Die Zielsetzung von Zentralbanken ist Preisniveaustabilität und Konjunkturstabilität. Man spricht von einem stabilen Preisniveau, wenn es keine oder nur geringe inflationäre Entwicklungen gibt.
Um das Ziel der Preisniveaustabilität zu erreichen, ergreift eine Zentralbank geldpolitische Maßnahmen. Hierbei spielen die Refinanzierungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken bei der Zentralbank eine wichtige Rolle.
Die Maßnahmen der Zentralbank wirken sich auf reale Größen, wie beispielsweise die Beschäftigung oder die Investition aus. Dies geschieht über verschiedene Kanäle. Diese Kanäle beschreiben den Transmissionsmechanismus, der wiederum über verschiedene Wege Auswirkungen auf die Wirtschaft hat.
Zu diesen Transmissionskanälen zählt man unter anderem den Zinskanal, den Wechselkurskanal, den Erwartungskanal, den „Asset Price Channel“ und den Kreditkanal. [...]
„Der geldpolitische Transmissionsmechanismus besteht aus verschiedenen Kanälen, über die geldpolitisch Maßnahmen auf die Wirtschaft und insbesondere auf das Preisniveau wirken. Ein gutes Verständnis dieser Übertragungswege ist eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung einer soliden Geldpolitik, da auf dieser Weise das Ausmaß und der Zeitpunkt geldpolitischer Beschlüsse so gewählt werden können, das die Preisstabilität gewahrt wird.“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Definition des monetären Transmissionsmechanismus
1.2 Problematik des monetären Transmissionsmechanismus
2. Der Kreditkanal
2.1 Die Rolle des Kreditkanals für die Zentralbanken
2.1.1 Der Bankenkanal (Bank Lending Channel)
2.1.1.1 Das Prinzipal-Agenten-Theorem
2.1.1.2 Adverse Selektion
2.1.1.3 Moral Hazard
2.1.2 Der Bilanzkanal (Balance Sheet Channel)
3. Die Bedeutung von Basel II für den Kreditkanal
3.1 Einführung
3.2 Definition Basel II
3.2.1 Mindesteigenkapitalerfordernis
3.2.1.1 Der Standardansatz
3.2.1.2 IRB-Methode
3.3 Auswirkungen auf Banken und Kreditnehmer
3.3.1 Auswirkungen auf die Banken
3.3.2 Auswirkungen auf die Kreditnehmer
3.4 Investitionstätigkeit des Mittelstandes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktionsweise des Kreditkanals innerhalb des monetären Transmissionsmechanismus und analysiert die Auswirkungen der Basel II-Richtlinien auf die Kreditvergabepraxis von Banken sowie auf die Investitionstätigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).
- Grundlagen des monetären Transmissionsmechanismus
- Mechanismen des Banken- und Bilanzkanals bei asymmetrischer Informationsverteilung
- Theoretische Konzepte wie Prinzipal-Agenten-Beziehungen, Adverse Selektion und Moral Hazard
- Auswirkungen der Basel II-Eigenkapitalanforderungen auf das Rating und die Finanzierungskosten
- Empirische Einblicke in die Kreditversorgungssituation des Mittelstandes
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Der Bankenkanal (Bank Lending Channel)
Wenn eine Zentralbank geldpolitische Maßnahmen ergreift, um das Ziel der Preisniveaustabilität zu erreichen, haben diese Maßnahmen auch Auswirkungen auf den kurzfristigen Zins. Durch eine restriktive Geldpolitik kommt es zu einer Verringerung der Geldmenge. Wenn beispielsweise die Zentralbank die Refinanzierungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken erschwert, so wird die Geschäftsbank die erhöhten Kosten durch einen erhöhten Kreditzins an die Unternehmen weitergeben. Eine weitere Möglichkeit, die restriktive Geldpolitik durchzusetzen, ist die Mindestreservepolitik. Die Geschäftsbanken werden gezwungen sein die Mindestreserve bei den Zentralbanken zu erhöhen und somit ist ihr finanzieller Spielraum bei der Vergabe von Krediten eingeschränkt.
Die Geschäftsbanken gehen dazu über, die Zinsen für Kredite zu erhöhen und die Kreditvergabe genauer zu prüfen.
Dies betrifft jedoch meist die kleinen und mittleren Unternehmen, die viel mehr auf Bankkredite angewiesen sind als die größeren Unternehmen, da diese sich alternativ auch über den Kapitalmarkt finanzieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den monetären Transmissionsmechanismus als Übertragungsweg geldpolitischer Maßnahmen auf reale ökonomische Größen und beleuchtet die Problematik der Prozessunsicherheit.
2. Der Kreditkanal: Erläutert den Banken- und Bilanzkanal sowie die Rolle asymmetrischer Informationen (Prinzipal-Agenten-Problematik, Adverse Selektion, Moral Hazard) bei der Kreditvergabe.
3. Die Bedeutung von Basel II für den Kreditkanal: Diskutiert die neuen Eigenkapitalanforderungen und deren Konsequenzen für die Risikobewertung, die Bankenstruktur und die Finanzierungsmöglichkeiten des Mittelstandes.
Schlüsselwörter
Monetärer Transmissionsmechanismus, Kreditkanal, Bankenkanal, Bilanzkanal, Basel II, Eigenkapitalanforderungen, Asymmetrische Information, Adverse Selektion, Moral Hazard, Rating, Standardansatz, IRB-Methode, Mittelstand, Zentralbank, Geldpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie geldpolitische Entscheidungen der Zentralbank über den Kreditkanal auf Unternehmen wirken und welche Rolle neue bankenaufsichtsrechtliche Vorgaben wie Basel II dabei spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Transmissionsmechanismen, theoretische Modelle asymmetrischer Information im Kreditmarkt sowie die Auswirkungen veränderter Eigenkapitalregeln auf kleine und mittlere Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Wirkungsweise des Kreditkanals transparent zu machen und zu verstehen, wie restriktive Geldpolitik und Basel II die Kreditversorgung für KMU beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis volkswirtschaftlicher Standardwerke und Analysen (wie dem KfW-Mittelstandspanel) eine systematische Darstellung entwickelt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Kreditkanals und die Untersuchung der regulatorischen Auswirkungen von Basel II auf Banken und Kreditnehmer.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Transmissionsmechanismus, Kreditkanal, Informationsasymmetrien, Basel II, Rating und Finanzierung des Mittelstands.
Was besagt das Prinzipal-Agenten-Theorem in diesem Kontext?
Es beschreibt das Informationsgefälle zwischen der Bank (Prinzipal) und dem Unternehmen (Agent), wobei das Risiko besteht, dass der Agent Informationen verheimlicht, um leichter an Kredite zu gelangen.
Wie unterscheidet sich die IRB-Methode vom Standardansatz?
Während der Standardansatz fest vorgegebene Risikogewichtungssätze nutzt, erlaubt die IRB-Methode den Banken eine eigene, interne Risikobewertung durchzuführen, was bei guter Bonität die Finanzierungskosten senken kann.
Welches Problem identifiziert die Arbeit für den Mittelstand?
Kleine Unternehmen leiden häufiger unter Kreditrationierungen, da sie mangels Alternativfinanzierung über den Kapitalmarkt stärker von der restriktiven Kreditvergabe der Banken betroffen sind.
- Quote paper
- Maged Abdelkerim (Author), 2004, Der monetäre Transmissionsmechanismus - Der Kreditkanal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62584