Kulturfinanzierung - Möglichkeiten, Bedingungen, Grenzen und Auswirkungen privater Kulturfinanzierung in Deutschland


Hausarbeit, 2004

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. System der Kulturfinanzierung in Deutschland
2.1 Kulturbegriff und Kulturbetrieb in Deutschland
2.2 System der öffentlichen Kulturfinanzierung in Deutschland
2.3 Staatskunst und Bürokratisierung

3. System der Kulturfinanzierung in den USA

4. Möglichkeiten zukünftiger Kulturfinanzierung in Deutschland
4.1 Erlöse aus dem Kulturbetrieb
4.2 Einnahmen aus betriebsnahen Strukturen
4.3 Drittmittel von privater Seite
4.4 Kreditaufnahme
4.5 Drittmittel aus öffentlicher Hand
4.6 Matching Funds und Public-Private-Partnerships
4.7 Sachspenden und ehrenamtliche Mitarbeit

5. Differenzierte Kulturfinanzierung

6. Private Kulturfinanzierung, Rechtsformen und Steuerrecht

7. Fazit

1. Einleitung

Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die öffentliche Hand in Deutschland nicht mehr wie bisher in der Lage ist, das öffentliche und gemeinnützige Kulturangebot zu finanzieren. Da die meisten Kommunen die Kulturförderung mehr als freiwillige, denn als Pflichtaufgabe begreifen, ist es in Zeiten finanzieller Engpässe vor allem und als erstes der Bereich der Kultur, der unter Kürzungen zu leiden hat. Eine Entwicklung in Richtung stärkerer privatwirtschaftlicher Finanzierung, ökonomischer Ansätze in der Kulturpolitik und einer Professionalisierung des öffentlichen Kulturbetriebs zeichnet sich bereits seit den 80er-Jahren ab. Es ist zu erwarten, dass der Finanzierungsdruck kultureller Einrichtungen durch die Streichung öffentlicher Gelder noch zunehmen wird, und somit stellt sich die Frage nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten des öffentlichen Kulturbetriebs, die die Kürzungen der staatlichen Kulturausgaben auffangen können und dabei die Werte und Traditionen, die der Kulturpolitik und -förderung in Deutschland zugrunde liegen, sowie die Strukturen, auf denen diese aufbauen, berücksichtigen.

Die Erarbeitung neuer Konzepte der Kulturfinanzierung kann nicht geschehen ohne einen Blick auf das Verständnis von Kultur und Kulturbetrieb als Empfänger finanzieller Leistungen und auf kulturpolitische Ziele und Instrumente, die der öffentlichen Kulturfinanzierung in Deutschland zugrunde liegen. Dass eine solche Betrachtung von Rahmenbedingungen der Kulturproduktion nötig ist, um die verschiedenen Möglichkeiten der Kulturfinanzierung in ihrer Anwendbarkeit auf das System der Kulturproduktion bewerten zu können, wird sich bei der Gegenüberstellung des Kulturbetriebs von Deutschland und der USA zeigen, aus der deutlich wird, dass eine direkte Übertragung kulturpolitischer Modelle anderer Länder nicht möglich ist, wenn diese auf anderen Grundannahmen über die Aufgaben von Kultur und deren Produktion im Kulturbetrieb sowie der Rolle des Staates im Bezug auf diese beruhen. Trotzdem lassen sich hier und auch in anderen Ländern sicher Ansatzpunkte für eine Umgestaltung bzw. Weiterentwicklung des Finanzierungssystems der Kultur in Deutschland finden. Darüber hinaus lässt sich der Einfluss aus den USA nicht unterbinden, und so ist es sinnvoll, einmal kritisch zu betrachten, in welcher Art und Weise eine Einbindung importierter „kultureller Praktiken“ so möglich ist, dass sie dem deutschen System gerecht wird.

