„Ich weiss doch gar nicht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein!“ - Zum Menschenbild der Serie Star Trek in philosophischer und theologischer Reflexion


Diplomarbeit, 2001
95 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Vorklärungen
2.1. Das Anliegen
2.2. Die Methode
2.3. Über Star Trek
2.3.1. Zur Entstehung der Serie Star Trek
2.3.2. Von der Originalserie zu den neuen Serien
2.3.3. Hinweise auf den metaphorischen Charakter der Serien
2.4. Das Problem der fiktiven außerirdischen Charaktere
2.5. Das Problem der Einheit der Serien
2.6. Begrifflichkeiten
2.6.1. Beamen
2.6.2. Holodeck/mobiler Emitter
2.6.3. Die Borg/Borg-Kollektiv
2.6.4. Borg-Implantate
2.6.5. Assimilieren
2.6.6. Warpgeschwindigkeit

3. Untersuchung
3.1. Hinweis zur Untersuchung des Prozesses der „Vermenschlichung“ des Charakters Seven of Nine in der Serie Star Trek: „Voyager“
3.2. Skorpion (V71)
3.2.1. Der Inhalt
3.2.2. Analyse
3.2.2.1. Der sprechende Mensch
3.2.2.2. Der Mensch als Individuum
3.2.2.2.1. Teilhabe
3.2.2.2.2. Größe/Kleinheit des Menschen
3.2.3. Wertung
3.3. Die Gabe (V72).
3.3.1 Der Inhalt
3.3.2. Analyse
3.3.2.1. Der individuelle Mensch
3.3.2.2. Die Kleinheit des Menschen
3.3.2.3. Der Mensch im Bezug zum Menschen
3.3.2.3.1. Der personale Bezug
3.3.2.3.2. Der Mensch in Gesellschaft
3.3.2.3.2.1. Das Borg-Kollektiv
3.3.2.3.2.2. Das „menschliche Kollektiv“
3.3.2.4. Der Mensch als geschichtliches Wesen
3.3.2.5. Menschwerdung in Entscheidung
3.3.2.6. Die Freiheit des Menschen
3.3.2.6.1. Verschiedene Arten von Freiheit
3.3.2.6.2. Der Sinn der Freiheit
3.3.3. Wertung
3.4. Der Schwarze Vogel (V74).
3.4.1. Der Inhalt
3.4.2. Analyse
3.4.2.1. Verwiesenheit auf Sinn
3.4.3. Wertung
3.5. Apropos Fliegen (V79)
3.5.1. Der Inhalt
3.5.2. Analyse
3.5.2.1. Bewußtsein
3.5.2.1.1. Das Phänomen des Bewußtseins
3.5.2.1.2. Unterscheidungen
3.5.2.2. Der Mensch als denkendes Wesen
3.5.2.3. Mensch und Welt
3.5.3. Wertung
3.6. Leben nach dem Tod (V80); Die Omega-Direktive (V89).
3.6.1. Der Inhalt
3.6.1.1. Leben nach dem Tod (V80)
3.6.1.2. Die Omega-Direktive (V89).
3.6.2. Analyse
3.6.2.1. Von der Verwiesenheit des Menschen auf Sinn zu Gott
3.6.2.2. Zum Verhältnis von Philosophie und christlichem Glauben
3.6.3. Wertung

4. Zusammenfassende Wertung und Ausblick

Die Arbeit ist in der Schriftart Arial in der Schriftgröße 12 verfaßt. Der Zeilenabstand beträgt 1,5 Zeilen

1. Vorwort

Die Serien mit dem Titel „Star Trek“ sind vermutlich die erfolgreichsten Science-fiction-Serien der Welt. Mit zusammen über 560 bisher gesendeten Folgen und neun Kinofilmen sind sie wohl auch die umfangreichsten. Schon in den ersten Monaten der Sendung in den sechziger Jahren des nun vergangenen Jahrhunderts begannen erste Fantreffen und verhinderten sogar, die Originalserie wegen damaliger schlechter Einschaltquoten einzustellen[1]. Diese Bewunderung hat auch mich ergriffen, so daß sie eine Hauptmotivation bei der Erstellung dieser Arbeit war.

