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Spielen mit Sprache - zum Zusammenhang von Humor und Sprachentwicklung bei Kindern

Title: Spielen mit Sprache - zum Zusammenhang von Humor und Sprachentwicklung bei Kindern

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Mareke Dreyer (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
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Überall auf der Welt wird gelacht. Humor verbindet (und trennt) Menschen in allen Kulturen; auf allen Kontinenten wird gelacht und gescherzt, und das schon sehr lange. Die meisten Forscher sehen den Spieltrieb als direkten Vorläufer des Humors, das Lachen galt als ein Spielsignal (vgl. Grit Kienzlen 2006, S.1f.). Humor kann aber auch als „Entwicklungsphänomen beschrieben werden, das erfolgreiche Interaktion zwischen einem Individuum und seinem kulturellen und sozialen Kontext vermittelt“ (Bönsch-Kauke 2003, S. 59). Humorforschung ist angelehnt an diese Aussage ein interdisziplinäres Forschungsfeld, auf dem sich die verschiedensten Wissenschaften tummeln: Von der Philosophie, Anthropologie und Religionswissenschaft über Medizin und Psychologie bis hin zur Pädagogik und Soziologie beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit diesem Phänomen. Entsprechend dieser Bandbreite an Interesse und Interessenten gibt es eine Vielzahl von Definitionsansätzen und Erklärungsversuchen. Humor und Lachen als ein Ausdrucksmittel sollen beispielsweise dem Spannungs- und Aggressionsabbau dienen (Entspannungstheorie), schaffen Zugehörigkeits- bzw. Abgrenzungsempfindungen in sozialen Gruppen (Superioritätstheorie) und haben die Wahrnehmung von Kontrasten zur Grundlage (Inkongruenztheorie).

Ich beschäftige mich in dieser Arbeit exemplarisch mit dem Zusammenhang von Humor und Spracherwerb bei Kindern. Dass es eine physiologische Verknüpfung von aufrechtem Gang, Entwicklung des Kehlkopfs zum Sprechapparat und Spracherwerb einerseits und der Entwicklung von Humor andererseits gibt, hat der Humorforscher und Theologe John Morreall postuliert (ebd. S. 3). In der linguistischen Humorforschung ist es nun Hermann Helmers’ Verdienst, die Wechselwirkung von Humor und Spracherwerb bei Kindern untersucht zu haben. Seine Untersuchungsergebnisse werde ich im Folgenden darstellen. Dabei stelle ich die Entwicklungsschritte des kindlichen Humors und deren Voraussetzungen im Prozess des kindlichen Spracherwerbs vor. Nachfolgend wird die umgekehrte Wirkung des Humors auf die Entwicklungsschritte im Spracherwerb beschrieben. In einem kurzen letzten Abschnitt widme ich mich, sozusagen als Brückenschlag in die Gegenwart, den Unterschieden im Humor- und Sprachverhalten von Mädchen und Jungen. Die Arbeit schließt mit einem von der linguistischen Humorforschung formulierten zukünftigen Forschungsbedarf.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen zum Humorbegriff bei Kindern

2.1. Von Aristoteles über Freud...

2.2. ... bis Helmers

3. Entwicklungsschritte des kindlichen Humors

3.1. Vorsprachlicher Humor

3.2. Umstrukturierung von Lauten und Umbau von Satzelementen

3.3. Semantische Verkehrungen

3.4. Episierung

3.5. Integration und Emanzipation als Faktoren des Humors

4. Bedeutung des Humors für die Sprachentwicklung

4.1. Reinforcement

4.2. Sprechtraining

4.3. Sprachliche Kreativität

4.4. Ästhetisierung

4.5. Kritische Reflexion

5. Humor bei Mädchen und Jungen

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der kindlichen Sprachentwicklung und der Entstehung von Humor. Das primäre Ziel ist es, die Phasen des kindlichen Humors im Prozess des Spracherwerbs zu identifizieren und die wechselseitige Wirkung von humorvollen Interaktionen auf die sprachlichen Kompetenzen von Kindern darzulegen.

  • Interdisziplinäre Grundlagen der Humorforschung bei Kindern.
  • Entwicklungsstufen vom vorsprachlichen Humor bis zur Episierung.
  • Die Rolle von Normen und deren spielerische Verletzung für die Sprachkompetenz.
  • Wechselwirkungen: Einfluss von Humor auf Sprache (Reinforcement, Kreativität).
  • Geschlechtsspezifische Aspekte und individuelle Unterschiede im Humorverhalten.

Auszug aus dem Buch

3.2. Umstrukturierung von Lauten und Umbau von Sprachelementen

Aufbauend auf diesen Voraussetzungen vollzieht das Kind nun im Verlauf des 2. und 3. Lebensjahres ein Spiel mit den Elementen der Sprache: Behutsam schiebt es die einzelnen sprachlichen Bausteine hin und her. Einzelne Wörter werden gemeinsam ab-, um- und aufgebaut (Sei-fe, schla-fen), wobei die dabei geäußerte Freude durchaus vorrangig dem sozialen Moment, also dem gemeinsamen Spielen mit Sprachelementen geschuldet sein kann. Die zwischenmenschliche Nähe unterstützt aber sicherlich die zunehmende Freude an sprachlichen Variationen und die sprachliche Kompetenz. In diesem Alter reagieren Kinder bereits auf sprachliche „Abweichungen“ und registrieren Fremdsprachen oder Dialekte.

