Exkurs: Verhalten und Mentalität US-amerikanischer Führungskräfte im Vergleich mit Deutschland


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
Einführung in den Themenkomplex
Formulierung der Problemstellung
Stereotype - die Rolle der Vorurteile

II. Theoretische Grundlagen in der Kulturforschung
Das Kulturmodell von Hall
Die Hofstede-Studie
Probleme von Kulturstudien im Allgemeinen

III. Der kulturelle Rahmen – Historie und Mentalitätsentwicklung
Die Historie der USA – Einwanderungsland und Zentrum des Puritanismus
Deutsche Mentalität im historischen Kontext

IV. Management im Vergleich
Amerikanische Unternehmensethik
Unternehmensstrukturen im Vergleich – Board vs. Aufsichtsratsmodell
Standards amerikanischer Führungskultur
Charakterisierung deutscher Führungskultur
Mentalitätsausprägung im Vergleich

V. Fallbeispiel: DaimlerChrysler als internationales Unternehmen
Zusammenprall von Landes- und Unternehmenskultur
Selbstbild und Fremdbild im Konzern, Situationsvergleich „vorher und nachher“

VI. Abschluss und Fazit

VII. Literaturangaben

I. Einleitung und Hypothese

In der heutigen Zeit, die von Globalisierung in allen Feldern des Lebens und von international agierenden Großkonzernen geprägt ist, gewinnt das Interkulturelle Management zunehmend an Bedeutung. Nicht nur die Aufgabe der Integration von Mitarbeitern verschiedener Nationen im Unternehmen, sondern auch die Herausforderung des internationalen Einsatzes von Führungskräften gilt es zu bewältigen.

Besonders im Mittelpunkt stehen dabei die essentiellen Unterschiede verschiedener Kulturen. Fast jedes international tätige Unternehmen hat ein Interesse daran, für seine Mitarbeiter entsprechende Richtlinien zu erarbeiten, damit seine Führungskräfte sich optimal und möglichst reibungslos in einem politisch, rechtlich, kulturell oder wirtschaftlich anderen Umfeld bewegen zu können.

Am Anfang jeder Richtlinie steht die Analyse der entsprechenden Kultur – wo liegen die Unterschiede, welche Sitten und Gebräuche gilt es zu beachten, wie kann ich den Kulturschock möglichst gering halten, welche Rolle spielen Vorurteile und Stereotype? Diese Fragen lassen sich nur in einer intensiven Auseinandersetzung mit der fremden Nation beantworten.

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht der Vergleich der Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich des Verhaltens von Führungskräften dieser Nationalitäten.

Ziel ist es, ausgehend von theoretischen Grundlagen und der Historie beider Länder, die Kulturstandards herauszustellen und zu vergleichen, den Aufbau von Unternehmen zu analysieren und deren Corporate Governance zu charakterisieren. Des Weiteren wird DaimlerChrysler als ein international tätiges Unternehmen näher beleuchtet.

Als Orientierung soll dabei folgendes allgemeines Problem dienen:

Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Landes- und ggf. Unternehmenskulturen erzeugt verschiedenste Spannungsfelder.

Dieses Problem bezogen auf den Titel dieser Arbeit lautet als Hypothese formuliert:

Unterschiede zwischen der deutschen und der amerikanische Lebens- und Führungskultur sind vorhanden und in der Gesellschaft fest verankert - ihre Existenz ist historisch begründet und empirisch nachweisbar. Sie sind der Ausgangspunkt vieler Probleme im Zusammentreffen deutscher und amerikanischer Kultur und führen zu Störungen im interkulturellen Unternehmensbereich.

Stereotype - die Rolle der Vorurteile

Stereotype sind Komplexe von Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die Personen aufgrund ihrer Zuordnung zu bestimmten Gruppen zugeschrieben werden. Stereotype sind dabei vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie bestimmte Eigenschaften karikierend hervorheben und falsch verallgemeinern[1].

