Die Kunsttherapie findet immer häufiger Verwendung in der psychosozialen Arbeit. Sie nutzt Malerei, Zeichnen, Tanz, Musik etc.
Die Anfänge der Kunsttherapie liegen um etwa 1910.
Die Kunsttherapie war der Versuch mit bildnerischen Mitteln Zugang zur individuellen Geschichte der Patienten zu finden, mit dem Ziel, Konflikte aufzudecken, sie sichtbar und so zu einer bewussten Bearbeitung zugänglich zu machen.
Ich möchte mich in diesem Buch vor allem auf die Malerei konzentrieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wie entstand die Kunsttherapie?
3. Muss man für eine Kunsttherapie künstlerisch begabt sein?
4. Was bewirkt Kunsttherapie?
5. Ansätze der Kunsttherapie
5.1. Der psychiatrische Ansatz
5.2. Der künstlerisch-kunstpädagogische Ansatz
5.3. Der heilpädagogische Ansatz
5.4. Der psychotherapeutische Ansatz
5.5. Der anthroposophische Ansatz
5.6. Der rezeptive Ansatz
5.7. Der integrative Ansatz
6. Einzel- oder Gruppentherapie?
7. Kunsttherapie mit Kindern
7.1. Regression in der Kinderkunst
7.2. Notwendige Bedingungen für die erfolgreiche Kunsttherapie
7.3. Ein diagnostisches Interview
7.4. Ein Bild des therapeutischen Prozesses
7.5. Wie kann die Therapeutin dem Kind zur Äußerung verhelfen?
7.6. Die Evaluationssitzung mit der Familie
7.7. Gruppenkunsttherapie
8. Künstlerische Betätigung hilft auch dem „normalen“ Kind
9. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungsbereiche der Kunsttherapie, mit einem spezifischen Fokus auf die therapeutische Arbeit mit Kindern. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie bildnerisches Gestalten als nonverbales Ausdrucksmittel zur Bewältigung psychischer Konflikte und zur Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt werden kann.
- Historische Entwicklung und wesentliche Ansätze der Kunsttherapie.
- Die Rolle der therapeutischen Beziehung und der Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Kindern.
- Diagnostische Möglichkeiten durch Kinderzeichnungen und den therapeutischen Prozess.
- Methoden der Familien- und Gruppentherapie im kunsttherapeutischen Kontext.
- Die präventive und stabilisierende Bedeutung künstlerischer Betätigung für alle Kinder.
Auszug aus dem Buch
7.1. Regression in der Kinderkunst
Um eine Regression eines Kindes entdecken zu können, muss man gewisse „Normen“ kennen. So muss man wissen, dass kleine Kinder „Kopffüßler“ (siehe Anlage, Bild 1) oder „Röntgenbilder“ (siehe Anlage, Bild 2) malen. Wenn man weiß, dass ein Kind imstande ist, etwa einen Clown in allen Einzelheiten zu malen, sich selbst aber nur als Kreis mit Strichen malt (siehe Anlage, Bild 3 und 4), dann kann die Therapeutin davon ausgehen, dass hier eine Regression in hohem Maße vorliegt. (vgl. Rubin, 1993, S. 55 - 56) Bei dem Beispiel dieses kleinen Jungen, der den Clown und sich selbst malte, wird die Therapeutin es sehen „als ein quälendes Anzeichen dafür, dass er seinen Körper als desorganisierte Entität betrachtet.“ (Rubin, 1993, S. 56)
Regression kann in vielerlei Weise auftreten und beobachtet werden: In der Form, im Inhalt, in der Organisation und in erkennbaren Denkprozessen. Am leichtesten zu erkennen ist die Regression in der Form (wie oben beschrieben), diese tritt auch am häufigsten auf. (vgl. Rubin, 1993, S. 56) „Wenn Regression sich im Inhalt zeigt, dann unter Umständen als symbolisches Material, das einer früheren Entwicklungsphase entspricht. Diese Art der Regression kann (...) mehr oder weniger deutlich zutage treten, sie kann durch ein Symbol verschleiert sein oder noch weiter, nämlich in einer Abstraktion, verborgen liegen.“ (Rubin, 1993, S. 56)
Was die beiden anderen Formen der Regression, Organisation und Denkprozesse, angeht, so lassen sie sich vielleicht eher als unbewusst beschreiben. Die Desorganisation kann sich in Form von Desintegration der Form, als Fragmentierung, als Chaos beschreiben lassen. Auch kann sie sich in Denkprozessen äußern, dem Bereich des Geistes, der in Träumen und in der Psychose das Sagen hat. (vgl. Rubin, 1993, S. 56 – 57)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema der Kunsttherapie mit Kindern und steckt den Rahmen der zu untersuchenden Fragestellungen ab.
2. Wie entstand die Kunsttherapie?: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Ursprünge der Kunsttherapie, beginnend bei der Beschäftigungstherapie im 19. Jahrhundert bis zur psychoanalytischen Nutzung um 1910.
3. Muss man für eine Kunsttherapie künstlerisch begabt sein?: Es wird klargestellt, dass die Kunsttherapie nicht auf künstlerische Perfektion abzielt, sondern den Entstehungsprozess und den Ausdruck innerer Prozesse in den Mittelpunkt stellt.
4. Was bewirkt Kunsttherapie?: Hier werden die therapeutischen Wirkungen auf Patienten sowie die spezifischen Aufgaben im klinischen Bereich zusammengefasst.
5. Ansätze der Kunsttherapie: Ein Überblick über sieben verschiedene kunsttherapeutische Ansätze, darunter der psychiatrische, psychotherapeutische und anthroposophische Ansatz.
6. Einzel- oder Gruppentherapie?: Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Einzel- und Gruppensettings hinsichtlich der individuellen Problematiken und Ressourcen.
7. Kunsttherapie mit Kindern: Das Kernkapitel behandelt die Besonderheiten der Arbeit mit Kindern, inklusive Regression, Rahmenbedingungen, Diagnostik und Interventionsmöglichkeiten.
8. Künstlerische Betätigung hilft auch dem „normalen“ Kind: Dieses Kapitel argumentiert für die präventive und entwicklungsorientierte Bedeutung von Kunst für alle Kinder, nicht nur für behandlungsbedürftige.
9. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Reflexion der zentralen Ergebnisse zur Bedeutung und Methodik der Kunsttherapie.
Schlüsselwörter
Kunsttherapie, Kinder, bildnerisches Gestalten, psychische Gesundheit, Regression, therapeutische Beziehung, nonverbale Kommunikation, diagnostisches Interview, Familienkunsttherapie, Gruppenkunsttherapie, Ausdrucksmittel, Entwicklungspsychologie, psychotherapeutische Ansätze, Kreativität, Selbstwertgefühl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kunsttherapie als therapeutisches Medium, insbesondere in Bezug auf deren Anwendung und Nutzen bei Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Entstehung der Kunsttherapie, die verschiedenen therapeutischen Ansätze, die diagnostische Anwendung im Kindesalter sowie die Bedeutung des künstlerischen Ausdrucks für die gesunde Persönlichkeitsentwicklung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kunsttherapie als nonverbale Methode genutzt werden kann, um Kindern zu helfen, innere Prozesse zu verstehen, Konflikte zu bewältigen und sich in ihrer Persönlichkeit zu entfalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse kunsttherapeutischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung und Einordnung von Praxisbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der verschiedenen Ansätze und eine detaillierte Auseinandersetzung mit den methodischen und praktischen Bedingungen der Kunsttherapie mit Kindern, inklusive Diagnostik und Familieneinbezug.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Kunsttherapie, Kindertherapie, nonverbale Kommunikation, therapeutische Ansätze und kindliche Entwicklung.
Warum spielt das Konzept der Regression eine so wichtige Rolle in der Kinderkunst?
Regression ist ein diagnostischer Indikator; sie kann auf Störungen hinweisen, aber auch als notwendiger Prozess dienen, um blockierte Energien freizusetzen und unbewusste Prozesse zugänglich zu machen.
Wie unterscheidet sich die Arbeit mit der Familie von einer Einzeltherapie?
Die Arbeit mit der Familie bietet der Therapeutin die Möglichkeit, Interaktionsmuster und familiäre Dynamiken direkt zu beobachten, was wertvolle zusätzliche Daten für den diagnostischen Prozess liefert.
Warum sollte man Kunst auch „normalen“ Kindern ermöglichen?
Kunst wirkt präventiv und fördert die psychische Gesundheit, indem sie Kindern hilft, komplexe Emotionen zu klären, Resilienz aufzubauen und kreative Problemlösungsstrategien zu entwickeln.
- Quote paper
- Silke Wilkens (Author), 2003, Kunsttherapie mit Kindern. Formen und Ansätze für eine erfolgreiche Umsetzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62322