Chargesheimer – der vielseitige Fotograf aus Köln


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Chargesheimer
2.1 Kurzbiografie
2.2 Der Allroundkünstler

3. Der Mensch bei Chargesheimer
3.1 Kurzüberblick: Werke
3.1.1 „Cologne intime“
3.1.2 „Unter Krahnenbäumen“
3.1.3 „Im Ruhrgebiet“
3.1.4 „Theater Theater“
3.1.5 „Köln 5Uhr30“
3.2 Einflüsse und fotogeschichtlicher Hintergrund
3.2.1 „Human Interest“ und die „Livefotografie“
3.2.1.1 „Human Interest“
3.2.1.2 Die „Livefotografie“
3.2.2 Exkurs: Edward Steichen
3.2.2.1 Kurzbiografie
3.2.2.2 Steichens „Family of Man“
3.2.3 Exkurs: Henri Cartier-Bresson
3.2.3.1 Kurzbiografie
3.2.3.2 Der „moment décisif“ – Cartier-Bresson
3.3 Der entscheidende Augenblick – Chargesheimer
3.3.1 „Human Interest“ und die „Livefotografie“ – Chargesheimer
3.3.2 Chargesheimers fotografische Intention
3.3.3 Ein soziologischer Ansatz in Chargesheimers Werken
3.3.4 Das Theater

4. Menschenleer

5. Abschließende Bemerkungen

Literaturverzeichnis

„Ich will immer mehr fotografieren vom aktuellen Leben, um allen zu zeigen und sie wissen zu lassen und ihnen erklären, was sie nicht sehen können, denn sie sind vielleicht zu nahe am Geschehen oder sie fliehen es, oder sie haben Angst davor. Ich will ihnen die Welt zeigen, wie sie ist, unsere Welt in all ihrer Härte, ihre Fremdheit, ihre Heiterkeit und Schönheit.“

(Chargesheimer 1957)

1. Einleitung

Aus Chargesheimers umfassenden fotografischen Werk beziehe ich mich in dieser Arbeit vor allem auf seine Fotobände „Cologne intime“, „Unter Krahnenbäumen“, „Im Ruhrgebiet“, „Theater Theater“ und „Köln 5Uhr30“. Anhand dieser Bücher versuche ich Chargesheimers Arbeitsweise zu erläutern. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Untersuchung der Darstellung der Menschen bei Chargesheimer. Dazu werde ich zwei weitere Fotografen, welche in Exkursen kurz behandelt werden um ihren Bezug zu Chargesheimers Arbeiten deutlich zu machen, unterstützend zum fotogeschichtlichen Hintergrund hinzuziehen. Zur Nachdrücklichen Betonung der Wichtigkeit des Menschenbildes Chargesheimers für seine Art des Fotografierens erfolgt anschließend eine Betrachtung desselben aus soziologischer Sicht. Des Weiteren leitet der soziologische Ansatz direkt zu Chargesheimers Theaterarbeit über, welche große Bedeutung für sein fotografisches Werk hat. Um die Vielseitigkeit der Fotografie Chargesheimers darzulegen und um eine Veränderung des Standpunktes und eine Entwicklung in seinen Arbeiten zu zeigen, wird zum Ende hin Chargesheimers letztes Buch „Köln 5Uhr30“ noch einmal näher unter Bezugnahme auf verschiedene Interpretationen dieser Arbeit betrachtet.

2. Zur Person Chargesheimer

2.1 Kurzbiografie

Chargesheimer wurde als Carl-Heinz Hargesheimer am 19.05.1924 in Köln geboren. Nach einem Grafik- und Fotografiestudium an der Werkkunstschule in Köln übte er verschiedene künstlerische Tätigkeiten aus und machte schließlich die Fotografie zu seinem Hauptschaffensgebiet. Er veröffentlichte zahlreiche Bildbände, wobei ein thematischer Schwerpunkt auf Köln und dem Rheinland liegt. Um die Jahreswende 1971/1972 starb Chargesheimer in Köln. Vermutlich wählte er den Freitod.