Im Zusammenhang mit der Qualität der Serien wird immer wieder die „Philosophie Star Treks“ erwähnt. Diese nun unter anthropologischem Blickwinkel zu untersuchen, war mir ein großes Anliegen. Denn die Menschen, die in der fiktionalen Zukunft leben, sehen sich außerirdischen Lebensformen gegenübergestellt, die viele Anfragen an den Menschen stellen. Diese zu beantworten, ist ein Bemühen von Star Trek. Es drängen sich fast naturgemäß viele Fragen auf: Wie wird der Mensch in diesen Serien dargestellt? Entspricht die Darstellung der Ansicht der philosophischen und theologischen Anthropologie? Können die Serien vielleicht sogar noch mehr leisten?

Diese Fragen zu beantworten ist das Hauptanliegen dieser Arbeit. Dabei ist zunächst davon auszugehen, daß nicht jeder Leser Star Trek kennt. Daher erfolgen zunächst einige wichtige Hintergrundinformationen sowie Klärungen, wie die Untersuchung formal angegangen werden soll. Die Untersuchung selbst folgt dem Schema: Inhaltsangabe der jeweiligen Folge - Analyse – Wertung/Kommentar. In der Analyse soll versucht werden, anthropologische Elemente mit den Darstellungen in den Serien zu verbinden, die Wertung gibt eine Stellungnahme zum Teilergebnis ab. Im Anschluß an die Untersuchung wird eine zusammenfassende Wertung die Teilergebnisse kommentieren.

Ich möchte darauf hinweisen, daß im Rahmen dieser Diplomarbeit keine vollständige Anthropologie geleistet werden kann und soll. Vielmehr sollen einzelne Aspekte mit der Darstellung in den Serien verglichen werden. Die Reihenfolge der dargestellten Elemente des Menschen orientiert sich an der Abfolge der Episoden der untersuchten Staffel. Daher mag sie etwas ungewöhnlich erscheinen. Aber „die Themen der philosophischen Anthropologie, Ich, Verwiesenheit auf Sinn, Offenheit des Menschen, Leiblichkeit, Intersubjektivität, Geschichtlichkeit usw. lassen sich kaum, wie es der Duktus eines Buches erfordert, hintereinander darstellen. Sie gehören in der Wirklichkeit des Menschen in eins, setzen sich gegenseitig voraus und bilden gemeinsam die Seinsart des Menschen.“[2]

Der Titel der Arbeit ist ein Zitat aus der Serie Star Trek: „Raumschiff Voyager“. Der Charakter, Seven of Nine, der wieder ein Mensch werden soll, „weiß doch gar nicht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.“[3] Sie weiß nicht, was einem Lebewesen gegeben sein muß, um von einem Menschen sprechen zu können. Das herauszufinden, einige Elemente des Menschen aufzuzeigen, widmet sich die vorliegende Arbeit.

2. Vorklärungen

2.1. Das Anliegen

Das Anliegen dieser Diplomarbeit ist es, einen Überblick darüber zu geben, welche anthropologischen Elemente des Menschen in den Serien Star Trek dargestellt werden. Bei dem Aufweis sollen sowohl verbale Äußerungen wie auch aussagerelevante Handlungen berücksichtigt werden. Es kommt dem Verfasser dabei nicht auf Vollständigkeit und Detailtreue an, da diese den Rahmen der Arbeit sprengen würden. Vielmehr soll auf einzelne Aspekte aufmerksam gemacht werden, eine vollständige Anthropologie kann nicht geleistet werden. Die Leitfrage lautet: Was sagen die Serien über den Menschen und seine Grunderfahrungen aus? Und: Können die Aussagen im Lichte einer philosophischen bzw. theologischen Anthropologie gedeutet werden? Die Qualität der Aussagen ist dann noch zu prüfen.

