Der Sozialisationsprozess bei Peter L. Berger / Thomas Luckmann und George Herbert Mead


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1.Der Sozialisationsprozess bei George Herbert Mead
1.1 Die Begriffe „Play“ , „Game“ und der „verallgemeinerte Andere“
1.1.1 „Play“
1.1.2 „Game“
1.1.3 Der „verallgemeinerte Andere“
1.2 „I“ und „Me“

2. Der Sozialisationsprozess bei Berger / Luckmann
2.1 „Primäre Sozialisation“
2.2 „Generalisierte Andere“
2.3 „Sekundäre Sozialisation“

3. Schnittstellen und Differenzen der Theorien

4. Schlussfolgerung

Bibliografie

0. Einleitung

Der Begriff der Sozialisation wurde erstmals Anfang des 20.Jahrhunderts von dem französischen Soziologen Emile Durkheim (1858- 1917) in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. Vereinfacht ausgedrückt, bezeichnet der Prozess der Sozialisation die Verinnerlichung der Gesellschaft im Individuum und dient so ihrer Reproduktion.

George Herbert Mead (1863-1931) benutzte zwar nie ausdrücklich den Terminus der Sozialisation, beschrieb aber genau dieses Phänomen. Als Sozialpsychologe und Pragmatiker wies er nach, dass „Geist“ [„mind“] und „Identität“ [„Self“] nur in einem gesellschaftlichen Prozess entstehen können.

Peter L. Berger (*1929) und Thomas Luckmann (*1927) definieren Sozialisation in Anlehnung an Mead als “[…] grundlegende und allseitige Einführung des Individuums in die objektive Welt einer Gesellschaft […]“ (B/L,1980;S. 140ff) und führen zusätzlich die Unterscheidung zwischen Primärer und Sekundärer Sozialisation ein.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich zuerst die Mead’sche Theorie der Sozialisation darstellen und darauf hin die Konzeption Berger/Luckmanns. Des Weiteren werde ich die Schnittstellen und Abweichungen der beiden Theorien verdeutlichen und aufzeigen, in wieweit B/L das Mead’sche Modell übernommen oder abgeändert haben.

1. Der Sozialisationsprozess bei George Herbert Mead

1.1 Die Begriffe „Play“ , „Game“ und der „verallgemeinerte Andere“

Mead unterscheidet zwei Phasen, die ein Kind in der Entwicklung der eigenen Identität durchlebt. Er bezeichnet diese Stadien mit „Play“ und „Game“, welche notwendigerweise von

Kindern durchlaufen werden, um ein Teil der Gemeinschaft zu werden. In Verbindung mit dem „Game“ tritt zusätzlich der Begriff des „verallgemeinerten Anderen“ auf.[1]

1.1.1 „Play“

Im „Play“ versetzt sich das Kind in die Rolle eines Anderen und handelt als ob es diese bestimmte andere Person sei, z.B. spielt das Kind „Mama“ oder „Polizist“. Das Kind wechselt die Rollen nach Belieben und „spielt einfach vor sich hin, ohne dass dabei eine grundlegende Organisation erreicht würde“(Mead, 1968; S.193). Indem das Kind eine bestimmte Rolle übernimmt, z.B. “Mama“, macht sich das Kind selbst zum Objekt, da es sich aus der Sicht der Mutter sieht und so handelt wie es selbst die eigene Mutter kennen gelernt hat. Auch wenn das Kind „Polizist“ spielt und eine imaginäre Person verhaftet, verinnerlicht es die Haltung und Handlungsweisen des Polizisten. Generell spielen Kinder natürlich Rollen oder vage Personen in ihrer Umwelt, von denen sie abhängig sind und/oder einem mehr oder weniger engen Verhältnis stehen („signifikante Andere“).

