Die Mittelalterrezeption innerhalb der Epoche der Romantik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
23 Seiten, Note: 1,75

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zeitraum der Romantik

3. Mittelalterrezeption
3.1 Die Gründe für das Interesse am Mittelalter
3.1.1 Aufkommendes Nationalgefühl
3.1.2 Genetisches (entelechisches) Konzept poesiegeschichtlicher Historiographie
3.1.3 Gesellschaftlich
3.2 Welche Mittelaltervorstellung herrschte vor

4. Formen der Erneuerung mittelalterlicher Texte
4.1 Textbeispiele
4.1.1 Vergleich zweier Editionsverfahren: „Des Knaben Wunderhorn“ und „Sammlung deutscher Volkslieder“
4.1.2 Novalis: „Heinrich von Ofterdingen“

5. Nachwort

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Mit dieser Arbeit soll die literarische Epoche der Romantik etwas näher beleuchtet werden. Ein besonderes Interesse gilt in dieser Darstellung der Frage, wie die Romantiker sich mit dem Mittelalter auseinandergesetzt haben.

Um wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden, soll zunächst der Begriff der Romantik definiert werden, dabei ist für den Autor der zeitliche Aspekt von besonderer Bedeutung, da die zeitliche Einordnung der Romantik sowie die Aufteilung in die unterschiedlichen Strömungen jener Epoche, in der Forschungsliteratur etwas divergiert.

Nach dieser kurzen Vorbemerkung wird die Darstellung sich dem eigentlichen Thema zuwenden und die mannigfaltigen Aspekte der Mittelalterrezeption beleuchten. Zuerst werden im Kapitel 2.1 die unterschiedlichen Gründe für das Interesse der Romantiker am Mittelalter dargelegt. Im zweiten Teil des Kapitels wird untersucht, welche Vorstellung vom Mittelalter vorherrschte, welche mittelalterlichen Werte und Grundzüge, die Romantiker sich zu Eigen machten.

In Kapitel 3 folgt dann die Darbietung der formalen Aspekte der Mittelalterrezeption, es werden die unterschiedlichen Formen der Erneuerung jener mittelalterlichen Texte untersucht.

Anschließend soll dann dieser theoretischen Darstellung der unterschiedlichen Editionsformen, ein praktischer Vergleich zweier Liedsammlungen, welche unterschiedliche Editionskonzepte implizieren, folgen. Gegenübergestellt werden jeweils zwei übereinstimmende Lieder, die sich zwar formal und inhaltlich unterscheiden aber augenscheinlich auf gemeinsame Quellen zurückgehen.

Schließen möchte der Autor mit der Analyse einer literarischen Übertragung eines romantischen Werkes, das einerseits eine große Bandbreite mittelalterlicher Motive und Vorstellungen und andererseits die romantischen Ideale herausragend beinhaltet und zum Ausdruck bringt. Den Schlusspunkt markiert ein Werk von Novalis mit dem Titel „Heinrich von Ofterdingen“.

2. Zeitraum der Romantik

Zunächst soll definiert werden, welchen Zeitraum die Romantik in dieser Arbeit umfassen wird. Eine erschöpfende Darstellung der romantischen Strömungen oder Phasen wurde von Detlef Kremer abgefasst, an dieser Darstellung wird sich der Autor mit seiner Begriffsbestimmung orientieren.[1] Nach Detlef Kremer lässt sich die Romantik in drei Strömungen[2] unterteilen, nämlich in eine Phase der Frühromantik, eine der Mittel- oder Hochromantik und in die Phase der Spätromantik.

Die Frühromantik umfasst nach Kremer den Zeitraum von ca. 1798 – 1800, während dieser Phase konstituierte sich die romantische Literatur.[3] Das literarische Zentrum der Frühromantik war Jena, weshalb diese Phase auch als Jenaer Frühromantik bezeichnet wird. Wichtige Autoren waren unter anderen Tieck, Wackenroder, Fichte, Schelling, Novalis sowie Friedrich Schlegel.

