Überlegungen zur jüdischen Deutung einiger Werke Franz Kafkas unter besonderer Berücksichtigung kabbalistischen und chassidischen Gedankengutes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
34 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Franz Kafka - Ein jüdisch-deutscher Dichter aus Prag
2.1. Die Lage des jüdischen Bürgertums im Prag Franz Kafkas
2.2. Franz Kafka und sein ‚Jude-Sein’

3. Kabbala und Chassidismus
3.1 Die Kabbala
3. 2 Chassidismus

4. Prominente Stimmen zu Kafkas Judentum: Max Brod, Gershom Scholem, Walter Benjamin
4.1 Max Brod
4.2 Gershom Scholem und Walter Benjamin

5. Kabbalistische und chassidische Motive in Franz Kafkas Roman Der Proceß

6. Chassidische Motive in zwei ‚Tiergeschichten’ Kafkas
6.1. Eine Kreuzung
6.2 Josefine die Sängerin- Oder das Volk der Mäuse
6.3. Jüdische Quellen zu Der Proceß, Die Kreuzung und Josefine die Sängerin

7. Schlussbetrachtung

Literatur:
Quellen
Hilfsmittel

Resümee:

Kafkas Literatur ist von jüdischem Gedankengut und dem Persönlichen Verhältnis des Autors zu seinem eigenen Judentum geprägt. Im Folgenden werden Kafkas Quellen und Zugänge zu bestimmten Gegenständen aufgezeigt, prominente Einschätzungen zu dieser Thematik referiert und Werke Kafkas thematisch und motivisch mit dogmatischen Texten und volkstümlichen Erzählungen mit dem Ziel einer erweiterten Interpretation verglichen.

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Diese Hausarbeit verfolgt nicht das Ziel, Kafkas vielschichtiges Werk auf eine einzig gültige Interpretation festzulegen. Einige Werke Kafkas sind offenbar von jüdischem Gedankengut geprägt. Dies muss in einer angemessenen Deutung berücksichtigt werden. Es gibt auffallende motivische und thematische Parallelen zwischen Werken Kafkas und kabbalistischen und chassidischen Erzählungen. Maßgeblich sind die Ansichten, die Kafka vom Judentum hatte, und die Quellen, denen er seine Kenntnisse darüber entnahm. Zunächst werden die jüdisch-deutsche Umwelt in seiner Heimatstadt Prag und seine Biographie beleuchtet. Die folgenden Basisinformationen zur Kabbala und zum Chassidismus bilden den Hintergrund für das Verständnis der Interpretationsversuche. Als Nächstes werden die Ansichten Max Brods, Gershom Scholems und Walter Benjamins zur Thematik ‚Kafka und das Judentum’ vorgestellt. Schließlich werden einige Werke Kafkas vor dem Hintergrund der bisherigen Erkenntnisse und mit Einbeziehung jüdischer und ostjüdischer Quellen neu betrachtet. Ich beschäftige mich exemplarisch mit dem Roman Der Proceß, da in diesem bestimmte Motive in besonders augenfälliger Form auftreten. Des Weiteren setze ich mich mit Kafkas Erzählungen Eine Kreuzung und Josefine die Sängerin auseinander, die weitere signifikante Themen des ostjüdischen Denkens aufgreifen. Den Abschluss bildet eine abschließende Bewertung der Ergebnisse der Hausarbeit.

2. Franz Kafka - Ein jüdisch-deutscher Dichter aus Prag

2.1. Die Lage des jüdischen Bürgertums im Prag Franz Kafkas

Vor der Auseinandersetzung mit Franz Kafkas persönlichem Verhältnis zum Judentum soll auf die Stadt Prag und die Lebenssituation ihrer meist deutsch orientierten jüdischen Bevölkerung eingegangen werden.