2.2. Die Methode

Ausgehend von der vierten Staffel der Serie Star Trek: "Raumschiff Voyager" werden zunächst diejenigen Folgen untersucht, deren Inhalt ein Ergebnis verspricht. Die Auswahl ist im Anhang dokumentiert. Dann wird näher auf die Aussagen der Folge eingegangen, bereits mit anthropologischer Reflexion. Zur Ergänzung eines Themas werden schließlich einzelne Folgen der Serie Star Trek: „Das nächste Jahrhundert" hinzugezogen. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, daß die Reihenfolge der Elemente sich aus der Reihenfolge ergibt, in denen sie in der Serie vorkommen. Der logische Aufbau ergibt sich also nicht aus den wesentlichsten Elementen des Menschen, sondern aus deren Erscheinen in den Episoden.

Im Vorfeld wurden Szenen der Folgen der vierten Staffel der Serie Star Trek: „Voyager“ und einige der Serie Star Trek: „Das nächste Jahrhundert“ transkribiert. Die Untersuchung beschränkt sich auf diese Folgen, weil sie zum einen durch den Charakter Seven of Nine, der zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal in Erscheinung tritt, das Thema Mensch im besonderen thematisieren, zum anderen, weil eine Bearbeitung der Folgen aller Serien innerhalb der Grenzen einer Diplomarbeit nicht möglich ist. Außer der ersten Serie mit 80 Folgen bestehen die drei anderen Serien aus über 160 Folgen, wobei die derzeit aktuelle Serie, Star Trek: „Raumschiff Voyager“, noch nicht vollständig ausgestrahlt ist.

2.3. Über Star Trek

2.3.1. Zur Entstehung der Serie Star Trek

Das Konzept von Gene Roddenberry, dem „Schöpfer“ von Star Trek, das er Anfang der 60er Jahre bei dem amerikanischen Fernsehsender MGM einreichte, sah „eine Art Verlagerung des Pionierwesens aus den Gründerjahren der vereinigten Staaten in die Zukunft und in den Weltraum“[4] vor. „Die letzte Grenze, die es zu erforschen galt, sollte nicht mehr ein unbekanntes Land, sondern das All sein.“[5] Es geht um ein Raumschiff mit dem Namen „Enterprise“, das mit seiner Besatzung für eine Sternenflotte fliegt, die „von der Föderation der vereinten Planeten aufgebaut worden war, um den Weltraum friedlich zu erforschen. Die Föderation war von Roddenberry als ein Verbund aller Planeten angelegt, die die Raumfahrt entwickelt hatten oder die zumindest in der Lage waren, mit anderen Intelligenzen in Kontakt zu treten.“[6]

MGM lehnte dieses Konzept allerdings ab, weil zu jener Zeit eher Action-Serien gefragt waren. 1964 legte Roddenberry das Konzept dem Sender NBC vor, der zu einer Produktion eines

Pilotfilms bereit war.[7]

„Die Tatsache, daß Roddenberry verschiedene Rassen (Farbige,

Asiaten etc.) nebeneinander agieren ließ, führte trotz aller Zuversicht in seine Idee zu Bedenken von höherer Stelle, zumal die Integration der Farbigen in den USA noch lange keine Selbstverständlichkeit war.“[8]

Nach dem Dreh des ersten Pilotfilms ergab sich eine Schwierigkeit. Die Verantwortlichen des Fernsehsenders hielten die Handlung für zu anspruchsvoll. Sie hatten die Befürchtung, das Publikum würde der Handlung nicht folgen können, da unter anderem die „Feinde“ nicht einfach nur „Feinde“ waren, wie in dieser Zeit üblich, sondern aus verständlichen und nachvollziehbaren Motiven handelten. Daher wurde 1965/66 ein zweiter Pilotfilm gedreht, der einige Änderungen des Konzeptes, vor allem die Crew betreffend, aufwies.[9]