1.1.2 „Game“

Ab einem gewissen Alter überschreitet das Kind die Grenze des unorganisierten Spiels („Play“) und nimmt an einem organisiertem Spiel („Game“) teil. Im „Game“ muss das Kind sich mit einem Gruppenziel identifizieren und die Haltung aller anderen Beteiligten innehaben. Dies kann man gut an einem organisiertem Spiel wie dem Fußball verdeutlichen: Wenn ein Spieler im Mittelfeld den Ball bekommt, wird er ihn höchstwahrscheinlich an die Stürmer weiterspielen, da er weiß, dass die anderen Spieler das von ihm erwarten und nur so seine Mannschaft zu einem Sieg kommen kann. Genauso ist er in der Lage zu antizipieren, dass sein Gegenspieler wohl das Selbe vorhat. Der Spieler muss also die Rollen aller Beteiligten in sich tragen um zu wissen, was von ihm erwartet wird. Genauso stellt er fest, dass sein eigenes Handeln das der Anderen beeinflusst und gleichzeitig das eigene Handeln von dem der Anderen abhängt. Er verinnerlicht jedoch nicht nur die Erwartungen, sondern auch eine spezifische Haltung, die ihn zum Teil jener Gruppe macht. Es entwickelt sich also eine organisierte Persönlichkeit, die zu einem „organischen Glied der Gesellschaft“(Ebd.;S.202) wird.

1.1.3 Der „verallgemeinerte Andere“

Der „verallgemeinerte Andere“ tritt in Verbindung mit dem „Game“ auf und kann als die Summe der generellen Erwartungen aller gesehen werden. „Aller“ ist natürlich ein relativer Begriff, der sich von Situation zu Situation ändert. Ist der Fußballspieler, aus dem vorherigen Beispiel, zu Hause und hat Kehrwoche, rücken die Mitbewohner in den Vordergrund. Der Akteur trägt also nun eher die Haltungen und Erwartungen der Mitbewohner als die der Fußballmannschaft in sich. In diesem Fall stellen die Mitbewohner „Die organisierte Gemeinschaft oder gesellschaftliche Gruppe, die dem Einzelnen seine einheitliche Identität gibt […]“(Ebd.;S.169) dar. Analog dazu spielt die Mannschaft im Beispiel des Fußballspieles gegenüber dem einzelnen Spieler die Rolle des „verallgemeinerten Anderen“.

1.2 „I“ und „Me“

Die Identität („Self“) bezeichnet bei Mead das Wechselspiel zwischen „I“ und „Me“.[2]

Das „I“ ist das spontane, einzigartige, kreative Ich der Gegenwart, „die Reaktion des Einzelnen auf die Haltung der Gemeinschaft[…]“(Ebd.;S.240), das in seinen Handlungen die gesellschaftliche Struktur ändert. Das „Me“ hingegen enthält die verinnerlichten Erwartungen der „signifikanten Anderen“ und des „verallgemeinerten Anderen“ und hat damit auch eine Kontrollfunktion gegenüber dem „I“.

Der Akteur ist sich selbst nur des „I’s“ in der Handlung bewusst. Schon im nächsten Moment, in dem er über die Handlung nachdenkt, geht das „I“ im „Me“ auf. Der Akteur kann also sein „wahres“ „I“ niemals erkennen, da er, sobald er über sein „I“ reflektiert, durch die „Brille“ der verinnerlichten Rollen auf sich selbst sieht. Aus diesem Grund kann der Akteur von seinen eigenen Handlungen überrascht sein.

Um wieder auf das Beispiel des Fußballspiels zurückzukommen: Der Akteur wird die Erwartung der Mannschaft erfüllen und den Ball an den Stürmer weiterspielen. Die Entscheidung über Art oder Zeitpunkt dieser Handlung ist aber der Ausdruck des „I’s“.

Die Wichtigkeit des Zusammenspiels von „I“ und „Me“ zeigt sich im hypothetischen Falle einer Abwesenheit des „I´s . Wäre nur noch das „Me“ vorhanden, hieße das, dass zwei Individuen identisch wären, würden sie in derselben sozialen Umgebung aufwachsen. Das „I“ ist der Grund für die Einzigartigkeit jedes Individuums und ist somit „kein Anhängesel der Gesellschaft“. Es ist zusätzlich die Variable, die gesellschaftlichen Wandel ermöglicht. Das verdeutlicht die Dialektik des Prozesses: Die Gesellschaft formt die Identität des Individuums, genauso wie das Individuum die Gesellschaft.