Die böhmische Hauptstadt war in der Jugend Kafkas nach Wien und Budapest die drittgrößte Stadt des Kaiserreichs Österreich-Ungarn. Sie hatte um das Jahr 1910 230 000, mit den Vororten sogar 600 000 Einwohner[1]. Die Deutschen und deutschsprachigen Juden waren zahlenmäßig eine Minderheit, die jedoch kulturell und wirtschaftlich eine herausragende Rolle in der Stadt spielte. Den Deutschen „[...] standen unter anderem zwei großartige Theater, eine Universität, eine Technische Hochschule, ein Konzertgebäude, ein halbes Dutzend Gymnasien und mehrere überregional bedeutende Tageszeitungen zur Verfügung.“[2] Die Liste dieser Bildungs- und Kultureinrichtungen ist verblüffend, wenn man sich vor Augen führt, dass zu jener Zeit nur etwas mehr als dreißigtausend Deutsche in Prag lebten. Davon waren ungefähr die Hälfte jüdischen Glaubens[3]. Dieses zahlenmäßige Verhältnis hatte sich erst durch eine starke tschechische Zuwanderung im Verlauf des 19. Jahrhunderts entwickelt. Prag war von einer vorwiegend deutschsprachigen zu einer tschechischsprachigen Stadt geworden, in der man jedoch in bestimmten Kreisen und Wohnbezirken fast ausschließlich deutsch sprach. Die meisten Prager Juden waren, wie auch die Familie Kafka, zweisprachig. Doch fühlten sie sich in der Regel der deutschen Sprache und Kultur enger verbunden als der tschechischen. Viele Juden waren seit dem Toleranzedikt Josefs II. von 1781 treue Untertanen des österreichischen Kaisers. Die teilweise Assimilation an die deutsche Kultur bot dem aufstrebenden jüdischen Stadtbürgertum die Möglichkeit des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstiegs. Die Formulierung ‚teilweise Assimilation’ erscheint sinnvoll, da die Konversion unter den Juden Prags praktisch keine Rolle spielte. Anstatt sich taufen zu lassen, sprachen die Prager Juden deutsch, schickten ihre Kinder auf deutsche Schulen und Hochschulen und nahmen auch sonst regen Anteil an der deutschen Kultur.

Trotz einer von den Zeitgenossen beklagten Traditionsflucht und der abnehmenden Rolle des jüdischen Glaubens

„[... lassen] die Impulse, die von Prager Juden in Religion, Wissenschaft, Wirtschaft, Publizistik und Literatur gesetzt wurden, [...] das Bild einer einzigartigen Kultur entste- hen. Kaum vergleichbar mit Berlin (Warschauer Brücke, Scheunenviertel), vermittelte das so genannte ‚Jüdische Prag’ den Eindruck einer wohlhabenden Geschlossenheit. Anders als in Wien (Leopoldstadt) existierte hier formal ein kulturelles jüdisches Zentrum, das sich über wesentliche Bereiche der Innenstadt erstreckte“[4].

Die rechts von der Moldau gelegene Prager Altstadt umschloss vormals auch das jüdische Getto, an dessen Rand das Geburtshaus Franz Kafkas lag. Ab 1897 wurde das ehemalige Getto, das wiederholt der Ausgangspunkt verschiedener Epidemien gewesen war, abgerissen und der frei werdende Platz mit Jugendstilvillen neu bebaut. Aus der vormaligen Judenstadt wurde so die Josefstadt, der fünfte Bezirk Prags, der erneut wohlhabendes jüdisches Bürgertum anzog. Der Gemeindevorstand der Jüdischen Kultusgemeinde Prags hatte seinen Sitz im jüdischen Rathaus. Unter seiner Verwaltung standen neun Synagogen und fünfzehn Gebetshäuser. Er finanzierte sich selbständig aus einer jüdischen Kultussteuer.

