Günter Kunert - Verheißung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

9 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Interpretation

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ein Hellseher, der heute kein Schwarzseher ist, ist kein richtiger Hellseher. Das ist mein Prinzip“, so äußerte sich Günter Kunert an seinem 70. Geburtstag zu seiner Biographie.[1] Als ein hellsichtiger und radikaler Skeptiker wird Günter Kunert denn auch so bezeichnet, als illusionsloser Betrachter deutscher Geschichte und deutscher Mentalitäten, „Als ein deutscher Lyriker mit Verstand“, so Reich-Ranicki.[2]

Ob in der DDR, wo Kunert bis 1979 lebte, oder später in der Bundesrepublik Deutschland – man hat seine Lyrik anerkannt, geschätzt, und viel gelesen. Das hat weniger mit ihrer Qualität zu tun, als mit ihrer Eigenart. Kunert ist ein nachdenklicher und grübelnder, ein politischer, ein gesellschaftskritischer und ein philosophischer Poet. Seine Verse sind beinahe immer kühl und zurückhaltend, oft widerborstig und nie einschmeichelnd.

Wie die meisten Dichter, die mit einer Obsession geschlagen sind, in seinem Fall der Versuch des Vielschreibers, sich seiner „pathologischen Existenz durch Schreiben zu entledigen“, da Schreiben für ihn eine Art „Zwangsneurose“ darstellt, artikuliert auch Kunert nur selten seine Hoffnungen und sein Glück, weit häufiger seinen Schmerz und seine Leiden.[3] Er macht sich keine Illusionen und ist ein hartnäckiger Prophet der uns drohenden Katastrophe und bleibt dabei stets nüchtern und skeptisch. So auch im vorliegenden Gedicht „Verheißung“.

2. Interpretation

Verheißung

Die Regen strömen und die Bäume

sterben. Und Vogelschwärme ziehen fort.

Herbst nistet früh an solchem Ort

und offeriert ein paar verwelkte Träume.

Das Gras hält keine deiner Spuren

lange. Und folgt beharrlich dir durch Raum

und Zeit. Am Horizont wirkt gelber Schaum

als wenn die Wolken längst vondannenfuhren.

Sprich leiser, dass nicht deine Reden

sofort verfliegen als ein kalter Hauch.

An irgendeinem Abend merkst du auch:

Nacht kommt genug: Es reicht für jeden.

Schon im Titel verweist das Gedicht „Verheißung“, veröffentlicht im Jahr 1983, auf sein zentrales Motiv, die Prophezeiung des nahenden Endes.

Das vorliegende Gedicht beginnt mit einem Bild aus dem Alten Testament, der Sintflut aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 7, und endet nicht explizit mit dem Jüngsten Gericht, wie die Offenbarung des Johannes, jedoch wird der Weltuntergang, durch den bedrohlichen und apokalyptischen Grundton des Gedichtes, angedeutet.

In der ersten Strophe wird nicht eine Aktion geschildert, sondern eine Situation. Es regnet und gießt aus allen Himmelspforten. Unwillkürlich drängt sich die Vorstellung der Sintflut auf, getragen durch den untypischen Gebrauch des Plurals: „Die Regen“. Allerdings wird an dieser Stelle nicht die bereits geschehene Sintflut nacherzählt, sondern eine neue, zukünftige vorhergesagt. Die menschliche Haltung „Nach uns die Sintflut“, die sich keinen Gedanken über die Zukunft, das Danach oder auch nur die Folgen macht, wird hier angedeutet. Gerade diese Haltung könnte der Menschheit dereinst das Genick brechen und so wird ein nicht allzu fernes, drohendes Unheil heraufbeschworen. Bereits im zweiten Vers wird durch ein Enjambement das Wort „sterben“ betont und somit die Ernsthaftigkeit der Situation.

[...]


[1] Die Welt, 6.3.1999, Keiner weiß, was er noch schreiben soll, Günter Kunert zum 70., Literarische Welt S.18.

[2] http://www.kurtschwaen.de/kuenstler/kuenstler.htm#_G%FCnter_Kunert, gesehen am 11.97.2005.

[3] http://www.literaturfestival.com/bios1_1_6_541.html, gesehen am 09.07.2005

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Günter Kunert - Verheißung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Lyrik nach 1945
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
9
Katalognummer
V62414
ISBN (eBook)
9783638556583
ISBN (Buch)
9783656501466
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Günter, Kunert, Verheißung, Lyrik
Arbeit zitieren
Thilo Patzke (Autor), 2005, Günter Kunert - Verheißung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62414

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