Jugend und Okkultismus


Vordiplomarbeit, 2005
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Okkultismusboom als Folge gesellschaftlichen Wandels?

2. Okkultismus, was ist das?

3. Die Geschichte des Okkultismus – von den Wurzeln bis zur Gegenwart

4. Okkulte Praktiken im Überblick
4.1 Deutepraktiken
4.2 Spiritistische Praktiken
4.3 Magie
4.4 Satanskulte / Schwarze Messen
4.5 Musikgruppen mit okkult - satanistischem Hintergrund

5. „Jugend und Okkultismus“ im Visier der Forschung
5.1. Glaube an Übersinnliches
5.2. Ausübung okkulter Praktiken : Fakten und Beweggründe

6. Drei Teilnahmeformen – in Abhängigkeit vom Grad des Eingebundenseins in die jeweilige Szene oder Gruppe
6.1. Die Neugierigen
6.2. Die Mitläufer
6.3. Die Insider

7. Die Gefahren des Okkultismus für Jugendliche

8. „In Teufels Küche“ : Satanismus allgemein und unter Jugendlichen

9. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung – „Okkultismusboom“ als Folge gesellschaftlichen Wandels?

Unsere Gesellschaft ist mehr denn je gezeichnet von einem tief greifenden Wandel der Werte. Beständigkeit, klare Vorgaben und Sicherheit sind einer unübersichtlichen, sich schnell verändernden Welt gewichen, in der Entscheidungsfähigkeit und Leistung Priorität haben. Will man etwas erreichen im Leben, so sind Ausdauer und Fleiß unabdingbar, denn „jeder ist seines Glückes Schmied“ und „von nichts kommt nichts“. Nicht zuletzt aufgrund der derzeit schlechten wirtschaftlichen Situation und der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit, quält viele Menschen die Angst vor der Zukunft.

In den letzten Jahren haben sich zunehmend neue ideologische und religiöse Gemeinschaften gebildet, die sich an diesen Defiziten unserer Gesellschaft orientieren und damit werben, dass man durch eine entsprechende Mitgliedschaft das Gefühl von Gemeinschaft, Geborgenheit und Orientierung wieder erleben könne. Sie präsentieren neue Sinn- und Wertangebote, die sich von den veralteten christlichen Überzeugungen abheben und dem orientierungslosen Menschen der Moderne Zuflucht geben und eine „heile Welt“ vorgaukeln. Da unsere Gesellschaft das Vertrauen in die Institution Kirche überwiegend verloren hat, fühlen sich immer mehr Menschen zu neuen Sinnangeboten hingezogen. Dies schlägt sich in einem wachsenden Zulauf zu derartigen Gemeinschaften nieder. Neben religiösen Gemeinschaften, erfreut sich vor allem die Okkultismusszene wachsender Anhängerzahlen. Diese Szene existiert zwar schon seit je her, dennoch waren Zukunftsprognosen und vermeintliche Ratschläge von höheren Wesen noch nie so gefragt wie im Moment. Da sich vor allem die Generation der Jugendlichen vom Okkulten und Magischen angezogen fühlt, werde ich mich im Folgenden mit dem Thema „Jugend und Okkultismus“ beschäftigen.

Zu Beginn meiner Arbeit erkläre ich, was das Wort „Okkultismus“ bedeutet und was man im Allgemeinen darunter versteht. Dem folgt ein historischer Überblick von den Wurzeln okkulter Glaubensvorstellungen bis hin zum Okkultismus der Moderne. Anhand der Vorstellung der wichtigsten okkulten Praktiken, versuche ich dann die enorme Bandbreite des Okkultismus zu verdeutlichen und eine Einführung in die Möglichkeiten okkulter Tätigkeiten zu geben. Nachdem ich einige Ergebnisse der Forschung -bezüglich des Glaubens Jugendlicher an Übersinnliches und deren Interesse an der Ausübung okkulter Praktiken- präsentiert habe, wende ich mich der Frage zu, warum sich besonders Jugendliche vom Okkultismus angezogen fühlen. In Abhängigkeit vom Grad der Einbindung in die jeweilige Gemeinschaft, lassen sich drei verschiedene Teilnahmeformen unterscheiden, deren Merkmale ich daraufhin beschreiben werde. Anschließend gehe ich auf die Gefahren ein, denen sich Jugendliche aussetzten, wenn sie sich mit Okkultem beschäftigen.

