Der Roman "Buddenbrooks" als Portrait der Wilhelminischen Gesellschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Familien Mann und Buddenbrook – autobiographische Elemente im Roman

3. Lübeck im Roman und in der Geschichte

4. Buddenbrooks als Porträt der Wilhelminischen Gesellschaft

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

„[…] vielfältige und heterogene Bildungserlebnisse: der französische Naturalismus und Impressionismus, der gigantische Moralismus Tolstois, die motivische Musik von Wagners Nibelungen, niederdeutsche und englische Humoristik, die leidenskundige Philosophie Schopenhauers, der dramatische Skeptizismus und Symbolismus Henrik Ibsens, strömen während zweijähriger Arbeit in das Werk ein, und was zustande kam, war eine Seelengeschichte des deutschen Bürgertums […]“[1]

Das angesprochene Werk ist der Roman Buddenbrooks Verfall einer Familie, der Verfasser der obigen Zeilen der Autor selbst, Thomas Mann. Er ist zum Zeitpunkt des Erscheinens seines ersten und wohl bekanntesten Romans 1901, 25 Jahre alt, ein junger Mensch also, der im Stande war einen der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts zu schreiben. Geplant hatte er dies wohl nicht, wie sich aus zahlreichen Briefen und Schriften Thomas Manns erkennen lässt. Im Gegenteil, sein erstes größeres Prosastück, um welches ihn der Verleger Samuel Fischer bat, sollte eigentlich eine Knabennovelle von nicht mehr als 250 Seiten werden. Den Inhalt dieser Knabennovelle findet man nun allerdings erst am Ende des Werkes, das stattdessen entstand.

Die Geschichte des sensitiven Spätlings[2], Hanno Buddenbrook, beendet nur den Verfall der Familie Buddenbrook und das Werk selbst. Die eigentliche Vorgeschichte, nahm schon in den Vorarbeiten sehr viel mehr Raum ein, als der junge Autor gedacht hatte, sie entwickelte sich zu einem komplexen Familienroman. Buddenbrooks erzählt die

Geschichte einer Lübecker Kaufmannsfamilie vom Höhepunkt ihrer Prosperität um 1835 bis zu ihrem Verfall mit dem Niedergang des Geschäfts und dem Tod des letzten männlichen Spross des Hauses, Hanno Buddenbrook, 1877.

Entstanden ist der Roman in der Zeit des Wilhelminischen Kaiserreiches, die Geschichte, die er erzählt umfasst jedoch zeitlich eher die Biedermeierzeit. Im Folgenden soll untersucht werden inwieweit der Roman trotz der erzählten Zeit, als Porträt der Wilhelminischen Gesellschaft verstanden werden kann.

2. Die Familien Mann und Buddenbrook – autobiographische Elemente im Roman

Im Jahr 1898 beginnt Thomas Mann mit den Vorarbeiten zum späteren Roman Buddenbrooks und findet schnell ein geeignetes Thema. „Bei der Umschau nach einem Stoff, der mir taugen könnte, lag naturgemäß am nächsten meine eigene Kindheitserfahrung, die Geschichte meiner eigenen Familie; als Milieu: meine Heimatstadt.“[3] Seine Heimatstadt ist Lübeck und so spielt die Handlung des Romans also dort. Über den Ort der Handlung, der im Folgenden noch näher untersucht werden wird hinaus, enthält der Roman sehr viele weitere autobiographische Züge aus dem Leben Thomas Manns. Er ist der Sohn einer Lübecker Großkaufmannsfamilie, deren Geschäft seit mehreren Generationen in den Händen der Familie liegt und gedeiht. Doch Thomas und sein älterer Bruder Heinrich entziehen sich der Familientradition, das Geschäft zu übernehmen, sie werden beide Schriftsteller und so wird mit dem Tod des Vaters Thomas Johann Heinrich Mann 1891 die Getreidefirma „Johann Siegmund Mann“ liquidiert.