2.3.2. Von der Originalserie zu den neuen Serien

Obwohl im Vergleich zu den neuen Serien nur wenige Folgen (80 im Gegensatz zu etwa 180) produziert wurden, war die Originalserie so erfolgreich, daß sie nicht nur mehr als dreißig Jahre lang ständig in vielen Ländern wiederholt wird, es entstanden auch sieben Kinofilme mit der alten Besetzung (und bisher drei mit der Besetzung aus Star Trek: „The Next Generation“).

Da das aber nicht ausreichte, um der Nachfrage der Fans Genüge zu tun, überlegte man, Anfang der achtziger Jahre, eine weitere Serie, die ähnlich angelegt war, zu realisieren. Es entstand Star Trek: „The Next Generation“ (deutscher Titel: „Das nächste Jahrhundert“), in der es ebenfalls um ein Raumschiff Enterprise geht, das aus einer Besatzung besteht, die nicht nur verschiedene menschliche „Rassen“ beherbergt, sondern auch verschiedene Außerirdische.

Auch diese Serie war erfolgreich, und so startete man, noch während diese lief, eine weitere mit dem Namen Star Trek: „Deep

Space Nine“, deren Handlung auf einer Raumstation spielt.

Die aktuelle Serie heißt Star Trek: „Voyager“ (deutscher Titel: Star Trek: „Raumschiff Voyager“). Es geht um ein Raumschiff, das von einer fremden Macht in einen anderen Bereich unserer Galaxie gezogen wurde und seitdem versucht, nach Hause zu kommen. Eine Reise, die normalerweise siebzig Jahre dauern würde, durch verschiedene Ereignisse aber verkürzt wird. Es steht in Aussicht, daß die Voyager sogar am Ende der Serie die Erde erreichen wird.[10]

Gemeinsam ist allen Serien, daß sie im gleichen „Universum“ spielen, d.h. daß die Grundidee gleich ist. Ein gemeinsames Element ist der Verbund der Vereinten Planeten, dessen Hauptsitz auf der Erde ist, und dessen Präsenz im Weltraum durch die Sternenflotte, der die Schiffe der Serien angehören, gewährleistet ist. Die Sternenflotte hat auch ethische Grundprinzipien, die in den Serien (verstärkt aber erst in den neuen) zur Sprache kommen.

2.3.3. Hinweise zum metaphorischen Charakter der Serien

Eine der wichtigsten Grundideen von Star Trek ist es, bestimmte Szenarien oder gesellschaftliche Fragen, die hier und heute interessant bzw. fraglich sind, in den Weltraum der Zukunft zu verlagern, um sie dort, in einer anderen Umgebung, zu diskutieren bzw. dazu Stellung zu nehmen (oder manchmal auch nicht). Es wird darauf hingewiesen, weil der Prozeß der „Vermenschlichung“ des Charakters Seven of Nine in der Serie Star Trek: „Raumschiff Voyager“ nicht bloß rein fiktional innerhalb der Serie zu suchen ist, sondern die Autoren durchaus in diesen Charakterstudien einen Bezug zur realen Welt implizieren, und sei es nur dergestalt, daß sie sich auf elementare Erfahrungen der Menschen heute berufen. Die These wird unterstützt durch ein Zitat aus der Biographie Gene Roddenberrys, in welcher der Autor von verschiedenen Elementen spricht, die in der Originalserie vorkommen. Er spricht davon, daß „der dritte Handlungstyp, der nach wie vor mit diesem Land und den Geschehnissen zusammenhängt, [der ist,] daß das Raumschiff Planeten besucht, die der Erde sehr ähnlich sind.“[11]

