Einleitung
Selten hat eine Persönlichkeit der Antike die Nachwelt derart in ihren Bann gezogen, wie dies bei dem römischen Feldherrn und Politiker Gaius Julius Caesar der Fall ist. Noch heute versuchen Wissenschaftler wie Laien in die Psyche des Mannes einzudringen, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert die Geschicke des römischen Staates lenkte. Dabei steht oftmals die Frage im Mittelpunkt, ob er nun eine Monarchie errichten und damit den Untergang der bewährten Republik besiegeln wollte, oder eben nicht. In der Forschung haben sich im Verlauf der Jahrzehnte hierzu zwei grundlegende Tendenzen manifestiert: Während vornehmlich ältere Wissenschaftler, wie etwa Eduard Meyer, der festen Überzeugung sind, der Plan Caesars sei es gewesen, schlussendlich die res publica durch eine Tyrannis zu ersetzen, scheint die neuere Forschung indes geprägt durch die Auffassung, Caesar habe sich mit der von ihm errichteten dictatura perpetua zufrieden gegeben, nicht zuletzt weil er damit die Befugnisse einer „de-facto-Monarchie 1“ innehatte, ohne sich der anrüchigen dominatio verdächtig zu machen 2. Da dieser äußerst kurze Abriss der Caesarforschung gewiss nicht der Vielfalt der historischen Analysen gerecht werden kann, aber auch nicht soll, wurde bei der Bearbeitung des Themas, dem Tribut zollend, nur auf eine Auswahl der relevanten Schriften zurückgegriffen. Hierbei stehen einerseits besonders die Arbeiten Hermann Strasburgers, wie auch die Caesarbiographie seines Mentors Matthias Gelzer, und andererseits nicht minder die Darstellungen Martin Jehnes, Kurt Raaflaubs, sowie Hinnerk Bruhns’, Luciano Canforas und Astrid Kraazs im Vordergrund der Aufbereitung. Nichtsdestotrotz ist die Arbeit primär von der Motivation getragen, anhand zeitgenössischer Quellen, wie Plutarch, Sueton, Cicero und Caesar selbst, die Motive des römischen Feldherrn zu ergründen. Die Frage inwiefern anhand der Quellen ein ‚Plan’, also das zielbewusste Streben nach einer Monarchie nachvollziehbar wird, soll schließlich im Fokus der vorliegenden Staatsexamensarbeit liegen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. cursus honorum suo anno
2.1. Caesar – ein zweiter Marius
2.2. Der politische Aufstieg
2.3. Als Aedil ein Tyrann
3. 63 v. Chr. – ein schicksalhaftes Jahr
3.1. Pontifex Maximus
3.2. Die Coniuratio Catilinae
4. 59 v. Chr. – eine Entscheidung gegen die Republik?
5. Das Proconsulat
6. „Iacta alea est“ – ein schier unlösbarer Konflikt
7. Hochmut kommt vor dem Fall
7.1. Primus inter Pares?
7.2. Peinlich Prätentiös – zu den Ehrbeschlüssen
7.3. Die Verschwörung
7.4. Die Iden des März 44 v. Chr. – ein Exkurs
8. Abschließende Betrachtung
9. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Laufbahn von Gaius Julius Caesar im ersten vorchristlichen Jahrhundert, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten, ob sein politisches Handeln als zielbewusstes Streben nach einer Monarchie und damit als geplanter Untergang der römischen Republik zu interpretieren ist oder ob er im Kontext seiner Zeit als Verteidiger der res publica agierte.
- Analyse von Caesars Aufstieg innerhalb des cursus honorum
- Quellenkritische Untersuchung antiker Historiker wie Plutarch und Sueton
- Beleuchtung der Interaktion mit Zeitgenossen wie Cato und Cicero
- Untersuchung der Hintergründe und Motive hinter den politischen Krisenjahren 63 v. Chr. bis 44 v. Chr.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Selten hat eine Persönlichkeit der Antike die Nachwelt derart in ihren Bann gezogen, wie dies bei dem römischen Feldherrn und Politiker Gaius Julius Caesar der Fall ist. Noch heute versuchen Wissenschaftler wie Laien in die Psyche des Mannes einzudringen, der im ersten vorchristlichen Jahrhundert die Geschicke des römischen Staates lenkte. Dabei steht oftmals die Frage im Mittelpunkt, ob er nun eine Monarchie errichten und damit den Untergang der bewährten Republik besiegeln wollte, oder eben nicht.
