Das Tagelied Heinrich von Morungens


Seminararbeit, 2002

11 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhalt

EINLEITUNG

1 Heinrich von Morungen

2 Gattung des Tageliedes

3 Form und Motivik des Tageliedes H. v. Morungens
3.1 Form
3.2 Motivik
3.3 Perspektive

4 Interpretation
4.1 Strophe 1
4.2 Strophe 2
4.3 Strophe 3
4.4 Strophe 4

5 Fazit

EINLEITUNG

Ich habe das Tagelied Heinrich von Morungens zu meinem Seminararbeitsthema gemacht, da mich das Thema einer verbotenen Liebe ebenso berührt, wie interessiert. Die höfische Liebeslyrik entstand aus dem Bedürfnis heraus, über Geschehnisse und Ereignisse zu berichten, die die Dichter und den Hof gleichermaßen berührten, und interessierten umso mehr, wenn das Lied einen heiklen und verbotenen Stoff zum Thema hatte. Das Tagelied war „in der steten Spannung begründet, die der hohe Minnesang mit seiner Spiritualisierung der Liebe herbeigeführt hatte.“1

Das Tagelied befindet sich mit den Themen der heimlichen Liebe und der Gefahr für Leben und Ansehen innerhalb der Ideologie der Hohen Minne, propagiert aber gleichzeitig deren Überlistung und Hintergehung: es nimmt damit Stellung gegen die Forderungen der Askese und des Triebverzichts, ohne aber die Normen der Gesellschaft, die ganz unvermeidlicherweise auf solche Forderungen aufbaut, in Frage zu stellen und zu gefährden.

Der Begriff der „höfischen Liebe“ geht auf den französischen Romanisten Gaston Paris, der 1883 in einem Aufsatz über „Lancelot“ von Chrétien de Troyes folgende Merkmale der höfischen Liebe herausgestellt hat. Laut G. Paris sei die höfische Liebe ungesetzlich, illégitime, und deshalb auf Geheimhaltung angewiesen. Da sie, die körperliche Hingabe einschließt, machen sich die beiden Liebenden des Gesetzesbruches schuldig. Die Höfische Liebe verwirkliche sich in der Unterordnung des Mannes, der sich als Diener seiner Dame betrachte und die Wünsche seiner Herrin zu erfüllen suche. Sie fordere von dem Mann das Bemühen, besser und vollkommener zu werden, um dadurch seiner Dame würdiger zu sein. Höfische Liebe sei „eine Kunst eine Wissenschaft, eine Tugend“ (un art, un science, une vertu), die eigenen Gesetzen folge, die die beiden Liebenden beherrschen müssen.2

Ich möchte mit der Interpretation des Tagelieds von Heinrich von Morungen einen Einblick in die Situation zweier Liebenden geben, die durch Konventionen der höfischen Gesellschaft, zur Geheimhaltung ihrer Liebe gezwungen waren und durch Informationen über Autor, Gattung und Werk einen historischen Bezug zur Zeit der hohen Minne herstellen.

1 Heinrich von Morungen

Heinrich von Morungen wurde mit dem „Henricus de Morungen“ identifiziert, der in einer 1217 datierten Urkunde des Markgrafen von Meißen als „ausgedienter Ritter“ (miles emeritus) bezeichnet wird. Deshalb wurde an seiner adligen Abstammung nie gezweifelt, wie bei anderen Minnesängern dieser Zeit. In dieser Urkunde wurden H. v. Morungen eine jährliche Rente von zehn Talenten zugesprochen, die eher auf einen verdienten Hofmann als auf einen Adeligen passten. Heinrich von Morungen muss eine gelehrte Schulbildung besessen und Lateinisch verstanden haben, da die vielen antiken Motive in seinen Liedern keinen anderen Schluss zulassen. Demnach war H.v. Morungen ein höfischer Berufslyriker mit einem sehr hohen Bildungsstand, der ebenso wie die anderen Dichter auf die Gunst fürstlicher Gönner angewiesen war.3

Morungens Lieder sind geprägt von folgender Motivik: Dämonie der Minne (Bild der antiken Liebesgöttin Venus). Minne als magische, als krank machende, sogar als tödliche Macht; als religiöses und mystisches Erlebnis.

In Form und Inhalt ist Morungen von der provenzalischen Lyrik beeinflusst (dialektische Rhythmen, häufige Durchreimung). Seine Wurzeln liegen auch in der klassischen antiken Literatur.

Von Heinrich von Morungen sind 33 Lieder und 115 Strophen überliefert worden. Unter ihnen auch das höfische Tagelied, das zum ersten Mal nach dem Muster der provenzalischen „Alba“ bei Heinrich von Morungen erschien.

[...]


1 Boor, Helmut de : „Die höfische Literatur. Vorbereitung, Blüte, Ausklang“ München, 1953, S.330

2 vgl. Buhmke, Joachim: „Höfische Kultur – Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter“, Deutscher Taschenbuchverlag München , 8. Aufl. 1997, S. 504

3 vgl. ebd., S. 689

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Tagelied Heinrich von Morungens
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Ältere Germanistik)
Veranstaltung
Grundkurs Mediävistik
Note
1,6
Autor
Jahr
2002
Seiten
11
Katalognummer
V6180
ISBN (eBook)
9783638138130
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich von Morungen, Tagelied
Arbeit zitieren
Virginia Hocks (Autor), 2002, Das Tagelied Heinrich von Morungens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6180

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