Die mittlere Phase der Romantik, ist gekennzeichnet durch zwei Entwicklungslinien, die eine hat ihren Ursprung in Heidelberg und ist durch eine historisch-philologische Ausrichtung bestimmt. Die Heidelberger Hochromantik mit den Autoren Brentano, Arnim und den Grimms umschließt den Zeitraum von ca. 1805 bis 1808.[4]

Die zweite Entwicklungslinie der Hochromantik hatte ihr Zentrum in Berlin und lässt sich auf die Jahre von ca. 1809 bis ungefähr 1822 eingrenzen.[5] Diese Strömung kann charakterisiert werden durch die literarische Ausrichtung der Romantiker um E.T.A. Hoffmann, Eichendorff oder Brentano.

Die letzte Phase der Romantik, die Spätromantik, begann ungefähr im Jahr 1815 und endete um das Jahr 1830. Die Spätromantik wird wegen der Rückbesinnung auf die traditionellen katholischen Wurzeln auch katholische Spätromantik genannt. Die Zentren dieser Phase waren vor allem Wien und München. In Wien war Friedrich Schlegel eine wichtige Persönlichkeit, in München taten sich besonders der alte Brentano, Görres und Schelling hervor.[6]

3. Mittelalterrezeption

3.1 Die Gründe für das Interesse am Mittelalter

3.1.1 Aufkommendes Nationalgefühl

Ein wichtiger Grund für das Interesse der Romantiker am Mittelalter, war ein aufkommendes Nationalgefühl. Die Romantiker wollten mit Hilfe mittelalterlicher Quellen unterstreichen, dass das Deutsche nicht minderwertig ist und dass die Deutschen mit ihrer Vergangenheit den Franzosen kulturell ebenbürtig sind. Die Auseinandersetzung zwischen den Kulturen über die Wertigkeit der Nationalkulturen geht auf das 15. Jahrhundert zurück, als die Frage aufkam, welche Kultur als Erbnehmer der translatio studii zu betrachten sei.[7] Nach Jürgen Fohrmann waren sich die italienischen Humanisten einig, dass es nicht die Deutschen sein können, denn diesen kam ihrer Meinung nach eher das Prädikat ›barbarus‹ zu.[8]

Der Versuch, das Vorurteil des rohen und barbarischen Mittelalters zu widerlegen und damit den Deutschen das Prädikat ›barbarus‹ abzunehmen, begann also im 15. Jahrhundert, setzte sich im 17. Jahrhundert sowie im 18. Jahrhundert fort und hatte seinen Höhepunkt während der Romantik. An der Schwelle zum 18. Jahrhundert motivierten neue patriotische Impulse das Interesse an der literarischen Tradition. Während dieser Zeit geht es den Menschen nach Gisela Brink-Gabler vor allem um eine Opposition gegen den Vorwurf der Barbarei, sie wendeten sich aber auch gegen das römische Papsttum, sowie gegen die romanische Sprache und Kultur. Außerdem wehrten sich die Autoren dieser Zeit gegen den übermächtigen Einfluss der antiken Dichtkunst gegenüber der deutschen Sprache.[9]

Ein wichtiger Wegbereiter der romantischen Mittelaltervorstellung war Bodmer, dessen wichtige Werke zum Mittelalter um 1750 bis 1760 erschienen sind, diesen Arbeiten lag ein Mittelalterbild zugrunde, welches auffällig dem zeitgenössischen romantischen Wertekodex verhaftet ist. Er projizierte seine Vorstellung und Werte ins Mittelalter und schuf so ein idealisiertes Mittelalterbild, um so die Vorurteile des rohen und barbarischen Mittelalters zu widerlegen.[10] Die Mittelaltervorstellung der Romantiker war stark ideologisiert, denn auch die Romantiker übertrugen ihre eigenen Ideen wie die Vorstellung des Volks, der nationalen Identität oder der Einheit von Kunst und Leben ins Mittelalter. Für Bodmer war der große Vorteil der epischen Dichtung des Mittelalters die anziehende Einfalt und große Klarheit. Die Nachteile waren für ihn die mangelnde Einheit der Handlung, das Abenteuerliche, das Unglaubliche und das falsche Wunderbare, deshalb bevorzugte er Nachdichtungen gegenüber wissenschaftlichen Editionen.[11] Auch das Verfahren der Nachdichtung wird von Romantikern wie Novalis, Uhland oder Tieck angewendet, aber in der Romantik werden von diesen Autoren auch die anderen Verfahren angewendet und kontrovers diskutiert.