Grundlage meiner Auseinandersetzung mit dem Thema ist vor allem das von Werner Heinrich verfasste Buch „Kulturpolitik und Kulturfinanzierung“, das ein umfassendes und kompetentes Werk dazu darstellt. In Folge des lange Zeit fehlenden Professionalitäts- und Finanzierungsdrucks ist der Literaturbestand ähnlich dem im PR-Bereich noch nicht so groß, und so finden sich hauptsächlich nur einzelne Aufsätze und Kapitel zur Kulturfinanzierung innerhalb anderer Werke zu Fragen des Kulturmanagements und der Kulturökonomie. Die Hausarbeit folgt weitestgehend der Gliederung Heinrichs, fasst dessen Aussagen zusammen und ergänzt diese darüber hinaus durch eigene Überlegungen zu den Auswirkungen privater Kulturfinanzierung und den Anforderungen für eine stärkere Etablierung alternativer Finanzierungsformen neben der öffentlichen Unterstützung. Nach einer Erläuterung des Kulturfinanzierungssystems in Deutschland und dessen Problematik und das der USA im Vergleich werden die verschiedenen Möglichkeiten privater Finanzierung aufgezeigt, eingeteilt in Gruppen, die nach der Quelle der Finanzierung unterscheiden, und diese gleichzeitig bewertet. Abschließend erfolgt die Darstellung einiger Bedingungen, deren Realisation für eine stärkere Nutzung privater Finanzierungsformen nötig ist.

2. System der Kulturfinanzierung in Deutschland

2.1 Kulturbegriff und Kulturbetrieb in Deutschland

Eine Auseinandersetzung mit dem System der Kulturfinanzierung in Deutschland macht es zunächst einmal erforderlich, dessen Gegenstandsbereich zu erläutern, d.h. welche Art von Kultur und Kulturbetrieb hier überhaupt inbegriffen ist. Ein Vergleich der Länder und eine Betrachtung der historischen Entwicklung würden zeigen, dass das Verständnis dessen, was der Kultur und damit der Kulturfinanzierung zuzuordnen sei, variiert.

Dem deutschen Kulturbetrieb liegt ein sehr weiter Kulturbegriff zugrunde, was auch eine weitreichende Kulturfinanzierung zur Folge hat. Werner Heinrich unterscheidet folgende vier Bereiche der Kultur, wie sie im deutschen Kulturbetrieb Berücksichtigung finden:

1)Kultur als menschliches Vermögen und dessen Dokumentation […]
2)Kultur als Verhalten [...]
3) Kultur als Kunst […]
4) Kultur als Bildung […]“[1]

Der erste Bereich umfasst die verschiedenen Arten von Museen, der dritte Bereich die klassische Hochkultur in Form von Theatern, Orchestern, Kunstgalerien und -museen, aber auch die Unterhaltungskultur. Zum Kulturbetrieb im Bildungsbereich zählen Musik- und Kunstschulen oder auch Bibliotheken. Im zweiten Bereich findet sich die sogenannte Soziokultur mit ihren Stadtteilkulturläden und kulturellen Vereinen wieder.[2] Das Statistische Bundesamt zählt im Kulturfinanzbericht folgende zum Kulturbereich gehörende Einrichtungen auf: „ Theater, Einrichtungen der Musikpflege, Museen, Sammlungen, Ausstellungen, Zoologische und Botanische Gärten, Musikschulen, Nichtwissenschaftliche Bibliotheken, Sonstige Kultureinrichtungen, Verwaltung für kulturelle Angelegenheiten “ Darüber hinaus zählen „ Einzelmaßnahmen in Bereich Theater und Musikpflege, Museen und Ausstellungen, der Kulturpflege sowie des Denkmalschutzes und –pflege[3] dazu.