Wenn das Kind (selbst)bewusst auf Verbesserungen seiner Ausdrucksweise reagieren und also auf eine eigene Entwicklung seines Sprachvermögens zurückblicken kann, beginnt der aktiv humorvolle Umgang des Kindes mit Sprechen und Sprache. Das Korrigieren des eigenen Sprechens wird spielerisch durch absichtliches Falschsprechen provoziert und von Gelächter begleitet. Der Erwachsene repräsentiert durch sein Verbessern die sprachliche Norm, sein Verhalten ist der Wegweiser zur sprachlichen Ordnung. Dieses Rollenspiel funktioniert aber nur, solange beide Seiten diese Aufgabe verlässlich erfüllen: „Falschsprechen“ seitens des Erwachsenen führt zu Irritation beim Kind und beendet das Spiel!

Bald darauf beginnen Kinder mit dem bewusst spielerischen „Falschsprechen“ und haben Freude daran, einzelne Sprachelemente nach bestimmten Regeln ab-, um- und aufzubauen, also beispielsweise die Reihung papa, napa, schapa, dapa vor sich hin zu plappern. Dadurch wird die jeweilige sprachliche Norm einerseits herausgefordert, andererseits aber auch bestärkt. Die zunehmende phonologische Bewusstheit führt dazu, dass „seltsame“, schöne und auch lustige Klänge in sprachlichen Äußerungen registriert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die interdisziplinäre Bedeutung von Humor als Ausdrucksmittel und stellt die Untersuchung von Hermann Helmers sowie die Relevanz des Themas für den kindlichen Spracherwerb vor.

2. Vorüberlegungen zum Humorbegriff bei Kindern: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss von philosophischen Ansätzen bis hin zu den entscheidenden Forschungen von Hermann Helmers über den Zusammenhang von kindlichem Lachen und Sprache.

3. Entwicklungsschritte des kindlichen Humors: Es werden die Phasen der Humorentwicklung von der vorsprachlichen Kommunikation über das spielerische Lautieren bis hin zur komplexen Episierung und erzählten Witzen beschrieben.

4. Bedeutung des Humors für die Sprachentwicklung: Dieses Kapitel analysiert die rückwirkenden Effekte von Humor auf die Sprache, insbesondere durch Reinforcement, Sprechtraining, sprachliche Kreativität, Ästhetisierung und kritische Reflexion.

5. Humor bei Mädchen und Jungen: Das Kapitel diskutiert die geschlechtsspezifischen Unterschiede im humorvollen Umgang mit Sprache, die primär in gleichgeschlechtlichen Gruppen in Erscheinung treten.

6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung der fortdauernden Aktualität von Helmers' Erkenntnissen und einem Ausblick auf den Bedarf an weiterer interdisziplinärer Forschung in natürlichen Konversationssituationen.

Schlüsselwörter

Kindlicher Humor, Spracherwerb, Hermann Helmers, Sprachentwicklung, Sprachspiel, Semantische Verkehrungen, Episierung, Reinforcement, Normabweichung, Sozialisation, Kommunikationsfähigkeit, Sprachkreativität, Geschlechtsspezifische Unterschiede.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den engen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Humors bei Kindern und ihrem gleichzeitigen Spracherwerb.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Stufen der kindlichen Humorentwicklung, die Bedeutung des Lachens für die Festigung von Normen und der Einfluss von Humor auf die sprachliche Kompetenz.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die theoretische Aufarbeitung und Darstellung der Entwicklungsschritte kindlichen Humors im Bezug zum Prozess des Spracherwerbs.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, insbesondere der Arbeiten von Hermann Helmers, ergänzt durch entwicklungspsychologische Erkenntnisse.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entwicklungsschritte des Humors, die Untersuchung der Wirkung von Humor auf die Sprache und die Betrachtung geschlechtsspezifischer Differenzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen kindlichen Humor, Spracherwerb, Normabweichungen, Sprachspiele und Sozialisation.

Welche Rolle spielt die "Episierung" bei Kindern?

Die Episierung beschreibt das fortgeschrittene Stadium, in dem Kinder Witze oder lustige Geschichten bewusst erzählen und sprachlich gestalten können.

Warum ist das "Falschsprechen" für Kleinkinder wichtig?

Es dient als spielerische Methode, um die sprachliche Norm herauszufordern und gleichzeitig die eigene phonologische Bewusstheit und Sicherheit im Sprachgebrauch zu festigen.

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede im Humorverhalten?

Ja, mit zunehmendem Alter und dem Aufenthalt in gleichgeschlechtlichen Gruppen zeigen sich spezifische Strategien des humorvollen Umgangs, die das jeweilige Rollenverhalten widerspiegeln.

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Details

Title
Spielen mit Sprache - zum Zusammenhang von Humor und Sprachentwicklung bei Kindern
College
University of Flensburg
Grade
1,0
Author
Mareke Dreyer (Author)
Publication Year
2006
Pages
19
Catalog Number
V62423
ISBN (eBook)
9783638556651
ISBN (Book)
9783656780014
Language
German
Tags
Spielen Sprache Zusammenhang Humor Sprachentwicklung Kindern
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mareke Dreyer (Author), 2006, Spielen mit Sprache - zum Zusammenhang von Humor und Sprachentwicklung bei Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62423
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