2.2 Der Allroundkünstler

L. Fritz Gruber schreibt in einem Nachdruck aus dem „photokina“-Katalog von 1976:

Was war, was wurde Chargesheimer nicht alles? Maler und Lichtgrafiker zunächst. Er entwickelte seine weiteren Fähigkeiten als Photogrammer, Photograph, Projektionsgestalter, Bühnenbildner, Opernregisseur, Macher kinetischer Maschinen[1] und – wie in einem Rausch – Produzent zahlreicher Bildbände über Menschen, Landschaften, Städte, Architekturen und über das Theater.[2]

Nach seinem Studium in Köln arbeitete Chargesheimer von 1945-48 als Maler, Bildhauer und Theaterfotograf. Neben seiner Tätigkeit als Theaterfotograf war er später ebenfalls freiberuflicher Bühnenbildner an verschiedenen Bühnen, u.a. in Hamburg, Hannover, Köln und Essen. In den Jahren 1950-55 dozierte Chargesheimer in den Bereichen Werbefilm und Werbefotografie an der „BIKLA“-Schule (Bild- und Klang-Schule), welche unter der Leitung von Anneliese und Arthur Gewehr in Düsseldorf stand. Als Fotograf ging er anschließend für drei Monate nach Paris und präsentierte die entstandenen Aufnahmen im Französischen Institut Köln. Weiterhin verdiente er sein Geld als Werbefotograf mit Aufträgen z. B. von Ford und Esso. Als freischaffender Fotograf und Bildjournalist, wobei er hier u. a. für den „Spiegel“ arbeitete, etablierte er sich und schließlich erschien 1957 sein erster eigener Fotoband mit dem Titel „Cologne intime“. Dieser, sowie die beiden folgenden Bände, „Unter Krahnenbäumen“ und „Im Ruhrgebiet“, wurden als bahnbrechende und vorbildliche Bildreportagen für fotojournalistische Betrachtung angesehen. Doch auch in der Fotografie war Chargesheimer experimentierfreudig. Er schuf u. a. Lichtgrafiken oder auch chemische Malereien.

Man kann niemals sagen, was Chargesheimer augenblicklich tut. [...] Auch photographieren heißt bei ihm nicht, stets das Gleiche zu tun.[3]

3. Der Mensch bei Chargesheimer

3.1 Kurzüberblick: Werke

3.1.1 „Cologne intime“

Chargesheimers erster eigener, 1957 erschienener Fotoband befasst sich mit der Umgebung und den Leuten seiner Heimatstadt Köln. Er zeigt in einer Art kontinuierlichen Bildergeschichte verschiedenste Perspektiven auf die Stadt und ihre Bewohner. Dies sollte nicht das letzte Buch sein, welches er über das bekannte und das unbekannte Köln veröffentlichte.

3.1.2 „Unter Krahnenbäumen“

1958 wurde „Unter Krahnenbäumen“ herausgegeben. In diesem Buch skizziert Chargesheimer das Leben in einer kleinen, heute wegen der Stadtsanierung kaum noch zugänglichen Straße in der Nähe der Kölner Altstadt. Er zeigt die dort lebenden Menschen im Alltag, bei Festen und bei der täglichen Kommunikation. Zu diesem Bildband schrieb Georg Ramseger folgendes:

Hier ist mit einer Nüchternheit und Aufrichtigkeit fotografiert worden, ohne den

geringsten Blick auf die Effekte, ohne jedes Schielen nach Wirkung, wie das ganz selten ist. [...] Und deshalb wirken diese Bilder so außerordentlich. Sie treffen uns unabweislich, wie die reine Wahrheit uns trifft.[4]

3.1.3 „Im Ruhrgebiet“

Ebenfalls 1958 erschien „Im Ruhrgebiet“ mit einem Text von Heinrich Böll, der das Buch mit folgenden Worten einleitet: „Das Ruhrgebiet ist noch nicht entdeckt.“[5] Doch den Erwartungen der Oberbürgermeister und anderen hoch positionierten Amtsinhabern zwischen Duisburg und Dortmund wurde Chargesheimers Buch nicht gerecht. Es bildete nicht die Schönheit einzelner Landschaftsstriche ab, sondern Arbeiter, Bergleute, Hochöfen, ein Fußballspiel in einem dreckigen Hinterhof oder Arbeitersiedlungen. Und nichts wurde von ihm geschönt. Deshalb stieß das Buch zunächst auf Ablehnung, fand jedoch viele Fürsprecher u. a. unter den Bewohnern des Ruhrgebietes, die den Erfolg des Buches ermöglichten.

