Mit dieser Arbeit soll die literarische Epoche der Romantik etwas näher beleuchtet werden. Ein besonderes Interesse gilt in dieser Darstellung der Frage, wie die Romantiker sich mit dem Mittelalter auseinandergesetzt haben.
Um wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden, soll zunächst der Begriff der Romantik definiert werden, dabei ist für den Autor der zeitliche Aspekt von besonderer Bedeutung, da die zeitliche Einordnung der Romantik sowie die Aufteilung in die unterschiedlichen Strömungen jener Epoche, in der Forschungsliteratur etwas divergiert.
Nach dieser kurzen Vorbemerkung wird die Darstellung sich dem eigentlichen Thema zuwenden und die mannigfaltigen Aspekte der Mittelalterrezeption beleuchten. Zuerst werden im Kapitel 2.1 die unterschiedlichen Gründe für das Interesse der Romantiker am Mittelalter dargelegt. Im zweiten Teil des Kapitels wird untersucht, welche Vorstellung vom Mittelalter vorherrschte, welche mittelalterlichen Werte und Grundzüge, die Romantiker sich zu Eigen machten.
In Kapitel 3 folgt dann die Darbietung der formalen Aspekte der Mittelalterrezeption, es werden die unterschiedlichen Formen der Erneuerung jener mittelalterlichen Texte untersucht.
Anschließend soll dann dieser theoretischen Darstellung der unterschiedlichen Editionsformen, ein praktischer Vergleich zweier Liedsammlungen, welche unterschiedliche Editionskonzepte implizieren, folgen. Gegenübergestellt werden jeweils zwei übereinstimmende Lieder, die sich zwar formal und inhaltlich unterscheiden aber augenscheinlich auf gemeinsame Quellen zurückgehen.
Schließen möchte der Autor mit der Analyse einer literarischen Übertragung eines romantischen Werkes, das einerseits eine große Bandbreite mittelalterlicher Motive und Vorstellungen und andererseits die romantischen Ideale herausragend beinhaltet und zum Ausdruck bringt. Den Schlusspunkt markiert ein Werk von Novalis mit dem Titel „Heinrich von Ofterdingen“.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. ZEITRAUM DER ROMANTIK
3. MITTELALTERREZEPTION
3.1 DIE GRÜNDE FÜR DAS INTERESSE AM MITTELALTER
3.1.1 Aufkommendes Nationalgefühl
3.1.2 Genetisches (entelechisches) Konzept poesiegeschichtlicher Historiographie
3.1.3 Gesellschaftlich
3.2 WELCHE MITTELALTERVORSTELLUNG HERRSCHTE VOR
4. FORMEN DER ERNEUERUNG MITTELALTERLICHER TEXTE
4.1 TEXTBEISPIELE
4.1.1 Vergleich zweier Editionsverfahren: „Des Knaben Wunderhorn“ und „Sammlung deutscher Volkslieder“
4.1.2 Novalis: „Heinrich von Ofterdingen“
5. NACHWORT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mittelalterrezeption innerhalb der Epoche der Romantik, wobei ein besonderer Fokus auf den Beweggründen für das Interesse der Romantiker am Mittelalter sowie den formalen Aspekten der literarischen Erneuerung mittelalterlicher Texte liegt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Romantiker das Mittelalter als mythische Epoche und Projektionsfläche für nationale Identität und ein neues goldenes Zeitalter instrumentalisierten.
- Historische Einordnung der romantischen Strömungen und ihrer Zentren.
- Analyse der nationalen, genetischen und gesellschaftlichen Motive der Mittelalterrezeption.
- Untersuchung verschiedener Editionsverfahren und der Popularisierung mittelalterlicher Stoffe.
- Vergleichende Analyse von Volksliedsammlungen (Des Knaben Wunderhorn vs. Sammlung deutscher Volkslieder).
- Literarische Untersuchung der Mittelalterverarbeitung am Beispiel von Novalis' "Heinrich von Ofterdingen".
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Vergleich zweier Editionsverfahren: „Des Knaben Wunderhorn“ und „Sammlung deutscher Volkslieder“
Zum einen richtet sich das Interesse auf die Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“, welche von Achim von Arnim und Clemens Brentano zwischen den Jahren 1805 bis 1808 herausgegeben wurde. Und andererseits richtet es sich auf die „Sammlung deutscher Volkslieder“, die von Friedrich Heinrich von der Hagen und Johann Gustav Gottlieb Büsching im Jahr 1807 herausgegeben wurde.
Beide Werke müsste man in der Dichotomie von Wilhelm Grimm in die Ausprägung der poetischen Bearbeitungen einordnen. Was natürlich besonders für von der Hagen eine Abwertung bedeutet, da er seiner Meinung nach wissenschaftlich arbeitete und in Berlin sogar auf eine Professur berufen wurde, dabei verdrängte er Karl Lachmann, welcher in Willhelm Grimms Dichotomie die Position der wissenschaftlichen Herangehensweise besetzt.