Ein weiterer Beleg dafür findet sich in einem Interview mit dem Produzenten der aktuellen Serie Star Trek: „Voyager“, Rick Bermann: „Ich denke, daß alle Star Trek-Serien moralische Geschichten waren, zum Teil, aber nur zum Teil, versuchen wir Episoden zu erstellen, die provokant sind, die die Leute zum Nachdenken bringen und die versuchen, das zu tun, worin Science-Fiction am besten ist: Geschichten zu erzählen, die momentane Ereignisse in die Zukunft versetzen, so daß die Menschen sie anders betrachten können.“[12]

In Der Folge N8: „Das Gesetz der Edo“ fällt ein Besatzungsmitglied auf einem unbekannten Planeten ungeschickterweise in ein Blumenbeet. Es stellt sich heraus, daß das Gesetz vorsieht, auch solche „Bagatelldelikte“ mit dem Tode zu bestrafen. Im Folgenden versucht der Captain der Enterprise dies zu verhindern. Der Autor der Episode, Black, „versuchte, mit dieser Geschichte die Zuschauer zum Nachdenken zu bewegen, da die Diskussion über die Abschaffung oder Beibehaltung der Todesstrafe (in den USA) immer wieder aufflammte. Sie sollten sich mit der Problematik dieser drastischsten Form von Bestrafung auseinandersetzen.“[13]

Zum Serientod einer Hauptdarstellerin sagt der Autor des Buches, daß „Roddenberry [ihren Tod] so sinnlos erscheinen lassen wollte, wie er dann auch zu sehen war, weil er daran erinnern wollte, daß auch im tatsächlichen Leben Menschen einen sinnlosen Tod sterben und nicht stets noch eine Heldentat vollbringen“.[14]

Die Folge N27: „Das Kind“ „war eine versteckte Behandlung des Themas Abtreibung“[15], die aber eine konkrete Stellungnahme der Serie vermied.

Auch in der vierten Staffel der aktuellen Serie „Voyager“ behandelt die Folge V89: „Die Omega-Direktive“ ein Thema, das einen deutlichen Bezug zu aktuellen ethischen Fragestellungen hat.

Die erzählten Geschichten sind also nicht immer rein fiktiv. Vielmehr haben sie einen Bezug zur heutigen Realität und wollen Realitäten oder Ansichten aufzeigen, die es nun zu untersuchen gilt. Aufgrund dessen bewegt sich die Interpretation ebenfalls hin und wieder auf dieser fiktiven Ebene, ohne das aber im einzelnen zu betonen.

2.4. Das Problem der fiktiven außerirdischen Charaktere

Die außerirdischen Charaktere werden in dieser Untersuchung in zwei Funktionen gesehen. Zum einen stehen sie im Blickwinkel des kritischen Beobachters. Sie stellen verschiedene Elemente des menschlichen Daseinsvollzugs in Frage und somit in den Mittelpunkt manchen Gesprächs. Aber auch sie selbst haben viele menschliche Züge. Das liegt zum einen daran, daß sie natürlich von realen Schauspielern gespielt werden, zum anderen daran, daß die Serie in den meisten Fällen auf sogenannte „humanoide Lebensformen“ trifft, die die meisten anthropologischen Elemente besitzen. Daher kann man auch vereinzelt auf Dialoge oder Erfahrungen eingehen, die die Außerirdischen selbst betreffen.

2.5. Das Problem der Einheit der Serien

Die Serien Star Trek sind in erster Linie Serien, die für den amerikanischen Markt produziert werden. Infolgedessen unterliegen sie gewissen Richtlinien und Beschränkungen. So werden die einzelnen Folgen von unterschiedlichen Autoren geschrieben. Eine Einheit in den Anschauungen des Menschenbildes scheint auf den ersten Blick also nicht gegeben. Eine gewisse Einheit zeigt sich aber darin, daß viele Autoren mehrere Episoden schreiben und ein oder zwei Produzenten meist für eine ganze Serie Verantwortung tragen. Als zweiter Hinweis auf eine Einheitlichkeit der Aussagen ist die dauernde Bindung an die Intention Gene Roddenberrys, der die Originalserie entwarf. Seinem Bild von der Zukunft und seinen Absichten, was das Verhalten der Menschen angeht, muß immer noch entsprochen werden. Es wird in diesem Zusammenhang auch von der „Philosophie Star Treks“ gesprochen, der sich die Autoren verpflichten müssen.

