Die Europäische Union als Staatenverbund von mittlerweile 25 Mitgliedsstaaten entstand aus dem Willen heraus, die europäischen Volkwirtschaften zu vereinigen und durch Verringerung der wirtschaftlichen Entwicklungsunterschiede die harmonische Entwicklung zu fördern. Zur Umsetzung dieser Ziele schafft sie im Laufe ihrer Geschichte verschiedene Förderinstrumente, von denen der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Europäische Fonds für regionale Entwicklung eine zentrale Rolle einnehmen. Sie dienen der Umverteilung der Beiträge der Mitgliedsstaaten zugunsten benachteiligter Regionen. Von den Fördermitteln können Unternehmen, Kultureinrichtungen, Non Profit-Organisationen und Beschäftigungsinitiativen in Förderregionen, die zu den Programmzielen einen Beitrag leisten, profitieren. Neben nationalen Fördergeldern und der Unterstützung durch Stiftungen oder Unternehmen bietet sich hier für öffentliche Kulturverwaltungen und auch für Kultureinrichtungen eine weitere wichtige finanzielle Unterstützungsmöglichkeit, sofern sie Grundlagen, Prinzipien, Sinn und Zweck, Antrags-, Kontroll- und Bewertungsverfahren dieser komplexen Förderungsprogramme durchschauen.
Diese Arbeit soll als Leitfaden dazu dienen, genau dieses möglich zu machen. Nach einer allgemeinen Einführung in Grundlagen, Prinzipien, Sinn und Zweck der Europäischen Förderungssysteme und der Europäischen Kulturförderung und den Erfordernissen für den Antragsteller, die sich daraus ergeben, werden der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Europäische Sozialfonds (ESF) als Förderinstrumente zugunsten benachteiligter Regionen und Gebiete und ihre Prinzipien vorgestellt. Anschließend soll das grundlegende Wissen für das Antrags-, Kontroll- und Bewertungsverfahren vermittelt werden, wobei zur Verdeutlichung der komplexen Strukturen die Umsetzung des EFRE und EFS - Programms in Hamburg herangezogen wird. Neben den Kenntnissen über Rechtsgrundlagen, förderfähige Organisationen und Projekte werden die am Antrag-, Bewertungs- und Kontrollverfahren beteiligten Institutionen und ihre Instrumente sowie Auswahl- und Bewertungskriterien zur Qualitätssicherung vorgestellt. Abschließend wird auf die finanziellen Aspekte und Zahlungsverfahren der Strukturfonds sowie die Vertragsgrundlagen eingegangen.
Im Anhang finden sich praktische Tipps zur Projektplanung und Beantragung von EU-Fördermitteln und Kontaktadressen informierender Institutionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Europäische Förderungssysteme und Kulturförderung
2.1 Grundlagen, Prinzipien, Sinn und Zweck der Europäischen Förderungssysteme und der Europäischen Kulturförderung
3. Strukturfonds – Im Dienst der Regionen
4. Die Beantragung von Fördergeldern aus den Europäischen Strukturfonds
4.1 Rechtsgrundlagen
4.2 Förderfähige Gebiete: Bsp. Ziel 2 Städtische Gebiete
4.3 Förderfähige Organisationen
4.4 Förderfähige Projekte
4.5 Antragswege und -verfahren für Strukturfonds
5. Bewertungs- und Kontrollkriterien der EU
5.1. Das Einheitliche Programmplanungsdokument des EFRE in Hamburg
6. Kontroll- und Bewertungssysteme
7. Zahlungsverfahren und Finanzangelegenheiten
8. Vereinbarung
9. Fazit und Perspektiven für das Strukturförderungsprogramm ab 2007
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit bietet einen umfassenden Leitfaden zur Funktionsweise und zum Antragsverfahren europäischer Strukturfonds (EFRE und ESF), mit besonderem Fokus auf deren Anwendung für Kultureinrichtungen und städtische Projekte, illustriert durch das Beispiel Hamburg.
- Grundlagen, Prinzipien und Rechtsgrundlagen der EU-Förderung
- Kulturförderung durch Strukturfonds und deren Potenzial
- Detaillierte Erläuterung der Antragsverfahren und Projektanforderungen
- Methoden zur Qualitätssicherung, Bewertung und Kontrolle
- Zahlungsabwicklung und finanzielle Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
4.2 Förderfähige Gebiete: Bsp. Ziel 2 Städtische Gebiete
Zu einem früheren Zeitpunkt habe ich die Einteilung der Strukturfonds nach drei Zielen dargestellt, durch welchen verschiedenen Regionen und Gebiete eine Förderfähigkeit zugeschrieben wird. Da ich im Weiteren exemplarisch am Beispiel Hamburg arbeiten werden, soll hier verdeutlicht werden, wieso die Stadt, eigentlich eine der reichsten Deutschlands, trotzdem eine Förderung erhält. Dies ist dadurch möglich, dass nicht nur Regionen und Städte in ihrer Gesamtheit, sondern auch einzelne Stadtgebiete gesondert betrachtet werden. Im Rahmen des Regionen mit strukturellen Anpassungsschwierigkeiten betreffenden Ziel 2 sind städtische Gebiete förderfähig, wenn sie mindestens einem der folgenden 5 Kriterien entsprechen:
• über dem Gemeinschaftsdurchschnitt liegende Langzeitarbeitslosenquote,
• hohes Armutsniveau,
• besonders schwerwiegende Umweltschäden,
• hohe Kriminalitätsrate,
• niedriges Bildungsniveau.