Das gesellschaftliche Gefüge des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch in der böhmischen Hauptstadt empfindlich zu wanken. Der tschechische Einfluss nahm infolge des wachsenden tschechischen Nationalbewusstseins deutlich zu. Es kam zu Konflikten zwischen Deutschen und Tschechen. Die deutsch-jüdische Bevölkerung, die sich ohnehin „[...] in einer unvergleichlich beklemmenden Zwischenstellung innerhalb der Nationalitätenkonflikte [...]“[5] befand, wurde 1897 Opfer von antideutschen und antisemitischen Ausschreitungen. Nach der Verhängung des Kriegsrechts herrschte ein trügerischer Friede. Prag wurde Jahre hindurch mittels Notverordnungen regiert und die Partei der Jungtschechen, die unverhohlen antisemitische Ansichten vertrat, konnte deutliche Wahlerfolge verbuchen. Die Juden, die selbst keine homogene Gruppe bildeten[6], gingen unterschiedlich mit den Konflikten um. Salfellner erklärt, dass „[d]ie Orientierung des Prager Judentums [...] in diesem Sprachen- und Nationalitätenstreit zwiespältig [war].

Während sich das städtisch-liberale Judentum im Wesentlichen zum Deutschtum bekannte, empfanden die vom Umland zuströmenden Juden nicht selten tschechisch“[7]. Die Tschechen betrachteten die deutsch orientierten Juden häufig als Feinde ihrer Nationalbewegung.

Nach der Befreiung aus dem Getto wurden viele Juden Teil des städtischen Proletariats. Manchen gelang der soziale Aufstieg, der jedoch immer mit einem gewissen Maß an Assimilation verbunden war. In der Generation von Kafkas Vater fing die Befriedigung durch einen sozialen Aufstieg die seelische Belastung der Assimilation noch einigermaßen auf. Die nachfolgende Generation litt häufig unter den zusammengesetzten jüdischen Identitätskonstruktionen, die die Gründerzeit hervorgebracht hatte. Das Schreiben, sei es literarisch oder journalistisch, konnte jungen jüdischen Intellektuellen wie Kafka und seinen Freunden als Mittel der Identitätssuche und als Ersatzheimat dienen.

Neben der Literatur bot auch der Zionismus einen gewissen Halt. Dabei hatte sich in Prag weniger der politische Zionismus im Sinne des Theodor Herzl, sondern eher eine Denkrichtung, die man mit dem Begriff ‚Kulturzionismus’ bezeichnen könnte, etabliert. Ihre Vordenker waren Achad Haam und Martin Buber. Prag hatte sich recht schnell zu einem Zentrum dieser Bewegung entwickelt. Ausgangspunkt waren im Wesentlichen einige Reden Martin Bubers vor der Prager jüdischen Hochschulgruppe Bar Kochba. Im Anschluss an die Ideen Achad Haams, der Herzls Entwurf eines jüdischen Staates für eine Utopie hielt, betrachtete Buber die geistige Erneuerung des Judentums als vordringliche Aufgabe. Als wichtige Quelle der Wiederbelebung der jüdischen Kultur galt Buber die unter den Westjuden verachtete ostjüdische Kultur und Spiritualität, die er unter anderem durch seine Nacherzählungen der chassidischen Überlieferungen zugänglich gemacht hatte. Kafkas engster Freundeskreis, bestehend aus Hugo Bergmann, Max Brod, Felix und Robert Weltsch und Oskar Baum, war kulturzionistisch aktiv.

Ab 1915 strömten zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten des Kaiserreiches nach Prag. Darunter waren viele Juden, sodass die Prager Kulturzionisten, deren Spiritus rector und Organisator mittlerweile Max Brod war, die Möglichkeit bekamen, sich praktisch zu beweisen. Sie arbeiteten in den Auffanglagern und provisorisch errichteten Schulen.

Doch sie mussten feststellen, dass ihre idealistischen westjüdischen Vorstellungen bei den Ostjuden, die weitgehend unberührt von Säkularisation und Assimilation lebten, Unverständnis hervorriefen[8].

Nach Kriegsende kam es erneut zu antisemitischen Plünderungen und Verfolgungen. Die Spannungen ließen erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der neuen Tschechischen Republik und der Stabilisierung der politischen Macht des ersten Staatspräsidenten Thomas G. Masaryk nach. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass die Balfour-Erklärung vom November 1917 nicht nur unter Zionisten mit Begeisterung aufgenommen wurde. Auch Kafka trug sich bis an sein Lebensende mit Plänen der Auswanderung nach Palästina und unterstützte die diesbezüglichen Anstrengungen seiner Schwester Ottla.

2.2. Franz Kafka und sein ‚Jude-Sein’

Franz Kafkas Vater Hermann (1852-1931) zog Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts wie viele andere böhmische Juden vom Land in die Hauptstadt Prag. Er heiratete 1882 die ebenfalls aus der Provinz stammende Julie Löwy (1855-1934). Kafka war selbst der Überzeugung, dass das Erbe seiner Familie mütterlicherseits, der Familie Porias aus Podebrad, in seinem Gemüt dominierte[9]. Besonders beeindruckten ihn der Urgroßvater und Großvater seiner Mutter, die er zwar nicht persönlich kannte, von denen Julie Kafka jedoch viel zu berichten wusste. Es waren fromme, jüdisch gebildete Männer, die zwar als Sonderlinge galten, aber trotzdem in hohem Ansehen standen. Einer Tagebucheintragung Kafkas zufolge sagte man dem Urgroßvater der Mutter aufgrund seiner Frömmigkeit sogar Wundertaten nach.[10] In diesem Zweig der Familie fanden sich Gelehrte, Rabbiner und Ärzte. Die Familie Löwy war nicht streng religiös. Es handelte sich um eine gemäßigt orthodoxe Tuchhändler- und Brauerfamilie, die 1877 nach Prag übergesiedelt war und der der Aufstieg in das deutsch-jüdische Bürgertum recht bald gelang[11].

Bei der Familie Kafka handelte es sich um eine südböhmische Fleischhauerfamilie aus ärmsten Verhältnissen. Hermann Kafkas Muttersprache war Tschechisch. Doch lernte er in der jüdischen Schule seines Heimatdorfes Wossek auch Deutsch lesen und schreiben. In Prag fühlte er sich zunächst als Tscheche, was auch seine Mitgliedschaft im Vorstand der einzigen tschechischsprachigen Synagoge der Stadt dokumentiert. Doch sein Aufstiegswille und die Eheschließung mit der Deutschjüdin Julie Löwy führten ihn zur Annäherung an die deutsche Kultur. Die deutsche Schulbildung seiner vier Kinder und der Wechsel zu deutschsprachigen Gemeinden bekunden seinen Anschlusswillen an die deutsche Gesellschaft. Diese Wendung scheint weniger aus Überzeugung als aus Ehrgeiz erfolgt zu sein. Hermann Kafka gab bei einer Volkszählung 1890, zu einer Zeit, als sein Sohn Franz bereits die ‚Deutsche Volks- und Bürgerschule’ am Fleischmarkt besuchte, Tschechisch als Umgangssprache seiner Familie an.[12] Ekkehard Haring bezeichnet Kafkas Vater als ein Musterbeispiel für die unter Prager Juden nicht ungewöhnlichen „[...] changierenden Identitätsstrategien[...]“[13]. Er habe nach der erfolgreichen Geschäftsgründung und dem Erstarken des tschechischen Elementes in Prag, „[...] dank seines zuverlässigen und bodenständigen politischen Instinkts noch rechtzeitig die tschechische Anpassung vollzogen.“[14]

Kafka wurde am Rande der alten Prager Judenstadt geboren und wuchs in der Altstadt auf. Seinem Freund Gustav Janouch beschrieb er, wie tief sich ihm die Erinnerung an das ehemalige Getto eingeprägt hat: „Innerlich zittern wir noch so wie in den alten Gassen des Elends. Unser Herz weiß nichts von der durchgeführten Assanation. Die ungesunde alte Judenstadt in uns ist viel wirklicher als die hygienische neue Stadt um uns.“[15] Trotz dieses starken Eindrucks, den das jüdische Prag auf den Knaben machte, scheint die jüdische Religion zunächst keine allzu große Rolle in seinem Leben gespielt zu haben. Im Brief an den Vater beklagt sich Kafka über das „Nichts an Judentum[16] “, das dieser ihm vermittelt habe. Weder die Tempelbesuche mit dem Vater, die nur an hohen Feiertagen vorkamen, noch das Wenige an Religionsausübung in der Familie, wie es beispielsweise an Sederabenden stattfand, oder der jüdische Religionsunterricht am Gymnasium waren geeignet, in Kafka viel mehr als Schuldgefühle zu wecken.

Er erkannte, dass das Judentum westlicher Prägung sich in einem Übergangsstadium befand und die religiösen Formen daher nur noch historischen Charakter hatten. Die Einsicht, dass die Überlieferung des Glaubens durch seine Eltern nicht hinreichend sei und „[...] Gott demnach nur noch persönlich faßbar war, ließen ihn Verzicht auf die traditionelle Glaubenspraxis tun, die zum leeren Ritual geworden war“[17]. Dagegen erschien ihm das orthodoxe Brauchtum der traditionsverhafteten Ostjuden nicht als fragwürdig.

Eine oberflächlich gelebte Religiosität lag Kafka nicht. Seine Lebenswirklichkeit war dennoch deutlich jüdisch geprägt[18]. Giuliano Baioni stellt hierzu fest: „Alle Bekannten, alle Freunde, mit denen er von frühester Jugend an bis zu seinem Tod zu tun hatte, waren Juden, und zwar solche, die sich nicht selten leidenschaftlich für die jüdische Sache engagierten. Auch die Frauen, mit denen er verlobt war, mit denen er zusammenlebte oder mit denen er in einem bisweilen sehr bedeutsamen Briefaustausch stand, waren Jüdinnen - mit Ausnahme von Milena Jesenská, die jedoch die Ehefrau des Juden Ernst Polak war. Das gilt für Felice Bauer wie für Grete Bloch, für Hedwig Weiler wie für Minze Eisner, für Julie Wohryzek wie für Dora Diamant.“[19]

Kafkas Verbindung zum Judentum intensivierte sich im Zeitraum zwischen 1910 und 1912, der von Kafka-Biographen als Lebenswende[20] betrachtet wird, ganz erheblich.

Ab 1910 knüpfte Kafka Beziehungen zur jüdischen Hochschulgruppe Bar Kochba an, deren Leitung jahrelang seinem Freund Hugo Bergmann oblag. Kafka trat der Gruppe zwar nicht formal bei, doch „[e]r begann im Kreis der Bar-Kochba-Studenten als Gast und Opponent zu verkehren und hörte dort auch die Vorträge Bubers“[21]. In der Bar Kochba galt der Zionismus Achad Haams als die Leitlinie. Dieser war der Ansicht, dass vor dem Ende der äußeren zunächst die Befreiung von der inneren Diaspora stehen müsse. Dies bedeute den Kampf gegen die Assimilation und die Rückbesinnung auf die gemeinsame jüdische Kultur, die, aller sonstigen Unterschiede ungeachtet, das West- mit dem Ostjudentum verbinde.

[...]


[1] Vgl. Klaus Wagenbach: Kafkas Prag. Ein Reiselesebuch, Berlin 1993, S. 11.

[2] Harald Salfellner: Franz Kafka und Prag, Prag 1998, S. 14.

[3] Die demographischen Angaben unterscheiden sich je nach Quelle. Haring spricht von 29.107 Juden, die 1910 in Prag und Umgebung wohnten. Das entspricht einem Drittel der Juden Böhmens, in: Ekkehard W. Haring: Auf dieses Messers Schneide leben wir...Das Spätwerk Kafkas im Kontext jüdischen Schreibens, Wien 2004, S. 17; Vgl. auch Harings Auflistung der verschiedenen Angaben zum zahlenmäßigen Verhältnis von Tschechen und Deutschen, ebd., S. 19.

[4] Ebd., S. 24.

[5] Ebd., S. 25.

