Leben unter dem Bombenhagel am Fallbeispiel Ruhrgebiet


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Chronologie der Bombenangriffe

II.1. Erste Angriffe auf das Ruhrgebiet (1940-42)
II.2. Die erste Ruhrschlacht (Frühjahr und Sommer 1943)
II.3. Die zweite Ruhrschlacht (Herbst 1944)

III. Haltung der Bevölkerung
III.1. Die ersten Angriffe
III.2. Die erste Ruhrschlacht
III.3. Die zweite Ruhrschlacht

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Mit dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das Leben der deutschen Bevölkerung am Fallbeispiel des Ruhrgebiets während der alliierten Bombenangriffe darzustellen.

Das Ruhrgebiet war während der Jahre 1940-45 das Ziel vieler heftiger Angriffe. Im Jahr 1940 begannen erste vereinzelte Angriffe auf die ‚Waffenschmiede des Reiches’, die hauptsächlich den Industrieanlagen galten. Mit der so genannten ersten Ruhrschlacht (Frühjahr und Sommer 1943) erreichten die Angriffe eine nie gekannte Intensität und richteten sich nun erstmals auch gegen die Bevölkerung. Ziel hierbei war neben der Zerstörung der Waffenproduktion die Vernichtung der Moral der Bevölkerung.

In der so genannten zweiten Ruhrschlacht (Herbst 1944) erfuhren die Angriffe nochmals eine Steigerung, womit eine Eroberung des Ruhrgebietes vorbereitet werden sollte. 1945 war das Ruhrgebiet weitgehend zerstört.

Der erste Teil dieser Arbeit widmet sich nun einer skizzenhaften Beschreibung dieser Ereignisse.

Im zweiten Teil soll die moralische Haltung der Bevölkerung während der Bombenangriffe untersucht werden: Hatten die massiven alliierten Angriffe die gewünschte Wirkung auf die Moral? Wie entwickelte sich das Verhältnis der deutschen Bevölkerung zu ihrem „Führer“, und wie reagierte sie auf die Propaganda der NS-Regierung? Ein besonderer Focus liegt hierbei auf der Bevölkerung der Stadt Dortmund.

In der Forschungsliteratur ist das Thema des Bombenkrieges breit diskutiert worden. Aktuellen Bezug und eine Neuauflage der Diskussion hat das Thema durch das Erscheinen des Buches „Der Brand“ von Jörg Friedrich erhalten. Zur Bearbeitung dieses Themas wurde Friedrichs „Der Brand“ herangezogen, allerdings finden hier nur Zahlen und Daten, die die Chronologie des Bomberkrieges betreffen, Verwendung. Der fragwürdigen sprachlichen Ausgestaltung und Argumentation folgt diese Arbeit nicht. Weitere verwendete Werke sind die Bücher „Über Leben im Krieg“ von Mathilde Jamin und Ulrich Borsdorf, „Bombenkrieg gegen Deutschland“ von Olaf Groehler, „Geschichte der Stadt Dortmund“ von Gustav Luntowski und „Dortmund. Bombenkrieg und Nachkriegsalltag 1939-1948“ von Gerhard E. Sollbach.

II. Chronologie der Bombenangriffe

II.1. Erste Angriffe auf das Ruhrgebiet (1940-1942)

Nach dem verheerenden deutschen Angriff auf Rotterdam am 14. Mai 1940 wurden Bombenangriffe auf das deutsche Hinterland von der britischen Regierung offiziell freigegeben[1]. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai eröffnete das britische Bomber Command den strategischen Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich. Mit insgesamt 99 Maschinen wurden Angriffe auf Industrie- und Verkehrsziele im Rhein-Ruhrgebiet geflogen[2]. Zu diesem Zeitpunkt war das erklärte Ziel der britischen Kriegsführung die Zerstörung von deutschen Verkehrs- und Industrieanlagen und somit die Schwächung der Kriegswirtschaft des Deutschen Reiches[3].

Für Dortmund war das Hauptangriffsziel das Hydrierwerk der Hoesch-Benzin GmbH, das jedoch nicht zerstört werden konnte. Insgesamt wurde das Dortmunder Stadtgebiet 1940 zwanzigmal bombardiert, wobei sieben Menschen getötet und 37 schwer verletzt wurden[4].

Die Industrie musste infolgedessen einige Produktionsausfälle verzeichnen, die allerdings nicht das vom Bomber Command erwünschte Maß erreichten und im Frühjahr 1941 wieder ausgeglichen waren[5]. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Luftangriffe wurden dabei weniger durch Bombentreffer, als vielmehr durch den moralischen Eindruck der Bombardements auf die Arbeiterschaft sowie durch den Produktionsausfall aufgrund der Fliegeralarme bestimmt[6].

