Über die Parteigrenzen hinweg ist die Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit ein zentrales Thema in diesem Wahlkampf gewesen. Obwohl die Parteien in ihren Programmen – ob es nun „Vorfahrt für Arbeit“ (Union) oder „Vertrauen in Deutschland“ (SPD) heißt - durchaus ähnliche Ziele angeben, unterscheiden sich ihre Mittel jedoch zeitweise grundlegend. Während die Linke.PDS über einen Mindestlohn in der Höhe von 1.000 € - 1.400 € stritt (@ Berlinkontor.de) , um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stärken, lehnen die Liberalen „Mindestlöhne, egal in welcher Form sie festgelegt werden“ rigoros ab, da sie „tendenziell zu höheren Preisen [führen] und […] darüber die Kaufkraft [schwächen]“ (@ Wahlprogramm FDP). Diese beiden Forderungen stehen exemplarisch für zwei unterschiedliche Herangehensweisen an das Problem der Arbeitslosigkeit. „Im Grunde geht es dabei um die Frage, ob Arbeitslosigkeit verursacht wird durch (1) einen zu hohen Preis für Arbeit, d.h. zu hohe Löhne, und/oder zu großzügige Sozialleistungen […] oder (2) eine zu geringe gesamtwirtschaftliche Nachfrage“ (Bofinger, 153). Ziel dieser Hausarbeit ist es jedoch nicht, die Wahlprogramme für Arbeitsmarkt- oder Lohnpolitik der einzelnen Parteien zu analysieren, sondern vielmehr ihre Vorstellungen als Grundlage für ein mögliches Mindestlohnmodell für die Bundesrepublik Deutschland zu nehmen. Zentrale Fragestellung dabei ist, ob es überhaupt Sinn macht, einen gesetzlichen Mindestlohn festzulegen. Zur Beantwortung dieser Frage soll zunächst in einem theoretischen Teil geklärt werden, was ein Mindestlohn genau ist und wie er sich in der Theorie auf die Ökonomie eines Landes und auf dessen Arbeitsmarkt auswirkt. Im zweiten empirischen Teil soll das Mindestlohnmodell von drei Staaten untersucht und mit den Ergebnissen des Theorieteils verglichen werden. Diese Staaten sind Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika. In jedem dieser Staaten gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn, jedoch unterscheidet sich jedes Modell von dem der anderen Staaten. Jedes Mindestlohnmodell soll dahingehend untersucht werden, wie die Höhe des Mindestlohns zustande kommt und welche Auswirkungen er mit sich bringt. Im letzten Teil schließlich soll in einem Ausblick ein mögliches Modell für die Bundesrepublik skizziert werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die sozialen Ziele des Mindestlohns
1.1 Mindestlohnarbeitslosigkeit
1.2 Alternative Wirkung des Mindestlohns – Kaufkraft der Löhne
1.3 Zusammenfassung
2. Länderuntersuchungen: USA, Großbritannien, Frankreich
2.1 Einführung: Der Fair Labor Standard Act in den USA
2.2 Höhe und Anpassung des Mindestlohns
2.3 Kaitz Index und Lohngefüge der USA
2.4 Die Verbreitung von working-poor Einkommen in den USA
2.5 Paradigmenstreit: Der Einfluss der Studie von Card und Krueger
3. Großbritannien
3.1 Einführung
3.2 Höhe und Anpassung des NMW in Großbritannien
3.3 Auswirkungen des NMW
3.3.1 Lohngefüge
3.3.2 Arbeitslosenquote
3.3.3 Armut und working poor
3.3.4 Zusammenfassung GB
4. Frankreich
4.1 Einführung
4.2 Höhe und Anpassung des SMIC
4.3 Auswirkungen des SMIC
4.3.1 Lohngefüge
4.3.1.1 Tarifgefüge
4.3.2 Arbeitslosenquote
4.3.3 Armut und working poor
4.3.4 Fazit Frankreich
5. Zusammenfassung der Länderuntersuchung
6. Gesamtfazit: Eingehen auf die Ausgangsfrage
6.1 Der Deutsche Ist-Zustand
6.2 Ein mögliches Modell für Deutschland
6.2.1 Eine Alternative: Die Ausweitung der AVE
6.3 Fazit: Mindestlohn ja oder nein?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland sinnvoll ist, indem sie theoretische Grundlagen mit empirischen Erfahrungen aus den USA, Großbritannien und Frankreich vergleicht.
