Wie etabliert man sich als Verlierer, dem nach Jahren des Hoffens die Souveränität geschenkt wurde, unter den Siegern? Wem kann man vertrauen, dass er die Interessen der Bundesrepublik vertritt und wie erreicht man die als Ziel im Grundgesetz verankerte Wiedervereinigung?
Meine Hausarbeit beschäftigt mit der Zeit der Etablierung der Bundesrepublik im Westen in den Jahren von 1955 bis 1966, als sich eben diese Fragen unter Bundeskanzler Adenauer und Bundeskanzler Erhard stellten. Die Frage, die sich mir stellt und die ich beantworten möchte, ist, ob die Bundesrepublik außenpolitisch ihr eigener Herr war in dieser Phase oder nur Spielball im Gegeneinander der Sieger. Zuerst werde ich den Verlauf der Ereignisse dieser Jahre darstellen, wieder in Phasen unterteilt um abschließend meine Bewertung abzugeben. Als Literaturgrundlage dienen mir die drei Bände von Hans-Peter Schwarz und Klaus Hildebrand aus der Reihe „Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, der Oldenburgband von Rudolf Morsey zur Bundesrepublik Deutschland, Andreas Hillgrubers „Deutsche Geschichte 1945-1986“ und Christian Hackes „Weltmacht wider Willen“. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangslage
2. Moskaureise Adenauers
3. Tauwetterphase
4. Römische Verträge
5. Krise um Berlin
6. Spaltung Berlins
7. Pluralismus der Mächte
8. Regierungszeit Erhard
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die außenpolitische Handlungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1955 und 1966. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob die Bundesregierung unter den Kanzlern Adenauer und Erhard eine eigenständige Außenpolitik verfolgen konnte oder ob sie lediglich ein Spielball im Machtgefüge der Siegermächte war.
- Die Souveränitätsfindung der jungen Bundesrepublik im Westen.
- Die außenpolitische Bedeutung der Westbindung und der NATO-Integration.
- Die Auswirkungen der Berliner Krisen und der Mauerbau auf die Wiedervereinigungspolitik.
- Die Rolle der Hallstein-Doktrin im Kontext des Ost-West-Konflikts.
- Die wirtschaftliche Stärke als außenpolitisches Instrument der Bundesrepublik.
Auszug aus dem Buch
1. Ausgangslage
Das Scheitern der EVG empfand Adenauer als ein außenpolitisches Debakel. Er erwartete, dass die Sowjetunion die Situation ausnutzen könnte, und befürchtete, dass nationalistische Tendenzen in der Bundesrepublik nun aufblühen und eine Wiedervereinigung der deutschen Territorien auf Kosten der Freiheit würden zu erringen versuchen.
Churchill gratulierte wider Erwarten Adenauer zum Scheitern der EVG. Auch ein Lösungsvorschlag der Misere erfolgte von britischer Seite. Außenminister Eden schlug eine Einbeziehung der Bundesrepublik in die NATO vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangslage: Analyse des außenpolitischen Schocks nach dem Scheitern der EVG und der darauffolgenden Integration der Bundesrepublik in die NATO.
2. Moskaureise Adenauers: Darstellung der kontroversen Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR unter Wahrung des Alleinvertretungsanspruchs und der Rückführung der letzten Kriegsgefangenen.
3. Tauwetterphase: Untersuchung der internationalen Entspannungstendenzen, die jedoch die Wiedervereinigungsbemühungen der Bundesrepublik zunehmend in den Hintergrund drängten.
4. Römische Verträge: Betrachtung der Gründung der EWG und Euratom als wichtigen Schritt zur europäischen Einigung trotz französischer Vorbehalte gegenüber deutscher Wirtschaftskraft.
5. Krise um Berlin: Analyse der wachsenden Bedrohung durch sowjetische Ultimaten und das Ringen der Bundesregierung um den Status quo in der geteilten Stadt.
6. Spaltung Berlins: Untersuchung der Konsequenzen des Mauerbaus für die deutsche Einheit und die Reaktion der westlichen Schutzmächte.
7. Pluralismus der Mächte: Behandlung der komplexen Interessenkonflikte zwischen Frankreich, Großbritannien und den USA, die die Handlungsspielräume Bonns beeinflussten.
8. Regierungszeit Erhard: Analyse der Außenpolitik unter Ludwig Erhard, die verstärkt auf wirtschaftliche Kontakte zu Osteuropa setzte, jedoch mit diplomatischer Isolation und innerbündischen Spannungen kämpfte.
Schlüsselwörter
Bundesrepublik, Adenauer, Erhard, Außenpolitik, Wiedervereinigung, NATO, Westbindung, Hallstein-Doktrin, Kalter Krieg, Berlin, Souveränität, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, UdSSR, Westmächte, Deutschlandfrage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die außenpolitischen Spielräume der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1955 und 1966, einer entscheidenden Phase der Etablierung im westlichen Bündnissystem.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Souveränitätsgewinnung, der NATO-Integration, der Berlin-Problematik und dem Spannungsfeld zwischen Wiedervereinigungswunsch und Ost-West-Konflikt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Bundesregierung agieren konnte oder zum Spielball der Großmächte USA, Frankreich und Sowjetunion degradiert war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf zentraler Fachliteratur wie den Werken von Hans-Peter Schwarz, Christian Hacke und Andreas Hillgruber basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Ausgangslage nach dem EVG-Scheitern über die Berliner Krisen bis hin zur Regierungszeit von Ludwig Erhard.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Westbindung, Alleinvertretungsanspruch, Hallstein-Doktrin, Mauerbau und die Rolle der Siegermächte.
Wie bewertet der Autor die Hallstein-Doktrin?
Die Doktrin wird kritisch als ein Instrument gesehen, das die Bundesrepublik in der Außenpolitik erpressbar machte und den Spielraum bei der Ostpolitik einengte.
Welche Rolle spielte die wirtschaftliche Stärke?
Laut Autor war die rasant wachsende Wirtschaftskraft die stärkste Trumpfkarte der Bundesrepublik, die jedoch diplomatisch nicht effektiv genug zur gegenseitigen Ausspielung der Großmächte genutzt wurde.
Warum war der Mauerbau eine Zäsur?
Der Mauerbau wird als herbe Niederlage im Kampf um die nationale Einheit gewertet, die das im Grundgesetz von 1949 festgeschriebene Ziel der Wiedervereinigung in weite Ferne rücken ließ.
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- Conny Löffler (Author), 2005, Die Bundesrepublik etabliert sich im Westen 1955-1966, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62081