Diese Problematik findet sich häufig im interkulturellen Bereich. Aufgrund von einem dauerhaften Mangel an Informationen werden partielle Informationen über eine Kultur auf das Ganze bezogen und so unter Umständen in das Denken mit einbezogen und weitervermittelt.

Bei der Ausprägung einer eigenen Mentalität wirken dauerhaft auch falsche Fremdbilder und Stereotype mit. Aus diesem Grund werden viele Dinge als typisch deutsch oder typisch amerikanisch bezeichnet, welche es hingegen nicht sind.

Es muss betont werden, dass viele der folgenden Ausführungen allgemein gültig sind, dennoch bedeutet dies nicht, dass sie für jeden Amerikaner oder für jeden Deutschen gelten.

Insbesondere in dem von uns gewählten Fallbeispiel spielten Vorurteile auf beiden Seiten eine erhebliche Rolle bei dem Aufeinandertreffen beider Unternehmenskulturen. Im Kapitel V wird dieser Aspekt näher diskutiert.

II. Theoretische Grundlagen in der Kulturforschung

Die Wissenschaftler haben versucht, Dimensionen zu identifizieren, mit denen man Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Landeskulturen darstellen kann. Die Anzahl der zu untersuchenden Dimensionen sind dabei prinzipiell unbegrenzt.

Die theoretischen Grundlagen der Kulturforschung in dieser Arbeit bilden die Ergebnisse von Hall, Hofstede, Trompenaars und Schroll-Machl[2]. Die wichtigsten Arbeiten seien an dieser Stelle nochmal kurz skizziert:

Für Hall ist die Kommunikation das dominanteste Kulturmerkmal[3]. Seine vier Kulturdimensionen unterscheidet er in Kontextorientierung, Raumorientierung, Zeitorientierung und Informationsgeschwindigkeit. Diese Dimensionen sind im Management vor allem in Kommunikationssituationen von Bedeutung.

Hofstede hat ein kulturelles Vergleichsmodell entwickelt. In der Typologie seiner Kulturdimensionen werden 53 Länder und Regionen über unternehmensrelevante, kulturvergleichende Merkmale untersucht. In der empirischen Erhebung wurden Mitarbeiter des IBM-Konzerns befragt. Hofstede unterscheidet zwischen folgenden Kulturdimensionen: Machtdistanz, Unsicherheitsvermeidung, Individualismus und Maskulinität.

Die Kulturforschung als Wissenschaft kann für das Führungsverhalten von Managern keine eindeutigen „Wenn-Dann-Aussagen“ liefern, zumindest aber Möglichkeitsaussagen stellen, die die Bedeutung von Kultur in internationalen Unternehmen unterstreichen[4].

III. Der kulturelle Rahmen – Historie und Mentalitätsentwicklung

Die Historie der USA – Einwanderungsland und Zentrum des Puritanismus

Vor allem zwei Faktoren waren für die Ausprägung der heutigen Kulturstandards verantwortlich. Einerseits sind die Vereinigten Staaten von Amerika ein reines Einwanderungsland und auf der anderen Seite spielte die Religion, insbesondere die protestantischen Strömungen eine große Rolle.

Alle Einwanderer verband ein gemeinsamer Nenner: sie waren selbst Immigranten oder deren Nachfahren. Aus diesem Grund verband sie ein großer Wille, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und in einem neuen Land ihr Glück zu versuchen. Hier sind schon der Gleichheitsgedanke, Zukunftsorientiertheit und Individualismus erkennbar, auf die wir später noch einmal zurückkommen.

In erster Linie war das, was der Einzelne erreichte, abhängig von seinem Engagement. Die damaligen Siedler waren von einem Typus Mensch: die Selfmademan-Mentalität war geboren[5].

Aus Europa wanderte eine Richtung des Protestantismus ein, die sich dort Unterdrückungen und Benachteiligungen ausgesetzt sah und hoffte, in Amerika ihre Vorstellungen verwirklichen zu können: der Puritanismus.

