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Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise

Title: Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise

Term Paper (Advanced seminar) , 1997 , 43 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lutz Eisele (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Lessings Nathan der Weise steht ein merkwürdiges Motto voran: „INTROITE,NAM ET HIC DII SUNT“.Schließlich sind Menschen die einzige Spezies, die dann im Plural vorkommt. Wenn außerdem das Drama menschliche Wirklichkeit darstellen soll, sind dann etwa die Menschen oder ist sogar die Welt das Göttliche?
Ausgehend von dieser Frage, sollen in der vorliegenden Arbeit zunächst Grundzüge des vorausgesetzten Menschenbilds erhellt werden, um dann das Verhältnis von Gott und Mensch präziser bestimmen zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise - Untersuchung

1. „Was sind wir Menschen!“ (I/1) - anthropologische Grundbestimmungen

1.1. Harmonische Individualität - das „Ideal“

1.1.1. Ein „Ding von vielen Seiten“ (IV/4) - Vielschichtigkeit des Menschen

1.1.1.1. Noetisch-rationales Vermögen („Vernunft“)

1.1.1.2. Personzentrum, Sinn des Guten und Schönen, Emotion („Herz“)

1.1.1.3. Personzentrum, Unbewußtes und Sympathie („Seele“)

1.1.1.4. Phantasie

1.1.1.5. Körper

1.1.1.6. Natur und Blut

1.1.1.7. Wille und Norm

1.1.1.8. Reste christlicher Begrifflichkeiten

1.1.2. Zusammenfassung und Weiterführung

1.2. Die Gefährdung der Identität

1.2.1. Menschenhaß, Schwermut (Melancholie) und Schwärmerei (Wahn)

1.2.1.1. Sieg des Kopfes: Die kalte Vernunft wirkt Menschenhaß

1.2.1.2. Sieg des Herzens: Das Fehlen der Begriffe wirkt Melancholie

1.2.1.3. Die Phantasie greift ein: Denkendes Herz und fühlender Kopf („Schwärmerei“ und „Wähnen“)

1.2.2. Selbsterkenntnis und Erkenntnis anderer

1.3. Weiterführung

2. Wege zur Identität

2.1. Die Möglichkeit der Vervollkommnung (Erziehung und Bildung)

2.1.1. Erziehung und Bildung: Eigenart und Verhältnis

2.1.1.1. Mittel der Erziehung (Poesie)

2.1.1.2. Vervollkommnung und Beziehung

2.1.1.3. Analogien zwischen Erziehung und Bildung

2.1.2. Voraussetzungen und daraus resultierende Probleme

2.1.2.1. Erziehende

2.1.2.2. Lernende

2.1.4. Zusammenfassung und Weiterführung

2.2. Die Möglichkeit der Beziehung

2.2.1. Anthropologische Notwendigkeit und Formen menschlicher Beziehung

2.2.1.1. Herrschaftsverhältnis und Besitz

2.2.1.2. Religions- und Volkszugehörigkeit

2.2.1.3. Ehe und Familie

2.2.1.4. Überwindung im „Familienmodell“

2.2.2. Die Alternative: Freundschaft

2.2.2.1. Anthropologische Notwendigkeit und Wesen der Freundschaft

2.2.2.2. Probleme

2.2.3. Zusammenfassung und Weiterführung

2.3. Die Möglichkeit des Handelns

2.3.1. Anthropologische Notwendigkeit des Handelns

2.3.2. Motivation der guten Tat

2.3.2.1. Tat als Voraussetzung und Ziel eigener und fremder Identität

2.3.2.2. Abgrenzungen: Äußere Norm und Belohnung

2.3.3. Voraussetzungen und Zusammenfassung

2.3.4. Der „Kerl im Staat“ (I/3) - Privatheit und Öffentlichkeit

2.3.4.1. Saladin und Sittah

2.3.4.2. Nathan

2.3.4.3. Al-Hafi, Bonafides, Curd und der Patriarch

2.3.4.4. Zusammenfassung

2.3.5. Zusammenfassung und Probleme

2.4. Religion im Rahmen der Anthropologie