Sowohl Büsching und von der Hagen wie auch von Arnim und Brentano fühlten sich der romantischen Wirkungsästhetik verpflichtet, nach welcher sie die Texte nicht um ihrer selbst willen thematisierten, sondern im Rahmen einer popularisierenden Wirkungsabsicht wieder beleben wollten. Diese Methode wurde im vorigen Kapitel schon unter dem Namen Erneuerung vorgestellt, dabei wurde eine versifizierte Übersetzung angestrebt, welche den überlieferten Formen und Wortschatz beibehielt und dort, wo Verständnisschwierigkeiten auftraten, eine ‚Übersetzung’ in neuhochdeutsch verständliche aber altertümelnde Sprachformen vorsah. Zum Vergleich der beiden Liedsammlungen, lässt sich sagen, dass die Methode von Büsching und von der Hagen wissenschaftlicher ist als die von Brentano und von Arnim. Obwohl Büsching und von der Hagen auf Quellenangaben verzichten, ist erkennbar, dass sie näher an den Originalquellen verhaftet bleiben, während Brentano und von Arnim sich zuweilen sehr weit von den Quellen entfernen, außerdem muss gesagt werden, dass die Quellenangaben in ihrem Wunderhorn mit sehr viel Vorsicht betrachtet werden sollten, da es sich oftmals um fiktive Quellen handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Das Kapitel führt in das Thema der Mittelalterrezeption in der Romantik ein und umreißt den methodischen Aufbau der Arbeit sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
2. ZEITRAUM DER ROMANTIK: Es erfolgt eine Definition des Zeitraums der Romantik, unterteilt in die Strömungen Früh-, Hoch- und Spätromantik, orientiert an der Forschung von Detlef Kremer.
3. MITTELALTERREZEPTION: Das Kapitel analysiert die Beweggründe für das Interesse am Mittelalter, darunter nationales Selbstbewusstsein, ein entelechisches Geschichtsbild und soziopolitische Unzufriedenheit.
4. FORMEN DER ERNEUERUNG MITTELALTERLICHER TEXTE: Hier werden die verschiedenen methodischen Ansätze der Textedition und -bearbeitung diskutiert, illustriert durch den Vergleich von Volksliedsammlungen und Novalis' Werk.
5. NACHWORT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und weist auf die Notwendigkeit weiterer quantitativer Studien hin, um die Quellenlage und den Grad der Textveränderung genauer zu bestimmen.
Schlüsselwörter
Romantik, Mittelalterrezeption, Literaturgeschichte, Volksliedsammlung, Nationalgefühl, Des Knaben Wunderhorn, Novalis, Heinrich von Ofterdingen, Editionsverfahren, Universalpoesie, Poetisierung, Germanistik, Mittelalterbild, Mythologie, Identitätsstiftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beleuchtet, wie die literarische Epoche der Romantik sich inhaltlich und methodisch mit dem Mittelalter auseinandergesetzt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die Beweggründe für das romantische Interesse am Mittelalter, die unterschiedlichen Mittelaltervorstellungen der Autoren sowie die editorischen Formen der Erneuerung alter Texte.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es zu zeigen, dass die Romantiker das Mittelalter nicht bloß rezipierten, sondern es durch ihre eigenen Ideale und Wunschvorstellungen ideologisch vereinnahmten und transformierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die unter anderem auf einer vergleichenden Gegenüberstellung von Editionsverfahren sowie einer Untersuchung der Sekundärliteratur zu den Autoren basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Gründe für das Mittelalterinteresse, die Analyse der vorherrschenden Mittelaltervorstellungen und eine vergleichende Untersuchung der Erneuerung mittelalterlicher Texte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Begriffe sind Mittelalterrezeption, Romantik, Volkslied, Nationalgefühl, poetische Bearbeitung und die Werke von Novalis sowie Brentano und Arnim.
Wie unterscheiden sich die Editionen von Büsching/von der Hagen und Brentano/Arnim?
Die Arbeit stellt fest, dass Büsching und von der Hagen in ihren Editionen näher an den Originalquellen bleiben, während Brentano und Arnim die Texte stärker im Sinne ihrer romantischen Ideale umgestalteten.
Welche besondere Bedeutung hat der Roman "Heinrich von Ofterdingen" im Kontext der Arbeit?
Das Werk wird als ein Beispiel für eine literarische Übertragung analysiert, die eine breite Palette mittelalterlicher Motive mit romantischen Idealen, wie dem der "blauen Blume", verbindet.
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- Thomas Jung (Author), 2003, Die Mittelalterrezeption innerhalb der Epoche der Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61853