Wem gehört der öffentliche Raum? Was wird unter dem Begriff Öffentlichkeit verstanden und wie entsteht diese?


Seminararbeit, 2005
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Einführung

In der folgenden Arbeit wird der Begriff der „Öffentlichkeit“ und das entstehen dieser behandelt.

Einleitend sollen die Begriffe Öffentlichkeit und öffentlicher Raum definiert werden. Danach soll die Abhängigkeit dieser Begriffe voneinander und die Auswirkungen von gesellschaftlichen Veränderungen auf diese erläutert werden. Mit der Frage „Was heißt hier öffentlich?“ soll besonderes Augenmerk auf die Wahrnehmung von Öffentlichkeit, öffentlichem Raum und die verschiedenen „Abstufungen“ von Öffentlichkeit in Bezug auf die Nutzbarkeit des öffentlichen Raumes gelegt werden.

Die Begriffe Öffentlichkeit und öffentlicher Raum:

In „Wikipedia - Die freie Enzyklopädie“ (eine allgemein, öffentlich editierbare OnlineEnzyklopädie) ist folgende Definition von „Öffentlichkeit“ zu finden: „Unter Öffentlichkeit versteht man die Gesamtheit der möglicherweise an einem Ereignis teilnehmenden Personen ohne jede Begrenzung in der Anzahl oder durch sonstige Einschränkungen. […] In demokratischen Gesellschaften spielt die Öffentlichkeit eine wichtige Rolle, denn in ihr findet die (politische) Meinungsbildung statt. Die Presse ist wichtiger Teil und Spiegel der Öffentlichkeit. In diesem Zusammenhang sind öffentliche Güter wichtig, die Öffentlichkeit überhaupt erst ermöglichen. Eine lebendige Öffentlichkeit kann als Grundlage zur Entwicklung von Zivilgesellschaft gesehen werden.“1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Öffentlicher, frei zugänglicher Raum - Museumsquartier Wien

In dieser Definition des Öffentlichkeitsbegriffes wird auf „öffentliche Güter“ (öffentlicher Raum) als Voraussetzung für das Entstehen von Öffentlichkeit Bezug genommen.

Für den Begriff des „öffentlichen Raumes“ ist ebenfalls eine Definition vorhanden:

„Unter öffentlichem Raum versteht man Orte, die für jeden frei und ohne Bezahlung zugänglich und nutzbar sind. Dazu zählen Straßen und öffentliche Plätze ebenso wie Gebäude, die frei zugänglich sind und meist dem Staat gehören. Auch große Teile der Natur können zum öffentlichen Raum gezählt werden. … Ein Einkaufszentrum stellt dagegen nur scheinbar einen öffentlichen Raum dar, da Hausrecht und Entscheidungen über die Nutzung bei den Eigentümern liegen.“2 (Abb.1)

Der öffentliche Raum - Produkt und Bühne der Öffentlichkeit

(der öffentliche Raum wird im Folgenden mit ÖR abgekürzt)

In der europäischen Tradition ist die Stadt nicht so sehr ein Gestaltungsphänomen, als vielmehr physischer Ausdruck der Strukturierung von Raum und Zeit, genauer: der Strukturierung des gemeinschaftlichen Lebens. Und dies zieht unmittelbar „Orte des gemeinschaftlichen Handelns“ nach sich.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Öffentlicher Raum - Bühne der Öffentlichkeit

Der ÖR ist also ein Produkt der Gesellschaft und dient dieser als öffentliche Bühne, als Raum des Zusammenlebens. (Abb.2)

„Der Raum in dem sich die Öffentlichkeit manifestiert ist jedoch nicht ausschließlich als dreidimensionaler zu verstehen sondern auch zunehmend als virtueller der von den verschiedensten Medien geprägt und beeinflusst wird.“4 „Das Internet schließlich transportiert und transformiert immer schneller sowohl private als auch öffentliche

Interaktionen aus den Stadträumen in die Netzräume des Cyberspace. So hat der CDUParteispendenskandal die protestierende Öffentlichkeit nicht auf der Straße zusammengebracht, sondern auf der parteieigenen Website.“5

In dieser Arbeit soll jedoch der „klassische“ dreidimensionale Raum behandelt werden.

Durch diese bühnenhafte Funktion des ÖR wirkt sich jede Veränderung an ihm auf die Öffentlichkeit aus. Genauso wirken sich Veränderungen in der Gesellschaft auf den ÖR aus.

Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkung auf den ÖR

„In all communal life there is a dynamic balance between public and private activities. Within this balance, different cultures place differing emphases on public space. (…) Although the public- private balance is unique to each culture, it will shift under the influence of cultural exchange, technology, changing political and economic systems, and the ethos of the time.”6

Im Mittelalter spielte sich dass Leben hauptsächlich in den Straßen ab. Auf ihnen versammelten sich alle Stadtbewohner und gingen ihren Tätigkeiten nach. Egal ob Arbeiten, Wohnen, Feiern, Spielen, Verkünden von politischen und religiösen Manifestationen..., ein Großteil des Lebens passierte in der Öffentlichkeit außerhalb des Hauses. (Abb.3) Die Grenze zwischen (privatem) Haus und (öffentlicher) Straße war jedoch wesentlich schwächer ausgeprägt als sie es heute ist.galt die Straße als Verlängerung der heimischen Stube.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: In der Vorindustriellen Stadt ist die Straße und somit er öffentliche Raum der Mittelpunkt des Lebens.