2.4.1. Anthropologische Notwendigkeit von Religiosität und Gottheit

2.4.1.1. Religion muß dem Individuum entsprechen

2.4.1.2. Religion und Beziehung

2.4.1.3. Entwicklung und Aneignung

2.4.1.4. Religion und Tat

2.4.1.5. Zusammenfassung. Ringparabel

2.4.2. Folgen für die Einschätzung der positiven Religion

2.4.2.1. Umgang mit Elementen positiver Religion

2.4.2.2. Transformierung in Vernunftwahrheiten

3. Anthropologie und Religiosität im Nathan - Synthese und Problematisierung

3.1. Synthese

3.1.1. Harmonie von Mensch, Welt und Gott

3.1.2. Sprache und Tat, Kontingenz und Eklektizismus

3.2. Die vorgestellte Einrichtung der Welt als Rezeptionsproblem

3.2.1. Utopie als Aufgabe

3.2.2. Die Utopie scheitert ohne ihre Voraussetzungen

III. Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise - Ausblick

IV. Literatur und Abkürzungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Menschenbild und das Verhältnis von Religion und Anthropologie in Gotthold Ephraim Lessings Drama „Nathan der Weise“. Das zentrale Ziel ist es, die „ideale“ Individualität der Figuren zu bestimmen, die Gefährdungen dieser Harmonie aufzudecken und zu erörtern, wie Bildung, Beziehung und Handeln zur Identitätsfindung beitragen.

  • Anthropologische Grundbestimmungen: Vernunft, Herz, Seele und Körper
  • Die Gefährdungen der Identität durch Melancholie und Schwärmerei
  • Das Konzept der Erziehung und Bildung durch Poesie und Fiktion
  • Menschliche Beziehungen: Vom Familienmodell zur Freundschaft
  • Die Rolle der Religion und die Transformation in Vernunftwahrheiten

Auszug aus dem Buch

1.1.1.1. Noetisch-rationales Vermögen („Vernunft“)

In einem Drama, das als Beispiel aufklärerischer Bestrebungen gilt, liegt nichts näher, als zunächst Aufgabe und Fähigkeit der Vernunft zu bedenken. Tatsächlich bietet schon I/2 ein schönes Beispiel für „Entmythologisierung“: Mit Gründen der Vernunft wird Recha (jedenfalls zunächst) von ihrem tatfernen Engelglauben kuriert (vgl. nur V. 192ff. und 201-204). Auch Nathans Zernichtungs-Erlebnis von Gat könnte so verstanden werden. Er wird aus der Verzweiflung gerettet, indem die Vernunft „mit sanfter Stimm'“ spricht (V. 3053), also verbale Aufklärung leistet. Die Wege der reinen Rationalität werden aber verlassen, wenn es dann heißt „und doch ist Gott“. Kein kantisches „als ob“ relativiert die Einwilligung in „Gottes Rathschluß“ (V. 3054). Vernunftgebrauch ist demnach „kaum anderes als jene Art <übender> Zustimmung, die [...] der umgreifenden Gottes- und Daseinswirklichkeit mit eigener Bereitschaft sich einfügt“. Vernunft gibt der Wirklichkeit im Wissen um die göttliche Einrichtung der Welt einen gültigen Begriff und ermöglicht so Handeln zugunsten anderer Menschen, in diesem Falle die Adoption Rechas (vgl. auch V. 221). In dieser pragmatischen und existentiellen Wendung ist sie weniger von „kalte[r] Buchgelehrsamkeit“ (V. 3534) als von ihrer sicheren Begründung in der „Seele“ (V. 3542, vgl. 1570-74, 1564f.) geprägt. So wird verständlich, warum Klugheit (vgl. V. 1809ff.) und Verstand (vgl. V. 1580f., 1062) zurücktreten, sie wären ohne diese Präzisierungen irreführend. Es kommt auf „ganzheitliche“ Aneignung viel eher an, als darauf, „tote [...] Zeichen ins Hirn“ zu drücken (V. 3535, vgl. noch V. 947f.).

