Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age

Geister und arme Seelen

Title: Geister und arme Seelen

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 24 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: B.A. Marco Schulz (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Mit dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, die im Mittelalter entstandene Vorstellung von den Armen Seelen darzustellen. Der mittelalterliche Mensch hatte umfangreiche Vorstellungen von den Toten und dem Leben nach dem Tod. Die Toten konnten nach der Vorstellung des Volkes auch nach ihrem Verscheiden in die Welt der Lebenden zurückkehren. Vielfach trieben Wiedergänger oder Geister ihr Unwesen. Aber auch verstorbene Ahnen konnten zurückkehren und ihren Nachfahren hilfreich zur Seite stehen. Nun kollidierte aber die volkstümliche Vorstellung von einem körperlich agierenden Toten mit der kirchlichen Lehre, die eine Trennung von Körper und Seele propagierte; die Kirche musste also auf die volkstümlichen Vorstellungen reagieren und versuchte, die Totenerscheinungen in einen Arme Seelen-Glauben umzuwandeln. Der erste Teil dieser Arbeit versucht, die Entstehung dieses Glaubens zu skizzieren.

Die folgenden Teile der Arbeit beschäftigen sich mit den Armen Seelen an sich: Über das Erscheinungsbild der Armen Seelen in den christlichen Quellen und den volkstümlichen Sagen soll gleichzeitig die Vermischung dieser beiden Strömungen aufgezeigt werden. Weiterhin soll geklärt werden, wie es zu dem leidenden Aspekt der Armen Seelen kommt und welche didaktische Intention von Seiten der Kirche dadurch vermittelt werden sollte. Und schließlich wird sich der letzte Teil mit der Erlösung der Armen Seelen befassen. Bei der Bearbeitung werden die christlichen Quellen genauer betrachtet, während die volkstümlichen Sagen nur angedeutet werden, da diese nicht genau zu fassen sind. Allerdings geben die Sagen zumindest eine Andeutung, wie die Vorstellung im Volk aussah und welche Elemente in die christliche Lehre eingegangen sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Entstehung des Arme Seelen-Glaubens

II.1. Tertullian

II.2. Augustinus

II.3. Gregor der Große

II.4. Entwicklung bis zum 12. Jahrhundert

II.5. Volkstümliche Auffassung und christliche Umdeutung

III. Erscheinungsbild der Armen Seelen

IV. Schuld und Buße

V. Erlösung

VI. Fazit

VII. Literatur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der Vorstellung von den "Armen Seelen" im Mittelalter. Dabei liegt der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen volkstümlichen Vorstellungen von Totenerscheinungen und der kirchlichen Umdeutung dieser Phänomene, um sie in den christlichen Glaubenskanon zu integrieren und eine didaktische Wirkung auf die Lebenden auszuüben.

  • Historische Herleitung des Arme Seelen-Glaubens durch kirchliche Vordenker
  • Erscheinungsformen und ikonographische Darstellung der Armen Seelen
  • Die Verknüpfung von sündhaftem Handeln mit dem leidenden Zustand der Seelen
  • Methoden der Erlösung durch die Fürbitte der Lebenden
  • Die didaktische Instrumentalisierung der Toten zur moralischen Erziehung

Auszug aus dem Buch

IV. Schuld und Buße

Wie kommt es nun zu dem leidenden Wesen der Armen Seelen? Im Allgemeinen wird für die Ruhelosigkeit der Armen Seelen kein durchweg sündhaft geführtes Leben angesehen, vielmehr ist dafür ein einzelner sündhafter Fehltritt ausschlaggebend. Meistens handelt es sich hierbei um ein formelhaftes, zum Teil wohl auch in moralpädagogischer Absicht formuliertes Schuldmotiv. Das Gewicht der Schuld ist hierbei meist belanglos. Oft wird gerade ein eher kleines kaum bewusst wahrgenommenes Vergehen mit einer hohen Strafe belegt. Dieses Motiv wurde gerade von kirchlicher Seite intensiv propagiert und in den Messen stark überhöht dargestellt. So muß z. B. ein kleiner Junge für den Diebstahl eines Hellers die Qualen des Fegefeuers erdulden. Ähnliches gilt für diejenigen, die achtlos Brosamen herumliegen lassen und nun so lange keine Ruhe finden, bis sie alle Krumen wieder aufgesammelt haben.

Ruhelos sind außerdem alle Pflichtvergessenen, die das Vieh schlecht versorgen oder gar in Gefahr bringen. Auch die Bevorzugung einzelner Tiere, z. B. bei der Fütterung, wird bestraft.