Mit Beginn der Industrialisierung kam es zu einer Trennung von Arbeit und Familie und als Folge daraus zu einer starken Verschiebung in der Gewichtung von Öffentlichkeit und Privatheit im täglichen Leben.

„Im Zuge von Industrialisierungs- und Zentralisierungsprozessen wurden diese Aufgabenkomplexe in den Städten unterschiedlichen Gebäudetypen geschlechtsspezifisch zugeordnet: die Produktion den Männern, die Reproduktion den Frauen, die „Zwischenräume“ wurden zur verbindenden Verkehrsfläche, auf denen die Männer die Distanzen zwischen Familie und Arbeitsort zurücklegten.“7

„Die Bewohner traten einen Rückzug von der Straße in die Wohnung an. Die Straße verlor ihren Charakter als Aufenthaltsort vor und um den Arbeitsort und wurde zu einem Raum durch den man sich bewegt. Man befindet sich nicht mehr auf der Straße man bewegt sich über sie.“8

Diese Degradierung in den Funktionen bewirkte eine, vom erstarkenden Bürgertum und der Politik, vorangetriebene „Säuberung“ der Straßen, welche wiederum dazu führte, dass die öffentlichen Märkte, die bis dahin das Bild der Stadt prägten, auf definierte Marktplätze, in Markthallen oder in die Häuser zurückgedrängt wurden. (Abb.4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Verlagerung des Handels in die Läden

Als Paradebeispiel dieser Entwicklung kann der, unter dem Präfekten Georges-Eugene Hausmann vollzogene, radikale Umbau des mittelalterlichen Paris angesehen werden.

„Der Handel verlagerte sich aus der vorindustriellen Stadt, in immer stärkeren Maß von den Märkten in Läden mit einem sich differenzierenden Warenangebot. Aus der Lebendigkeit, die aus der Durchmischung aller Lebensäußerungen in dem öffentlichen Raum Straße erwachsen war, entstand eine Urbanität, deren Grundlage Konsum und Verkehr sind.“9

Die Reduktion des öffentlichen Straßenraumes auf eine Verkehrsfläche hatte eine Verlagerung in private, aber auch neue, nach Funktionen differenzierte, öffentliche Räume zur Folge. Beispielsweise entstanden Parkanlagen oder Sportflächen,...

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Entwicklung des Verkehrs und damit der Straßenfreiräume maßgeblich vom Automobil geprägt Die mit der steigenden Verfügbarkeit von Automobilen einhergehende Individualisierung des Verkehrs und die daraus resultierenden Anforderungen an den Straßenraum führten zu einer Qualitätsminderung des ÖR in der Stadt. (Abb.5) In weiterer Folge führte dies zu einer zunehmenden Abwanderung des Handels und der Gastronomie deren Lokale an den öffentlichen Straßenraum grenz(t)en, in für den Individualverkehr perfekt erschlossene, jedoch von diesem nicht beeinträchtigte private Räume. Die Konsequenz aus dieser Entwicklung ist eine Verlagerung von Teilen des öffentlichen Lebens und somit der Öffentlichkeit in Räume die in privatem Besitz stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Qualitätsminderung des ÖR durch Verkehr

„Was heißt hier öffentlich?“

Die am Beispiel des Handels aufgezeigte Verschiebung von Teilen der Öffentlichkeit aus öffentlichen in private Räume ist in den verschiedensten Bereichen zu erkennen (Freizeitgestaltung, Erholung, ...).

Aufgrund dieser Verschiebungen stellt sich die Frage in wie weit es möglich ist in „privaten-öffentlichen“ Räumen eine Öffentlichkeit zu entwickeln die der eingangs zitierten

[...]


1 http://de.wikipedia.org

2 http://de.wikipedia.org

3 Hölscher, Tonio: [15ff]

4 Vgl. Löw, Martina: 2001 [93-104]

5 Christ, Wolfgang: 2000 1

6 Carr, Stephen 1995 3

7 Kail, Eva; Kleedorfer, Jutta: 1991 165

8 Kail, Eva; Kleedorfer, Jutta: 1991163

9 Kail, Eva; Kleedorfer, Jutta: 1991163

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wem gehört der öffentliche Raum? Was wird unter dem Begriff Öffentlichkeit verstanden und wie entsteht diese?
Hochschule
Universität für Bodenkultur Wien  (Institut für Landschaftsarchitektur (ILA))
Veranstaltung
Landschaftsarchitektur I
Note
1,0
Autoren
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V62085
ISBN (eBook)
9783638554008
Dateigröße
934 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit versucht zu ergründen was unter dem Begriff "Öffentlichkeit" verstanden werden kann und wie Öffentlichkeit entsteht.
Schlagworte
Raum, Begriff, Landschaftsarchitektur
Arbeit zitieren
Roland Barthofer (Autor)Walter Ch. Scheinost Doris Hiebl (Autor), 2005, Wem gehört der öffentliche Raum? Was wird unter dem Begriff Öffentlichkeit verstanden und wie entsteht diese?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62085

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wem gehört der öffentliche Raum? Was wird unter dem Begriff Öffentlichkeit verstanden und wie entsteht diese?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden