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Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland

Title: Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland

Seminar Paper , 2006 , 56 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Jens Wittig (Author)

Politics - Political Systems - Germany
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Politische und gesellschaftliche Aktionen können qualitativ und quantitativ relativ gut bestimmt werden. Die Aktivitäten von Intellektuellen – als einer sehr heterogenen Gruppe von Menschen, welche sich akademisch, geistig, künstlerisch, publizistisch betätigen und hier im Speziellen vor allem ideologie-theoretisch im Feld des Rechtsextremismus wirken – und deren Wirkung sind ungleich schwerer zu erfassen. Sie bereiten die politischen und gesellschaftlichen Aktionen geistig vor. Jeder politische Umsturz in der Vergangenheit wurde durch Gelehrte, Philosophen oder Künstler gedanklich vorbereitet und auf eine ideologische Grundlage gestellt. Dies impliziert keineswegs, dass die jeweilige Grundlagenarbeit überhaupt Beachtung findet, die alleinige Ursache für Systemwandel darstellt oder gar die Vorhaben aller Intellektuellengruppen eins zu eins in die Tat umgesetzt werden. Dennoch haben geistige Strömungen als ein Wirkungsfaktor für politische Veränderungen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.
Die vorliegende Arbeit fragt nach den verschiedenen rechtsextremen intellektuellen Köpfen und Vordenkern Nachkriegsdeutschlands. Dazu gehören sowohl ihre jeweilige Entwicklungsgeschichte als auch die ideologischen Standpunkte, die Strategie und ihre Wirkung innerhalb des eigenen politischen Lagers und nach außen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der „Neuen Rechten“, die – obwohl stets mit internen Differenzen und nie mit fester, alle ihre Organisationen und Medien umschließender Struktur existent – als kontinuierliche rechtsintellektuelle Strömung mit dem gemeinsamen Nenner des Bezugs auf die Konservative Revolution der Weimarer Republik bezeichnet werden kann. Den zweiten Schwerpunkt bildet die angedeutete „Dresdner Schule“ der NPD als der jüngste Versuch einer Intellektualisierung des deutschen Rechtsextremismus.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland

1. Die Neue Rechte

1.1 Der Begriff „Neue Rechte“ in der Fachliteratur

1.2 Entstehung und Entwicklung der Neuen Rechten

1.2.1 Die Herausbildung in den siebziger Jahren

1.2.2 Der „Neue Nationalismus“ der achtziger Jahre

1.2.3 Die Neue Rechte seit den neunziger Jahren

1.3 Die Strategie der Neuen Rechten

1.3.1 Die „Nouvelle Droite“ in Frankreich

1.3.2 Strategie und Taktik der Neuen Rechten in Deutschland

1.4 Die Ideologie der Neuen Rechten

1.4.1 Der Bezug zur „Konservativen Revolution“

1.4.2 Dezisionismus statt Normativismus

1.4.3 Identitäre statt pluralistische Demokratie

1.4.4 Die Ablehnung der Westbindung

2. Organisationen und Medien des intellektuellen Rechtsextremismus

2.1 Publikationsorgane

2.1.1 „Junge Freiheit“

2.1.2 „Criticón“

2.1.3 „Nation & Europa – Deutsche Monatshefte“

2.1.4 Weitere Publikationsorgane

2.2 Organisationen und Netzwerke

2.2.1 „Thule-Seminar“

2.2.2 „Deutsches Kolleg“

2.2.3 „Gesellschaft für freie Publizistik“

2.2.4 „Institut für Staatspolitik“

2.2.5 Studentische Verbindungen

3. Die „Dresdner Schule“ der NPD

3.1 Protagonisten

3.2 Konzeption

3.3 Zielsetzung

3.4 Tätigkeitsfelder und Wirkung

3.5 Ausblick

III. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen rechtsextremen intellektuellen Köpfe und Vordenker im Nachkriegsdeutschland. Ziel ist es, deren Entwicklungsgeschichte, ideologische Standpunkte sowie Strategien zur Intellektualisierung rechtsextremer Strömungen zu analysieren und insbesondere den Ansatz der "Dresdner Schule" der NPD als aktuellen Versuch der Theoriebildung innerhalb dieses Spektrums zu beleuchten.

