Das Thema „Gerechtigkeit“ ist wohl eines der ältesten und gleichzeitig eines der aktuellsten Diskussionspunkte der Menschheit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in vielen verschiedenen Lebensbereichen der Frage nach Gerechtigkeit eine tragende Rolle zukommt. Vom sozialen Zusammenleben, zur Rechtssprechung bis hin zur staatlichen bzw. politischen Gerechtigkeit bleibt kein Themenbereich und dadurch kein Mensch unberührt. Selbst die Kleinsten in unserer Gesellschaft beginnen schon im Vorschulalter sich Gerechtigkeitsfragen zu stellen. Welche Eltern oder Erzieher kennen nicht die Aussage: „Das finde ich aber ungerecht!“
Doch nicht nur im kleinsten aller Systemen, dem Familiensystem wir der Frage nach gerechtem Handeln nachgegangen. Kein Tag vergeht, an dem in den politischen Debatten die Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft nicht die Rede ist.
Insbesondere durch die Intensivierung der Internationalen Beziehungen wird versucht eine globale Gerechtigkeit zu etablieren. Die Festschreibung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ist ein gutes Beispiel, wie dies teilweise schon umgesetzt wurde.
Deshalb ist es sicherlich nicht überraschend, dass sich Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen mit dem Begriff der Gerechtigkeit schon seit Jahrhunderten auseinandersetzen, jedoch bis zum heutigen Tage keine allgemein gültige Antwort gefunden haben.
Da die Frage: „Was ist Gerechtigkeit?“ ein großes Spektrum umfasst, das sich nicht auf wenige Seiten fassen lässt, möchte ich in der vorliegenden Studienarbeit Gerechtigkeit aus verschiedenen historischen sowie interdisziplinären Gesichtspunkten in Augenschein nehmen und dabei die wichtigsten Teildisziplinen hervorheben.
Zunächst werde ich den Wortursprung und verschiedene Definitionen von Gerechtigkeit erläutern, sowie einige politische bzw. staatliche Gerechtigkeitsmodelle im geschichtlichen Kontext betrachten.
In Kapitel 3 gehe ich näher auf die Gerechtigkeit und deren Rechtsdeutung in der Justiz ein und werde danach die religiöse Bedeutung darstellen.
Des Weiteren betrachte ich die angespannte Lage in Ostdeutschland und versuche anschließend die aktuelle Diskussion um internationale Gerechtigkeit aufzugreifen, bevor ich abschließend die gewonnenen Erkenntnisse aufzeige und im Schlusswort zusammenfasse.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen von Gerechtigkeit
2. Gerechtigkeitsmodelle – früher und heute
2.1 Platons’ Idee des Guten
2.2 Das Aristotelische Modell
2.3 John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit
3. Recht und Gerechtigkeit
4. Gerechtigkeit als göttliches Geheimnis
5. Gerechtigkeit im internationalen Kontext
6. Gerechtigkeit im vereinigten Deutschland
Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit verfolgt das Ziel, das vielschichtige und interdisziplinäre Konzept der Gerechtigkeit zu beleuchten, da eine allgemein gültige Definition seit Jahrhunderten fehlt. Die Forschungsfrage widmet sich der Untersuchung, wie verschiedene historische, philosophische, religiöse und politische Perspektiven den Gerechtigkeitsbegriff interpretieren und auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen, insbesondere im Kontext des vereinigten Deutschlands, anwenden.
- Historische Gerechtigkeitsmodelle von der Antike (Platon, Aristoteles) bis zur Moderne (John Rawls)
- Die Wechselwirkung zwischen Recht, Justiz und ethischen Gerechtigkeitsvorstellungen
- Gerechtigkeit im religiösen Verständnis und die Rolle der Kirche
- Globale Gerechtigkeit und die Bedeutung von Menschenrechten
- Soziale und ökonomische Gerechtigkeit im vereinigten Deutschland nach der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
2.1 Platons’ Idee des Guten
Die ersten großen und grundlegenden Abhandlungen über Gerechtigkeit findet man in der Antike. Platon (427 – 347 v.Chr.), der Sohn einer angesehenen Familie aus Athen veröffentlichte 370 v.Chr. seinen politischen Dialog „Politeia“. Darin bezeichnet er die Frage nach der „Gerechtigkeit“ als zentrales Thema des Staates.
