieren. Das Ziel das er damit vertritt ist das später Menschen in der Gesellschaft leben sollen, die kritisch und selbstbewusst sind und völlig frei ihr Leben bestreiten können. Also frei von Zwängen unbedingt etwas tu zu müssen, um dafür Anerkennung in irgendeiner Weise von jemand anderem zu erlangen. Strafe ist für Neill in jeglicher Form unakzeptabel und ist nie richtig für Kinder. „Eine Strafe kann nie gerecht verhängt werden, denn niemand ist gerecht.“( Neill 1994, S.166) Das bedeutet, dass es niemanden gibt, der ohne Vorurteile handeln kann, denn jeder hat in seinem Leben Dinge erlebt, die ihn in irgendeiner Art und Weise bewusst oder unbewusst beeinflussen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass viele Erwachsene noch nicht zu sich selbst gefunden haben und in ihrem Unterbewusstsein Dinge sind, die sie irgendwie verdrängt haben. Wenn die Eltern dann ihre Kinder bestrafen, kommt dieses Unterbewusste wieder zum Vorschein und dadurch kann niemand sagen, dass er gerecht handelt. Die momentane Wut auf das Kind, ist dann nach Neill im eigentlichen Sinne gar nicht gegen den kleinen Menschen gerichtet, sondern kommt von anderen Dingen, über die sich die Eltern geärgert haben. Neill sagt, dass es auch niemals einen Grund dafür gibt ein Kind zu bestrafen und er selber spürt auch nie Verlangen danach, da er ausgeglichen ist. Trotzdem glaubt er, dass es noch viele Eltern gibt, die ihre Kinder bestrafen. Dieses Erziehungsmittel ist dann immer “ ein Akt des Hasses.“ ( Neill 1994, S.167) Was nach ihm soviel bedeutet wie, dass die Eltern im Moment der Strafe eine innerliche Abneigung gegen das Kind verspüren, die die Kinder auch wahrnehmen. Der junge Mensch verspürt daraufhin auch eine Abneigung gegen den Erziehenden und die Entschuldigungen oder das brave Verhalten sind dann nur ein Ausdruck der Schuldgefühle, die das Kind hat, weil es einen Hass auf die Eltern verspürte. So sieht Neill dann in dem Moment die Strafe als Zweck zur scheinheiligen Liebe, die jedoch nichts mit Vertrauen, ehrlicher Zuneigung und Zärtlichkeit zu tun hat. Das Problem ist dann hierbei, dass sich diese Gefühle nicht nur auf den jetzigen Zustand beschränken, sondern auch in der weiteren Entwicklung, denn Strafe führt nach Neills Auffassung zu einem ständig wiederkehrenden Kreislauf. Je mehr Strafe ein Kind bekommt, desto mehr verstärkt sich seine Antipathie gegen die Eltern, dadurch wird sein Verhalten immer aggressiver und es kommt zu vermehrtem Fehlverhalten. Nun, so sagt er, bestrafen die Eltern das Kind wieder und der Kreislauf beginnt erneut von vorne. Es entsteht auch die Gefahr, dass das Kind die Strafe provoziert um überhaupt noch ein gefühlsbestimmtes Verhalten der Eltern zu erzeugen, um somit irgendeine Aufmerksamkeit zu bekommen. Grundlegend sagt Neill dazu, dass wenn ein Kind frei erzogen wurde auch gar keine Strafe nötig ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ist Erziehung ohne Strafe möglich?
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
'Einführung in das Studium der Erziehungswissenschaft'
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V61745
ISBN (eBook)
9783638551342
ISBN (Buch)
9783640732340
Dateigröße
1413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Strafe, Studium, Erziehungswissenschaft“
Arbeit zitieren
Mireill Steinert (Autor), 2006, Ist Erziehung ohne Strafe möglich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61745

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist Erziehung ohne Strafe möglich?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden