Thomas Hobbes - Analyse des Titelblattes bzw. Frontispiz der Erstausgabe des Leviathan von 1651


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

33 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Hintergrund
2.1 Zeit der Unruhen und Revolten
2.2 Der Englische Bürgerkrieg

3. Grundgedanken der Hobbesschen Staatsphilosophie
3.1 Der Naturzustand
3.2 Der Kriegszustand
3.3 Natürliches Recht und natürliche Gesetze
3.4 Der Vertrag und die Legitimation

4. textlicher Interpretationsansatz

5. Das Titelblatt
5.1 Ein anonymer Künstler?
5.2 Aufbau bzw. Struktur des Titelbildes
5.3 Analyse des Frontispiz

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Mit keinem Sinn hat sich der Begründer der modernen Staatstheorie, Thomas Hobbes (1588-1679), stärker und über einen längeren Zeitraum beschäftigt als mit dem Auge. Er hat über Jahre optische Studien betrieben, und er hat seine frühen Hauptwerke mit so durchdachten Frontispizen versehen, daß von gezielten visuellen Strategien zu sprechen ist.“ (zit. n. Bredekamp, 2003, S.9).

Entgegen der zahlreichen Abhandlungen über Thomas Hobbes, seinen moralischen, politischen und staatstheoretischen Überlegungen möchte ich mich in meiner Arbeit mit dem Visuellen beschäftigen. Im Mittelpunkt meiner Arbeit soll das Frontispiz der 1651 erschienenden Erstausgabe des Leviathan von Thomas Hobbes, der als Erfinder der neuzeitlichen Philosophie gilt (vgl. Kersting, 1994, S.59), stehen.

Kein Titelblatt eines philosophischen Werkes ist so einprägsam gestaltet wie das des Hobbesschen Leviathan, das, entworfen in der Spätblüte der Emblemkunst, Hobbes´ Staatsphilosophie bildlich darzustellen sucht.“ (zit. n. Brandt, 1996, S.29).

Mit dem 1651 publizierten Leviathan begründete Hobbes die politische Moderne und liefert zugleich ein revolutionäres, „überragendes Werk der neuzeitlichen Philosophie“ (vgl. Kersting, 1996, S.1ff).

Hobbes beschreibt im Leviathan ein für seine Zeit neues Staatsmodell, welches der Bevölkerung Sicherheit bieten und damit Frieden bringen kann. Ich denke, dies ist für Hobbes das maßgebliche Ziel eines Staates, da zu seinen Lebzeiten sowohl auf dem europäische Festland als auch auf den Britischen Inseln Krisen, Revolten und Kriege herrschten.

Im ersten Abschnitt meiner Arbeit werde ich den Historischen Kontext der Zeit in der Thomas Hobbes aufwuchs, lebte und welche ihn prägte darstellen, damit ich zu einem späteren Zeitpunkt mögliche Rückschlüsse auf seine Theorien und Thesen ziehen kann.

Im zweiten Abschnitt werde ich kurz die grundlegenden Thesen und Gedanken der Hobbesschen Staatsphilosophie, die im Leviathan zum Ausdruck kommt, darstellen, damit sich die spätere Analyse des Frontispiz besser erschließt. Ich werde diesbezüglich auf die Begriffe Naturzustand, Kriegszustand, natürliches Recht, Naturrecht und Vertrag eingehen.

Den eigentlichen Hauptteil meiner Arbeit bildet der fünfte Abschnitt, in dem ich zunächst die Frage klären möchte, wer der Künstler ist, der Hobbes revolutionäre Staatstheorie bildlich in Kupfer gestochen hat. Anschließend werde ich eine ebenso detaillierte wie genaue Bildbeschreibung geben um damit eine Grundlage für eine exakte Bildanalyse zu schaffen.

Den Abschluss meiner Arbeit bildet das Fazit, in welchem ich noch einmal resümierend Stellung zum Thema beziehen werde.

2. Geschichtlicher Hintergrund

Die Zeit, in der Thomas Hobbes aufwuchs und lebte, war von Aufständen, Revolten, Krieg und Bürgerkrieg geprägt, was sicherlich auch seine Ansichten und Vorstellungen geprägt hat. Im folgenden Abschnitt meiner Arbeit möchte ich zunächst auf die historischen Hintergründe der damaligen Zeit eingehen um später mögliche Rückschlüsse auf Hobbes Theorien ziehen zu können.

Ich begründe mein Wissen zu diesem Abschnitt mit den folgenden Quellen: http:// de.wikipedia.org; http://www.wissen.de.

2.1 Zeit der Unruhen und Revolten

Als Königin Elisabeth I. 1603 stirbt, endete die Glanzzeit des elisabethanischen Englands. Die Königin hatte die brachliegende Wirtschaft wieder belebt und der Sieg der englischen Flotte über die Spanische Armada ließ das Land zur Seemacht werden.