Besonders schwer wiegen natürlich Vergehen, die sich um die Christenpflichten drehen: Vor allem Priester, die ihre Messen nicht gelesen haben, nicht eingehaltene Gelübde oder Wallfahrten, Meßstiftungen und Gebete, versäumte Opfergaben, versäumter Kirchgang, nachlässige Beichte, Hartherzigkeit gegen Arme, Missachtung des täglichen Brotes durch Verschwendung der Nahrung, Schändung von Kreuzen, usw. stehen dabei im Vordergrund.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die Genese des Arme Seelen-Glaubens aus der Kollision zwischen volkstümlichen Totenvorstellungen und kirchlicher Lehre darzustellen.

II. Entstehung des Arme Seelen-Glaubens: Dieses Kapitel analysiert die theologischen Positionen von Tertullian, Augustinus und Gregor dem Großen sowie die Entwicklung bis ins 12. Jahrhundert als Basis für die kirchliche Integration des Totenglaubens.

III. Erscheinungsbild der Armen Seelen: Hier wird die Vielfalt der Erscheinungsformen behandelt, von menschlichen Gestalten bis hin zu Tieren oder Elementargeistern, die oft in Sagen überliefert sind.

IV. Schuld und Buße: Das Kapitel untersucht, welche individuellen Sünden zur Ruhelosigkeit führen und wie die Kirche diese moralpädagogisch für ihre Zwecke einsetzte.

V. Erlösung: Hier werden die Wege beschrieben, wie Lebende den Armen Seelen durch Gebete, Messen und Almosen zur Erlösung verhelfen können.

VI. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kirche die volkstümliche Vorstellung des Wiedergängers in ein didaktisches Instrument zur Förderung eines bußfertigen Lebens umwandelte.

VII. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Arme Seelen, Mittelalter, Totenglaube, Wiedergänger, Fegefeuer, Kirchenlehre, Volkstum, Buße, Erlösung, Fürbitte, Totenerscheinung, Jenseitsvorstellung, Sündhaftigkeit, Didaktik, Totenmessen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung des mittelalterlichen Glaubens an „Arme Seelen“ und wie dieser aus der Verbindung von volkstümlichen Sagen und kirchlicher Dogmatik entstand.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Zentrale Themen sind die Theologie der Totenfürsorge, das Erscheinungsbild der Toten in Sagen und christlichen Quellen sowie die moralischen Konsequenzen sündhaften Handelns.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Kirche die volkstümliche Vorstellung vom „lebenden Leichnam“ bzw. Wiedergänger in ein didaktisches System integrierte, um die Gläubigen zu einem bußfertigen Leben zu bewegen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparatistische und historisch-analytische Methode, indem sie christliche Schriften der Kirchenväter und Theologen mit volkstümlichen Sagen vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Glaubens, die bildhafte Erscheinung der Seelen, die mit Schuld verbundenen Strafen und die Möglichkeiten der Erlösung durch die Lebenden.

Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Arme Seelen, Fegefeuer, Erlösung, Fürbitte, Totenmessen und der mittelalterliche Totenglaube.

Wie unterscheidet sich die kirchliche Auffassung von der volkstümlichen Sicht?

Während das Volk an körperlich agierende Wiedergänger glaubte, propagierte die Kirche eine Trennung von Leib und Seele und deutete Erscheinungen als geistige Abbilder oder Prüfungen um.

Welche Rolle spielt die "didaktische Intention" in diesem Kontext?

Die Kirche nutzte die Erzählungen über leidende Seelen als pädagogisches Mittel, um den Lebenden vor Augen zu führen, welche Konsequenzen sündhaftes Verhalten im Jenseits nach sich zieht.

Warum spielt die Erlösung durch Lebende eine so zentrale Rolle?

Die Erlösung ist der entscheidende Mechanismus, der den Lebenden in die Pflicht nimmt; durch Almosen und Gebete kann er aktiv in das Schicksal des Verstorbenen eingreifen, was das Gemeinschaftsgefühl zwischen Lebenden und Toten stärkt.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Geister und arme Seelen
College
Ruhr-University of Bochum
Course
Tod im Mittelalter
Grade
1,5
Author
B.A. Marco Schulz (Author)
Publication Year
2004
Pages
24
Catalog Number
V61790
ISBN (eBook)
9783638551663
ISBN (Book)
9783638753074
Language
German
Tags
Geister Seelen Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Marco Schulz (Author), 2004, Geister und arme Seelen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61790
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint