[...] „Nach amerikanischer Auffassung hat die (Wechselkurs)Bindung (des Yuan an den Dollar) zu einer künstlichen Unterbewertung des Yuan geführt, was wiederum die amerikanischen Exporte nach China erschwert hat und ein Grund für das riesige Außenhandelsdefizit der USA ist. „In Europa wird beklagt, dass der Euro den größten Teil der Dollarabschwächung abgefangen habe. Europa sieht in der Wechselkurspolitik Chinas einen Grund für die starke Euro-Aufwertung, die Europas Konjunktur belastet. Der politische Druck auf die chinesische Regierung, die Wechselkursbindung des chinesischen Yuan an den US-Dollar aufzugeben, nimmt kontinuierlich zu. Aus der Sicht Chinas schiente die feste Wechselkursanbindung hingegen vorteilhaft, die „nicht nur Wechselkurssicherheit für den Außenhandel, sondern auch wirtschaftliche Stabilität für die gesamte Region geschaffen hat“. Und auch viele Experten warnen, dass eine Abkehr von der Dollar-Bindung wegen der Schwäche des chinesischen Finanzsystems gefährlich wäre. Deshalb hat China vor 22. Juli 2005 noch alle Forderungen nach einer Aufwertung zurückgewiesen. Der Standpunkt der chinesischen Regierung wurde von dem Ministerpräsident Wen Jiabao in der letzten Zeit wiederholt betont: „China wird nicht überstützt handeln, wenn die Bedingungen nicht gegeben sind.“ Vor diesem Hintergrund wird es zurzeit sehr viel über die Angemessenheit der gegenwärtigen Währungspolitik Chinas und eine mögliche Flexibilisierung des Wechselkurses der chinesischen Währung diskutiert. Mit dieser Arbeit möchte ich versuchen, diese aktuelle Diskussion darzustellen und anhand der grundlegenden Wechselkurstheorie zu untersuchen, ob China eine angemessene Währungspolitik betreibt, und zwar angesichts der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Dabei werden die nationale Gegebenheit Chinas und die Entwicklung der internationalen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Von daher werden zunächst das Konzept der impossible trinity vorgestellt und die Vor- und Nachteile der alternativen währungspolitischen Modelle erarbeitet und Im anschließenden Kapitel werden die gegenwärtige Währungspolitik Chinas und ihre aktuelle Entwicklung im Rahmen der Wechselkurstheorie und des Konzeptes der impossible trinity näher beleuchtet. Abschließend werden die alternativen Modelle zum Dollar-Peg dargestellt und die noch zu erfüllenden Bedingungen für eine Flexibilisierung des Wechselkurses erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit
2. Die alternative Währungssystem im Vergleich
2.1 Die theoretische Grundlage
2.2 Ecklösungen: Feste versus Flexible Wechselkurse
2.3 Zwischenlösung: Managed Floating
2.4 Wahl des Währungssystems
3. Chinas währungspolitische Option
3.1 Die gegenwärtige Währungspolitik
3.2 Gründe für Dollar-Peg
3.2.1 Makroökonomische Stabilität
3.2.2 Außenhandel
3.2.3 Internationale Kapitalmärkte
3.3 Kritiken an Dollar-Peg
3.3.1 Handelsbilanzungleichgewicht
3.3.2 Expansion der Geldmenge
3.4 Entwicklungsstrategie oder Merkantilistische Handelspolitik
3.5 Betrachtungen der aktuellen Entwicklungen im Rahmen des Konzeptes Impossible Trinity
4. Reformvorschläge
4.1 Alternative zum Dollar-Peg
4.2 Handlungsbedarf
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht vor dem Hintergrund der internationalen Wechselkurstheorie, ob die bis 2005 praktizierte Währungspolitik Chinas – insbesondere die feste Bindung des Renminbi an den US-Dollar – als angemessen zu bewerten ist. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Regime unter Berücksichtigung nationaler Gegebenheiten und globaler Rahmenbedingungen auf das wirtschaftliche Wachstum und die Stabilität des Landes ausgewirkt hat und welche Notwendigkeiten für eine künftige Reform bestehen.
- Analyse alternativer Währungssysteme im Vergleich (Ecklösungen und Managed Floating).
- Untersuchung der Beweggründe für die Dollar-Bindung (Stabilität, Außenhandel, Kapitalmärkte).
- Kritische Würdigung der Folgen, insbesondere in Bezug auf Leistungsbilanz und Geldmengenausweitung.
