In unserer Hausarbeit geht es um die Identifizierung von Tatverdächtigen durch Augenzeugen.
Eine solche Identifizierung erfolgt regelmäßig im Rahmen einer Gegenüberstellung.
Wie unter Punkt 2 noch genauer erläutert wird gibt es verschiedenen Formen der Gegenüberstellungen, wobei jede jeweils ihre Vor- und seine Nachteile hat.
Nun könnte man sich fragen, warum man dieses Thema in der Psychologie überhaupt behandelt. Gehört das nicht ausschließlich in das Fach "Kriminalistik" hinein?
Die Antwort ist ganz einfach.
In der Kriminalistik wird die Gegenüberstellung objektiv und sachlich dargestellt. Der Begriff wird erläutert und die verschiedenen Formen der Gegenüberstellung werden vorgestellt.
Die jeweiligen Vor- und Nachteile der bestimmten Gegenüberstellungsform beruhen jedoch meistens auf psychologischen Erkenntnissen.
Um in das Thema einzuführen und es verständlich zu machen wird auch in dieser Hausarbeit die Gegenüberstellung zunächst unter kriminalistischen Gesichtspunkten betrachtet
In der Psychologie muss man sich zu diesem Thema jedoch andere Fragen stellen, bzw. andere Probleme beachten.
Bei der korrekten Durchführung einer Gegenüberstellung sind sowohl kriminalistische als auch psychologische Aspekte zu beachten. Nur so hat der hohe Beweiswert einer Gegenüberstellung auch vor Gericht bestand.
Die Beurteilung der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit einer Täteridentifizierung durch Zeugen hängt von den verschiedensten psychologischen Kriterien, wie z.B. Intelligenz des Zeugen, Merkfähigkeit, Stress, Aussagequalität, Alter des Zeugen und noch vielem.
Wie behandeln in unserer Hausarbeit die Wichtigsten Themen zur Gegenüberstellung, indem wir zunächst den Begriff bestimmen, auf die Rechtsgrundlagen eingehen und schließlich die hauptsächlichen psychologische Aspekte ansprechen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
2.1 Identifizierungsgegenüberstellung
2.2 Die offene, gedeckte und verdeckte GGÜ
2.3 Einzelgegenüberstellung
2.4 Simultane und Sequenzielle Wahlgegenüberstellung
2.5 Gegenüberstellung per Video
2.6 Die akustische Gegenüberstellung
2.7 Lichtbildvorlage und Lichtbildvorzeigekartei
2.8 Schaubild über die verschiedenen Gegenüberstellungsarten
3 Rechtliche Aspekte und Probleme der Gegenüberstellung
3.1 Gegenüberstellung von Kindern und Jugendlichen
3.2 Wiedererkennen aus tatverdächtigen Gruppen
3.3 Dokumentation der Wiedererkennungsverfahren
3.4 Verfahren und Ablauf einer Gegenüberstellung
4 Psychologie der Gegenüberstellung
4.1 Zeugenfaktoren
4.1.1 Kinder, Jugendliche und alte Personen als Zeugen
4.1.2 Geschlecht des Zeugen
4.2 Täterfaktoren
4.2.1 Vermummung und Veränderung des Aussehens
4.2.2 Geschlecht und Rasse der Zielperson
4.2.3 Attraktivität und Auffälligkeit des Täters
4.3 Situationsfaktoren
4.3.1 Beleuchtungsverhältnisse
4.3.2 Auffälligkeit des Täters im Wahrnehmungsfeld
4.3.3 Bedrohung mit Waffen
4.3.4 Stress, Erregung, Gewalt
4.3.5 Zeitabstand zwischen Beobachtung und Identifizierung
4.3.6 Suggestivwirkung
5 Personenbeschreibung
6 Grundsatz der Einmaligkeit
7 Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verfahren der Identifizierung von Tatverdächtigen durch Augenzeugen. Dabei wird analysiert, wie kriminalistische Methoden mit psychologischen Erkenntnissen korrespondieren, um eine gerichtsfeste und zuverlässige Täteridentifizierung zu gewährleisten und Fehlerquellen bei der Zeugenaussage zu minimieren.
- Kriminalistische Methoden der Gegenüberstellung (GGÜ)
- Psychologische Faktoren der menschlichen Wahrnehmung und Erinnerung
- Einfluss von Zeugen-, Täter- und Situationsfaktoren auf die Identifizierungsleistung
- Rechtliche Grundlagen und Dokumentationsanforderungen
- Der Grundsatz der Einmaligkeit des Wiedererkennungsverfahrens
Auszug aus dem Buch
4.3.3 Bedrohung mit Waffen
Bei Untersuchungen mit bewaffneten Tätern ist etwas erstaunliches festzustellen. Wird bei einer Straftat eine Waffe verwendet, so richtet sich der Blick des Opfers, bzw. des Zeugen zunächst eher auf die Waffe, als auf des Gesicht oder die körperlichen Merkmale des Täters.
