In der heutigen Zeit haben Jugendliche meiner Ansicht nach mit vielen Aufgaben und Problemen zu kämpfen, unter anderem mit sich selbst – also ihrem Selbstkonzept. Sie stecken in einer Phase voller Erwartungen, Anforderungen und Widersprüchen und sind auf der Suche nach einer eigenen Identität. Mit Sicherheit ist dies keine leicht zu bewältigende Aufgabe, da sie sich in einem Prozess befinden, in dem sie auf der einen Seite individuell sein möchten, sich auf der anderen Seite aber auch in die Gesellschaft integrieren sollen (Dorlöchter, Maciewski & Stiller, 1997, 259ff.). Bei der Bewältigung dieser so genannten Entwicklungsaufgaben spielen die Selbstwahrnehmung, die Zufriedenheit mit dem eigenen Aussehen sowie die Anerkennung durch das soziale Umfeld meiner Meinung nach eine große Rolle. Ich habe mich in dieser Hausarbeit für das Thema „Identitätsentwicklung im Jugendalter – Welche Rolle spielt der Sport bei der Ausbildung des Selbstkonzepts?“ entschieden, weil ich herausfinden möchte, wie weit reichend der Einfluss des Sports eigentlich ist. Das heißt, verhilft sportliche Aktivität beispielsweise zu einem stärkeren Selbstwertgefühl und wie ist dies zu erklären? Im Folgenden werde ich näher auf dieses Thema eingehen, indem ich – nach der Klärung einiger theoretischer Grundlagen - zunächst die Phase der Adoleszenz mit ihren jugendtypischen Merkmalen analysiere. Anschließend soll der Einfluss des Sports – sei es nun im Verein, als Freizeit- oder Leistungssport – auf das jugendliche Selbstkonzept herausgestellt werden. Das heißt, inwiefern leistet sportliches Engagement einen Beitrag zur subjektiven Wahrnehmung Jugendlicher in Bezug auf ihr Aussehen, ihre Leistungen, auf ihre gesamte Person? Wichtig dabei ist mir auch der Aspekt des jugendlichen Körpers, wobei der Einfluss der Medien hinsichtlich der zahlreichen, kaum zu erreichenden Schönheitsideale sicherlich eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Es soll also herausgestellt werden, ob es einen Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und der Ausbildung des jugendlichen Selbstkonzepts gibt und wenn ja, wie sich dieser auf die Identitätsentwicklung auswirkt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
Selbstkonzept
Körperkonzept
Identität
3 Merkmale der Jugendphase
Abgrenzung der Jugendphase
Entwicklungsaufgaben
Das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung
4 Einfluss sportlicher Aktivität in der Jugendphase
4.1 Sport und jugendliches Selbstkonzept
4.1.1 Sport und soziales Selbstkonzept
4.1.1.1 Peer-Groups
4.1.1.2 Der Sportverein
4.1.2 Sport und Körperkonzept
4.1.3 Sport und Selbstwertgefühl
4.2 Der jugendliche Körper als Kapital
4.3 Selbstwahrnehmung von Jungen und Mädchen im Vergleich
5 5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von sportlicher Aktivität auf die Identitätsentwicklung und die Ausbildung des Selbstkonzepts bei Jugendlichen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob und wie Sport als Ressource zur Bewältigung der spezifischen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz beitragen kann.