Am Ende meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der wohl gefährlichsten Form des Okkultismus, dem Satanismus. Nach einem kurzen Überblick über diesen Bereich wende ich mich den verschiedenen Formen des Satanismus zu, bei denen mein Augenmerk -natürlich entsprechend dem Thema- auf den Jugendsatanismus gerichtet ist.

2. Okkultismus, was ist das?

Okkultismus (lat. okkultum >das Verborgene<) ist die Bezeichnung für die „Gesamtheit aller Geheimlehren, die sich mit […] physischen (Telekinese, Materialisationen, Spuk usw.) oder psychischen (Telepathie, Hellsehen, Prophetie, Spiritismus) Erscheinungen befassen“[1], welche sich einer wissenschaftlichen Erklärung entziehen. Mischo[2] versteht unter Okkultismus allgemein „die praktische und theoretische Beschäftigung mit den geheimen, verborgenen […] Erscheinungen des Natur- und Seelenlebens […], welche die gewohnten Gesetzmäßigkeiten zu durchbrechen scheinen und vielfach als `übernatürlich` angesehen werden“.

Den Wissenschaftsbereich, der okkulte Erscheinungen anhand psychischer bzw. physikalischer Gegebenheiten zu erklären versucht, nennt man Parapsychologie. Dem gegenüber steht der Spiritismus, welcher die Ursache für okkulte Phänomene im Einwirken Verstorbener auf das Diesseits zurückführt.[3]

Aufgrund seiner Nähe zum Satanismus assoziieren viele Leute mit Okkultismus etwas Negatives, weshalb man heutzutage die Beschäftigung mit Übersinnlichem häufig als Esoterik bezeichnet.[4]

3. Die Geschichte des Okkultismus - von den Wurzeln bis zur Gegenwart

Der Glaube an Okkultes und die Ausübung okkulter Praktiken existiert schon so lange wie die Menschheit selbst.

Das Wissen über die Vergänglichkeit des Lebens scheint wohl automatisch den Wunsch nach einem Leben im Jenseits nach sich zu ziehen. Schon unsere Urvölker hielten Bestattungszeremonien ab, um die Geister gnädig zu stimmen und legten Beigaben (persönliche Dinge, Münzen…) in die Gräber ihrer Toten, um diesen ein Leben im Jenseits zu ermöglichen.[5]

Dennoch kann man die Wurzeln des Okkultismus in der Vorantike sehen. Babylonische und ägyptische Kulturen bauten auf den Animismus, der vorgab, dass die Natur eine Seele habe und außerdem die Existenz von Hexen und Dämonen voraussetzte. Der damals aufkommende Glaube an Astrologie und Orakel, sowie die Verwendung von Magie und Amuletten hat sich schließlich durch die Germanen und Kelten auch in Europa verbreitet.[6]

Im Mittelalter mussten okkulte Bräuche im Verborgenen praktiziert werden, da die katholische Kirche diese ablehnte und ihre Ausübung hart bestrafte. Aufgrund dieser Tatsache entstand die Bezeichnung „Okkultismus“ mit dem lateinischen Wortursprung >okkultum<, was soviel wie verborgen, geheim bedeutet.[7] So genannte Hexen wurden damals öffentlich und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Im darauf folgenden Zeitalter der Renaissance drohte das aufkommende Interesse an der Wissenschaft, welche nach rationalen Erklärungen für okkulte Erscheinungen suchte, den Glauben an Zauberei und Magie zu verdrängen bzw. zu „entmystifizieren“. Das einfache Volk jedoch, legte trotz der aufklärenden Gedanken dieser Zeit seinen Glauben an Paranormales nicht ab.[8]

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts nahm der Aberglaube sogar rapide zu. In der Romantik lehnten die Menschen den Rationalismus und die Gedanken der Aufklärung ab und besannen sich wieder auf das Mystische und Übernatürliche. Vernunft und Wissenschaft traten in den Hintergrund, stattdessen spiegelten sich mittelalterlich Mythen und Riten in der Kunst, Dichtung und Musik dieser Epoche wider.