Zentraler Gedanke dieser Strömung war nicht nur das grundlegende Prinzip der Eigenverantwortung vor Gott, sondern auch der weltliche Erfolg des Menschen, der als Zeichen dafür galt, von Gott auserwählt zu sein. Gottgefälligkeit war und ist am Erfolg des Christen ablesbar und führte zu einer klaren Tendenz der Leistungsorientierung, vor allem im Berufsleben. Puritanisch war außerdem die Unterdrückung des Gefühlslebens. Puritaner stammten aus allen Klassen der Gesellschaft, verfügten bald über erheblichen Einfluss[6] und gehören heute noch zu den größten religiösen Strömungen[7].

Deutsche Mentalität im historischen Kontext

Historisch sind die deutschen Kulturstandards gut zu erklären. Der Absolutismus und die Erfolge der strengen preußischen Erziehung unterstrichen die Notwendigkeit von Gehorsam und Disziplin. Im Dienste des Herrschers war die Pflichterfüllung oberstes Gebot. Die Bürger wurden dazu verleitet sich selbst zu kontrollieren. Kontrolle wurde internalisiert. Auch der Protestantismus lehrte Fleiß als gute Tugend. Luther predigte die Strukturen der Welt als gottgegeben, was zur Wertschätzung dieser führte.

Seit Luther wurde nach der Wahrheit bedingungslos gesucht. Dies implementierte die Sachorientierung.[8]

Die Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereichen lässt sich gut mit den deutschen Wurzeln in der Kleinstaaterei erklären.[9] Die Menschen lernten, mit Grenzen umzugehen. Diese bildeten zum einen die vielen Grenzen zu anderen Kleinstaaten, die oft vollständig selbstständige Einheiten waren, zum anderen der Rückzug in die Privatheit zum Schutz vor dem Zugriff der absolutistischen Landesfürsten. Diese historischen Hintergründe werden im Kapitel IV wieder aufgegriffen.

[...]


[1] Definition nach Enzyklopädie www.wikipedia.de/stereotype, vom 25.03.2005

[2] Siehe Literaturangaben

[3] Vgl. Kutscher, M./Schmidt, St.: Internationales Management, 3. Aufl., München/Wien, 2004, S.702

[4] ebenda S. 746

[5] Vgl. Thomas, A.: Handbuch Interkulturelle Kommunikation u. Kooperation, Göttingen, 2003, daraus: Emily Slate/ Sylvia Schroll-Machl: 3.1. Nordamerika: USA.

[6] Vgl. Thomas, A.: Handbuch Interkulturelle Kommunikation u. Kooperation, Göttingen, 2003, daraus: Emily Slate/ Sylvia Schroll-Machl: 3.1. Nordamerika: USA.

[7] Gemäß aktuellen Daten die größte Relegionsströmung in den USA.

[8] Vgl. Thomas, A.: Handbuch Interkulturelle Kommunikation u. Kooperation, Göttingen, 2003, daraus: Emily Slate/ Sylvia Schroll-Machl: 2.3: Deutschland.

[9] Sylvia Schroll-Machl: Die Deutschen- Wir Deutsche: Fremdwahrnehmung und Selbstsicht im Berufsleben, Göttingen, 2002., S. 158

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Details

Titel
Exkurs: Verhalten und Mentalität US-amerikanischer Führungskräfte im Vergleich mit Deutschland
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Europäisches Managment im Vergleich
Note
1,7
Autoren
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V62083
ISBN (eBook)
9783638553988
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exkurs, Verhalten, Mentalität, US-amerikanischer, Führungskräfte, Vergleich, Deutschland, Europäisches, Managment, Vergleich
Arbeit zitieren
Sebastian Troch (Autor)Stephan Ulrich (Autor), 2005, Exkurs: Verhalten und Mentalität US-amerikanischer Führungskräfte im Vergleich mit Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62083

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