- Neoklassische und keynesianische Perspektiven auf den Mindestlohn
- Empirische Fallstudien zur Mindestlohnpolitik in den USA, Großbritannien und Frankreich
- Analyse von Arbeitsmarktauswirkungen wie Beschäftigung und Lohngefüge
- Diskussion von Modellen für eine mögliche Mindestlohneinführung in Deutschland
Auszug aus dem Buch
1.1 Mindestlohnarbeitslosigkeit
In der neoklassischen Ökonomietheorie wird von einem Arbeitsmarkt ausgegangen, der sich wie der Gütermarkt nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage richtet. Dazu gibt es zwei Grundannahmen:
1. Die Arbeit wird von Arbeitnehmern angeboten und von Unternehmern nachgefragt.
2. Die Nachfrage nach Arbeit nimmt nach dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens ab.
Auf der anderen Seite bietet ein Arbeitnehmer auch nur eine bestimmte Menge an Arbeit an, die sich nach seinen persönlichen Präferenzen nach Freizeit und Einkommen richtet. Um das Modell so übersichtlich wie möglich zu halten, wird hier davon ausgegangen, dass ein Arbeitnehmer umso mehr Arbeitskraft anbietet, desto höher der Lohn für diese Arbeit ist.
An dem Punkt, an dem sich die Nachfragekurve von Arbeitgebern und Angebotskurve von Arbeitnehmern schneiden, liegt das Marktgleichgewicht des Arbeitsmarktes. An diesem Ort herrscht in der ökonomischen Theorie Vollbeschäftigung, d. h. „jeder, der arbeiten will, findet eine Anstellung“ (Bofinger 287).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die sozialen Ziele des Mindestlohns: Erläutert die theoretischen Ansätze der Neoklassik und des Keynesianismus sowie das historische Ziel der Armutsbekämpfung.
2. Länderuntersuchungen: USA, Großbritannien, Frankreich: Detaillierte Analyse der historischen Entwicklung und der gesetzlichen Ausgestaltung von Mindestlöhnen in drei verschiedenen Ökonomien.
3. Großbritannien: Untersucht die Einführung und Auswirkungen des National Minimum Wage (NMW) sowie die Bedeutung der Low Pay Commission.
4. Frankreich: Analysiert den SMIC und das System der Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen im Kontext der französischen Lohnpolitik.
5. Zusammenfassung der Länderuntersuchung: Synthese der Erkenntnisse aus den drei Fallstudien hinsichtlich politischer Dimensionen und ökonomischer Effekte.
6. Gesamtfazit: Eingehen auf die Ausgangsfrage: Überträgt die gewonnenen Erkenntnisse auf den deutschen Arbeitsmarkt und bewertet die Umsetzbarkeit eines Mindestlohnmodells.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Arbeitsmarktökonomik, Armutsbekämpfung, Kaitz Index, Lohngefüge, working-poor, Neoklassik, Keynesianismus, Tarifautonomie, Allgemeinverbindlicherklärung, Beschäftigungseffekte, Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Sinnhaftigkeit und Ausgestaltung eines gesetzlichen Mindestlohns unter Berücksichtigung theoretischer und empirischer Erkenntnisse.
Welche Länder wurden im Detail untersucht?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Mindestlohnmodelle der USA, Großbritanniens und Frankreichs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aus den Erfahrungen der drei untersuchten Länder eine fundierte Einschätzung für ein mögliches Mindestlohnmodell in Deutschland abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Fallstudienanalyse auf Basis ökonomischer Theorien.
Welche Themen werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen (Angebot/Nachfrage), die Auswirkungen auf Beschäftigung und Armut in den Fallstudien sowie die deutsche Tariflandschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Mindestlohn, Lohngefüge, Arbeitsmarkt, Armutsbekämpfung und Tarifautonomie.
Wie unterscheidet sich der französische SMIC von anderen Ansätzen?
Der SMIC zeichnet sich durch einen automatischen Anpassungsmechanismus und eine starke Koppelung an die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung aus.
Warum ist das britische Modell für Deutschland relevant?
Das britische Modell nutzt eine Kommission (LPC), deren Struktur als Vorbild für eine konsensorientierte deutsche Lösung diskutiert wird.
Welche Rolle spielt die Allgemeinverbindlicherklärung in Deutschland?
Sie wird als ein Instrument diskutiert, das bereits existiert, aber aufgrund restriktiver Voraussetzungen bisher selten zur Ausweitung von Mindeststandards genutzt wurde.
- Quote paper
- Robert Schwanitz (Author), Florian Schwärzel (Author), 2005, Untersuchung dreier Länder und ihrer Regelung zum Mindestlohn – Ein Vorbild für Deutschland?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62568