Auch die Familie Buddenbrook ist eine Kaufmannsfamilie aus Lübeck und im ersten Kapitel wird die Familiengeschichte beleuchtet, die derer der Familie Mann sehr ähnelt. Schon die Wahl der Namen lässt einige Rückschlüsse auf die Vorbilder aus dem Familien- und Bekanntenkreis des Autors zu, die die Gestaltung der Romanfiguren beeinflusst haben. Während des Entstehungsprozesses wendet sich Thomas Mann an verschiedene Personen, die ihm tiefergehende Auskünfte über die Familiengeschichte und die Geschichte der Stadt Lübeck geben können.

So bittet er z. B. seine Mutter Julia Mann ihm die Familienpapiere nach Italien zu schicken, seinen Onkel Wilhelm Marty um Auskünfte über wirtschaftliche und soziale Entwicklungen der Stadt Lübeck in der Vergangenheit und seine Schwester Julia um Auskunft über bestimmte Familienmitglieder, so z. B über die Tante Elisabeth.[4]

Die gebräuchlichen, mit jeder Generation vererbten Namen der Familie Mann finden sich in den Buddenbrooks wieder. Konsul Johann Buddenbrook sen. bzw. jun., Thomas Buddenbrook und Hanno, als Kurzform für Johann, Buddenbrook bilden im Roman die männliche Linie, die die Firma, und damit die Familie, nach außen vertritt bzw. vertreten soll. Den vier Hauptpersonen, Thomas, Christian, Antonie und Hanno widmete Thomas Mann in den Vorarbeiten besonders viel Zeit und sie haben auch die deutlichsten Vorbilder in der Familie Mann. Der Senator Thomas Buddenbrook ist dem Vater Thomas Manns nachempfunden, womit sich schlussfolgern lässt, dass in der Figur Hanno viele Empfindungen des Autors selbst eingearbeitet sind. Das Verhältnis zwischen Thomas und Hanno Buddenbrook ähnelt dem, das Thomas Mann nach Aussage vieler seiner Briefe zum eigenen Vater hatte. Die Beziehung ist vor allem von Respekt teilweise Angst des Jungen vor dem Vater geprägt, vor allem vor dessen Erwartungen an den Sohn, die dieser nicht erfüllen kann und will. In der Familie Mann soll der zweite Sohn Thomas die Leitung der Firma übernehmen, da sich beim älteren Bruder Heinrich früh andeutet, dass dieser dazu ungeeignet ist. Doch auch der zweite Sohn im Hause Mann ist im Grunde seines Herzens mehr Künstler denn Kaufmann und so muss auch er die Erwartungen des Vaters enttäuschen. In der Person Hanno findet sich dieser Konflikt, den beide Söhne der Familie Mann hatten, wieder, Hanno ist das einzige Kind und wird es bleiben, so ruhen alle Hoffnungen auf ihm.

[...]


[1] de Mendelssohn, Peter. Der Zauberer. Das Leben des Schriftstellers Thomas Mann. Erster Teil 1875 – 1918. Berlin 1975, S. 489

[2] Müller, Fred. Thomas Mann. Buddenbrooks: Interpretation von Fred Müller. München, 1998, S. 8

[3] de Mendelssohn, Peter. Der Zauberer. Das Leben des Schriftstellers Thomas Mann. Erster Teil 1875 – 1918. Berlin 1975, S. 393

[4] Vogtmeier, Michael. Die Familien Mann und Buddenbrook im Lichte der Mehrgenerationen-Familientherapie. Untersuchungen zu Thomas Manns Buddenbrooks Verfall einer Familie. Frankfurt/M., 1987, S. 78f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Roman "Buddenbrooks" als Portrait der Wilhelminischen Gesellschaft
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
HS Thomas Mann
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V62616
ISBN (eBook)
9783638558273
ISBN (Buch)
9783656111627
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Seminar und die Hausarbeit beschäftigen sich mit der Literatur Thomas Manns unter historischen Aspekten.
Schlagworte
Roman, Buddenbrooks, Portrait, Wilhelminischen, Gesellschaft, Thomas, Mann
Arbeit zitieren
Bettina Nolde (Autor), 2004, Der Roman "Buddenbrooks" als Portrait der Wilhelminischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62616

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