Der Sport ist ein gesellschaftliches Phänomen, das sich auf der ganzen Welt immer größerer Begeisterung erfreut und dessen Beliebtheit sowie dessen Nutzen sich wohl auch in Zukunft weiter verstärken wird. Die hier vorliegende Arbeit soll sich mit der Entstehung desmodernenSports befassen, der das Produkt eines sich im England des 18. und 19. Jahrhunderts über gut zwei Jahrhunderte erstreckenden Entwicklungsprozesses ist, und sich von dort ausgehend zuerst in den Kolonien des Empires und anschließend auf der ganzen Welt verbreitete. Um den Entwicklungsprozess des Sports zum modernen Sport nachzuvollziehen, ist es zunächst einmal wichtig zu wissen was letzteren eigentlich ausmacht. Zu diesem Zweck wird sich der erste Teil der Arbeit mit den Charakteristika des modernen Sports nachAllen Guttmannbeschäftigen und diese vorstellen, erklären und gegeneinander abgrenzen. Im Folgenden geht es dann um die Bildung eines sozialwissenschaftstheoretischen Rahmens, dessen Rolle die Zivilisationstheorie des „Menschenwissenschaftlers“Norbert Eliaseinnehmen wird, und vor dessen Hintergrund die Entstehung und die Ursachen für die Entstehung des modernen Sports in England beleuchtet werden sollen. Zu diesem Zweck wird es die Aufgabe sein die zivilisationstheoretischen Kernaussagen zusammenzutragen und zu durchdringen.
Im eigentlichen Hauptteil wird dann in, im Großen und Ganzen, chronologischer Reihenfolge der Entwicklungsweg des modernen Sports nachvollzogen werden, wobei die Darstellungen unter anderem um Begriffe wie Zivilisierung, Prestige, Konkurrenz, Vergesellschaftung, Fairplay, Kommerzialisierung, Amateur- und Profitum, etc. kreisen werden. Weiterhin wird es Ziel dieser Arbeit sein die gewonnen Erkenntnisse in interdependenten, figurationalen Zusammenhängen darzustellen und zu diskutieren, sodass am Ende ein möglichst logisches, gesamtgesellschaftliches und facettenreiches Abbild der Entstehungsursachen des modernen, englischen Sports und seines Weges hin zu diesem entsteht. Dabei wird die Reise, angefangen von rohen „blood sports“ und „pastimes“, über wettende und konkurrierende Gentlemen bis hin zu professionellen, am kommerzialisierten Sport verdienenden Profi-Wettkämpfern gehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Merkmale des modernen Sports
2.1 Weltlichkeit
2.2 Chancengleichheit
2.3 Spezialisierung
2.4 Rationalisierung
2.5 Bürokratisierung
2.6 Quantifizierung
2.7 Rekordstreben
3. Zur Zivilisationstheorie von Elias
4. Die Ursachen der Entstehung des modernen Sports in England
4.1 Ideologische und politische Veränderungsprozesse im 17. und 18. Jahrhundert
4.1.1 Die Puritaner
4.1.2 Politische Pazifizierung
4.2 Die Eigendynamik des Sports
4.3 Entwicklungsprozesse im 19. Jahrhundert
4.3.1 Public Schools und die Mittelschicht
4.3.2 Die Industrialisierung und die Unterschicht
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und gesellschaftlichen Ursachen, die zur Entstehung des modernen Sports in England führten. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie sich die Transformation von traditionellen, rohen Freizeitaktivitäten hin zu einem formalisierten, rationalisierten und durch Leistungsstreben geprägten Sportsystem unter Einbeziehung der Zivilisationstheorie von Norbert Elias erklären lässt.
- Charakterisierung des modernen Sports nach Allen Guttmann
- Anwendung der Zivilisationstheorie von Norbert Elias auf sportliche Entwicklungsprozesse
- Einfluss von Ideologie und politischer Pazifizierung im 17. und 18. Jahrhundert
- Bedeutung der Mittelschicht und der Public Schools für die Sportentwicklung
- Rolle der Industrialisierung bei der Transformation zum modernen Massensport
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Eigendynamik des Sport
Wie schon erwähnt war der Sport in England weder auf Stände noch aufs Geschlecht beschränkt. Dank der traditionell in der Gesellschaft verankerten hohen sozialen Mobilität (vgl. Krüger 1993, S. 22) trafen sich Aristokraten und Volksvertreter sowohl auf den Zuschauerrängen als auch direkt im Wettkampf gegeneinander. Für erstere war der Sport hauptsächlich eine Prestigekonkurrenz, die den wettbewerbsmäßigen Vergleich mit anderen Standeszugehörigen ermöglichte und somit auch geeignet war Konflikte beizulegen; für letztere bot er die Möglichkeit es den Höhergestellten mal richtig zu zeigen oder war einfach eine Verdienstmöglichkeit, denn häufig standen sporttreibende Volksvertreter in den Diensten von adligen Gentlemen. Ein Beispiel dafür sind „footmen“, die für ihre Arbeitgeber in Laufduellen gegeneinander antraten (vgl. Krüger 1993, S. 17).