Obwohl also an rationaler Überlegung festgehalten wird, ist doch zu betonen, daß Wahrnehmungen der Vernunft über das hinausreichen, was „vor Augen ist“, sie widerlaufen der „Vorsehung“ nicht. Zugleich zielen sie auf Tat und vollständige Aneignung. Das setzt voraus, daß menschliche Erkenntnismittel auf eine ihnen entsprechende Wirklichkeit treffen: Das Göttliche in der Welt muß in seiner Struktur menschlicher Vernunft korrelieren, um erkannt werden zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das Motto des Dramas und formuliert die Absicht, das zugrunde liegende Menschenbild und das Verhältnis von Gott und Mensch zu erhellen.

II. Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise - Untersuchung: Dieser Hauptteil analysiert die harmonische Individualität der Figuren, die Gefährdungen durch Melancholie oder Schwärmerei und untersucht, wie Erziehung, menschliche Beziehungen und Religion zur Identitätsstiftung beitragen.

III. Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise - Ausblick: Der Ausblick resümiert die Zerbrechlichkeit des anthropozentrischen Entwurfs, der von der Religionsphilosophie abhängig bleibt, und lässt die Frage nach dem Scheitern des Nathan-Modells in der Nachwelt offen.

IV. Literatur und Abkürzungen: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und die wissenschaftliche Fachliteratur auf, die für die Analyse des Stücks herangezogen wurden.

Schlüsselwörter

Anthropologie, Religiosität, Nathan der Weise, Lessing, Vernunft, Individualität, Identität, Erziehung, Bildung, Freundschaft, Tat, Vorsehung, Aufklärung, Humanität, Religion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Menschenbild und das Verhältnis von Religion und Anthropologie in Lessings Drama „Nathan der Weise“, wobei der Fokus auf dem Streben nach harmonischer Individualität liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die psychologische Verfassung der Charaktere, die Konzepte von Erziehung und Freundschaft sowie die ethische Bedeutung der Tat im Kontext der göttlichen Vorsehung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die „ideale“ Identitätsform der Figuren zu definieren und aufzuzeigen, wie diese durch äußere Einflüsse gefährdet wird und durch Handeln sowie zwischenmenschliche Beziehungen wiederhergestellt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Interpretation, die den dramatischen Text eng an den anthropologischen und theologischen Diskurs des 18. Jahrhunderts rückbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Instanzen des Menschen (Vernunft, Herz, Seele), die Gefahren der Melancholie und des Wahns sowie die strukturierende Rolle der Religion und der Vernunftwahrheiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Anthropologie, Humanität, Individualität, Vernunft, Erziehung, Freundschaft und das „Familienmodell“ bei Lessing.

Welche Rolle spielt die „Phantasie“ in der Entwicklung der Charaktere?

Die Phantasie wird als Kraft beschrieben, die Bilder produziert, welche mit der Wirklichkeit abgeglichen werden müssen; bleibt dieser Abgleich aus, führt dies zu Identitätsstörungen wie Schwärmerei oder Wahn.

Warum wird das Ende des Dramas als „integrative Kraft“ bezeichnet?

Das Ende zeigt, dass trotz unterschiedlicher Identitätsmerkmale wie Religion oder Herkunft eine Zusammenführung zu einer „Familienähnlichkeit“ oder „Freundschaft“ möglich ist, sofern die Charaktere bereit sind, am Gegebenen anzusetzen.

Excerpt out of 43 pages  - scroll top

Details

Title
Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise
College
University of Tubingen
Grade
1,0
Author
Lutz Eisele (Author)
Publication Year
1997
Pages
43
Catalog Number
V62380
ISBN (eBook)
9783638556354
ISBN (Book)
9783656784159
Language
German
Tags
Anthropologie Religiosität Lessings Nathan Weise
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lutz Eisele (Author), 1997, Anthropologie und Religiosität in Lessings Nathan der Weise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62380
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