Die Soap Opera - unsere tägliche Sucht nach Seife - Eine kritische Analyse des Unterhaltungsfernsehens


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklungsgeschichte der Soap Opera

3. Die Struktur der Soap Opera
3.1 Die Daytime Soap Opera
3.2 Die Prime-time Soap Opera
3.3 Die Funktion der Charaktere
3.4 Die Konstruktion der Soap Opera

4. Theorie und Forschung
4.1 Gesellschaftlicher Wandel

5. Kritik und Begriffsdefinition
5.1 Vergnügen und Manipulation
5.2 Die fiktionale Form der Soap Opera und ihr Bezug zur Realität

6. Zusammenfassung/Fazit

Einleitung

Die Seifenoper hat es schwer in der Gesellschaft ihren Status zu behaupten. Keiner gibt zu, sie regelmäßig zu sehen, aber die Zuschauerzahlen belegen, dass die Soap Opera weiterhin eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist. Seit den achtziger Jahren ist dieses Genre auf dem Siegeszug und verzeichnet internationale Erfolge. Die Entwicklungsgeschichte der Soap Opera steht zu Beginn der folgenden Arbeit.

Dabei ist zu erkennen, dass die beschriebene Unterhaltungsform nicht direkt als Serie im Abendprogramm entstanden ist, die Prime-time Soap Opera, sondern sich aus der Daytime Soap Opera, der Serie im Nachmittagsprogramm entwickelt hat. Die historischen Ursprünge liegen allerdings beim Hörfunk in den frühen dreißiger Jahren in den USA. Dort wurden die Langzeitserien als kommerzieller Bestandteil des Programms eingeführt. In den fünfziger Jahren schaffen es die Serien auch ins Fernsehen. Die Zuschauer der Seifenoper bilden zunächst die Gruppe der Hausfrauen, auf die auch die eingesetzten Werbeprodukte abzielen und die sich für die konfliktreichen und emotionalen Inhalte interessieren. Die weitere Entwicklung und schließlich der Sprung ins Abendprogramm verändert auch die Zielgruppe der Zuschauer und verhilft der Seifenoper zu einer Ausbreitung über die amerikanischen Grenzen hinaus. Die Vielfalt der Charaktere gibt den Zuschauern die Möglichkeit sich mit einer Figur zu identifizieren und deren Handlung im Besonderen zu verfolgen. Diese geringe Distanz zwischen Figur und Zuschauer hält die Spannung während der Handlung und schafft eine Illusion, die den Unterschied zwischen Realität und Fiktion kaum noch nachvollziehen lässt. Das Vergnügen des Zuschauers und das Ziel ihn vor dem Fernseher zu halten, ist das Ergebnis der genauen Konstruktion der Serie. Die Charakterdarsteller, die Orte der Handlungen und die Texte werden genau auf ihre Wirkungen geprüft, um das richtige Verhalten beim Zuschauer zu erreichen. Die Dialoge werden vom Zuschauer sowohl auf der wortwörtlichen Ebene als auch auf der assoziativen Ebene entschlüsselt. Die Vorlieben des jeweiligen Zielpublikums werden berücksichtigt, ohne dabei auf kommerzielle Absichten zu verzichten. Die emotionalen Elemente sollen den realistischen Bezug aufrechterhalten und müssen daher auf allgemeinen Lebenserfahrungen beruhen, die jeder leicht nachvollziehen kann. Ein Hauptmerkmal der Seifenoper ist also die tragische Gefühlsstruktur, die sich auch mit dem emotionalen Realismus beschreiben lässt.

Die Erforschung der Soap Opera hat sich zu Beginn nur auf die Analyse einzelner Sendungen beschränkt. Nach der rapiden Entwicklung des Genres ist aber auch die Wirkung auf den Alltag und das Freizeitverhalten des Publikums wichtig für die Untersuchungen geworden. In den siebziger Jahren beschäftigt sich Stuart Hall in der kulturwissenschaftlichen Medienforschung der Analyse der Seifenoper und ihrer Konsumenten.

Der schlechte Ruf der Seifenoper ist durch verschiedene Kritiken bedingt. Die Soap Opera wird von Kunstkritikern als eine niedere Kunstform bezeichnet und der negative Einfluss prägt immer noch die Einstellung der Gesellschaft zu dieser Art der Unterhaltung. Theodor W. Adorno und Max Horckheimer kritisieren den Einfluss der Massenmedien und die Manipulation der Rezipienten. Auch Marx beschäftigt sich mit dem Phänomen des „falschen“ Vergnügens.

