Im Rahmen dieser Seminararbeit sollen die wesentlichen Merkmale der Hobbes’schen Anthropologie, die über den ersten Teil des „Leviathan“ relativ breit gestreut vorzufinden sind, herausgearbeitet werden. Hierbei werden zunächst die physiologischen Charakteristika, die aus Hobbes’ materialistischen Denken hervorgehen, bestimmt und erläutert. Darauf basierend werden die Implikationen in Bezug auf die Handlungsrationalität und auch die Staatskonstruktion diskutiert. Dies wird ferner in Verknüpfung mit den ethischen Konsequenzen geschehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen der Anthropologie
3 Grundlagen menschlichen Handelns
3.1 Leidenschaften
3.2 Macht und Güter
3.3 Krieg aller gegen alle
3.4 Die Aufhebung des Naturzustandes
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die anthropologischen Grundlagen im Werk „Leviathan“ von Thomas Hobbes, um aufzuzeigen, wie sein mechanistisches Menschenbild den Naturzustand konstituiert und die Notwendigkeit einer staatstheoretischen Vertragsgestaltung begründet.
- Mechanistisch-materialistische Anthropologie
- Handlungsrationalität und Leidenschaften
- Die Theorie des Naturzustandes („Bellum omnium contra omnes“)
- Die Bedeutung von Macht und Selbsterhaltung
- Der Übergang vom Naturzustand zum bürgerlichen Staat
Auszug aus dem Buch
3.3 Krieg aller gegen alle
Aus der Prämisse des dauerhaften egoistischen Begehrens folgt die Kernproblematik des Naturzustandes, dem berühmten „Bellum omnium contra omnes“. Hobbes erläutert in Lev. 116f., dass der Naturzustand in seiner vollen Ausprägung niemals faktisch existiert hat. Er ist vielmehr eine theoretische Konstruktion, welche die grundlegenden Eigenschaften der menschlichen Natur demonstrieren soll, die nicht durch eine bürgerliche Ordnung geregelt ist.
In Lev. 115 erläutert Hobbes, dass dieser Zustand nicht in der endlosen, faktischen Durchführung von Gewalttätigkeiten begründet ist, sondern vielmehr bereits in der potentiellen Bereitschaft zum Krieg fühlbar ist. Für Hobbes gibt es drei grundsätzliche Handlungsmotive, die einen Streit zwischen den Individuen auslösen können. Dies stellen Mitbewerbung, Verteidigung und Ruhm dar (Lev. 115).
Zwar ist es vom Subjekt abhängig ist, welche Güter er konkret anstrebt. Allerdings soll dies nicht bedeuten, dass jedes Mensch ein anderes Gut begehrt (CHWASZCZA 1996:95). Vielmehr herrscht häufig eine Überschneidung von menschlichen Interessen auf den Besitz von Gütern vor. Weil diese angestrebten Ressourcen oftmals im gewissen Maße endlich und damit begrenzt sind, überkreuzen sich die Begierden der Menschen und erzeugen eine feindschaftliche Situation, in der Gewaltanwendung nötig sein kann (Lev. 113f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den methodischen Rahmen der anthropologischen Analyse bei Thomas Hobbes.
2 Theoretische Grundlagen der Anthropologie: Erläuterung der mechanistisch-theoretischen und kausal-wissenschaftlichen Prämissen von Hobbes' Menschenbild.
3 Grundlagen menschlichen Handelns: Untersuchung der handlungstheoretischen Konsequenzen der Anthropologie auf die staatstheoretische Konstruktion.
3.1 Leidenschaften: Darstellung der psychologischen Grundbewegungen wie Verlangen, Abneigung und Furcht als Handlungsantriebe.
3.2 Macht und Güter: Analyse der egoistischen Strebensstruktur des Menschen nach Macht und materieller Sicherheit.
3.3 Krieg aller gegen alle: Herleitung des Naturzustandes als Folge des universellen Konkurrenzkampfes und der Unsicherheit.
3.4 Die Aufhebung des Naturzustandes: Aufzeigung der Notwendigkeit eines Gesellschaftsvertrages zur Etablierung staatlicher Ordnung.
4 Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse zur Verknüpfung von anthropologischen Voraussetzungen und der staatstheoretischen Notwendigkeit.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Anthropologie, Naturzustand, Bellum omnium contra omnes, Selbsterhaltung, Macht, Vernunft, Leidenschaften, Gesellschaftsvertrag, Handlungsrationalität, Mechanismus, politisches Denken, Staatstheorie, Menschenbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die philosophische Anthropologie von Thomas Hobbes im „Leviathan“ und wie diese als Basis für seine politische Theorie dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen das mechanistische Menschenbild, die Rolle von Leidenschaften und Vernunft sowie die Entstehung und Überwindung des Naturzustandes.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor in der Hausarbeit?
Es wird dargelegt, dass das Menschenbild bei Hobbes die notwendige Voraussetzung für die Staatskonstruktion bildet und über einfache Schlagworte hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-analytische Methode, die sich auf die Textauslegung des „Leviathan“ unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur stützt.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die physiologischen und psychologischen Grundlagen des Handelns, der Machtbegriff und die Logik des Krieges aller gegen alle dargelegt.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit besonders?
Die zentralen Begriffe sind Anthropologie, Naturzustand, Selbsterhaltung, Macht, Vernunft und Vertragsabschluss.
Warum ist die „Furcht“ bei Hobbes für den Staat so zentral?
Laut dem Text ermöglicht erst die Furcht vor dem gewaltsamen Tod den Menschen, sich auf einen friedlichen Vertrag zur staatlichen Organisation einzulassen.
Welche Rolle spielt die Vernunft im Handeln des Menschen?
Die Vernunft wird bei Hobbes als instrumentell kalkulierende Fähigkeit verstanden, die zur Nutzenmaximierung und Sicherung des eigenen Machtausbaus dient.
- Quote paper
- Stefan Witzmann (Author), 2006, Die Anthropologie im "Leviathan" von Thomas Hobbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62034