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Die politische Kultur Russlands. Eine Untersuchung anhand des Konzepts von Almond und Verba

Title: Die politische Kultur Russlands. Eine Untersuchung anhand des Konzepts von Almond und Verba

Seminar Paper , 2004 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Verena Stockmair (Author)

Politics - Region: Russia
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Nur wenige Tage nach dem blutigen Geiseldrama in einer Schule im nordossetischen Beslan kündigte Präsident Putin grundlegende Reformen des politischen Systems an. Was vorgeblich dazu dienen soll, den Staat im Kampf gegen den Terrorismus zu stärken wurde von verschiedensten Kritikern weltweit als Versuch gewertet, die letzten Reste eines politischen Pluralismus und demokratischen Wettbewerbs zu tilgen. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass die russische Menschenrechtsgruppe „Memorial“ mit einem alternativen Nobelpreis geehrt wurde. Zur Begründung hieß es: „Wir haben die jüngsten Grausamkeiten in Beslan als einen Grund gesehen, warum es wichtig ist, eine solche Organisation auszuzeichnen“. 1988 in Moskau gegründet, um die Schrecken der Arbeitslager unter Stalin zu dokumentieren, kümmert sich diese Organisation heute in erster Linie um die Angehörigen der Opfer der Gulags und half auch in Tschetschenien vor Ort.

Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, herauszufinden, ob diese Organisation als Beispiel für eine Zivilkultur in Russland gelten kann, die sich in einer politischen Aktivität großer Teile der Bevölkerung äußert, oder ob mangels staatsbürgerlichem Bewusstsein des Einzelnen, die Regierenden als nahezu einzige politische Akteure auftreten. Die politische Kultur Russlands soll also in der Weise untersucht werden, dass versucht wird herauszufinden, ob es politische Kräfte gibt, die sich der Abkehr von bereits vorhandenen demokratischen Prinzipien entgegenstellt bzw. die den „bestehenden Trend zur ‚gelenkten Oligarchie’“ hemmt. Als Analysemodell der politischen Kultur Russlands soll dabei das Konzept Almond/Verbas dienen wonach es mit der Parochialkultur, der Untertanenkultur und der Partizipationskultur drei Formen politischer Kultur gibt. Das Konzept wird im Folgenden, nachdem der Begriff ‚politische Kultur’ eingeführt wurde, dargestellt. Auch soll die Bedeutung der politischen Kultur innerhalb der Konsolidierungsdebatte beleuchtet werden. In einem weiteren Schritt wird die politische Kultur Russlands anhand des Konzepts von Amond/Verba untersucht, um dann letztendlich zu einer typologischen Einordnung zu gelangen und Konsequenzen für die Konsolidierung Russlands ziehen zu können. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Politische Kultur Russlands. Eine Untersuchung anhand des Konzepts von Almond und Verba.

2.1 Theoretische Vorgehensweise

2.1.1 Annäherung an den Begriff „Politische Kultur“

2.1.2 Das Konzept von Almond und Verba

2.1.3 Politische Kultur innerhalb der Konsolidierungsdebatte

2.2 Anwendung des Konzepts anhand der vier Objekte politischer Orientierung

2.2.1 Politisches System im Allgemeinen

2.2.2 Input-Objekte

2.2.3 Output-Objekte

2.2.4 Selbst als politischer Akteur

2.3 Zusammenfassung und Deutung der Ergebnisse

2.3.1 Typologische Einordnung

2.3.2 Bedeutung für die Konsolidierung Russlands

3 Fazit

4 Literaturangabe

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis des Konzepts von Almond und Verba die politische Kultur in Russland unter der Präsidentschaft Putins, um zu klären, ob die russische Bevölkerung eine aktive Zivilkultur entwickelt hat oder ob sie primär in einer Untertanenkultur verharrt, die den demokratischen Transformationsprozess hemmt.

  • Analyse der politischen Kultur Russlands mithilfe des Almond/Verba-Modells
  • Untersuchung der Einstellung der Bevölkerung zu demokratischen Institutionen und Prozessen
  • Bewertung des Einflusses politischer Akteure und der Rolle der Zivilgesellschaft
  • Typologische Einordnung der russischen politischen Kultur im Kontext der Konsolidierungsdebatte
  • Auswirkungen der politischen Orientierungen auf die Stabilität und Entwicklung des russischen Systems

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Input-Objekte

Betrachtet man die Institutionen, mittels derer die Bevölkerung Forderungen an die Politik herantragen kann, so ist zunächst zwischen Interessenverbänden und Parteien zu unterscheiden. Bezüglich ersterer ist festzustellen, dass diese im osteuropäischen und internationalen Vergleich relativ schwach entwickelt sind.

„Eine geringe Organisationsdichte geht in der Regel mit einer geringen Ressourcen ausstattung und hoher Fragmentierung einher. Die Einflußnahme zivilgesellschaftlicher Institutionen ist deshalb […] insgesamt eher als gering einzuschätzen.“

Hinzu kommt, dass die vorhandenen NGOs trotz verbaler Bekenntnisse bezüglich ihrer Bedeutung für eine starke und prosperierende bürgerliche Gesellschaft, besorgniserregenden Regulierungsmaßnahmen von politischer Seite ausgesetzt sind.

Aber auch auf Ebene der Parteien ist der intermediäre Sektor nur schwach ausgeprägt. Von einem voll ausgebildeten und stabilen Parteiensystem kann in Russland noch immer nicht die Rede sein. Im Vergleich mit anderen postsozialistischen Staaten stellt Taylor fest: Russian political parties have developed much less than parties in some of the states of Central Europe. Neben politischen Gründen wie der bis heute nicht ausreichend geklärten rechtlichen Stellung der Parteien und der Verzögerung des Aufbaus demokratischer Institutionen nach Ablösung des alten Regimes, scheint aber vor allem auch das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Parteien für diesen Zustand verantwortlich zu sein. So werden „insbesondere Parteien […] als Vertreter von („partikularistischen“) gesellschaftlichen Teil interessen angesehen, die den Gesamtinteressen von Staat und Volk nicht dienen können“.

Untersuchungen zeigten, dass 2004 nur 5% der befragten Russen darauf vertrauten, dass ihre Interessen von Parteien vertreten würden. 27% gaben an, Politischen Parteien nicht völlig zu vertrauen und ganze 40% verneinten jegliches Vertrauen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den aktuellen politischen Kontext in Russland unter Präsident Putin und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der politischen Kultur und Zivilgesellschaft.

2 Die Politische Kultur Russlands. Eine Untersuchung anhand des Konzepts von Almond und Verba.: Dieser Hauptteil legt die theoretischen Grundlagen des Analyserahmens dar und wendet diesen systematisch auf die russische politische Kultur an, unterteilt in die vier Objekte der politischen Orientierung.

2.1 Theoretische Vorgehensweise: Dieses Unterkapitel definiert den Begriff der politischen Kultur, führt das Konzept von Almond und Verba ein und bettet die Thematik in die allgemeine Konsolidierungsdebatte ein.

2.2 Anwendung des Konzepts anhand der vier Objekte politischer Orientierung: Hier erfolgt die empirische Untersuchung der vier Dimensionen: das System im Allgemeinen, Input-Objekte, Output-Objekte und das Selbst als politischer Akteur.

2.3 Zusammenfassung und Deutung der Ergebnisse: Dieses Kapitel interpretiert die erhobenen Daten, nimmt eine typologische Einordnung vor und reflektiert die Bedeutung der Ergebnisse für die Konsolidierung der russischen Demokratie.

3 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und schließt mit der Einschätzung, dass die Herausbildung einer demokratischen Zivilkultur in Russland aktuell unwahrscheinlich ist.

4 Literaturangabe: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und Literaturverweise auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.

Schlüsselwörter

Politische Kultur, Russland, Almond und Verba, Zivilkultur, Untertanenkultur, Partizipationskultur, Demokratische Konsolidierung, Zivilgesellschaft, Putin, Politische Orientierung, Input-Objekte, Output-Objekte, Transformation, Politische Partizipation, Bürgerbewusstsein.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die politische Kultur Russlands unter Präsident Putin auf der Grundlage des theoretischen Modells von Almond und Verba, um den Stand der demokratischen Entwicklung und des zivilgesellschaftlichen Bewusstseins zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Einstellungen der russischen Bevölkerung zum politischen System, zu Interessenverbänden, Parteien sowie die Wahrnehmung des eigenen politischen Handlungsspielraums und der Einflussmöglichkeiten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszufinden, ob Russland Anzeichen einer aktiven Zivilkultur aufweist oder ob die Bevölkerung als Untertanenkultur agiert, die die demokratische Konsolidierung behindert oder den Trend zur autoritären Machtausübung begünstigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine qualitative und quantitative Analyse von Umfrageergebnissen und Statistiken, die sie strukturiert anhand des Konzepts von Almond und Verba zur Typisierung politischer Kulturen einordnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine detaillierte Analyse der vier Objekte politischer Orientierung (System, Input, Output, Selbst) und eine abschließende typologische Einordnung der russischen Verhältnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politische Kultur, Untertanenkultur, Zivilgesellschaft, demokratische Konsolidierung und den spezifischen Kontext der russischen Transformationsprozesse geprägt.

Welche Rolle spielt Präsident Putin im Analysemodell?

Putin wird als zentraler politischer Akteur (Output-Dimension) betrachtet, dessen Politik des „starken Staates“ maßgeblich die positiven Zustimmungswerte beeinflusst, während gleichzeitig die demokratischen Institutionen an Bedeutung verlieren.

Warum kommt die Autorin zu einer eher pessimistischen Schlussfolgerung?

Die Analyse zeigt, dass die russische Bevölkerung zwar demokratische Konzepte theoretisch bejaht, aber in der Praxis eine ausgeprägte politische Passivität, ein Misstrauen gegenüber Institutionen und ein Mangel an bürgerschaftlichem Engagement herrschen.

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Details

Title
Die politische Kultur Russlands. Eine Untersuchung anhand des Konzepts von Almond und Verba
College
University of Regensburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Grundkurs: Einführung in die politischen Systeme Mittel- & Osteuropas
Grade
1,3
Author
Verena Stockmair (Author)
Publication Year
2004
Pages
18
Catalog Number
V62263
ISBN (eBook)
9783638555357
ISBN (Book)
9783656794257
Language
German
Tags
Kultur Russlands Grundkurs Einführung Systeme Mittel- Osteuropas politische Kultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Verena Stockmair (Author), 2004, Die politische Kultur Russlands. Eine Untersuchung anhand des Konzepts von Almond und Verba, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62263
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