Die Zurechnung des soziokulturellen Feldes zum Kulturbetrieb in Deutschland steht im Gegensatz zum Kulturverständnis in den USA, wo dieser Bereich der Sozialarbeit zugeordnet wird. Sie geht u.a. zurück auf eine Bewegung der 60er und 70er Jahre, die gegen den ihr zu eng erscheinenden Kulturbegriff und die bürgerlich-elitäre Hochkultur opponierte und diese für die Festigung bestehender Herrschaftsverhältnisse und die Verhinderung der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit verantwortlich machte. Aus der Forderung nach einer Wiederannäherung von Kultur und Alltag heraus entwickelte sich eine neue Szene der Sub- oder Alternativkultur, deren Kulturverständnis letztendlich über Umwege auch in der Kulturpolitik seine Berücksichtigung fand. Im Rahmen der Reurbanisierung der Städte sah die Sozialdemokratie Kultur als eine Möglichkeit der Verbesserung sozialer Strukturen an und unterstützte in den 70er und 80er-Jahre den Aufbau kultureller Zentren, die soziale Fehlentwicklungen in den Stadtteilen auffangen und die Bürger in die Gestaltung ihres Stadtteils einbinden sollten und auf einem demokratischen Kulturbegriff basierten. Das Kulturangebot sollte nun für alle zugänglich sein, unabhängig von Einkommen und Bildung, und zudem weniger konsumiert als aktiv mitgestaltet werden. Dies war nur möglich durch eine Ausweitung des Kulturbegriffs über den der Hochkultur hinaus in Richtung eines Verständnisses von Kultur, das in diesem die gesamte Gestaltung des menschlichen Alltags sah und Kunst als Medium der Kommunikation in diesem und über diesen. Folge war ein umfassender Ausbau des Kulturangebots über Stadtteilkulturzentren, neue Volkshochschulen, Musikschulen und Kunstschulen, bis hin zu neuen Museen, die Alltagskultur in den Vordergrund stellten, und Geschichtswerkstätten. Neue Berufe wie die des Theater- und Museumspädagogen bildeten sich heraus, die dem Publikum den Zugang zu den kulturellen Inhalten erleichtern sollten. Gleichzeitig bestand das traditionelle Kulturangebot weiter fort.[4]

Der weite Kulturbegriff hat eine entsprechende weitreichende Finanzierungsverantwortung der öffentlichen Hand mit sich gebracht, aus der sich der Staat heute nur schwer zurückziehen kann. Da der Kulturbegriff so offen ist und ihm keine objektiven Kriterien zu Grunde liegen, ist der Bereich der Finanzierungsverantwortung des Staates nur schwer greifbar und eingrenzbar.[5] Da gesellschaftlicher Nutzen ein sehr abstraktes und letztendlich relatives Kriterium ist, ist öffentliche Finanzierung somit oft gebunden an individuelle Präferenzen der Entscheidungsträger, oder aber es wird versucht, Kunst nach engen administrativen Begriffen zu beurteilen. Eine gerechte und nicht die Kreativität hemmende Verteilung der Budgetmittel ist im Grunde genommen nicht möglich. Es stellt sich die Frage, ob es nicht andere Wege der Kulturfinanzierung gibt, die mit Mitteln wirkt, die der Kultur, ihren Produzenten und Rezipienten besser gerecht wird und inwiefern dieses auch mit dem Einbezug privater Finanzierungsmittel möglich ist, die kulturelles Engagement aus der Gesellschaft heraus fördern.[6]

2.2 System der öffentlichen Kulturfinanzierung in Deutschland

Die Finanzierung der Kultur in Deutschland erfolgt zum größten Teil aus öffentlichen und dabei wiederum weitestgehend aus kommunalen Mitteln. Es lassen sich verschiedene Arten der kulturellen Förderung unterscheiden. Sie kann geschehen über die Schaffung von Einrichtungen, wie es z.B. beim Haus der Kulturen der Welt in Berlin der Fall war, über die Durchführung kultureller Veranstaltungen, die direkte Förderung kultureller Einrichtungen und kultureller Produktion oder von Künstlern und künstlerischer Ausbildung, aber auch in mittelbarer Art und Weise über die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen. Gerade im letzteren Bereich nutzt der Staat seine Gestaltungsspielräume nicht ausreichend und ergriff in der Vergangenheit die Initiative eher auf dem unmittelbaren Wege der Förderung.[7]

