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Ökonomie als Identitätsstifter in Adalbert von Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"

Title: Ökonomie als Identitätsstifter in Adalbert von Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"

Term Paper , 2006 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Master of Arts Alexander Monagas (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Erzählung der wundersamen Geschichte Peter Schlemihls von Adalbert von Chamisso erscheint dem Leser zunächst so lehrreich wie unergründlich. Die Suche nach der eigenen Identität und dem Platz in der Gesellschaft stellt den Helden dieser Geschichte vor elementare Grundfragen. Immer wieder sind enge Zusammenhänge von Ökonomie und Identität bedeutsam für den Verlauf der Geschichte. So verkauft Peter mit seinem Schatten einen Teil seiner Existenz an den Teufel. Erst später wird ihm bewusst, welches Schicksal er damit besiegelt hat. Im Gegenzug erhält er das Glücksäckel, das ihm unendlichen Reichtum beschert. So macht sich Schlemihl auf eine fortwährende Reise, um mit Hilfe des Goldes ein neuer Mensch zu werden. Doch kann die Ökonomie wirklicher Identitätsstifter für Peter Schlemihl sein?
Chamissos Werk zeichnet sich durch eine kapitalistische Dynamik und finanzielle Kreislaufbewegung aus, in der Schlemihl sich auf der Suche nach dem menschlichen Glück immer wieder dem Fremden begeben muss. Gerade sein Doppelgängerleben entfremdet ihn zusehends. Emigration, Isolation und gesellschaftlicher bzw. bürgerlicher Identitätsverlust sind die Folgen. Moral und Handel(n) werden damit zentrale Motiv für Schlemihl. Schon für Aristoteles war die Basis des Handelns (Handel=Bewegung=Zeit) die Ethik (Wert), auf der er seine Politik aufbaute. Für ihn war der Wille der motivierende Faktor für Handlung: „Denn das rechte Verhalten ist ein Ziel, und das Streben geht darauf.“ Doch eben gegen dieses „rechte Verhalten“ verstößt Schlemihl. Und so wird der Held der Geschichte gezwungen, seinen Mangel an Schatten mit Hilfe des Goldes zu verbergen. Um den Verkauf des Schattens rückgängig zu machen, müsste er dem Teufel seine Seele überlassen. Religion und Ökonomie, beides identitätsstiftende Medien, begeben sich in einen Austausch um Glück, Heimat und Seelenfrieden. Die starke Symbolik von Licht und Dunkel, Vernunft und Glaube, Schatten und Schattenlosigkeit erhellt die persönliche Einstellung Schlemihls in Bezug auf seine Person und deren Wirkung in der Öffentlichkeit. Sein und Schein bzw. Haben vs. Nicht-Haben werden zu wichtigen Maßstäben, denen besonderer Augenmerk in dieser Untersuchung gelten wird. So soll textnah herausgefunden werden, welches Verhältnis von Identität und Ökonomie für Peter Schlemihl herrscht und ob Schlemihls Gold die schattenlose Sinnkrise bewältigen kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. PETER SCHLEMIHL UND DIE ÖKONOMIE

1.1 DIE SCHATTENSEITE DER ÖKONOMISCHEN FREIHEIT

1.2 ES IST KEIN GLÜCK WAS IM GOLDE GLÄNZT

1.3 FREMDES EIGENTUM UND EIGENES GLÜCK

1.4 ÖKONOMISCHER IDENTITÄTSERSATZ FÜR GESELLSCHAFTLICHES HANDELN

3. EXKURS: FORTUNATI-GLÜCKSÄCKEL

4. ÖKONOMISCHES PRINZIP DER IDENTITÄT(EN) SCHLEMIHLS

5. FAZIT: WER DEN SCHATTEN NICHT EHRT, IST DES GLÜCKES NICHT WERT

6. BIBLIOGRAPHIE

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel von Ökonomie und Identitätsbildung in Adalbert von Chamissos Erzählung "Peter Schlemihls wundersame Geschichte", wobei sie der Frage nachgeht, inwieweit Geld als Identitätsstifter fungieren kann und ob das finanzielle Glück die durch den Schattenverlust bedingte Sinnkrise zu überwinden vermag.

  • Die symbolische Bedeutung von Schattenverlust und ökonomischer Freiheit.
  • Die Rolle von Geld als Instrument zur sozialen Identitätskonstruktion.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit "schnellem Glück" durch materiellen Besitz.
  • Der Vergleich zwischen ökonomischen Systemen und zwischenmenschlicher Kommunikation.
  • Die Untersuchung der moralischen Konsequenzen eines Paktes mit dem "Teufel".

Auszug aus dem Buch

1.1 Die Schattenseite der ökonomischen Freiheit

Geld bedeutet Schlemihl zunächst irdisches Glück und gesellschaftliche Freiheit. „Ich bekam einen Schwindel, und es flimmerte wie doppelte Dukaten vor meinen Augen.“ Nicht umsonst ist der Name des immervollen Goldbeutels schließlich „Fortunati Glückssäckel.“ Glück und Wohlstand scheinen sich einander zu bedienen. Der plötzliche Reichtum erscheint ihm wie die glückliche Fügung des Schicksals. „Ich aber hielt den Beutel bei den Schnüren fest, rund um her war die Erde sonnenhell, und in mir war noch keine Besinnung.“ Es ist das sonnengelbe Gold, das ihm die Sinne raubt. Doch wird hieraus auch deutlich, dass Gold allein keinen Sinn hat. Geld allein scheint von „Besinnungslosigkeit“ begleitet zu werden. Denn Geld hat ohne Zeichen keine Bedeutung.

