Lernen hat etwas mit Gefühlen zu tun. Wer bei einem Lernprozeß positive Gefühle entwickelt - sich mit Hingabe und inneren Engagement dem zu lernenden Material hingibt, bei dem wird Lernen als ein selbstverständlicher Prozeß eingehen, ohne dass es ihm bewußt wird , dass er viel Arbeit leistet. Leider ist die Schulpraxis oft nicht so , sondern Zwang , Angst und Frustration sind oft die ständigen Begleiter der SchulerInnen. Das nicht selten autoritär, repressive Auftreten der LehrerInnen macht Lernen oft zu einem entfremdeten Prozeß, der bei vielen SchülerInnen psychische Probleme hervorruft, welche sie ihre ganze Schullaufbahn begleiten. Nicht ohne Grund gibt es in der Bundesrepublik Deutschland eine erschreckend hohe Zahl an AnalphabetInnen, deren Bildungsdefizit wohl eher selten auf ein individuelles Intelligenzdefizit zurückzuführen ist, sondern wohl eher auf elementare Mißstände seitens der im Schulwesen praktizierten Pädagogik und Didaktik.
Kann denn Schule ohne Rotstift Wissen vermitteln und dabei die Lernenden noch begeistern ? Die Grundlage hierfür wird in den ersten Schuljahren gelegt. Schrift- und Spracherwerb bei den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft kann mit Freude und Begeisterung einhergehen und nebenbei einen außerordentlichen Wissenszuwachs beinhalten. Hierfür muß aber erst die traditionelle Pädagogik und Didaktik ins Museum gestellt und neue Wege praktiziert werden: Ein Unterricht weitgehendst ohne Lehrerautorität und determinierte Strukturen, ein offenes Lernen in einer offenen Schule. Das diese neuen Wege keine bloßen theoretischen Ideale sind, belegen einschlägige wissenschaftliche Studien, die den Erfolg dieser neuen Methoden offenlegen, dort wo sie schon praktiziert werden.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Schreiben
3) Die schulische Infrastruktur unterstützt das Schreiben
4) Schreiben- und Lesenlernen mit eigenen Texten
5) Warum zuerst die Druckschrift ?
6) Die Freinet-Schuldruckerei
6 ).1 Die rechtschriftlichen Wirkungsebenen der Schuldruckerei
6).2 Der Setzkasten
6).3 Die Handhabung der Letter
7) Die Schuldruckerei – ein persönlicher Erfahrungsbericht
7).1 Das ‘Elfchen‘
7).2 ‘Das Haiku‘
7).3 Der ‘Blätterdruck‘
7).4 ‘4 Menschen, 4 Wörter, 4 Geschichten‘
7).5 ‘Ein Mann und eine Frau gehen am Strand spazieren...‘
7).6 Der Milchtütendruck
7).7 ‘Kreisschreiben‘
7).8 ‘Das zerschnittene Gedicht‘
7).9 Resümee
8) Fibelkritik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Freinet-Schuldruckerei als motivierendes und didaktisch wertvolles Instrument für den Schriftspracherwerb in der Grundschule zu präsentieren, um herkömmliche, oft entfremdende Unterrichtsmethoden durch einen schülerzentrierten, kreativen Ansatz zu ersetzen.
- Freinet-Pädagogik und das Konzept „Kinder auf dem Weg zur Schrift“
- Schreiben- und Lesenlernen durch eigene, bedeutungsvolle Texte
- Didaktische Vorteile der Druckschrift als Erstschrift
- Die praktische Arbeit mit der Schuldruckerei (Setzkasten, Letter-Handhabung)
- Soziale Aspekte des gemeinsamen Lernens und Druckens
Auszug aus dem Buch
6).3 Die Handhabung der Letter
Drei Regeln sind bei der Handhabung der Letter zu beachten:
- Die Lettern sollen zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten werden, so dass man mit dem Zeigefinger die Kerbe ( Signatur ) des Letters fühlen kann.
Didaktische Begründung: Der oft geäußerte Einwand, dass die Kinder durch die Spiegelbildlichkeit beim Drucken verwirrt werden könnten, oder diese gar nicht verstehen, wird in der Praxis negiert. Kinder gehen noch unbefangen und unvoreingenommen an die Schriftsprache heran und verstehen diese ziemlich schnell. Für Erwachsene stellt die Spiegelbildlichkeit öfters ein größeres Problem dar, da erwachsene Menschen durch ihre Vorbildung es schwerer haben, hier umzudenken. Die Praxis belegt, dass die Kinder die Spiegelbildlichkeit ohne jegliche Hilfsmittel schnell handhaben können. Durch das Greifen der Letter mit dem Zeigefinger an der Kerbe, wissen diese, dass sie den Letter richtig gesetzt haben.
