Der Psalter ist eine Sammlung von Trost, Hoffnung und Erbauung, wobei der Gesamtaufbau von der Klage zum Jubel überleitet. 1 Im Gegensatz zum alttestamentlichen Schriftgut, welches als von Gott gegeben angesehen wird, ist die Sammlung von Psalmen als Gedankengut der Menschen zu sehen. Jeder einzelne Psalm hat seinen eigenen Sitz im Leben, wodurch die damalige Situation der Menschen verdeutlicht wird. Die Psalmensammlung ist dasjenige Buch des Alten Testaments, zu dem die christliche Gemeinde am ehesten einen unmittelbaren und persönlichen Zugang gehabt hat. Es dient neben der gottesdienstlichen Verwendung als Kirchenlied auch als Grundlage häuslicher Andacht, als Trost- und Gebetbuch, als Wegführer zu Gott in den Stunden der Freude und der Not. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse zu Psalm 115
2.1 Formelle Analyse
2.2 Inhaltliche Struktur
3. Das Wirken und Handeln Gottes (Jahwes) nach Psalm 115
3.1 Theologischer Teil
3.2 Liturgischer Teil
4. Das Handeln Jahwes für die Menschen
5. Das Verhalten der Menschen gegenüber Jahwe
6. Psalm 115- Lesetext oder liturgischer Vollzug
7. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische und liturgische Dimension von Psalm 115, um die nachexilische Situation der Gemeinde und ihr Verständnis von Gottes Wirken in einer Umgebung voller Götzenpolemik zu ergründen.
- Analyse der formellen und inhaltlichen Struktur von Psalm 115
- Gegenüberstellung von Gottes Freiheit und der Unfreiheit der Götzen
- Untersuchung der liturgischen Funktion und der wechselnden Sprecherrollen
- Bedeutung des Segens für die zerstreute Gemeinde
- Die Relevanz der Götzenpolemik im Kontext der nachexilischen Identitätssuche
Auszug aus dem Buch
2.1 Formelle Analyse
KRAUS sieht in Ps 115 „in jeder Hinsicht ein selbstständiges Lied“3, wobei von einer inhaltlichen Verknüpfung zu anderen Psalmen nicht auszugehen ist. SEYBOLD bemerkt aber, dass der Text handschriftlich an Ps 114 und z.T. auch an Ps 116 angeschlossen ist.4 Das Metrum des Psalms ist unregelmäßig. In Vers 1a, 4, 8- 11, 13- 15, 17 und 18 dominiert das Versmaß 3+ 3, aber in Vers 5 und 6 liegt das Metrum 4+ 4 vor. In Vers 2 findet man das Metrum 3+ 2. Den metrischen Rhythmus 2+3 erkennt man in Vers 3. In Vers 7 ist sogar ein dreigliedriges Metrum zu identifizieren.5 Auch die Gattung ist nicht einheitlich festzulegen.
Durch die unterschiedlichen Stimmen und Adressaten wird deutlich, dass ein Teil des Psalms ein Gebet ist, der andere Teil ist direkt an die Gemeinde gerichtet. Einige Exegeten sehen den Text als „liturgisch“ (Klage- Liturgie), andere stellen die „theologische“ Auffassung in den Vordergrund (Götzenpolemik). Übereinstimmend wird die Abfassungszeit aber als nachexilisch angesehen.6
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung des Psalters als Lebensbegleiter und Erläuterung des thematischen Fokus auf Psalm 115.
2. Analyse zu Psalm 115: Untersuchung der formellen Kriterien, der Metrik und der inhaltlichen Unterteilung in einen theologischen und einen liturgischen Abschnitt.
3. Das Wirken und Handeln Gottes (Jahwes) nach Psalm 115: Analyse der Gottesbeziehung in der nachexilischen Zeit, unterteilt in Theologie und Liturgie.
4. Das Handeln Jahwes für die Menschen: Erläuterung der Bedeutung von Heil, Segen und der Wiederherstellung der Gemeinde durch Gottes Handeln.
5. Das Verhalten der Menschen gegenüber Jahwe: Darstellung der geforderten Haltung der Gemeinde, insbesondere Vertrauen und Lobpreis angesichts der Götzen.
6. Psalm 115- Lesetext oder liturgischer Vollzug: Diskussion der kontroversen Auslegungen, ob der Psalm als reiner Lesetext oder als Teil eines liturgischen Gottesdienstes zu verstehen ist.
7. Schlusswort: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse über die Aktualität der Götzenfrage und die spirituelle Stärkung der Gemeinde durch das Gebet.
Schlüsselwörter
Psalm 115, Jahwe, Götzenpolemik, nachexilisch, Liturgie, Vertrauen, Segen, Gottesbild, Hymnus, Volksklagelied, Aaroniden, Israel, theologische Poesie, Gottesfreiheit, Schöpfungsglaube.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Psalm 115 im Hinblick auf seine Entstehung, Struktur und theologische Aussage im Kontext der nachexilischen Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Götzenpolemik, Gottes Souveränität, die Bedeutung des Segens für eine gespaltene Gemeinde und die liturgische Einbettung des Psalms.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Wirken Gottes nach Psalm 115 zu erarbeiten und zu klären, wie die Gemeinde ihre Identität und ihr Vertrauen gegenüber einer heidnischen Umwelt behauptet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine exegetische Analyse, wobei verschiedene wissenschaftliche Auslegungen von Exegeten wie Kraus, Seybold und Zenger gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formelle und inhaltliche Analyse, die Untersuchung des Handelns Gottes für die Menschen sowie das angemessene menschliche Verhalten gegenüber Jahwe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Psalm 115, Götzenpolemik, Jahwe, Liturgie, nachexilische Gemeinde, Segen, Vertrauen und Gottesfreiheit.
Wie unterscheidet sich die Interpretation von Zenger im Vergleich zu anderen Exegeten?
Zenger interpretiert den Psalm primär als in sich geschlossenen Lesetext mit klarer Argumentationsstruktur, während andere Exegeten ihn stärker als liturgischen Vollzug mit wechselnden Stimmen sehen.
Warum spielt die Götzenpolemik in Psalm 115 eine zentrale Rolle?
Die Polemik dient dazu, die Einzigartigkeit und Lebensmacht Jahwes gegenüber den stummen und toten Götzen der Heiden hervorzuheben und das Vertrauen der verunsicherten Gemeinde zu festigen.
Welche Bedeutung hat der Segen für die Aaroniden und das Volk Israel?
Der Segen steht für die Zufuhr neuer Lebenskraft und den Wunsch nach Vermehrung der Gemeinde, um den durch das Exil erlittenen Verlust zu kompensieren.
- Quote paper
- Katharina Korff (Author), 2006, Die Schöpfung in Psalm 115, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62346