Im Weißbuch aus dem Jahr 2001 "Die europäische Verkehrspolitik bis 2010: Weichenstellungen für die Zukunft" analysiert die Europäische Kommission ausführlich die Situation des Schienenverkehrs in Europa. Sie legt den kontinuierlichen Vormarsch des Straßen- und des Luftverkehrs und die spiegelbildliche, beunruhigende Abnahme des Marktanteils der Eisenbahn dar. Zentrale Ziele des Weißbuchs sind daher, ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Verkehrsträgern zu schaffen, den Schienenverkehr über die Förderung des Wettbewerbs wieder zu beleben und einen echten Binnenmarkt für den Schienenverkehr zu schaffen.
In dem am 3. März 2004 vorgelegten „Dritten Eisenbahnpaket“ schlägt die Kommission vor, die Reform des Eisenbahnsektors weiter voranzutreiben, indem der grenzüberschreitende Schienenpersonenverkehr innerhalb der Europäischen Union für den Wettbewerb geöffnet wird.
Die Hintergründe und Entwicklungen, die zum derzeitigen Stand des Personenverkehrs auf der Schiene und in der Luft in der Europäischen Union geführt haben, werden im ersten Teil der Arbeit durchleuchtet. Aktuelle Neuerungen in der Verkehrspolitik der EU werden vorerst noch getrennt nach Verkehrsträger behandelt. In einem weiteren Schritt können dann die Rahmenbedingungen des intermodalen Wettbewerbs zwischen Schiene und Luftfahrt im Personenverkehr in Europa analysiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verkehrspolitik der Europäischen Union
2.1. Ausgangssituation
2.2. Europäische Eisenbahnverkehrspolitik
2.2.1. Derzeitiger Stand
2.2.2. Das dritte Eisenbahnpaket
2.2.2.1. Richtlinienvorschlag zur Änderung der Richtlinie 91/440/EWG
2.2.2.2. Verordnungsvorschlag über die Rechte und Pflichten von Fahrgästen im grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr
2.3. Europäische Luftverkehrspolitik
2.3.1. Die Liberalisierung des grenzüberschreitenden Luftverkehrs in der EU
2.3.2. Fluggastrechte
2.3.3. Besteuerung von Kerosin
3. Vergleich der Wettbewerbsbedingungen von Schiene und Luftfahrt
3.1. Marktöffnung auf europäischem Niveau
3.2. Rechte der Passagiere
3.3. Besteuerung von Treibstoff
4. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedingungen des intermodalen Wettbewerbs zwischen dem Schienen- und Luftverkehrssektor im europäischen Personenverkehr, mit einem besonderen Fokus auf den Einfluss des rechtlichen Rahmens der Europäischen Union.
- Analyse der historischen Entwicklung der europäischen Verkehrspolitik.
- Untersuchung der Liberalisierungsbemühungen im Schienenverkehr ("Drittes Eisenbahnpaket").
- Vergleich der Fahrgast- und Fluggastrechte sowie deren wettbewerbliche Bedeutung.
- Diskussion der steuerlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der Kerosinbesteuerung.
- Bewertung der Wettbewerbschancen von Hochgeschwindigkeitszügen gegenüber dem Kurzstreckenflugverkehr.
Auszug aus dem Buch
3.1. Marktöffnung auf europäischem Niveau
Im Luftverkehr wurde vergleichsweise früh verstanden, dass es um wettwerbsfähig zu bleiben auch nötig ist, sich dem Wettbewerb zu stellen. Während es hier zu einer vollständigen Deregulierung gekommen ist, blieb der Schienenverkehrssektor ein geschützter Bereich auf einzelstaatlicher Basis. Durch massiven Druck bestimmter Interessensgemeinschaften wurde bis zuletzt versucht, dringend benötigte Reformen zu verhindern.
Die Marktöffnung für den grenzüberschreitenden Schienenpersonenverkehr im Jahr 2008 wird die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Bahn steigern. Bis dahin sind allerdings noch eklatante Hindernisse zu beseitigen, die aus der langen Geschichte der Eisenbahn herrühren. Alleine am Beispiel der unterschiedlichen Spurweiten zeigt sich welche Herausforderungen hier zu meistern sind, die sich in der Luftfahrt nie gezeigt haben. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Ziele und der Schaffung eines integrierten europäischen Schienenraumes wurde die Europäische Eisenbahnagentur gegründet.