  • Entwicklung und Historie der "Neuen Rechten" seit den 1970er Jahren
  • Strategien und Ideologieelemente (u.a. Metapolitik, Ethnopluralismus, Dezisionismus)
  • Analyse zentraler Publikationsorgane (z.B. "Junge Freiheit", "Criticón") und Netzwerke (z.B. "Thule-Seminar", "Deutsches Kolleg")
  • Untersuchung der "Dresdner Schule" als Versuch der NPD zur intellektuellen Programmatik
  • Bedeutung von Burschenschaften für die Ausbildung rechter Grundsätze

Auszug aus dem Buch

1.4.1 Der Bezug zur „Konservativen Revolution“

Die Theoriebildung der Neuen Rechten in der Bundesrepublik ist seit deren Herausbildung Anfang der siebziger Jahre – im Gegensatz zu anderen rechtsextremistischen Strömungen – trotz kleinerer Differenzen in Detailfragen klar und offen in den Grundsätzen der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik verwurzelt, die mit Vertretern wie Carl Schmitt, Arthur Moeller van den Bruck, Edgar Julius Jung, Hans Freyer, Oswald Spengler, Ernst Niekisch oder Ernst Jünger und deren antidemokratischen Ideologien dem Faschismus den geistigen Weg bereitete.

Der heute als rechtsextremistisch eingestuften Konservativen Revolution waren völkisches Denken, ein daraus abgeleitetes heroisches Menschenbild, autoritäre Strukturen und die Berufung auf das Führerprinzip zu Eigen. Vor allem in der Zeit der Weimarer Republik standen diese rechtsextremen Neigungen in komplexem Verhältnis zu konservativen Orientierungen, die die bindende Kraft von Einrichtungen wie Kirche, Königtum, Ständeordnung, Familie und Eigentum wertmäßig erhalten wollten. Der Nationalsozialismus vereinnahmte einige führende Vertreter der Konservativen Revolution, andere widersetzten sich ihm.

Die Neue Rechte hat die Aufarbeitung der Ideen der Konservativen Revolution für die Debatte im eigenen politischen Lager und den Diskurs in der breiteren Öffentlichkeit im Sinne der von der Nouvelle Droite übernommenen kulturrevolutionären, metapolitischen Strategie zum Ziel. So wird versucht einseitig die Gegnerschaft einiger konservativer Revolutionäre zum NS-Regime hervorzuheben um sie damit politisch zu rehabilitieren und den eigenen Kurs zu rechtfertigen. Die Tatsache, dass die Konservative Revolution trotz dessen antidemokratische, antiliberale, antiindividualistische und antiparlamentarische Auffassungen vertrat und keinesfalls eine konstruktive Parlamentarismus- und Demokratiekritik von rechts formulierte, wird zwar nicht bestritten, findet dabei aber keinen offenkundigen Niederschlag.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Skizziert den Kontext des Erstarkens der NPD in Sachsen und stellt das Forschungsinteresse an den intellektuellen Strömungen des Rechtsextremismus dar.

II. Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland: Analysiert die Entwicklung, Ideologie und Organisationsformen der Neuen Rechten sowie deren Medien und Netzwerke.

1. Die Neue Rechte: Untersucht die Definition, Entstehung, Entwicklung und strategisch-ideologische Ausrichtung der Strömung "Neue Rechte".

2. Organisationen und Medien des intellektuellen Rechtsextremismus: Beschreibt die Bedeutung von Publikationen, Denkfabriken und studentischen Verbindungen als Multiplikatoren für rechtes Gedankengut.

