Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht der weibliche Petrarkismus des 16.Jahrhunderts und in diesem Zusammenhang eine der bedeutendsten Lyrikerinnen dieser Zeit, Gaspara Stampa.
Dieses Thema eignet sich besonders gut für eine Untersuchung,da der weibliche Petrarkismus eine Sonderform des europäischen Petrarkismus darstellt.Diese weisen in ihrer Form sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede auf.In dem Proseminar zum Petrarkismus im 16.Jahrhundert wurde durch Referate schon ein Überblick über einige wichtige Autoren dieses Zeitalters gegeben.Die vorliegende Hausarbeit soll nun die wichtigsten Aspekte dieser literarischen Erscheinungsformen auch in Bezug auf Francesco Petrarca darstellen.
Als Einleitung in die Thematik wird zunächst ein kurzer Überblick über das Wirken des Vorbildes dieser literarischen Strömung,Francesco Petrarca,gegeben,wobei auch eines seiner bekanntesten Gedichte miteinbezogen werden soll. Darauf aufbauend werden die Entwicklung und die Bedeutung des europäischen Petrarkismus erläutert.
Nachdem diese elementaren Bestandteile dargelegt worden sind,wird im Folgenden der weibliche Petrarkismus mit all seinen Facetten beleuchtet.
Danach folgt die Darstellung des wichtigsten Bestandteils dieser Hausarbeit,und zwar das Leben und das Werk Gaspara Stampas mit der Aufarbeitung der literarischen Anlehnung an Petrarca. In diesem Kapitel wird hauptsächlich auf die Rime d’amore Gaspara Stampas eingegangen und Besonderheiten im Vergleich zum eigentlichen Petrarkismus aufgezeigt.In diesem Canzoniere der Dichterin lassen sich ihr Leben und ihre Liebesgeschichte nachempfinden und ebenfalls häufige Anlehnungen an die Dichtkunst der römischen Elegiker erkennen.Gerade diese Vielfalt macht diese Werk so interessant und gleichzeitig schwierig zu interpretieren.
Im Schlussteil der Arbeit wird schließlich ein Resümee gezogen,welches die Bedeutung Gaspara Stampas für den weiblichen Petrarkismus und sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede ihres Werkes zu dem Francesco Petrarcas und der Werke der Petrarkisten aufzeigen soll.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Francesco Petrarca – Vorbild einer literarischen Strömung
2 Der Petrarkismus
2.1 Entwicklung und Bedeutung des Petrarkismus
2.2 Der weibliche Petrarkismus
3 Gaspara Stampa – Leben,Werk und literarische Anlehnung an Petrarca
4 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den weiblichen Petrarkismus des 16. Jahrhunderts anhand des Werkes der Lyrikerin Gaspara Stampa. Dabei wird analysiert, wie Stampa das traditionelle, männlich geprägte petrarkistische System aufbricht, durch welche spezifischen Merkmale sich der weibliche Petrarkismus auszeichnet und inwieweit sie sich durch die Integration elegischer Einflüsse und persönlicher Lebensumstände von ihrem Vorbild Francesco Petrarca abhebt.
- Grundlagen des Petrarkismus und die Rolle von Francesco Petrarca.
- Charakteristika und Abgrenzung des weiblichen Petrarkismus.
- Biografische und literarische Analyse der "Rime d'amore" von Gaspara Stampa.
- Vergleich der Rollenmuster zwischen männlichen und weiblichen Petrarkisten.
- Die Bedeutung elegischer Traditionen für das Werk Stampas.
Auszug aus dem Buch
Die Lyrikerin Gaspara Stampa – Leben,Werk und literarische Anlehnung an Petrarca
Gaspara Stampa wurde 1523 in Padua geboren und ging 1531 nach dem Tod des Vaters mit ihrer Familie nach Venedig.Dort stieg sie als eine sogenannte ‚cortegiana onesta‘ in hohe literarische Kreise auf.Ihre Gedichtsammlung umfasst die Rime d'amore mit 245 Gedichten und die Rime varie mit 66 Gedichten.Gaspara Stampa lernte 1549 den Grafen Collaltino di Collalto kennen,dessen Beziehung zu ihr sie in ihrer Dichtung verarbeitete,was ihre Gedichte zu einer Art Tagebuch ihres Lebens macht.
Ihre Rime d' amore lassen sich in drei Teile gliedern.Der erste Abschnitt umfasst die Sonette 1 bis 99 und handelt von den Anfängen ihrer schwierigen Liebe zu dem Grafen und seiner zwischenzeitlichen Rückkehr,nach seiner dreijährigen Abwesenheit im Krieg in Frankreich.Ausserdem geht es dort u.a. auch um das ‚innamoramento‘,also den Zeitpunkt des Sichverliebens,in diesem Falle an dem Datum von Christi Geburt,und darum,dass „wie einst der Helikon für Hesoid ... für die Liebende ‚Collalto‘ der Ursprung ihrer dichterischen Inspiration“ (Schulze-Witzenrath 1974:70) war.In dieser Phase ist ein traditionell petrarkistischer Ansatz zu erkennen,da Gaspara Stampa die Rolle des petrarkistischen Liebhabers einnimmt,um pietà,also Mitleid,bittet,sich gegen Amors Herrschaft wendet und sich diesem gleichzeitig unterwirft.Ihr Liebhaber ist hingegen unnahbar und abweisend.Er entspricht dem Idealbild des Hofmannes mit Literatur – und Musikkenntnis,was der Grund dafür ist,dass Gaspara Stampa ihn mit Orpheus vergleicht.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse am weiblichen Petrarkismus und stellt die Lyrikerin Gaspara Stampa als zentrale Figur vor, deren Werk eine Sonderform der petrarkistischen Tradition darstellt.
1 Francesco Petrarca – Vorbild einer literarischen Strömung: Dieses Kapitel erläutert Petrarca als humanistischen Vordenker und analysiert anhand seines Proöminalsonetts die wesentlichen Merkmale seiner Liebesdichtung, wie die Thematisierung der "Schmerzliebe".
2 Der Petrarkismus: Es wird die historische Entwicklung des Petrarkismus aufgezeigt, wobei sowohl die Konventionen der männlichen Liebesdichtung als auch die Spezifika der weiblichen Adaption dieser literarischen Fiktion beleuchtet werden.
2.1 Entwicklung und Bedeutung des Petrarkismus: Dieser Abschnitt fokussiert auf die Entstehung der petrarkistischen Lyrik, die Einflüsse antiker Elegiker und die Kanonisierung Petrarcas durch Pietro Bembo.
2.2 Der weibliche Petrarkismus: Hier wird der Rollenwechsel der Frau von der umworbenen Geliebten zur aktiven Liebenden untersucht und dargelegt, wie dieser Paradigmenwechsel das bestehende System des Petrarkismus transformierte.
3 Gaspara Stampa – Leben,Werk und literarische Anlehnung an Petrarca: Das Kapitel widmet sich der Biografie und der Gedichtsammlung Stampas, insbesondere ihren "Rime d'amore", und analysiert die Abwesenheitsthematik sowie den Einfluss ihrer persönlichen Liebesbeziehung.
4 Schluss: Die Schlussbetrachtung resümiert die Bedeutung Stampas als Innovatorin innerhalb des petrarkistischen Rahmens und stellt Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zu Petrarca und den zeitgenössischen männlichen Autoren gegenüber.
Schlüsselwörter
Petrarkismus, Gaspara Stampa, Francesco Petrarca, Renaissance, weiblicher Petrarkismus, Rime d'amore, Liebeslyrik, Humanismus, Imitatio, Emulatio, Sonett, Collaltino di Collalto, elegische Dichtung, Liebesklage, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den weiblichen Petrarkismus im 16. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Lyrikerin Gaspara Stampa und ihres Canzoniere "Rime d'amore".
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Petrarkismus, dem Vergleich zwischen männlichen und weiblichen lyrischen Rollenbildern sowie der literarischen Auseinandersetzung mit Liebe, Schmerz und dem Glauben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Eigenständigkeit des weiblichen Petrarkismus gegenüber dem traditionellen Modell Petrarcas aufzuzeigen und zu analysieren, wie Gaspara Stampa die vorgegebenen Konventionen umformte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen Kontext als auch die spezifische Textanalyse von Sonetten umfasst und auf zeitgenössischer Sekundärliteratur basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung des Petrarkismus und die detaillierte Untersuchung der "Rime d'amore" von Gaspara Stampa, wobei deren Struktur und inhaltliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Petrarkismus, Gaspara Stampa, Renaissance, Liebeslyrik und Rollenwechsel in der Dichtung.
Inwiefern unterscheidet sich Gaspara Stampas Dichtung von der ihres Vorbildes Petrarca?
Stampa kehrt das Rollenmodell um, indem das lyrische Ich als Frau agiert, und integriert stärkere elegische Motive sowie persönliche Erfahrungen wie Eifersucht und Verlustangst, während Petrarca den Fokus eher auf eine idealisierte, distanzierte Unerreichbarkeit legte.
Welche Rolle spielt das Motiv der Eifersucht bei Gaspara Stampa?
Das Eifersuchtsmotiv dient Stampa als Ausdruck ihrer individuellen Emotionen, was im Vergleich zu Petrarcas eher statischem Liebesideal zu einer dynamischeren und teils schwieriger zu interpretierenden emotionalen Ebene führt.
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- Anonym (Author), 2005, Weiblicher Petrarkismus im 16. Jahrhundert am Beispiel von Gaspara Stampa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62498