Eine weitere Marktöffnung muss auch den Eintritt von neuen Wettbewerbern beinhalten. Die derzeitigen Preisniveaus sind (abgesehen von Hochgeschwindigkeitsstrecken) oft jedoch so niedrig, dass ein kommerziell sinnvoller Betrieb für neue Wettbewerber kaum möglich sein wird. Dies steht in starkem Gegensatz zum Luftverkehr, wo die spiegelbildliche Ausgangssituation gegeben war. Hier muss es zu einem Umdenken, vor allem was staatliche Subventionen anbelangt, kommen. Um dennoch weniger rentable Nebenstrecken in staatlichem Interesse erhalten zu können, wären gut strukturierte Ausnahmen durchaus denkbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die europäische Verkehrssituation und das Ziel der Kommission, durch Marktöffnung im Schienenverkehr ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen den Verkehrsträgern zu erreichen.
2. Verkehrspolitik der Europäischen Union: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung der Verkehrspolitik, die spezifischen Maßnahmen des dritten Eisenbahnpakets sowie die Liberalisierung und Rechte im Luftverkehr.
3. Vergleich der Wettbewerbsbedingungen von Schiene und Luftfahrt: Hier werden die Marktöffnung, die Fahrgastrechte sowie die steuerlichen Aspekte (Kerosinbesteuerung) gegenübergestellt, um Wettbewerbsunterschiede und -verzerrungen zu analysieren.
4. Conclusio: Das Fazit stellt fest, dass durch Kompromisse eine größere Gleichbehandlung der Verkehrsträger erreicht werden kann, wobei die Kernkompetenzen im Fokus stehen sollten.
Schlüsselwörter
Europäische Verkehrspolitik, Schienenverkehr, Luftverkehr, Intermodaler Wettbewerb, Marktöffnung, Eisenbahnpaket, Fahrgastrechte, Fluggastrechte, Liberalisierung, Kerosinsteuer, Wettbewerbsfähigkeit, Verkehrsträger, Personenverkehr, Infrastruktur, EU-Rechtsrahmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Luftfahrt im europäischen Personenverkehr und dem Einfluss der EU-Gesetzgebung darauf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die Marktöffnung im Eisenbahnsektor, der Vergleich der Fahrgast- bzw. Fluggastrechte und die steuerlichen Rahmenbedingungen für Treibstoffe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Rahmenbedingungen des intermodalen Wettbewerbs zu durchleuchten und Empfehlungen für eine fairere Harmonisierung in diesem Sektor zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine politik- und rechtswissenschaftliche Analyse anhand von EU-Weißbüchern, Richtlinienvorschlägen und bestehenden Verordnungen sowie statistischen Daten durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Geschichte der EU-Verkehrspolitik, die Unterschiede in der Liberalisierung der beiden Verkehrsträger und die Auswirkungen von Regelungen auf den Wettbewerb.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Marktöffnung, intermodaler Wettbewerb, Fahrgastrechte, Kerosinsteuer und das dritte Eisenbahnpaket.
Wie unterscheidet sich die Situation der Haftung bei Unfällen zwischen Schiene und Luftfahrt?
Laut Arbeit sind die Regelungen weitgehend angeglichen; in beiden Bereichen haften die Unternehmen bei Unfällen unbeschränkt für Personen- und Gepäckschäden bis zu festgelegten Höchstbeträgen.
Welche Rolle spielen Hochgeschwindigkeitsstrecken für den Wettbewerb?
Sie werden als ein Mittel identifiziert, mit dem die Bahn ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Flugzeug auf Kurzstrecken signifikant steigern kann.
- Quote paper
- Christian Hammer (Author), 2005, Rahmenbedingungen des intermodalen Wettbewerbs im Personenverkehr in Europa - ein Vergleich zwischen Schiene und Luftfahrt anhand des Rechtsrahmens der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61816