3.1.4 „Theater Theater“

In „Theater Theater“ fasste Chargesheimer 1967 seine Erfahrungen, die er am Theater gesammelt hatte, anhand von Fotografien in einem Werk zusammen. Das Buch ist geprägt von Bildern der Schauspieler auf und hinter der Bühne. Er formuliert darin deutlich sein Interesse an der Welt der Bühne. „Für ihn war das Theater sicherlich der Ort, wo die Frage nach der Wirklichkeit des Menschen in einem vom Schein geprägten Lebenszusammenhang sich zuspitzte.“[6]

[...]


[1] L. Fritz Gruber bezieht sich auf Chargesheimers Meditationsmühlen (Lichtkinetik); Definition „kinetische Kunst“: Richtung der zeitgenössischen Kunst, die optisch variierte Erscheinungsbilder erzeugt. Das geschieht mit beweglichen oder magnetisch bzw. elektrisch bewegten Objekten, z.T. indem Lichtspiele und -spiegelungen einbezogen werden. Mit dem Problem der Bewegung in der Kunst beschäftigten sich schon Vertreter des Dada und Marcel Duchamp; dann die Brüder Gabo und Antoine Pevsner, welche in ihrem 'Realist. Manifest' von 1920 die Kinetik als die Grundlage ihrer Kunst erklärten. Diese Richtung wurde weitergeführt von Moholy-Nagy, von A. Calder u. Tinguely, v. Graevenitz, de Soto u.a. Abgespalten hatte sich inzwischen die Richtung der Lichtkinetiker, welche vor allem den Problemen des Lichtes nachgingen (F. Morellet, H. Goepfert, V. Takis). In Paris entstand 1960 die 'Groupe de Recherche d'Art Visuel', es entstand die Gruppe Zéro, zu den Hauptvertretern gehörten u.a. N. Schoeffer, J. Le Parc. vgl.: Dipl.-Ing. Rainer Detering. (2000 ff.). Infobitte – Onlinelexikon: online. www.infobitte.de/ free/lex/artsLex 0/k/kinetischeKunst.htm. [18.02.2004]

[2] Mißelbeck, Reinhold (Hrsg.): Chargesheimer – Photographien 1949-1970. Köln 1983. (Im Folgenden zitiert als: Mißelbeck 1983.) S. 15

[3] Mißelbeck 1983, S. 5

[4] Muthesius , Angelika Dr. (Hrsg.): Chargesheimer – 1924 bis 1971. Köln 1990. (Im Folgenden zitiert als: Muthesius 1990.) S. 9

[5] Muthesius 1990. S. 7

[6] Mißelbeck 1983. S. 9

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Chargesheimer – der vielseitige Fotograf aus Köln
Hochschule
Universität Osnabrück  (Fachbereich Kunst/Kunstpädagogik)
Veranstaltung
Fotografie II - Theorie der Fotografie
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
24
Katalognummer
V62324
ISBN (eBook)
9783638555883
ISBN (Buch)
9783638668552
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit zeigt ein Porträt des kölner Fotografen Chargesheimer auf. Sie wirft einen Blick auf seine Fotobücher, die aufgelegt wurden und beleuchtet Chargesheimers Arbeit in Bezug auf das Human Interest.
Schlagworte
Chargesheimer, Fotograf, Köln, Fotografie, Theorie
Arbeit zitieren
Katja Staats (Autor), 2004, Chargesheimer – der vielseitige Fotograf aus Köln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62324

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