St. Pauli leidet durch seine auf die Geschichte zurück gehende soziale Struktur und den Wandel von der Hafenwirtschaft zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft und daraus sich ergebende Umstellungsprobleme an einer hohen Arbeitslosenproblematik und einem hohen Armutsniveau, an Kriminalitätsproblemen und einem niedrigen Bildungsniveau. Daraus ergibt sich, dass St. Pauli als ein von städtischer Disparität betroffener Stadtteil Fördergelder erhält.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Entstehung der EU, ihre Förderinstrumente (ESF, EFRE) und definiert das Ziel der Arbeit, als Leitfaden für die Antragstellung bei Strukturfonds zu dienen.
2. Europäische Förderungssysteme und Kulturförderung: Dieses Kapitel behandelt die Legitimation der Förderprogramme durch EG-Verträge und die Rolle der Kulturförderung innerhalb der EU-Politik.
3. Strukturfonds – Im Dienst der Regionen: Das Kapitel beschreibt die Zielgebiete der Strukturfonds (Ziel 1, 2 und 3) und die Rolle von EFRE und ESF als zentrale Förderinstrumente.
4. Die Beantragung von Fördergeldern aus den Europäischen Strukturfonds: Hier werden Rechtsgrundlagen, Kriterien für Förderfähigkeit und die komplexen, zweistufigen Antragsverfahren detailliert dargestellt.
5. Bewertungs- und Kontrollkriterien der EU: Das Kapitel erläutert, wie Projekte anhand von Kosten-Nutzen-Analysen und Programmzielen von der EU bewertet werden, sowie das konkrete Beispiel Hamburg.
6. Kontroll- und Bewertungssysteme: Es wird die Verantwortlichkeit der Mitgliedsstaaten für Bewertung und Kontrolle sowie die Überwachungsfunktion der Kommission und des Rechnungshofes beschrieben.
7. Zahlungsverfahren und Finanzangelegenheiten: Dieses Kapitel erklärt die dreistufige Abwicklung der Zahlungen, Berichtspflichten und die Regeln für zuschussfähige Kosten.
8. Vereinbarung: Der Abschnitt beschreibt den rechtlich verbindlichen Vertrag, der nach einer Bewilligung zwischen Verwaltung und Projektträger geschlossen wird.
9. Fazit und Perspektiven für das Strukturförderungsprogramm ab 2007: Das Fazit fasst die Komplexität der Förderung zusammen und gibt einen Ausblick auf die Prioritäten der Strukturpolitik ab 2007.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Strukturfonds, EFRE, ESF, Kulturförderung, Projektantrag, Ziel 2, Hamburg, Finanzierung, Kosten-Nutzen-Analyse, Projektmanagement, Regionalentwicklung, Fördermittel, Antragsteller, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit fungiert als Leitfaden für die Beantragung und Verwaltung von Fördermitteln aus den europäischen Strukturfonds, speziell für Akteure in Kultur und Stadtentwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der EU-Förderung, den Anforderungen an Antragsteller, den Verfahren zur Qualitätssicherung und Kontrolle sowie den finanziellen Aspekten der Projektförderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den oft komplexen Prozess der EU-Förderung für Antragsteller transparent und verständlich zu machen, um die erfolgreiche Akquise und Umsetzung von Projekten zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine strukturierte Analyse von Primärquellen (EU-Verordnungen) und ergänzt diese durch eine Fallstudie über die Umsetzung von EFRE- und ESF-Programmen in Hamburg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Strukturfonds-Systematik, die detaillierten Anforderungen an Förderanträge, Bewertungs- und Kontrollkriterien sowie die praktischen Zahlungs- und Vertragsverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument am besten?
Strukturfonds, EFRE, ESF, Projektförderung, EU-Fördermittel, Projektmanagement, Regionalpolitik, Hamburg, Kulturförderung.
Warum erhält Hamburg Fördermittel, obwohl es zu den reichsten Städten Deutschlands zählt?
Die Förderung erfolgt nicht pauschal für die ganze Stadt, sondern gezielt für einzelne Stadtgebiete (wie z.B. St. Pauli), die spezifische strukturelle Probleme wie hohe Arbeitslosenquoten oder soziale Disparitäten aufweisen.
Welche Rolle spielt die Johann Daniel Lawaetz-Stiftung in Hamburg?
Die Stiftung übernimmt bei ESF-Projektkonzeptionen eine entscheidende Rolle in der Vorprüfung, indem sie Anträge auf Fristeinhaltung, Vollständigkeit und formale Förderfähigkeit prüft.
Was bedeutet das Prinzip der Ko-Finanzierung in diesem Kontext?
Es bedeutet, dass EU-Gelder in der Regel nur einen Teil der Gesamtkosten decken (ca. 30-75%) und der Projektträger verpflichtet ist, den Rest über eigene Mittel, Sponsoring oder andere Förderquellen aufzubringen.
- Quote paper
- Stephanie Ziplys (Author), 2006, Europäische Förderungssysteme und Kulturförderung - Europäischer Sozialfonds und Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62125