2.6. Begrifflichkeiten

Da im Verlauf des Textes Worte verwendet werden, dessen Bedeutung dem nicht science-fiktional interessierten Leser nicht geläufig sind, werden an dieser Stelle einige wichtige Begriffe kurz erläutert.

2.6.1. Beamen

Das Beamen ist ein Vorgang, der es ermöglicht, ohne Zeitverlust eine Strecke von bis zu 40000 km zurückzulegen. Dabei wird der Mensch oder der Gegenstand durch Energiezufuhr in seine Atome zerlegt und am Bestimmungsort wieder zusammengesetzt.

2.6.2. Holodeck/mobiler Emitter

Die Erfindung des Holodecks ermöglicht dem Benutzer, eine virtuelle Welt zu erleben, die wie die echte Realität wirkt. Man betritt dazu einen Raum, in dem die Bilder, die man sieht, nicht nur an die Wand projiziert, sondern auch die Gegenstände, denen man näherkommt, in Materie umgewandelt werden, so daß man sie auch berühren kann. Dadurch wirkt das Holodeck so real wie die Wirklichkeit. Es kann nicht nur Gegenstände und Landschaften erzeugen, sondern auch Menschen und Tiere. Sollen die sich außerhalb des Holodecks bewegen, benötigen sie einen mobilen Emitter, der allerdings erst in der Serie Star Trek: „Voyager“ entwickelt wurde. Der mobile Emitter wird an den Arm der Figur geheftet – in der Serie ist es der holographische Schiffsarzt – und sie emittiert die benötigte Materie auch Außerhalb des Holodecks.

2.6.3. Die Borg/Borg-Kollektiv

Die Borg sind ein außerirdisches Volk, deren Mitglieder sich nicht als Individuen verstehen. Sie leben in einem Kollektiv, das ihnen maximalen Gedankenaustausch ermöglicht und betreiben keine Forschung, sondern assimilieren ganze Spezies, um an ihr Wissen zu gelangen.

2.6.4. Borg-Implantate

Die Borg bestehen zu einem großen Teil aus Technik. Diese wird den einzelnen Borg implantiert, wenn sie dem Kollektiv hinzugefügt werden. Als Beispiel kann ein Auge genannt werden, das durch ein künstliches Okular ersetzt wird, um die Sehkraft zu erhöhen.

2.6.5. Assimilieren

Die Borg entwickeln sich weiter, indem sie andere Spezies assimilieren. Sie machen keine eigenen Erfindungen und forschen nicht. Sie fügen Eigenschaften, die sie für wertvoll genug erachten, den eigenen hinzu, indem sie die gesamte Spezies zu Borg machen.

2.6.6. Warpgeschwindigkeit

Damit sich die Schiffe in den Serien auch durch die Galaxie bewegen und andere Planeten in einer Zeitspanne erreichen können, die nicht zu lang ist, hat Gene Roddenberry die Warpgeschwindigkeit, die im ersten Pilotfilm noch

Sol-Geschwindigkeit hieß, erfunden. Sie basiert auf einer Verzerrung des Raum/Zeit-Kontinuums, das die Raumschiffe erzeugen, um mit Überlichtgeschwindigkeit zu fliegen. Die tatsächlich schnellste Geschwindigkeit, die ein Schiff erreichen kann, ist begrenzt, so daß die Raumschiffe nicht zu schnell die Galaxie durchqueren können. Daher benötigt die Voyager auch relativ lange für ihren Heimweg.