Er entwirft seinen so genannten „Idealstaat“, indem die Gerechtigkeit für jeden einzelnen Bürger nur durch eine gerechte Gesellschaftsordnung und die gerechte Leitung des Staates gewährleistet werden kann. Diese Leitung des Staates wird in die Hände von Philosophenkönigen gelegt, welche eine langjährige Ausbildung in staatlichen Erziehungsanstalten genossen haben und dabei die „Idee des Guten“ verinnerlichten. Diese finale Erkenntnis, welche Platon im Höhlengleichnis veranschaulicht besagt, dass der höchste Gegenstand des Wissens und alle wichtigen Tugenden im „Guten“ zusammenkommen. Es ist Ziel und Ursache von allem auf der Welt. Wenn daher die künftigen Herrscher des Staates die höchste Idee, das Gute, erkennen wollen, was wiederum für ihr eigenes Leben unerlässlich ist, da sie ohne diese Erkenntnis den Staat nicht gerecht einrichten noch leiten können, so müssen sie Stadien des allmählichen Erkennens durchlaufen. Es ist daher die Pflicht eines jeden Philosophenkönigs, das Erkannte in staatliches und persönliches Leben „einzupflanzen“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die historische und aktuelle Bedeutung des Begriffs Gerechtigkeit dargelegt und das Ziel formuliert, verschiedene disziplinübergreifende Ansätze zu analysieren.
1. Definitionen von Gerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Begriffsbestimmungen, darunter rechtliche und religiöse Perspektiven, und betont den relativen Charakter der Gerechtigkeit.
2. Gerechtigkeitsmodelle – früher und heute: Hier werden die Theorien von Platon, Aristoteles und John Rawls gegenübergestellt, um den Wandel von Gerechtigkeitsvorstellungen über die Jahrhunderte aufzuzeigen.
2.1 Platons’ Idee des Guten: Das Kapitel behandelt Platons Entwurf eines Idealstaates, in dem Gerechtigkeit durch die Führung von Philosophenkönigen und eine klare Ständeordnung gewährleistet wird.
2.2 Das Aristotelische Modell: Aristoteles’ Ansatz wird als staatsbildendes Werk der Natur beschrieben, das auf dem Gemeinwohl und einer Mischung aus verschiedenen Staatsformen basiert.
2.3 John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit: Im Zentrum steht Rawls’ Gerechtigkeit als Fairness, die durch ein Gedankenexperiment im Naturzustand begründet wird.
3. Recht und Gerechtigkeit: Es wird untersucht, wie Gerechtigkeit und das „Werkzeug“ Recht interagieren und dass rechtmäßige Urteile dennoch als ungerecht empfunden werden können.
4. Gerechtigkeit als göttliches Geheimnis: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel des Gerechtigkeitsbegriffs im Alten und Neuen Testament und die Rolle der christlichen Kirche.
5. Gerechtigkeit im internationalen Kontext: Das Kapitel fokussiert auf globale Herausforderungen, die Menschenrechte und die Rolle internationaler Organisationen.
6. Gerechtigkeit im vereinigten Deutschland: Es wird der Frage nachgegangen, wie soziale und ökonomische Gerechtigkeit in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung wahrgenommen wird.
Schlusswort: Eine abschließende Reflexion fasst die zentralen Theorien zusammen und betont, dass Gerechtigkeit ein wichtiger, aber relativer sozialer Wert bleibt.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Philosophie, Platon, Aristoteles, John Rawls, Rechtsidee, Menschenrechte, Fairness, Idealstaat, Sozialpolitik, Ethik, Gerechtigkeitstheorie, soziale Gerechtigkeit, Verteilungsgerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den komplexen Begriff der Gerechtigkeit unter interdisziplinären und historischen Gesichtspunkten, um zu verstehen, wie er das menschliche Zusammenleben prägt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen antike und moderne Gerechtigkeitsmodelle, das Verhältnis von Recht und Moral, die Rolle von Religion sowie die Anwendung des Begriffs auf globale Kontexte und das vereinigte Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, verschiedene Definitionen und Theorien zur Gerechtigkeit historisch und inhaltlich aufzuarbeiten, da es keine einheitliche Antwort auf die Frage „Was ist Gerechtigkeit?“ gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um philosophische Theorien zu systematisieren und diese auf gesellschaftspolitische Fragestellungen anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Gerechtigkeitsmodelle (Platon, Aristoteles, Rawls), die Analyse von Recht in der Justiz, das göttliche Verständnis von Gerechtigkeit sowie spezifische gesellschaftliche Analysen im internationalen und deutschen Kontext.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gerechtigkeit, Fairness, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Sozialpolitik und gesellschaftliche Gerechtigkeit charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Platons Gerechtigkeitsvorstellung von der John Rawls’?
Während Platon Gerechtigkeit metaphysisch durch einen Ständestaat und Philosophenkönige definiert, konzentriert sich Rawls auf eine gesellschaftliche Grundstruktur und Verteilungsgerechtigkeit basierend auf dem Prinzip der Fairness.
Warum empfinden Bürger in Ostdeutschland Gerechtigkeit oft als problematisch?
Der Text stellt dar, dass die Transformation von einem sozialistischen System mit garantierter ökonomischer Sicherheit hin zu einer liberalen Gesellschaftsordnung durch viele als Unsicherheit und Ungerechtigkeit wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Patrick Wehner (Author), 2006, Was ist Gerechtigkeit? - Die Frage nach Gerechtigkeit und ihrer tragenden Rolle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62560