3. Die „Dresdner Schule“ der NPD: Porträtiert die Protagonisten, Konzepte und Aktivitäten des Versuchs der NPD, sich eine eigene intellektuelle Basis zu schaffen.

III. Schlussbemerkung: Zieht ein Fazit über die Erfolglosigkeit der Bestrebungen zur Etablierung einer kulturellen Hegemonie von rechts außerhalb bestehender Szenen.

Schlüsselwörter

Neue Rechte, Rechtsextremismus, Intellektualisierung, Dresdner Schule, Konservative Revolution, NPD, Metapolitik, Kulturrevolution, Ethnopluralismus, Publizistik, Burschenschaften, Politische Mimikry, Deutschnationalismus, Extremismus, Gegenaufklärung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Versuchen rechtsextremer Akteure, ihren politischen Ansätzen durch theoretische Unterfütterung eine intellektuelle Grundlage zu geben und damit eine sogenannte "kulturelle Hegemonie" zu erreichen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die "Neue Rechte" als Strömung, deren ideologische Wurzeln in der "Konservativen Revolution", sowie die Bedeutung von Medien, Denkfabriken und Netzwerken als Multiplikatoren für rechtes Gedankengut.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht die rechtsextremen Vordenker der Nachkriegszeit, ihre Strategien und Wirkungsweisen sowie im speziellen Fall die "Dresdner Schule" der NPD, um deren Erfolg und Bedeutung für den öffentlichen Diskurs kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse von Strömungen, Texten, Organisationen und Akteuren innerhalb des rechtsextremen Spektrums, gestützt auf Fachliteratur und Primärquellen wie Publikationen der genannten Gruppen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Historie und Ideologie der Neuen Rechten, die Analyse wichtiger Publikationsorgane wie der "Jungen Freiheit" oder "Criticón" und die detaillierte Betrachtung der "Dresdner Schule" der NPD inklusive ihrer Ziele und Wirkungsfelder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Neue Rechte, Rechtsextremismus, Intellektualisierung, Dresdner Schule, Metapolitik, Ethnopluralismus und Konservative Revolution.

Welche Rolle spielen studentische Verbindungen innerhalb der untersuchten Netzwerke?

Studentische Verbindungen, insbesondere Burschenschaften, fungieren laut Arbeit als wichtige Orte für die Ausbildung und Kontinuität rechter Grundsätze, wobei sie als Multiplikatoren für intellektuelle rechtsextreme Einflüsse unter Akademikern dienen.

Wie bewertet der Autor den Erfolg der "Dresdner Schule"?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die "Dresdner Schule" bisher kaum reale Wirkung im vorpolitischen Raum entfaltet hat und ihr Erfolg außerhalb des bereits bestehenden rechtsextremen Umfelds als äußerst zweifelhaft einzustufen ist.

Was versteht man unter dem in der Arbeit beschriebenen Konzept der "politischen Mimikry"?

Unter "politischer Mimikry" wird eine Taktik verstanden, bei der inhaltlich radikale rechtsextreme Aussagen in einem gemäßigten Tonfall geäußert werden, um den eigenen Ruf zu schützen und gesellschaftliche Anschlussfähigkeit bei breiteren, konservativen Kreisen zu erreichen.

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Details

Title
Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland
College
Dresden Technical University  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Die NPD - Bedrohung der Demokratie oder Überschätzung der braunen Kader? Theorie und Forschungsseminar zur Analyse des Rechtsextremismus in Deutschland und Sachsen
Grade
1,3
Author
Jens Wittig (Author)
Publication Year
2006
Pages
56
Catalog Number
V62393
ISBN (eBook)
9783638556422
ISBN (Book)
9783638684941
Language
German
Tags
Intellektualisierung Rechtsextremismus Bundesrepublik Deutschland Bedrohung Demokratie Kader Theorie Forschungsseminar Analyse Rechtsextremismus Deutschland Sachsen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Wittig (Author), 2006, Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62393
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