3. Untersuchung

3.1. Untersuchung des Prozesses der „Vermenschlichung“ des Charakters Seven of Nine in der Serie Star Trek: „Voyager“

Das Hauptaugenmerk der Untersuchung soll auf den Charakter Seven of Nine gelegt werden, da sie als einzige Figur der Serien bewußt einen Weg der Menschwerdung geht, gleichzeitig dieses Ziel theoretisch auch erreichen kann, da sie selbst ursprünglich ein Mensch ist. Es folgt eine Beschreibung des Charakters sowie die Beschreibung seiner Entwicklung innerhalb der Serie.

Seven of Nine begegnet der Crew des Raumschiffs Voyager zunächst als assimilierte Borg. Man kann sagen, daß die Borg im übertragenen Sinne Nicht-Menschen sind, da Seven, die ja Mensch werden möchte, Elemente des Menschlichen zunächst neu kennenlernen und erlernen muß.

Die Borg kommt aufgrund einer Allianz zwischen den Borg und dem Raumschiff Voyager an Bord. Als die Borg diese Allianz jedoch nicht einhalten und zu einer Gefahr für das Schiff werden, beschließt der Captain, Kathryn Janeway, sie ins All hinauszuschießen. Seven überlebt als einzige und muß nun an Bord bleiben, da die Voyager inzwischen einen zu großen Abstand zu den Borg hinter sich bringen konnte. Das hat auch zur Folge, daß Sevens Kontakt zum Kollektiv abgerissen ist, was es notwendig macht, daß der Schiffsarzt sie operiert und die meisten ihrer Borg-Implantate entfernt, die von ihrem Körper langsam abgestoßen werden. Gleichzeitig gibt er ihr ihr menschliches Aussehen wieder, da man erkannt hat, daß Seven of Nine ursprünglich ein Mensch, und als Kind assimiliert worden war.

Sie muß nun akzeptieren, daß sie fortan keine reine Borg mehr ist und sich zu einem Weg entschließen, den man innerhalb der Serie als „Vermenschlichung“ bezeichnet. Diese Entscheidung fällt ihr keineswegs leicht. Anfangs möchte sie dies nicht akzeptieren und lehnt sich gegen das Kommende auf. Schließlich akzeptiert sie ihren Weg aber doch und erforscht im folgenden, „was es bedeutet, ein Mensch zu sein“.[16]

3.2. Skorpion (V71)

Der erste Teil der Folge V68/69: „Skorpion“ zählt noch zur dritten Staffel. Weil sie aber als Zweiteiler, als sogenannter „Cliffhanger“ konzipiert ist, kann man sie ebenfalls der vierten Staffel zuordnen.

[...]


[1] vgl. Sander 1 (1995), 95.

[2] Scherer, (1976), 91.

[3] Anhang, 5.

[4] Sander 1 (1995), 14.

[5] ebd.,

[6] ebd., 15.

[7] Später wurden die Rechte an Paramount übertragen.

[8] Sander 1 (1995), 19f.

[9] ebd., 13-40.

[10] vgl. Sander 1 und 2 (1995).

[11] Alexander (1997), 253.

[12] TREKonline (2001).

[13] Sander 1, 269.

[14] Sander 1, 302.

[15] Alexander (1997), 317.

[16] Anhang, 5.

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
„Ich weiss doch gar nicht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein!“ - Zum Menschenbild der Serie Star Trek in philosophischer und theologischer Reflexion
Hochschule
Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen - Abteilung Paderborn
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
95
Katalognummer
V62036
ISBN (eBook)
9783638553605
ISBN (Buch)
9783638844116
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mensch, Menschenbild, Serie, Star, Trek, Reflexion
Arbeit zitieren
Diplom-Religionspädagoge Guido Kattwinkel (Autor), 2001, „Ich weiss doch gar nicht, was es bedeutet, ein Mensch zu sein!“ - Zum Menschenbild der Serie Star Trek in philosophischer und theologischer Reflexion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62036

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