Die ultimative Aufwertung für die adligen und wohlhabenden „sportsmen“ erfuhr der Sport aber in Verbindung mit Wetten. Zum einen erhöhten sie den Nervenkitzel von den nun immer unblutiger ausgetragenen Wettkämpfen ungemein, und zum anderen fungierten sie als universell anerkanntes Statussymbol. Je höher man bot, desto mehr Annerkennung bekam man. Dabei wettete die Oberschicht überwiegend in sports wie Pferderennen, Hahnenkämpfe, Cricket, Boxen und Wettlaufen (vgl. Eisenberg 1999, S. 29) auf von Ihnen favorisierte Tiere oder Menschen, die häufig von dem jeweilig Wettenden selbst, finanziell unterhalten wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein der Untersuchung, definiert das Phänomen Sport als gesellschaftliches Produkt des englischen Entwicklungsprozesses und skizziert den methodischen Rahmen durch Guttmanns Sportcharakteristika sowie Elias' Zivilisationstheorie.
2. Die Merkmale des modernen Sports: Dieses Kapitel erläutert die sieben Wesensmerkmale nach Allen Guttmann, die den modernen Sport vom unmodernen Sport abgrenzen und als Analysegrundlage dienen.
3. Zur Zivilisationstheorie von Elias: Hier wird das sozialwissenschaftstheoretische Rüstzeug vorgestellt, welches Sport als interdependentes Phänomen innerhalb zivilisatorischer Wandlungsprozesse der Menschheitsentwicklung begreifbar macht.
4. Die Ursachen der Entstehung des modernen Sports in England: Der Hauptteil analysiert chronologisch und figurational die historischen Einflüsse von Puritanismus, politischer Pazifizierung, die Rolle der Mittelschicht sowie die transformative Kraft der Industrialisierung auf den englischen Sport.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst den Entwicklungsweg vom rohen Freizeitvergnügen zum hochkomplexen, modernen Sportmodell zusammen und diskutiert dessen zukünftige Signifikanz.
Schlüsselwörter
Moderner Sport, England, Zivilisationstheorie, Norbert Elias, Allen Guttmann, Industrialisierung, Mittelschicht, Public Schools, Rationalisierung, Quantifizierung, Rekordstreben, Fairplay, Sportgeschichte, Pazifizierung, Amateurideal
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den historischen Ursachen der Entstehung des modernen Sports in England zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Transformation sportlicher Praktiken unter dem Einfluss gesellschaftlicher Wandelprozesse, die Rolle der Zivilisationstheorie von Norbert Elias und die Charakterisierung des modernen Sports.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, ein facettenreiches Abbild der Entstehungsursachen des modernen englischen Sports in interdependenten, figurationalen Zusammenhängen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen sozialwissenschaftlich-historischen Ansatz, wobei sie auf Guttmanns Modell der Sportmerkmale und die zivilisationstheoretische Prozessanalyse von Norbert Elias zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich chronologisch mit dem Einfluss von Ideologien, der pazifizierten Oberschicht, der Rolle der Mittelschicht sowie den Auswirkungen der Industrialisierung auf den Sport.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Moderner Sport, Zivilisationstheorie, Industrialisierung, Rationalisierung und die soziale Struktur Englands definieren.
Welche Rolle spielten die Puritaner bei der Entwicklung des englischen Sports?
Die Puritaner förderten durch ihren asketischen Lebensstil eine Zurückdrängung besonders roher und gewalttätiger Sportarten, ließen jedoch weltliche Sportaktivitäten ungestört bestehen.
Warum war das Wetten ein wesentlicher Faktor für die Entstehung des modernen Sports?
Wetten steigerten den Nervenkitzel und fungierten als Statussymbol, was wiederum den Bedarf an rationalisierten Wettkampfregeln, offizieller Überwachung und formaler Quantifizierung zur Eindeutigkeit der Ergebnisse provozierte.
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- Mathias Wick (Author), 2005, Zu den Ursachen für die Entstehung des modernen Sports in England unter Einbeziehung zivilisationstheoretischer Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62013