Nach Jürgen Fohrmann war das Nationale seit dem Humanismus ein nicht geordnetes Identitätsprogramm, dessen Speicherung gleichzeitig Erinnerungs- und Legitimationsfunktionen für die Bedeutung des Deutschen und der Deutschen hatte.[12]

Der Träger und Bewahrer der nationalen Identität war für die Romantiker das Volk, welches die nationale Kultur über Gesänge tradiert hat. Die Romantiker glaubten an den Mythos vom Volk als dem Schöpfer der Poesie, den 1842 Gervinus geprägt hat.[13]

Mit der Überzeugung, dass das Volk die nationale Identität weitergibt, haben sich die Romantiker vor allem mit der mittelalterlichen Volkspoesie beschäftigt. Wichtige Werke sind die Lied- und Märchensammlungen, wie „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von Arnim, die „Minnelieder aus dem schwäbischen Zeitalter“ von Ludwig Tieck, die „Sammlung deutscher Volkslieder“ von Büsching und Friedrich Heinrich von der Hagen, sowie die „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm.

Das neue Nationalgefühl, welches in Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstarkte, lebte besonders während und nach dem Siebenjährigen Krieg auf. In Dichtung, Philosophie und Historiographie machte sich eine patriotische Strömung bemerkbar, die das Bewusstsein der geistigen Zusammengehörigkeit und damit auch die Hinneigung zu einer gemeinsamen Vergangenheit förderte.[14]

[...]


[1] Vgl. Kremer, Detlef: Romantik. Stuttgart 2001.

[2] Vgl. ebd. S. 47.

[3] Vgl. ebd. S. 48.

[4] Vgl. ebd. S. 48.

[5] Vgl. ebd. S. 48.

[6] Vgl. ebd. S. 49.

[7] Vgl. Fohrmann, Jürgen: Das Projekt der deutschen Literaturgeschichte. Entstehung und Scheitern einer nationalen Poesiegeschichtsschreibung zwischen Humanismus und Deutschem Kaiserreich. Stuttgart 1989. S. 69.

[8] Vgl. ebd. S. 69.

[9] Vgl. Brink-Gabler, Gisela: Politisch-Wissenschaftliche Mittelalter-Rezeption

Ludwig Tiecks Erneuerung altdeutscher Literatur. Göppinger Arbeiten zur Germanistik 1980. S. 18.

[10] Vgl. ebd. S. 37.

[11] Vgl. ebd. S. 40.

[12] Vgl. Fohrmann. Das Projekt. S. 94.

[13] Vgl. ebd. S. 146.

[14] Vgl. Kozielek, Gerard: Ideologische Aspekte der Mittelalter-Rezeption zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Wapnewski, Peter (Hrsg.): Mittelalter-Rezeption. Ein Symposium. Stuttgart 1986. S. 119.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Mittelalterrezeption innerhalb der Epoche der Romantik
Hochschule
Universität Stuttgart  (Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
HS: Romantik
Note
1,75
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V61853
ISBN (eBook)
9783638552134
ISBN (Buch)
9783638666268
Dateigröße
798 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalterrezeption, Epoche, Romantik
Arbeit zitieren
Thomas Jung (Autor), 2003, Die Mittelalterrezeption innerhalb der Epoche der Romantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61853

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