Die Nachfolge auf dem Thron trat James VI. von Schottland an, der Sohn von Maria Stuart, die Elisabeth 1587 als angebliche Verschwörerin hinrichten ließ. Schottlands Monarch regierte fortan als James I. England und Schottland in Personalunion. Er hatte starke absolutistische Neigungen. Seine Herrschaft sollte jedoch weitgehend farblos bleiben, denn ihm trat das erstarkende englische Parlament entgegen, dessen Einwilligung er für neue Steuern oder Gesetze brauchte.

Ein Parlament gab es in Englands Hauptstadt London schon seit 1367.

Es gliederte sich in zwei Kammern: dem House of Commons (Unterhaus), in dem die Bürgervertreter saßen, und dem House of Lords (Oberhaus), das mit Adligen besetzt war. Ursprünglich diente das Parlament nur der zentralisierten Erfassung der Steuerzahlungen. Erst im Laufe der Zeit, als immer mehr Juristen und Verwaltungsbeamte Mitglieder des Parlaments wurden, entwickelte es sich zu einer selbstbewussten Volksvertretung, die auch auf die politischen Geschicke Englands Einfluss nehmen konnte. Neue Steuern mussten grundsätzlich vom Parlament abgesegnet werden, selbst Gesetzesvorschläge kamen aus den Reihen der Volksvertretung.

1625 folgte Charles Stuart seinem Vater James als Charles I. auf den Thron. Charles stand dem Katholizismus sehr nahe, obwohl der ungefähr ein Jahrhundert zuvor auf Bestreben von Henry VIII. vom protestantischen Anglikanismus verdrängt worden war. Als er die katholische Prinzessin Henrietta Maria von Bourbon aus Frankreich ehelichte, stieß er im englischen Volk auf breite Ablehnung, denn dort herrschte mittlerweile der Puritanismus vor, eine fundamentalistische Form des Protestantismus.

Charles beging den fatalen Fehler, den Anglikanismus auch nach Schottland tragen zu wollen, wo sich inzwischen der Presbyterianismus etabliert hatte, eine Abart des Protestantismus, dessen Anhänger aber gemäßigter als die Puritaner waren. Die presbyterianischen Schotten, die sich im "Covenant with God" ("Bund mit Gott") sahen, setzten sich zur Wehr. Sie begannen 1638 einen Aufstand und marschierten in England ein.

Die englischen Feldzüge zur Niederschlagung des Aufstandes scheiterten, während die Kosten dieser so genannten "Bischofskriege" stark anstiegen. Vor diesem Hintergrund sah sich Charles 1640 dazu gezwungen, zur Bewilligung weiterer Finanzmittel das Parlament einzuberufen.

Zwischen 1629 und 1640 gab es gar keine Volksvertretung. Charles Stuart regierte an der Spitze eines Triumvirats als absolutistischer Herrscher, zusammen mit Thomas Wentworth, dem Earl of Strafford, der ein straffes Verwaltungssystem aufbaute, und dem Erzbischof William Laud. Charles berief die so genannte Sternkammer ein, die als weltliche Gerichtsbarkeit fungierte. Ein klerikales Gericht übernahm die kirchliche Rechtsprechung. Absolutistische Willkür war dabei nicht selten. Charles protegierte den Katholizismus und Laud näherte die Anglikanische Kirche wieder der Katholischen an. Die Puritaner hatten unter Charles nichts zu lachen. Viele schifften nach Amerika in die Neue Welt und sollten später als die Pilgerväter bekannt werden.

Da die Parlamentarier Charles´ Herrschaft im Allgemeinen und sein militärisches Vorgehen gegen Schottland im Besonderen kritisierten, ließ der König das Parlament nach wenigen Wochen wieder auflösen, weshalb man auch vom Kurzen Parlament spricht. Weitere englische Misserfolge im Kampf gegen die aufständischen Schotten und Geldnot zwangen Charles noch im selben Jahr dazu, das Parlament ein weiteres Mal neu einzuberufen, welches in Abgrenzung zum Kurzen Parlament auch als Langes Parlament bekannt wurde. Es wurde von den Puritanern unter der Führung von John Pym dominiert.

Charles´ Plan, die Volksvertretung zu einer neuen Steuererhöhung zu gängeln, scheiterte. Die puritanischen Abgeordneten waren sich Charles misslicher Lage bewusst und verhielten sich widerspenstig. Das Lange Parlament legte 1641 einen Beschwerdekatalog vor und erzwang Zugeständnisse vom König. Sie forderten von Charles, die Unantastbarkeit des Parlaments gegen Auflösungen zu garantieren und das parlamentarische Prinzip „no taxation without representation“ - keine Steuern ohne Zustimmung des Parlaments – anzuerkennen. Nachdem Charles sich des Öfteren seines Parlaments entledigt hatte, sollten die Dinge diesmal eine drastische Wende nehmen.