Um den Bogen zum Sozialisationsprozess und somit „Play“ und „Game“ zu schlagen, ist es, aufgrund der Natur des „I’s“ und des „Me’s“ , offensichtlich, dass im ersten Stadium („Play“) das „I“ ausgebildet wird und im zweiten Stadium („Game“) das „Me“. Ein Individuum besitzt erst dann eine vollständig ausgebildete Identität (Identität = „I“ + „Me“), wenn es die beiden Stadien des „Play“ und des „Game´s“ durchlaufen hat.

2. Der Sozialisationsprozess bei Berger / Luckmann

Wie schon in der Einleitung erwähnt, unterteilen B/L den Sozialisationsprozess in zwei Abschnitte, die in einem hierarchischen Verhältnis stehen: Die erste Phase der Sozialisation, die „Primäre Sozialisation“ und die darauf bauende, zweite Phase der Sozialisation, die „Sekundären Sozialisation“.

Die grundlegende Annahme des Internalisierungsprozesses[3] ist, dass der Mensch nicht als Mitglied der Gesellschaft geboren wird, sondern eine „Disposition für Gesellschaft mit auf die Welt“(B/L, 1980;S139) bringt.

2.1 „Primäre Sozialisation“

Die „Primäre Sozialisation“ ist die wichtigste Phase des Sozialisationsprozesses. In diesem Zeitabschnitt findet ein dialektischer Prozess der „Identifizierung durch Andere und Selbstidentifikation“ (Ebd.;S.142) statt. Dieser Prozess setzt die Identifikation mit „Signifikanten Anderen“[4] voraus, da es nur dann zur Internalisierung kommt. Diese Identifikation im Kindesalter ist mit Emotionen geladen, die notwendig für die Internalisierung sind. In dieser Phase übernimmt das Kind die Welt der „Signifikanten Anderen“, die ihm auferlegt sind (ein Kind kann sich seine Eltern und das Umfeld, in dem es geboren wird, nicht aussuchen). Diese Übernahme wird jedoch „doppelt gefiltert“ (Ebd.;S.141). Was bedeutet, dass das Kind einerseits nur einen kleinen Teil des gesellschaftlichen Schichtenspektrums internalisiert und dazu noch eine Selektion des vermittelten Inhalts durch die „Signifikanten Anderen“ (die im frühen Stadium meist die Eltern sind) stattfindet. Ein Kind, das also in der Unterschicht geboren wird, nimmt sich nicht nur aus der Perspektive der unteren Klassen wahr, sondern „auch in der Färbung der Abneigungen seiner Eltern oder anderer die seine Primärsozialisation übernommen haben.“ (Ebd.;S.141). Hadsfd L////// , ist

Im Laufe der „Primären Sozialisation“ lösen sich allmählich die internalisierten Rollen und Einstellungen von den „Signifikanten Anderen“ ab und es entsteht der „Generalisierte Andere“

[...]


[1] In der deutschen Übersetzung „Spiel“ und „Wettkampf“ Ich verwende aber der Deutlichkeit wegen die Begriffe des Originals

[2] In der deutschen Übersetzung „Ich“ und „ICH“. Auch hier verwende ich die Terminologie des Originals.

[3] „Das unmittelbare Erfassen und Auslegen eines objektiven Vorgangs oder Ereignisses, das Sinn zum Ausdruck bringt“ (B/L, 1980; S.139)

[4] Personen die einem Individuum nahe stehen und direkt oder indirekt Einfluss auf es haben, sowohl in der Primären als auch in der Sekundären Sozialisation. B/L nennen die „Signifikanten“ „[…] die Starbesetzung im Spiel um […] Identität“(B/L;S.161)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Sozialisationsprozess bei Peter L. Berger / Thomas Luckmann und George Herbert Mead
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V62544
ISBN (eBook)
9783638557627
ISBN (Buch)
9783638806954
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisationsprozess, Peter, Berger, Thomas, Luckmann, George, Herbert, Mead
Arbeit zitieren
Valentin Marquardt (Autor), 2006, Der Sozialisationsprozess bei Peter L. Berger / Thomas Luckmann und George Herbert Mead, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62544

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