Das Vergnügen des Zuschauers ist das größte Ziel der Serienproduzenten, denn es garantiert hohe Zuschauerzahlen. Die Konstruktion der Seifenoper, wie die Funktion der Charaktere erklären wie der Zuschauer bestmöglich unterhalten werden kann. Der wichtigste Aspekt ist der Identifikationsmechanismus, die „Freude des Wiedererkennens“ oder auch die ironisch-vergnügliche Lesart.

Das Vergnügen der Zuschauer hängt also davon ab, ob die Serienwelt die soziale Wirklichkeit realistisch widerspiegelt und den Aufbau einer Illusion zulässt.

2. Die Entwicklungsgeschichte der Soap Opera

Die Serienproduktionen, die in den dreißiger Jahren in den USA ihre Anfänge hatten, werden zunächst tagsüber im Radio ausgestrahlt und von den großen Waschmittelfirmen und Seifenfabrikanten finanziell unterstützt. Durch die in den Werbepausen angepriesenen Haushaltsprodukte, die an die Zielgruppe der Hausfrauen angepasst sind, wird der Begriff „Soap“ geprägt. Die Inhalte der Serien sind ebenfalls auf die genannte Zielgruppe zugeschnitten und handeln von Liebesproblemen und Beziehungskonflikten aller Art. Die Bezeichnung als „Opera“ wird von Kulturkritikern erfunden, die diese Form der Unterhaltung als eine negative Erscheinung und als mindere Kunstform bezeichnen. Der Begriff Opera wird hier als ironische Anspielung im Gegensatz zur kulturell angesehenen Oper gewählt. Im Lauf der Zeit werden die Serienproduktionen von unabhängigen Gesellschaften unterstützt, der Begriff der Soap Opera wird trotzdem beibehalten und wird auch als definitive Genrebezeichnung akzeptiert.

Die ursprünglichen Produktionen für das Radio werden am frühen Nachmittag ausgestrahlt und erhalten die Bezeichnung der „daytime radio serials for women“. Im Jahr 1960 wird die letzte Soap Opera im Radio gesendet und beginnt ihre Etablierung im Fernsehen.[1] In den achtziger Jahren schaffen es die endlosen Serienproduktionen nach China, in die Sowjetunion, nach Indien und Fernost, sowie nach Europa.[2]

Der Fernsehhistoriker Alan L. Gansberg hat die Entwicklung der amerikanischen Seifenoper in sechs Phasen unterteilt. Die erste Phase ist gekennzeichnet durch die zunächst noch sehr einfache Ausstattung der frühen Soap Opera. Die Schauspieler sind nicht besonders attraktiv und die Behandlung von Problemen begrenzt sich auf Kindererziehung und allgemeines Familienleben. Ende der fünfziger Jahre beginnt die zweite Phase der Entwicklung. Die Charaktere werden detailliert betrachtet und Gesprächssituationen zwischen zwei Personen, die sich über nicht anwesende Dritte unterhalten, dominieren die Handlung. Liebesbeziehungen, Ehe und Beruf stellen die zulösenden Probleme dar. Die Seifenoper erhält beinahe die Aufgabe einer psychologischen Analyse. Die dritte Entwicklungsstufe beginnt nach Gansberg ab 1965. Die bisher auf Emotionen gestützten Themen erhalten einen konfliktorientierten Charakter. Themen, die in der Gesellschaft bisher tabuisiert werden, behandelt die Serie bevorzugt. Des Weiteren stehen alltägliche Probleme wie Krankheiten, Familienprobleme und die zunehmende Berufstätigkeit der Frauen im Vordergrund. In dieser Phase werden auch zum ersten Mal afroamerikanische Darsteller in eine Seifenoper aufgenommen.

Die vierte Phase der Entwicklung zeichnet sich durch die Veränderung der Zuschauerzusammensetzung aus. Das Interesse wird nun auch bei Schülern und Studenten geweckt, sogar Männer sind unter den Zuschauern zu finden. Dieser Zuwachs kann an den inhaltlichen Veränderungen festgemacht werden, die neuen Zielgruppen werden auch in den Erzählungen berücksichtigt und thematisiert. Mit der Veränderung des Publikums erfolgt eine Veränderung der Charaktere.