Die puritanischen Parlamentarier erweiterten ihren Forderungskatalog und veranlassten die Hinrichtung Thomas Wentworths wegen angeblichem Hochverrats. Charles ließ die Exekution seines engsten Gefolgsmanns tatenlos geschehen.

Im Januar 1642 ordnete Charles I. die Verhaftung mehrerer oppositioneller Parlamentarier an, zu denen John Pym, John Hampden und Arthur Haselrig gehörten, die jedoch unter Begleitschutz fliehen konnten.

Es kommt zum Aufstand. Charles I. flieht aus London. Das Parlament rief eine eigene Regierung aus und hielt das Volk zum Ungehorsam gegen Charles an. In dem Wissen, dass die Machtübernahme durch die Volksvertretung nicht kampflos über die Bühne gehen würde, verbündeten die Parlamentarier sich mit den Schotten und machten sich daran, eine eigene Armee aufzustellen.

Während der Dreißigjährige Krieg auf dem europäischen Festland langsam seinem Ende entgegen wütete, versank England nun in Bürgerkriegswirren.

2.2 Der Englische Bürgerkrieg

1642 bricht der englische Bürgerkrieg aus. Nachdem die britische Insel vom Dreißigjährigen Krieg unbehelligt geblieben war, hatte sie nun ihren eigenen bewaffneten Konflikt, in dem es ähnlich wie auf dem Kontinent um Glaubensfragen und machtpolitische Interessen ging. Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs ergriff man in großen Teilen von Wales, in Cornwall und im Nordosten Englands Partei für den König. Während man die königstreuen Engländer als "Cavaliers" ("Reiter") bezeichnete, wurden die Anhänger des Parlaments als "Roundheads" (aufgrund ihres meist kurzen Haarschnitts) bekannt.

Anfänglich gewannen die königlichen Truppen die Oberhand. Mit ihren Siegen in offenen Feldschlachten 1644 bei Marston Moor und 1645 bei Naseby rissen die Parlamentarier jedoch das Ruder zu ihren Gunsten herum. Besonders verdient machte sich dabei der puritanische Abgeordnete Oliver Cromwell, der nach Erfolgen mit seiner eigenen Kavallerieeinheit später die parlamentarische „New Model Armee“ schuf und deren Kavallerie befehligte. Auf die schlagkräftige Einheit berittener Schwertkämpfer (Dragoner) und Musketenschützen ging auch der Sieg bei Naseby zurück.

1647 wurde Charles I. von den Schotten gefangen genommen und an die Engländer ausgeliefert. Im Angesicht des Triumphes entbrannte der erste Zwist zwischen den Revolutionären. Die gemäßigten presbyterianischen Kräften im Parlament waren dem puritanischem Radikalismus der Armee abgeneigt. Cromwell wandte sich daraufhin gegen das Parlament und schloss alle gemäßigten Mitglieder aus. Dann erklärte er sich zum Souverän und verlieh sich selbst den Titel des Lordprotektors. Der Gefangene Charles I. beharrte weiter auf seiner Herrschaft „von Gottes Gnaden“. Das Problem, dass es nun zwei auf die eine oder andere Weise legitimierte Herrscher gab, konnte schnell gelöst werden. Charles I. wurde wegen Hochverrats der Prozess gemacht. Am 30. Januar 1649 wurde ihm von seinem Henker der Kopf vor die Füße gelegt.

England war nun endgültig eine Republik, an deren Spitze Oliver Cromwell mit seinem Kabinett stand. Das Land bekam den Namen Commonwealth, aber nie eine endgültige Verfassung.

Der Krieg endete also 1649 mit der Hinrichtung des Königs Charles I., der zeitweiligen Abschaffung der Monarchie und der Errichtung einer Republik in England.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Thomas Hobbes - Analyse des Titelblattes bzw. Frontispiz der Erstausgabe des Leviathan von 1651
Hochschule
Universität Lüneburg  (Fachbereich Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Kulturphilosophie: Theorien der Macht von Hobbes bis Foucault
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V62491
ISBN (eBook)
9783638557214
ISBN (Buch)
9783656246763
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thomas, Hobbes, Analyse, Titelblattes, Frontispiz, Erstausgabe, Leviathan, Einführung, Kulturphilosophie, Theorien, Macht, Hobbes, Foucault
Arbeit zitieren
Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser (Autor), 2004, Thomas Hobbes - Analyse des Titelblattes bzw. Frontispiz der Erstausgabe des Leviathan von 1651 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62491

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