In der Forschung haben sich im Verlauf der Jahrzehnte hierzu zwei grundlegende Tendenzen manifestiert: Während vornehmlich ältere Wissenschaftler, wie etwa Eduard Meyer, der festen Überzeugung sind, der Plan Caesars sei es gewesen, schlussendlich die res publica durch eine Tyrannis zu ersetzen, scheint die neuere Forschung indes geprägt durch die Auffassung, Caesar habe sich mit der von ihm errichteten dictatura perpetua zufrieden gegeben, nicht zuletzt weil er damit die Befugnisse einer „de-facto-Monarchie“ innehatte, ohne sich der anrüchigen dominatio verdächtig zu machen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungstendenzen zu Caesars monarchischen Ambitionen dar und erläutert die methodische Herangehensweise anhand zeitgenössischer Quellen.
2. cursus honorum suo anno: Der Abschnitt analysiert die Anfänge von Caesars politischer Karriere, seine familiäre Herkunft und den frühen Mut gegenüber dem Diktator Sulla.
3. 63 v. Chr. – ein schicksalhaftes Jahr: Dieses Kapitel behandelt das Jahr 63 v. Chr., insbesondere die Wahl zum Pontifex Maximus und die Beteiligung an der Debatte um die Catilinarische Verschwörung.
4. 59 v. Chr. – eine Entscheidung gegen die Republik?: Die Untersuchung fokussiert sich auf Caesars Konsulat, seine Gesetzgebungsinitiativen und den wachsenden Konflikt mit der Senatsoligarchie.
5. Das Proconsulat: Das Kapitel beleuchtet den Gallischen Krieg als Wendepunkt, der Caesar militärische Stärke und finanziellen Spielraum für seine weitere politische Emanzipation verlieh.
6. „Iacta alea est“ – ein schier unlösbarer Konflikt: Es wird die Zuspitzung der Vorkriegsjahre bis zum Überschreiten des Rubikon durch Caesar im Januar 49 v. Chr. analysiert.
7. Hochmut kommt vor dem Fall: Der Abschnitt dokumentiert die Bürgerkriegsphase, die Ermordung Caesars an den Iden des März und die Rolle der Verschwörer.
8. Abschließende Betrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Caesar keinem monolithischen Tyrannenplan folgte, sondern sein Handeln stark durch die reaktive Politik seiner Gegner geprägt war.
9. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Gaius Julius Caesar, römische Republik, res publica, cursus honorum, Diktatur, Senat, Monarchie, Catilinarische Verschwörung, Bürgerkrieg, Pompeius, Cato, Cicero, Iden des März, Tyrannenherrschaft, Quellenkritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Hausarbeit untersucht die Person Gaius Julius Caesar und analysiert, inwieweit ihm ein geplanter Umsturz der römischen Republik zwecks Errichtung einer Monarchie unterstellt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den römischen cursus honorum, das Verhältnis Caesars zum Senat, die Bedeutung seiner militärischen Erfolge in Gallien sowie die Analyse von Propaganda und politischer Motivation.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, ob Caesar zielbewusst eine Monarchie anstrebte oder ob er in den Krisenjahren primär auf die Angriffe seiner politischen Widersacher reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein quellenkritischer Ansatz verfolgt, der zeitgenössische Autoren wie Plutarch, Sueton und Cicero mit moderner Forschungsliteratur abgleicht, um historische Klischees zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die Etappen von Caesars Karriere, vom frühen politischen Aufstieg über das Konsulat und den Gallischen Krieg bis hin zum Ausbruch des Bürgerkriegs und dem Attentat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören res publica, dignitas, cursus honorum, Diktatur, Bürgerkrieg und die Bewertung der Machtbasis des Triumvirats.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Marcus Porcius Cato?
Cato wird als stoischer Gegner dargestellt, dessen politische Agitation oft von persönlichen Motiven geleitet war und der maßgeblich zur Eskalation des Konflikts beitrug.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der Ermordung Caesars?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Verschwörer ihre Tat zwar ideologisch rechtfertigten, ihr Ziel einer Wiederherstellung der Freiheit jedoch scheiterte, da sie die politische Realität und die Bedeutung Caesars für den römischen Staat verkannten.
- Quote paper
- Andrea Glados (Author), 2006, C. Iulius Caesar - Zerstörer oder letzte Chance der Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62226