Das ursprüngliche Geld war daher zunächst „Material ohne Prägung.“ Erst mit dem Stempel wurde der natürliche Rohstoff und seine kulturelle Nutzung nicht mehr benötigt. Das „Zeichen des Geldes“, griech. sēma, wird zum Prägemerkmal einer abstrakten Gesellschaft, die sich von griech. sōma, dem dinglichen Körper, entledigt hat. Und auch Schlemihl entledigt sich seines dinglichen Körpers, eben seines Schatten, den er gegen Gold tauscht. Der Schatten wird zum handelbaren Ding. „Kaufen Sie mir das Ding ab“ beschwört ihn der Teufel, der es auf die Seele Schlemihls abgesehen hat. So wird also das Geld der eigentlichen „Natur“ durch den Stempel entfremdet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die zentrale Problemstellung ein, wie die Ökonomie die Identität des Helden beeinflusst und ob das Gold eine schattenlose Sinnkrise kompensieren kann.

2. PETER SCHLEMIHL UND DIE ÖKONOMIE: Dieses Kapitel beleuchtet den Verlust des Schattens als existenzielle Entfremdung und untersucht die Rolle des Geldes sowie die damit verbundene soziale Scheinexistenz.

1.1 DIE SCHATTENSEITE DER ÖKONOMISCHEN FREIHEIT: Hier wird analysiert, wie Geld als abstraktes Symbol die Sinne raubt und durch den Verlust des Schatten die Identität entleert wird.

1.2 ES IST KEIN GLÜCK WAS IM GOLDE GLÄNZT: Dieses Unterkapitel setzt sich kritisch mit der Annahme auseinander, dass materieller Reichtum zwangsläufig mit Glück gleichzusetzen sei.

1.3 FREMDES EIGENTUM UND EIGENES GLÜCK: Die Analyse konzentriert sich hier auf das Konzept des Besitzes und die Gefahr der Seele als Tauschobjekt.

1.4 ÖKONOMISCHER IDENTITÄTSERSATZ FÜR GESELLSCHAFTLICHES HANDELN: Es wird erörtert, wie Sprache und Kommunikation als Medien dienen, um die gesellschaftliche Identität trotz fehlender Schatten zu simulieren.

3. EXKURS: FORTUNATI-GLÜCKSÄCKEL: Ein vergleichender Blick auf den Fortunatus-Roman, um die literarische Tradition und Parallelen zum "Glücksäckel" zu verdeutlichen.

4. ÖKONOMISCHES PRINZIP DER IDENTITÄT(EN) SCHLEMIHLS: Das Kapitel betrachtet, wie Schlemihl versucht, durch Reichtum eine falsche Identität in der Gesellschaft aufrechtzuerhalten.

5. FAZIT: WER DEN SCHATTEN NICHT EHRT, IST DES GLÜCKES NICHT WERT: Die Zusammenfassung der Erkenntnisse unterstreicht den moralischen Abstieg und die Unmöglichkeit, Identität durch rein ökonomische Mittel zu stiften.

6. BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der wissenschaftlichen Quellen und Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Ökonomie, Identität, Adalbert von Chamisso, Peter Schlemihl, Glückssäckel, Schatten, Kapitalismus, Geld, Konsum, Entfremdung, Sprache, Gesellschaft, Identitätsstifter, Marktwirtschaft, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem ökonomischen Handeln und der Identitätsbildung des Protagonisten in Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte".

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die symbolische Bedeutung des Schattens, der Einfluss von Geld auf das Individuum sowie die gesellschaftliche Entfremdung durch materielle Werte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, ob Geld ein tatsächlicher Identitätsstifter sein kann und ob Schlemihls Reichtum ausreicht, um seine existenzielle Krise zu bewältigen.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?

Die Untersuchung folgt einem textnahen Ansatz, der durch eine Analyse der kulturökonomischen Diktion und philosophischer Konzepte (u.a. von Aristoteles, Habermas und Binswanger) ergänzt wird.

Was wird in den Kapiteln des Hauptteils behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entfremdung durch den Schattenverkauf, die Funktion des Geldes als Symbol, die Bedeutung von Sprache für die soziale Identität und den Vergleich zum Fortunatus-Mythos.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Ökonomie, Identität, Schatten, Entfremdung, Kapitalismus und Literaturwissenschaft beschreiben.

Warum spielt der "Fortunatus"-Roman in der Analyse eine Rolle?

Der Fortunatus-Roman dient als Vergleichsfolie, um zu verdeutlichen, wie sich der Einsatz materieller Schätze in der Literatur traditionell gestaltet und wo die spezifischen Besonderheiten bei Chamisso liegen.

Zu welchem Schluss kommt der Autor bezüglich der Rolle des Geldes?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Geld zwar eine kurzzeitige soziale Scheinexistenz ermöglicht, aber keine dauerhafte Identität stiften kann, da moralische und immaterielle Werte nicht durch Gold ersetzbar sind.

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Details

Title
Ökonomie als Identitätsstifter in Adalbert von Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"
College
University of Mannheim  (Lehrstuhl Neuere Germanistik II)
Course
Das Eigene und das Fremde - Immigrantenliteratur in Deutschland
Grade
1,0
Author
Master of Arts Alexander Monagas (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V62299
ISBN (eBook)
9783638555654
ISBN (Book)
9783638879767
Language
German
Tags
Identitätsstifter Adalbert Chamissos Peter Schlemihls Geschichte Eigene Fremde Immigrantenliteratur Deutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Master of Arts Alexander Monagas (Author), 2006, Ökonomie als Identitätsstifter in Adalbert von Chamissos "Peter Schlemihls wundersame Geschichte", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62299
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