[6] Vgl. Haring zu der Heterogenität der jüdischen Denkrichtungen in Prag: „Emanzipierte, reformierte und orthodoxe Juden lebten hier unabhängig von ihren Glaubensformen nebeneinander, ebenso Tschechojuden, Deutschliberale, Nationaljuden, Zionisten und nicht wenige, die ohne klaren politischen Ausweis blieben“, ebd.

[7] Salfellner: Franz Kafka und Prag, S. 28.

[8] Vgl. dazu Giuliano Baioni: Kafka: Literatur und Judentum, Stuttgart 1994, S.31: „Diese so genuin deutsche Lehre war für die Ostjuden völlig inakzeptabel; sie verspürten keinerlei Bedürfnis, sich von den deutschen Juden zu neuem Leben erwecken zu lassen, da diese in ihren Augen von der Kultur der Gojim [Christen, Nicht-Juden. Anmerkung der Verfasserin] ein für allemal verdorben waren.“

[9] Vgl. dazu Wagenbach: Franz Kafka, S. 14.

[10] Franz Kafka: Tagebücher 1910-1923, Frankfurt/Main 1992, S. 156.

[11] Vgl. zur Familiengeschichte der Kafkas: Anthony Northey: Die Kafkas: Juden? Christen? Tschechen? Deutsche? In: Kafka und Prag. Colloquium im Goethe Institut Prag, 24-27. November 1992, hg. v. K. Krolop und H.-D. Zimmermann, Berlin 1994, S. 11-32.

[12] Franz Kafka. Eine Chronik, hg. v. K. Wagenbach, Berlin 1999, S. 14.

[13] Haring: Messers Schneide, S. 30.

[14] Ebd.; Vgl. auch Max Brods Ausführungen zu Kafkas Herkunft und Erziehung in: Über Franz Kafka, Frankfurt/Main 1966, S. 11-12.

[15] Gustav Janouch, Gespräche mit Kafka. Erinnerungen und Aufzeichnungen, Frankfurt/Main 1951, S. 42.

[16] Franz Kafka: Brief an den Vater, Frankfurt/Main 1989, S. 45.

[17] Kafka Handbuch. Bd. 1./2. : Der Mensch und seine Zeit, hg. v. H. Binder, Stuttgart 1979, S. 502. Vgl. zu Kafkas Religiosität und seiner Verbindung zum Zionismus ebd., S 491-502.

[18] Vgl. hierzu Grötzinger: „Die Texte Kafkas, in Romanen und Erzählungen, vor allem aber in seinen Tagebuchnotizen und in den Aphorismen, offenbaren ein erstaunlich hohes Maß an jüdischem Wissen, das sich Kafka außer eigener Lektüre in Gesprächen mit Freunden, in der Familie und aus der Beobachtung des Prager jüdischen Lebens insbesondere in der Synagoge erworben hat.“ In: Karl Erich Grötzinger: Kafka und die Kabbala. Das Jüdische im Werk und Denken von Franz Kafka, Berlin 2003, S. 11.

[19] Baioni: Kafka: Literatur und Judentum, S. 6; Vgl. Binder: Kafka Handbuch. Bd. 1/2, S. 492-493.

[20] So auch in der Biographie des Autors Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Entscheidungen, Frankfurt/Main 2002.

[21] Ebd., S. 375.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Überlegungen zur jüdischen Deutung einiger Werke Franz Kafkas unter besonderer Berücksichtigung kabbalistischen und chassidischen Gedankengutes
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Franz Kafka
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
34
Katalognummer
V62599
ISBN (eBook)
9783638558129
ISBN (Buch)
9783638668408
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutung, Werke, Franz, Kafkas, Berücksichtigung, Gedankengutes, Kafka
Arbeit zitieren
Nathalie Kónya-Jobs (Autor), 2005, Überlegungen zur jüdischen Deutung einiger Werke Franz Kafkas unter besonderer Berücksichtigung kabbalistischen und chassidischen Gedankengutes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62599

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