Weiblicher Petrarkismus im 16. Jahrhundert am Beispiel von Gaspara Stampa


Seminararbeit, 2005

13 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Francesco Petrarca – Vorbild einer literarischen Strömung

2 Der Petrarkismus
2.1 Entwicklung und Bedeutung des Petrarkismus
2.2 Der weibliche Petrarkismus

3 Gaspara Stampa – Leben,Werk und literarische Anlehnung an Petrarca

4 Schluss

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht der weibliche Petrarkismus des 16.Jahrhunderts und in diesem Zusammenhang eine der bedeutendsten Lyrikerinnen dieser Zeit,Gaspara Stampa.

Dieses Thema eignet sich besonders gut für eine Untersuchung,da der weibliche Petrarkismus eine Sonderform des europäischen Petrarkismus darstellt.Diese weisen in ihrer Form sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede auf.In dem Proseminar zum Petrarkismus im 16.Jahrhundert wurde durch Referate schon ein Überblick über einige wichtige Autoren dieses Zeitalters gegeben.Die vorliegende Hausarbeit soll nun die wichtigsten Aspekte dieser literarischen Erscheinungsformen auch in Bezug auf Francesco Petrarca darstellen.

Als Einleitung in die Thematik wird zunächst ein kurzer Überblick über das Wirken des Vorbildes dieser literarischen Strömung,Francesco Petrarca,gegeben,wobei auch eines seiner bekanntesten Gedichte miteinbezogen werden soll.

Darauf aufbauend werden die Entwicklung und die Bedeutung des europäischen Petrarkismus erläutert.

Nachdem diese elementaren Bestandteile dargelegt worden sind,wird im Folgenden der weibliche Petrarkismus mit all seinen Facetten beleuchtet.

Danach folgt die Darstellung des wichtigsten Bestandteils dieser Hausarbeit,und zwar das Leben und das Werk Gaspara Stampas mit der Aufarbeitung der literarischen Anlehnung an Petrarca.In diesem Kapitel wird hauptsächlich auf die Rime d’amore Gaspara Stampas eingegangen und Besonderheiten im Vergleich zum eigentlichen Petrarkismus aufgezeigt.In diesem Canzoniere der Dichterin lassen sich ihr Leben und ihre Liebesgeschichte nachempfinden und ebenfalls häufige Anlehnungen an die Dichtkunst der römischen Elegiker erkennen.Gerade diese Vielfalt macht diese Werk so interessant und gleichzeitig schwierig zu interpretieren.

Im Schlussteil der Arbeit wird schließlich ein Resümee gezogen,welches die Bedeutung Gaspara Stampas für den weiblichen Petrarkismus und sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede ihres Werkes zu dem Francesco Petrarcas und der Werke der Petrarkisten aufzeigen soll.

1 Francesco Petrarca – Vorbild einer literarischen Strömung

Im ersten Kapitel der vorliegenden Hausarbeit werden Francesco Petrarca und seine Dichtung als bedeutungstragendes Vorbild der literarischen Strömung des Petrarkismus beschrieben.

Petrarca lebte im 14 Jh. und war auch über das Zeitalter der Renaissance hinaus einer der bedeutendsten Lyriker Italiens.Seine Werke sind sehr stark vom Altertum geprägt,ob er sie nun in italienisch oder lateinisch verfasste.Er gilt als Vordenker des Humanismus,wodurch die Beschäftigug mit der Antike zur Normalität wurde (Buck 1971:1-3).In den Werken Petrarcas lässt sich eine starke Ausprägung zur Selbstbeobachtung erkennen,woraus auch auf eine Flucht aus der Gegenwart geschlossen werden kann.Desweiteren sind in seinen Gedichten die Gedanken an seine große Liebe Laura zentral.Petrarca schrieb weltliche Liebesdichtung,in der alle Erlebnisse durch die Liebe überblendet werden.Die eben erwähnten Aspekte lassen sich u.a. sehr gut an seinem Proöminalsonett aus dem Canzoniere belegen,das wie folgt lautet:

Voi,ch' ascoltate in rime sparse il suono

di quei sospiri ond' io nudriva 'l core

in sul mio primo giovenile errore,

quand' era in parte altr' uom da quel ch' i' sono,

del vario stile in ch' io piango et ragiono,

fra le vane speranze e 'l van dolore,

ove sia chi per prova intenda amore,

spero trovar pietà,non che perdono.

Ma ben veggio or sì come al popol tutto

favola fui gran tempo,onde sovente

di me medesmo meco mi vergogno;

et del mio vaneggiar vergogna è 'l frutto,

e 'l pentersi,e 'l conoscer chiaramente

che quanto piace al mondo è breve sogno.

Dabei ist jedoch erst einmal allgemein zu sagen,dass ein literarischer Text eine innere Kommunikationssituation darstellt,die „in eine sie umgreifende äußere Kommunikationssituation eingebettet“ (Weich 1998:23) ist und somit einen eigenen Rahmen darstellt.

Die Theologie des Augustinus,bei der das Hören besonders wichtig ist, dient bei diesem Reuesonett als Hintergrund und bei Petrarca als ästhetischer Selbstzweck.Zu Beginn des Gedichtes wird durch die typisch mittelalterliche Ansprechweise „Voi“ verdeutlicht,dass hier die Leser als Empfänger angesprochen werden sollen,um ihnen eine Nachricht zu übermitteln.Desweiteren liegt hier eine emotive Sprachfunktion vor,da der Sender zentral ist, was ausserdem den Aspekt der Selbstbezogenheit aufzeigt.Im ersten Vers zeigt sich aber auch ein Bescheidenheitstopos,da das lyrische Ich von den „rime sparse“ spricht und somit einräumt,dass keine Ordnung vorherrscht.Die nachfolgenden Worte „il suono“ (Vers 1) machen jedoch auch klar,dass das Gedicht als Sprachkunstwerk und Klangmuster verstanden werden soll.Das lyrische Ich nimmt die Perspektive des geläuterten Liebenden ein und gesteht seine früheren Irrtümer mit den Worten „giovenile errore“ (Vers 3),da sie von Gott ablenken.In den Versen 6 und 7 lässt sich in den Worten „dolore“ und „amore“ ein Oxymoron erkennen,also eine phonetische Rekurrenz,die sich semantisch ausschließt.Die menschliche Liebe ist problematisch,da sie bei Petrarca exzessiv ist und aus diesem Grunde auch als sogenannte Schmerzliebe bezeichnet wird.Dies ist ebenfalls ein zentraler Aspekt bei Gaspara Stampa,worauf später aber noch genauer eingegangen wird.Das lyrische Ich gesteht sich ein,dass weltliches Vergnügen nichtig ist,was den Sprecher als einsichtig gewordenen Sünder ausweist und auf eine christlich-orthodoxe Gesinnung schließen lässt.

Im zweiten Quartett werden die Kenner des Seelenadels angesprochen,also diejenigen,die sich mit der Liebe auskennen,was gleichzeitig eine Anlehnung an Dantes „Vita nova“ erkennen lässt.Der Sprecher rechtfertigt sich vor ihnen und bittet um Vergebung,was die zentralen Motive dieses pentimento-Sonetts,und zwar „pietà“ und „perdono“ aufzeigen.Das zu interpretierende Gedicht lässt sich sowohl semantisch als auch pragmatisch für ein Sonett typisch gliedern.Die Mikrostruktur zeigt,dass die gesamte Oktave ein einziger komplexer Satz ist,wohingegen die Terzette eine einfache Redeweise zeigen,genau wie es in der Bibel der Fall ist.In den beiden Quartetten werden Fragen gestellt und weiter ausgeführt,es wird auch reflektiert und erörtert, und in den Terzetten werden Antworten gegeben.

Dort ist das Sehen und nicht das Hören zentral,was zur Erkenntnis führen soll.Der elfte Vers macht mit den Worten „di me medesmo meco mi vergogno“ jedoch auch wieder die Beschäftigung mit sich selbst klar.Das lyrische Ich räumt ein,dass seine Phantastereien nur zu Scham und Reue führen (Verse 12 und 13) und dass alles Schöne auf Erden eine schnell wieder verschwindende Vorstellung ist („che quanto piace al mondo è breve sogno“, Vers 14).Der Dualismus von Stilen im Sonett ist typisch mittelalterlich.Somit kann man sagen,dass Petrarca an das Schlusssonett von Dantes „Vita nova“ anknüpft und für den Nachruf („gloria“) lebte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Weiblicher Petrarkismus im 16. Jahrhundert am Beispiel von Gaspara Stampa
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Petrarkismus im 16. Jahrhundert
Note
1,7
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V62498
ISBN (eBook)
9783638557283
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Weiblicher, Petrarkismus, Jahrhundert, Beispiel, Gaspara, Stampa, Petrarkismus, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Anonym, 2005, Weiblicher Petrarkismus im 16. Jahrhundert am Beispiel von Gaspara Stampa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62498

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