In der fünften Phase werden zunehmend spannungsbetonte Handlungen eingeführt. Die Soap Opera erhält auch die Bezeichnung der „Police Opera“. Ein weiteres Merkmal ist in der Veränderung der Handlungsorte zu finden. Die Szenen werden immer häufiger an real existierenden Schauplätzen gedreht und enthalten sogar „Science- Fiction- Elemente“. Die Ausstattung der Seifenoper wird also zunehmend aufwendiger.

Die sechste Phase ist aus der Sicht der neunziger Jahre noch hinzuzufügen. Mit der Erfindung der „Teen- Soaps“ werden nun auch im Speziellen die Bedürfnisse der Jugendlichen behandelt.[3]

Im deutschen Fernsehen startet die erste aus den USA importierte Seifenoper im Mai 1986 unter dem Titel „Springfield Story“ (Guiding Light) auf dem Sender RTLplus, später RTL. Bis in die neunziger Jahre folgen „Schatten der Leidenschaft“, „Reich und Schön“, „California Clan“ etc. Die deutschen Produktionen wie „Unter uns“, „Marienhof“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ergänzen bald das Angebot.

Mitte der neunziger Jahre belegen im deutschen Fernsehen die Seifenopern das Nachmittags- und Abendprogramm mit 50 Stunden Sendezeit pro Woche.[4]

Die deutschen Produktionen erreichen durch ihre Gegensätzlichkeit zu den US-Serien sogar eine große Popularität außerhalb Europas.

„Although Lindenstraße enjoys great popularity around the continent, it probably will never travel much beyond its borders, unlike Verbotene Liebe (Forbidden Love) and Marienhof, which reach millions of viewers throughout Europe via broadcast, cable or satellite.”[5]

Dieses Format ist in der Bundesrepublik ein bisher unbekanntes Erfolgskonzept.

Die Zuschauerzahlen steigen trotz der einseitigen negativen Kritik der Presse und die Unterhaltungsindustrie meldet ihr kommerzielles Interesse an auch außerhalb der Fernsehproduktion den serienbezogenen Konsum zu steigern.

„Die Soap-Entwicklung in Deutschland lässt sich von ihren Anfängen her, bedingt durch den von der Produktionsfirma Grundy/Ufa geleisteten „Know-how-Transfer“, als ein mitunter schwieriger Lernprozess charakterisieren, in dem es darum ging, die aus produktionsökonomischen Bedingungen herausgebildeten Konventionen des Genres nicht nur in spannende Geschichten für ein deutsches Publikum einmünden zu lassen, sondern zugleich mit den Soaps die Marketingziele vorzubereiten.“[6]

Es werden Magazine und Zeitschriften eingeführt und Fans können über das Internet, Hotlines und Gewinnspiele ständig mit der Produktion in Kontakt bleiben. Das Merchandising- Angebot besteht aus T-Shirts, Kalendern, Büchern, CDs etc. Durch die Gründung von Fanclubs wird ein komplettes Netzwerk zur Kommunikation geschaffen. Diese neue Entwicklung kann mit dem Überbegriff „Soap- Kultur“ beschrieben werden.[7]

[...]


[1] Vgl. Wiegard, Daniela: Die `Soap Opera’ im Spiegel wissenschaftlicher Auseinandersetzung, Marburg 1999, S. 9.

[2] Luchting, Anne-Kathrin: Leidenschaft am Nachmittag, Wolznach 1995, S. 11-12.

[3] Vgl. Luchting, Anne-Kathrin, S. 62-63.

[4] Vgl. Luchting, Anne-Kathrin, S. 13.

[5] Matelski, Marylin J.: Soap Operas Worldwide. Cultural and Serial Realities, N.C., London 1999, S. 109.

[6] Göttlich, Udo: Zur Entdeckung eines Genres. Die deutschen Daily Soaps im Fernsehen der

90er Jahre, (Internet), S. 2.

[7] Vgl. Luchting, Anne-Kathrin, S. 14-18.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Soap Opera - unsere tägliche Sucht nach Seife - Eine kritische Analyse des Unterhaltungsfernsehens
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Veranstaltung
Hauptseminar: 'Wir amüsieren uns zu Tode' - eine kritische Analyse des Unterhaltungsfernsehens
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V62261
ISBN (eBook)
9783638555333
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soap, Opera, Sucht, Seife, Eine, Analyse, Unterhaltungsfernsehens, Hauptseminar, Tode“, Analyse, Unterhaltungsfernsehens
Arbeit zitieren
Eva Maqua (Autor:in), 2005, Die Soap Opera - unsere tägliche Sucht nach Seife - Eine kritische Analyse des Unterhaltungsfernsehens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62261

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