- Anwendung des Konzepts der "Impossible Trinity" auf die chinesische Situation.
- Diskussion von Reformvorschlägen und der notwendigen Abfolge von Liberalisierungsschritten.
Auszug aus dem Buch
3. Chinas währungspolitische Option
„Along with China’s gradual economic reform since the 1970’s, its exchange rate regime has evolved in ‘an experiment of gradualism’ ”. Das Wechselkurssystem wurde zuerst 1981 von einem zentral geplanten Mechanismus zu einem System dualer Wechselkurse umgewandelt. Mit der Reform des Finanz- und Währungssystems wurde Anfang 1994 das duale Wechselkurssystem abgeschafft und durch ein „Managed Floating“–System ersetzt. Zeitgleich mit der Zusammenführung beider Wechselkurse wurde ein einheitlicher Devisenmarkt geschaffen (China Foreign Exchange Trade System), welcher seither als ein Inter-Bank-Devisenswapmarkt fungiert.
Gesamt gesehen ruht Chinas gegenwärtige Währungspolitik auf zwei Pfeilern: einem faktisch fixierten Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar und einem strikt reglementierten Kapitalverkehr, was durch folgenden Merkmalen gekennzeichnet wird..
Der Wechselkurs des RMB und seine Schwankungsbandbreite: Seit 1994 wird es zugelassen, dass der Wechselkurs schwanken darf. Von 1994 bis 1997 wurde der Kurs von 8,7 Yuan/USD auf 8,28 Yuan/USD aufgewertet. Der RMB hielt sich seitdem auf diesem Niveau stabil, wobei die Tagesschwankungen des RMB gegenüber dem USD auf +0,3 % um den Referenzwert begrenzt waren. (siehe Abbildung 2)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Wechselkurspolitik Chinas und Darstellung der zunehmenden internationalen Kritik an der festen Dollar-Bindung.
2. Die alternative Währungssystem im Vergleich: Erläuterung theoretischer Konzepte wie der "Impossible Trinity" sowie Gegenüberstellung von festen und flexiblen Wechselkurssystemen.
3. Chinas währungspolitische Option: Detaillierte Analyse der chinesischen Währungspolitik, der Gründe für den Dollar-Peg, der Kritikpunkte sowie der Einordnung in aktuelle internationale Entwicklungen.
4. Reformvorschläge: Vorstellung konkreter Ansätze zur Flexibilisierung, wie Bandbreitenerweiterungen oder Währungskörbe, sowie Diskussion notwendiger flankierender Strukturreformen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließende Bewertung der historischen Vorteile des alten Regimes gegenüber den wachsenden Nachteilen und Ausblick auf notwendige Liberalisierungsschritte.
Schlüsselwörter
Währungspolitik, Renminbi, Wechselkursbindung, Dollar-Peg, Managed Floating, Impossible Trinity, Außenhandel, Kapitalverkehrskontrolle, Handelsbilanz, Geldmenge, Inflation, Finanzsektor, China, USA, Reformstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Währungspolitik Chinas mit einem Fokus auf die Kopplung des Renminbi an den US-Dollar im Vergleich zu alternativen Währungssystemen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wechselkurstheorie, den Vor- und Nachteilen des Dollar-Pegs für China sowie den notwendigen Reformschritten für den Finanzsektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, ob das bisherige chinesische Währungsregime angemessen war und welche Herausforderungen sich für eine künftige Flexibilisierung ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das Modell der "Impossible Trinity" und einer deskriptiven Analyse ökonomischer Daten und Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie des chinesischen Systems, den Gründen für die Stabilität des Dollar-Pegs und den Gefahren wie Handelsungleichgewichten und Inflation.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Währungspolitik, Dollar-Peg, Managed Floating, Kapitalverkehrskontrollen und Handelsbilanz.
Warum hält China am Dollar-Peg fest?
Der Dollar-Peg diente als Anker für makroökonomische Stabilität, reduzierte Transaktionskosten im Außenhandel und förderte das für das Land essenzielle Wirtschaftswachstum.
Was genau bedeutet der Begriff "Impossible Trinity" im Kontext der Arbeit?
Das Konzept beschreibt, dass ein Land nicht gleichzeitig feste Wechselkurse, eine unabhängige Geldpolitik und freien Kapitalverkehr verwirklichen kann; China entschied sich für die ersten beiden Ziele auf Kosten des freien Kapitalverkehrs.
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- Si Gou (Autor), 2005, Betreibt China eine angemessene Währungspolitik?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62236