Ab 1941 häuften sich die Angriffe auf das Ruhrgebiet. Wiederum waren die Hauptziele der Bombardements Industrie- und Verkehrsanlagen, gleichzeitig wurden aber die moralischen Auswirkungen von ständigen Fliegeralarmen und

Bombenangriffen auf die Kriegsmoral der Industriearbeiter betont[7].

So wurden zwischen Juni und August 1941 mehrere Angriffe auf Dortmund geflogen, die schwere Schäden auf dem Gelände des Hoesch-Stahlwerkes und der Zeche Kaiserstuhl II verursachte; es wurden aber auch umliegende Wohnviertel beschädigt oder gar zerstört[8]. Bezeichnend ist hier, daß nunmehr auch Wohn- und Geschäftsviertel ins Wesir genommen wurden: Bei dem Angriff in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli auf Dortmund wurden wegen der schlechten Bodensicht als Zielpunkte die Reinoldikirche und der Hansaplatz, beide in der Innenstadt, ausgewählt[9].

Ab 1942 änderte sich die Strategie von Bomber Command in der Luftkriegführung. Die schlechte militärische Situation, in der sich die Alliierten zum Jahreswechsel 1941/42 befanden, bildete die Grundlage für Überlegungen, die am 14. Februar 1942 zur offiziellen Genehmigung für das Flächenbombardement auf deutsche Städte durch den britischen Verteidigungsausschuss führten[10]. Am 22. Februar 1942 wurde Air Marshal Arthur Harris, ein Befürworter von gezielten Flächenbomardements Befehlshaber des Bomber Commands[11]. Es erfolgten mehrere Großangriffe auf die Städte des Ruhrgebietes: In den beiden Nächten vom 14./15. April und vom 15./16. April 1942 wurden zwei Flächenangriffe mit insgesamt 360 Maschinen geflogen. Im Juni folgte ein Großangriff auf Essen mit 1000 Bombern[12].

II.2. Die erste Ruhrschlacht (Frühjahr und Sommer 1943)

Auf der Konferenz von Casablanca (14. bis 24. Januar 1943) wurde das Ruhrgebiet als erstes Ziel für groß angelegte Flächenangriffe auserkoren[13].

Das neue radarunterstützte Zielgerät OBOE, dessen Reichweite das Ruhrgebiet bis nach Wuppertal abdeckte, machte von nun an zielgesteuerte Angriffe möglich[14]. Zusammen mit den amerikanischen Luftstreitkräften, die tagsüber Verkehrs- und Industrieanlagen bombardierten, ging das britische Bomber Command offiziell zum so genannten „moral bombing“ über[15].

[...]


[1] Sollbach, Gerhard E. (Hrsg.): Dortmund. Bombenkrieg und Nachkriegsalltag 1939-1948, Hagen 1995, S. 21. Im Folgenden zitiert als: Sollbach: Dortmund.

[2] Sollbach: Dortmund, S. 21.

[3] Sollbach: Dortmund, S. 20.

[4] Sollbach: Dortmund, S. 22.

[5] Im Dortmunder-Hörder-Hüttenverein konnte aufgrund der Bombardierungen das festgesetzte Plansoll von 50 Einheiten für Gehäusesätze des Panzerkraftwagens IV bis zum Januar/Februar 1941 nicht erreicht werden. Ab März 41 konnte es wieder erfüllt werden, zwei Monate später wurde es sogar überschritten (Sollbach: Dortmund, S. 22.).

[6] Sollbach: Dortmund, S. 22.

[7] Krüger, Norbert: Die Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet, in: Borsdorf, Ulrich / Jamin, Mathilde (Hrsg.): Über Leben im Krieg. Kriegserfahrungen einer Industrieregion 1930-1945, Hamburg 1989, S. 90. Im Folgenden zitiert als: Krüger: Die Bombenangriffe.

[8] Sollbach: Dortmund, S. 23.

[9] Sollbach: Dortmund, S. 23.

[10] Sollbach: Dortmund, S. 24.

[11] Sollbach: Dortmund, S. 24.

[12] Sollbach: Dortmund, S..25.

[13] Friedrich, Jörg: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, München 2002, S. 94. Im Folgenden zitiert als: Friedrich: Der Brand.

[14] Friedrich: Der Brand, S. 94.

[15] Sollbach, Dortmund, S. 26.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Leben unter dem Bombenhagel am Fallbeispiel Ruhrgebiet
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Totaler Krieg
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V61789
ISBN (eBook)
9783638551656
ISBN (Buch)
9783638918923
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leben, Bombenhagel, Fallbeispiel, Ruhrgebiet, Totaler, Krieg
Arbeit zitieren
B.A. Marco Schulz (Autor), 2004, Leben unter dem Bombenhagel am Fallbeispiel Ruhrgebiet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61789

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