Die Bevölkerung hatte die Ängste durch die Revolution noch nicht überwunden und suchte Trost in einer realitätsfernen Welt des Okkulten und Übernatürlichen. Um den eigenen Bewusstseinszustand zu erhöhen kamen zu dieser Zeit die Hilfsmittel Absinth, Opium und Morphium in Mode.[9]

Laut Mischo[10] sind in dieser Epoche auch die Anfänge der Spiritismus zu sehen. Die spiritistische Lehre vermittelt den Glauben an das Weiterleben der Seele nach dem Tod -und neu daran ist- die mögliche Kontaktaufnahme der Lebenden mit den Geistern der Verstorbenen durch so genannte Mittlerpersonen bzw. Medien. Die Anfänge des Spiritismus sind nach Mischo[11] in den USA zu verzeichnen:

1847 habe dort ein Mann seltsame Klopfzeichen in seinem Haus bemerkt und aus Angst vor möglichen Übergriffen durch Geister seine Bleibe einem gewissen John Fox verkauft. Auch die Familie des neuen Eigentümers vernahm die merkwürdigen Klopfzeichen und die Kinder von Fox nahmen bald Kontakt zu diesem vermeintlichen Geist auf. Ein reges Frage- und Antwortspiel entwickelte sich zwischen den Kindern und dem Geist, der seinerseits durch die Anzahl der von ihm erzeugten Klopfgeräusche mit „Ja“ oder „Nein“ antwortete. Diese Gegebenheit verbreitete sich schnell im Dorf und bald wurden im Haus der Familie Fox regelrechte Sitzungen abgehalten. Aus diesen privaten Treffen wurden schon bald öffentliche Seancen. Daraufhin verbreitete sich der spiritistische Glaube wie eine Epidemie in ganz Amerika. 1852 kamen schließlich amerikanische Missionare des Spiritismus nach Europa und brachten auch hier ihre Lehre unter das Volk. Besonders die Praktik des Tischrückens erfreute sich großer Beliebtheit, denn es war tröstlich für die Menschen (scheinbaren) Kontakt zu ihren Verstorbenen aufnehmen zu können.

Schon damals standen sich zwei Fronten gegenüber. Zum einen die überzeugten Spiritisten (Allan Kardec u.a.) und zum anderen die Physiker (Chevreul, Faraday u.a.) und Psychologen, die die Phänomene realistisch zu erklären versuchten und deren Ursache in der Psyche, dem Unterbewusstsein des Menschen sahen. Die Bewegungen beim Glasrücken führten sie beispielsweise auf unbewusste Muskelbewegungen der Beteiligten zurück. Dies war der Beginn parapsychologischer Forschung.

Auch zur Zeit des Nationalsozialismus spielte Okkultismus eine große Rolle. Man muss bedenken dass der „Nationalsozialismus neben Xenophobie und Fremdenhass, auf pseudowissenschaftlichen Überzeugungen, wissenschaftlichen Halbwahrheiten, mystifizierter Germanophilie und Okkultismus aufbaute“[12]. Nationalsozialisten waren Anhänger spiritueller und okkulter Bewegungen und machten sich deren Sprache, Ideologie und Symbole zu Eigen. Auch heute noch bedienen sich Rechtsextremisten an Mythen und Symbolen des Okkultismus.

[...]


[1] Klosinski : Psychokulte … , 1996, S. 36; Auslassung: N. D.

[2] Mischo : Okkultismus bei Jugendlichen … , 1991, S. 20; Auslassung: N. D.

[3] Der große Brockhaus, 1980, S. 622. (Suchbegriff: Spiritismus)

[4] http://www.science-at-home.de/kurios/okkultismus.php

[5] http://www.science-at-home.de/kurios/okkultismus.php

[6] vgl. ebd.

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. ebd.

[9] vgl. ebd.

[10] Mischo: Okkultismus bei Jugendlichen …, 1991 , S. 137.

[11] vgl. ebd., S. 138 – 144.

[12] http://www.science-at-home.de/kurios/okkultismus.php

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Jugend und Okkultismus
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Jugendsoziologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V62151
ISBN (eBook)
9783638554480
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugend, Okkultismus, Jugendsoziologie
Arbeit zitieren
Nadja Drumm (Autor), 2005, Jugend und Okkultismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62151

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