Dieses Phänomen nennt man „Waffenfokus“ oder Waffeneffekt.
Bei einem Versuch von Cutler wurde verschiedenen Probanden ein Videofilm vorgespielt. In dem ersten Video hielt der Täter offensichtlich eine Waffe in der Hand, während der selbe Täter in einer anderen Version des Videos die Waffe unter seiner Jacke verbarg.
Bei dem Video mit der offen erkennbaren Waffe erkannten nur 26% der Probanden den Täter wieder.
Bei dem Video mit der versteckten Waffe hingegen waren es immerhin 46% richtige Täteridentifizierungen.
Maas und Köhnken stellten eine realistische Situation mit einer Spritze als „Waffe“ nach. Hierbei konnte man feststellen, dass in einer reell nachgestellten Situation dieses Phänomen des Waffenfokusses noch viel stärker ausgeprägt ist, als bei dem Versuch mit den Videofilmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Täteridentifizierung durch Augenzeugen und Abgrenzung zwischen kriminalistischer Praxis und psychologischen Anforderungen.
2 Begriffsbestimmung: Definition der Gegenüberstellung und Vorstellung verschiedener Formen wie Identifizierungs-, Video- und akustische Gegenüberstellungen.
3 Rechtliche Aspekte und Probleme der Gegenüberstellung: Untersuchung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie spezifischer Herausforderungen bei Kindern, Jugendlichen und der Dokumentation.
4 Psychologie der Gegenüberstellung: Umfassende Analyse der beeinflussenden Zeugen-, Täter- und Situationsfaktoren auf die kognitive Identifizierungsleistung.
5 Personenbeschreibung: Erörterung der methodischen Vorgehensweise und der Limitationen bei der verbalen Beschreibung von Tatverdächtigen.
6 Grundsatz der Einmaligkeit: Begründung, warum Wiedererkennungsverfahren aus psychologischer Sicht nur einmalig durchführbar sein dürfen.
7 Abschlussbetrachtung: Fazit über die Notwendigkeit der Integration psychologischer Grundlagen in die kriminalistische Arbeit zur Qualitätssicherung der Beweisführung.
Schlüsselwörter
Gegenüberstellung, Wiedererkennungsverfahren, Augenzeugen, Täteridentifizierung, Kriminalistik, Psychologie, Wahrnehmungspsychologie, Waffeneffekt, Suggestivwirkung, Zeugenschutz, Personenbeschreibung, Beweiswert, StPO, Gedächtnis, Erinnerungsleistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Identifizierung von Tatverdächtigen durch Augenzeugen und beleuchtet die Schnittstelle zwischen kriminalistischen Verfahren und den psychologischen Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der Zeugenaussage.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen verschiedene Methoden der Gegenüberstellung, die rechtliche Einordnung, sowie die detaillierte Analyse psychologischer Faktoren (Zeugen-, Täter- und Situationsfaktoren), die eine Identifizierung beeinflussen können.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Lesern aufzuzeigen, wie durch korrekte methodische Durchführung und Kenntnis psychologischer Fehlerquellen die Glaubwürdigkeit und Beweiskraft von Täteridentifizierungen gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse kriminologischer und psychologischer Erkenntnisse, die durch den Vergleich verschiedener empirischer Studien und rechtlicher Richtlinien untermauert wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Formen der Gegenüberstellung (offen, verdeckt, Video, Lichtbild), die psychologischen Phänomene der Wahrnehmung sowie den Einfluss von Stress, Gewalt und Suggestion auf die Erinnerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Fachbegriffe wie Gegenüberstellung, Wahrnehmungspsychologie, Suggestivwirkung, Waffeneffekt und den Grundsatz der Einmaligkeit.
Warum ist der "Waffeneffekt" für Ermittler relevant?
Der Waffeneffekt ist relevant, weil er nachweist, dass bei Straftaten mit Waffen der Fokus des Zeugen oft so stark auf der Waffe liegt, dass die Identifizierung des Täters deutlich erschwert wird.
Was bedeutet der Grundsatz der Einmaligkeit?
Er besagt, dass ein Wiedererkennungsverfahren nur ein einziges Mal durchgeführt werden darf, da jede Wiederholung das Täterbild im Gedächtnis durch Suggestion verfälscht und das Beweismittel somit entwertet.
- Quote paper
- Silke Göder (Author), 2002, Identifizierung von Tatverdächtigen durch Augenzeugen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6189