- Der Schriftsatz wird von unten ( ‘ beim Bauch ‘ ) begonnen. ( Den Kindern soll durch das Anlegen der Hände an den Bauch diese Handhabung verdeutlicht werden.)
Didaktische Begründung: Der Text wird von den Kindern von unten nach oben gesetzt - ganz im Gegensatz zum professionellen Druck. Professionelle Setzer setzen von oben nach unten, müssen daraus folgend aber auch von rechts nach links setzen. Didaktisch ist dies für Unterstufenkinder nicht konstruktiv. Um von vornherein die richtige Schreibrichtung zu praktizieren wird in der Schuldruckerei von links nach rechts und von unten nach oben gesetzt. Daher wird der Setzkasten ebenfalls so angeordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Beschreibt die Problematik von Zwang und Frustration im traditionellen Unterricht und plädiert für ein offenes, begeisterndes Lernen.
2) Schreiben: Definiert Schreiben als einen komplexen Prozess, der intellektuelle, psychische und motorische Aktivitäten erfordert.
3) Die schulische Infrastruktur unterstützt das Schreiben: Erläutert die Bedeutung einer anregenden, materiell gut ausgestatteten Lernumgebung für die Motivation der Kinder.
4) Schreiben- und Lesenlernen mit eigenen Texten: Zeigt auf, wie das Verfassen eigener Texte die Kreativität fördert und einen persönlichen Zugang zur Sprache ermöglicht.
5) Warum zuerst die Druckschrift ?: Argumentiert mit empirischen Studien für die Druckschrift als Erstschrift aufgrund ihrer motorischen und kognitiven Vorteile.
6) Die Freinet-Schuldruckerei: Stellt die Schuldruckerei als Instrument vor, das die Schriftsprache greifbar macht und Rechtschreib- sowie Leseschwächen spielerisch abbaut.
7) Die Schuldruckerei – ein persönlicher Erfahrungsbericht: Dokumentiert verschiedene kreative Drucktechniken und Schreibmethoden aus einem universitären Seminar.
8) Fibelkritik: Kritisiert das determinierte Konzept des Fibelunterrichts, das Kinder isoliert und deren Selbstvertrauen mindert.
Schlüsselwörter
Freinet-Schuldruckerei, Schriftspracherwerb, Druckschrift, freies Schreiben, offenes Lernen, Fibelkritik, Lese-Rechtschreib-Didaktik, Grundschule, Pädagogik, Feinmotorik, Selbstvertrauen, Kreativität, Medienkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit traditionellen Methoden des Schriftspracherwerbs auseinander und propagiert die Freinet-Schuldruckerei als motivierende Alternative.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen das freie Schreiben, die Vorteile der Druckschrift als Erstschrift sowie die praktische Implementierung der Druckerei im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kinder durch eigenständiges Handeln und soziale Interaktion beim Drucken mit Begeisterung und Erfolg lesen und schreiben lernen.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf pädagogische Konzepte von Celestin Freinet sowie empirische Studien zum Schriftspracherwerb von Autoren wie Gudrun Spitta und Dieter Adrion.
Was bildet den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Überlegungen zur Lernumgebung und Didaktik sowie einen praktischen Erfahrungsbericht zu verschiedenen Schreib- und Druckmethoden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die zentralen Schlagworte sind Freinet-Schuldruckerei, entdeckendes Lernen, Schriftspracherwerb und Fibel-Alternative.
Wie unterscheidet sich die Lehrerrolle bei Freinet von der traditionellen Rolle?
Der Lehrer tritt nicht als autoritäre Aufsichtsperson auf, sondern als begleitender Helfer, der die Kinder bei ihrer eigenständigen Arbeit unterstützt.
Warum wird im „Milchtütendruck“ ein Alphabet selbst erstellt?
Durch das eigene Schnitzen von Buchstaben in die Tetra-Pak-Oberfläche verknüpfen die Kinder das Graphem kreativ mit einer Zeichnung, was die Verinnerlichung des Alphabets spielerisch unterstützt.
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- Marjan Rosetz (Author), 2001, Freies Schreiben und Drucken mit der Schuldruckerei : Lesen- und Schreibenlernen ohne Fibel, aber mit Begeisterung., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/622