- Psychologische Grundlagen: Selbstkonzept, Körperkonzept und Identität
- Die Jugendphase: Herausforderungen, Entwicklungsaufgaben und Realitätsverarbeitung
- Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und dem Selbstbild
- Die soziale Bedeutung von Sportvereinen und Peer-Groups
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Körperwahrnehmung und Leistungsbewertung
Auszug aus dem Buch
4.2 Der jugendliche Körper als Kapital
In diesem Zitat von Brinkhoff wird die Ambivalenz des jugendlichen Körpers verdeutlicht, welche sich dadurch äußert, dass er (der jugendliche Körper) auf der einen Seite in Form des sportlich-ästhetischen Körpers als Kapital für die Gewinnung gesellschaftlicher Akzeptanz angesehen werden kann, auf der anderen Seite allerdings angesichts der Schwierigkeit des Erreichens dieses Körperideals auch als Krisenpotenzial gilt. Besonders in der Pubertät, in der der Körper starke Veränderungen erfährt, wird das eigene Körperbild mit seinen Qualitäten immer wieder in Frage gestellt. Eine „Antwort“ bekommt er sozusagen durch Rückmeldungen des sozialen Umfeldes, die sein Körperbild positiv oder negativ verstärken, was sich wiederum in hohem Maße auf das Selbstwertgefühl Jugendlicher auswirkt (Brinkhoff et al., 1990, S.84). So versuchen die Heranwachsenden durch Hilfe von Modellierungstechniken, die von Bodybuilding über Mode bis zur Pickelcreme reichen, den aktuellen Schönheitsidealen zu entsprechen, um die für das Selbstwertgefühl benötigte Anerkennung zu erhalten. In Kapitel 4.1.2 wurde bereits erwähnt, dass der Sport eine ideale Gelegenheit bietet, sich diese Anerkennung durch Ästhetisierung des eigenen Körpers zu verschaffen. Brinkhoff et al. betonen zudem die weit reichende Intensität dieses Modellierungsprozesses, die besonders dadurch zum Ausdruck kommt, dass viele Menschen glauben, durch sportive Veränderungen des Körpers neue Eigenschaften wie z.B. Selbstsicherheit, Attraktivität oder Charisma zu erhalten. Schuld an der Krisenhaftigkeit des jugendlichen Körpers sind Brinkhoff zufolge „die neuen Ideale der Körperästhetisierung und –modellierung der postmodernen Gesellschaft, die sich in besonderem Maße an sportiven, jugendlichen Körperbildern […] orientieren, die den jugendlichen Körper zum Kapital werden lassen“ (Brinkhoff et al., 1990, S.86).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Identitätsfindung im Jugendalter ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Einfluss des Sports auf das Selbstkonzept.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Selbstkonzept, Körperkonzept und Identität als kognitive Strukturen des Individuums.
3 Merkmale der Jugendphase: Hier werden die Adoleszenz als Übergangsphase, spezifische Entwicklungsaufgaben und das Modell der produktiven Realitätsverarbeitung analysiert.
4 Einfluss sportlicher Aktivität in der Jugendphase: Dieses Hauptkapitel untersucht die Auswirkungen des Sports auf soziale Kompetenzen, das Körperbild und das Selbstwertgefühl sowie geschlechtsspezifische Unterschiede.
5 5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass sportliche Aktivität einen signifikant positiven Beitrag zur Identitätsentwicklung und zum Selbstbild Jugendlicher leisten kann.
Schlüsselwörter
Identitätsentwicklung, Jugendalter, Selbstkonzept, Körperkonzept, Sport, Selbstwertgefühl, Adoleszenz, Entwicklungsaufgaben, Peer-Groups, Sportverein, Sozialisation, Körperästhetik, Leistungsfähigkeit, Selbstbild, geschlechtsspezifische Unterschiede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wechselwirkung zwischen sportlicher Betätigung im Jugendalter und der Entwicklung des persönlichen Selbstkonzepts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychologische Fundierung des Selbst- und Körperkonzepts, die Anforderungen der Jugendphase sowie der Einfluss des Sports auf die Persönlichkeitsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, inwiefern Sport als Werkzeug dienen kann, um die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz erfolgreich zu bewältigen und die eigene Identität zu festigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse sportwissenschaftlicher Sozialisationsforschung und relevanter psychologischer Modelle basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Sport in Bezug auf das soziale Selbstkonzept, das Körperkonzept, das Selbstwertgefühl sowie den Vergleich zwischen Jungen und Mädchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Identitätsentwicklung, Selbstkonzept, Adoleszenz, Sport, Körperkonzept und Sozialisation.
Welche Rolle spielt die "Peer-Group" laut der Arbeit?
Die Peer-Group bietet ein wichtiges Sozialisationsfeld, das Jugendlichen emotionale Sicherheit und Orientierung bietet; der Sport dient hier oft als Bühne zur Erlangung von Anerkennung.
Warum wird der Körper in der Jugend als "Kapital" bezeichnet?
Der Körper wird als Kapital betrachtet, da er in der heutigen Gesellschaft zur Gewinnung von sozialer Akzeptanz, Macht und Ansehen eingesetzt werden kann.
Gibt es Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?
Ja, die Arbeit stellt fest, dass Jungen sich stärker über sportliche Leistungsfähigkeit definieren, während bei Mädchen die körperliche Attraktivität und deren Bewertung eine zentralere Rolle spielen.
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- Lisa Unger (Author), 2006, Identitätsentwicklung im Jugendalter. Die Rolle des Sports bei der Ausbildung des Selbstkonzepts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61979