Das System der kommunalen Kulturfinanzierung ist Folge der föderalen Struktur Deutschlands, wie sie bereits im 19. Jahrhundert in Form der Stadtstaaten bestand. Kultur war zunächst hauptsächlich Privatangelegenheit des Adels und des Bürgertums und fand in geschlossenen Zirkeln von höfischen Festspielen und als Hofmalerei sowie in bürgerlichen Musik- und Kunstförderungsvereinen, Theatern und Museen statt, doch schon bald darauf entstanden erste öffentliche Museen und Kunstsammlungen aus den Hinterlassenschaften der Fürsten und mischfinanzierte städtische Theater neben solchen in privatwirtschaftlicher Organisation. 1918 erfolgte eine Übernahme der Hoftheater in Landesträgerschaften, und in den zwanziger Jahren gingen viele private Theater in kommunale Trägerschaft über, und so finden wir heute neben unabhängigen Bühnen eine große Anzahl von Subventionen abhängiger Landes- und städtischer Schauspielbühnen. Auch die öffentlich finanzierten Bibliotheken und Musikschulen gehen auf bürgerliche Initiative und darüber hinaus auch auf die von Arbeitern im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zurück, wurden aber ebenfalls schon bald der kommunalen Finanzierung überantwortet. Neben dem traditionellen Kulturbetrieb zählten also schon früh auch Einrichtungen des Bildungssektors zum Bereich der öffentlichen Kulturfinanzierung. In der Weimarer Republik setzte sich eine öffentlich geförderte Gründungswelle kultureller Betriebe fort, woraus sich die heute so hohe Anzahl kommunaler Kultureinrichtungen erklärt.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpfte man an die Tradition der Kulturfinanzierung durch die Kommunen an. Bedingt durch die Erfahrungen aus dem Dritten Reich legte man großen Wert auf die Sicherung einer föderalistischen Struktur. Durch §28, Abs.2 wurde mit der kommunalen Selbstverwaltungsgarantie die kulturelle Gestaltungsmacht in die Hände der Gemeinden gelegt. Durch den baldigen Wirtschaftsaufschwung, von dem die Kommunen über die Gewerbesteuer profitierten, konnten sie den Wiederaufbau der Kultur gewährleisten und ihrer selbst auferlegten Aufgabe als „ Hüter und Pfleger deutscher Kultur[9] nachkommen, die später durch die Aufgabe der gestaltenden Kulturpolitik abgelöst wurde, die neben der Förderung traditioneller Kunstformen nun auch die Soziokultur mit einschloss und das gesamte Felde der Alltagsaktivitäten als Gegenstand der Kulturpolitik betrachtete. Diese Umwandlung mit dem Ziel einer Demokratisierung der Kunst wurde als „Neue Kulturpolitik“ bezeichnet.[10] Im Gegensatz zu vorher konnten und wollten die Kommunen und Kulturbetriebe dabei nicht auf eine privatwirtschaftliche Beteiligung zurückgreifen. Es entstand ein fast ausschließlich durch Landeszuschüsse und Kommunen geförderter Kulturbetrieb ohne jegliche privatwirtschaftliche Verantwortung. Diese öffentliche Kulturverantwortung ist heute im Bewusstsein der Bevölkerung und der Politik verankert.[11]

[...]


[1] Heinrichs, Werner: Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, S.4f

[2] vergl. Heinrichs, Werner: Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, S.4f

[3] Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Kulturfinanzbericht 2000. Wiesbaden/Stuttgart 2001, S.12, zit. nach: Klein, Armin: Kulturpolitik, S.84

[4] vergl. Heinrichs, Werner: Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, S.25ff

[5] vergl. Bendixen, Peter: Einführung in die Kultur- und Kunstökonomie, S.93

[6] vergl. ebd., S.98

[7] vergl. Heinrichs, Werner: Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, S.47f

[8] vergl. Heinrichs, Werner: Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, S.8ff

[9] ebd., S.22

[10] vergl. Sievers, Norbert; Wagner, Bernd: Cultural Policies in Europe

[11] vergl. Heinrichs, Werner: Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, S.22ff

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Kulturfinanzierung - Möglichkeiten, Bedingungen, Grenzen und Auswirkungen privater Kulturfinanzierung in Deutschland
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kulturorganisation - und Kulturvermittlung)
Veranstaltung
Grundlagen des Kulturmanagements
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
27
Katalognummer
V62123
ISBN (eBook)
9783638554282
ISBN (Buch)
9783638922265
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kulturfinanzierung, Möglichkeiten, Bedingungen, Grenzen, Auswirkungen, Kulturfinanzierung, Deutschland, Grundlagen, Kulturmanagements
Arbeit zitieren
Stephanie Ziplys (Autor), 2004, Kulturfinanzierung - Möglichkeiten, Bedingungen, Grenzen und Auswirkungen privater Kulturfinanzierung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62123

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