Das Lustspiel "Die Juden" gehört zum Frühwerk G. E. Lessings und spiegelt die humanistische Auffassung des damals erst 20-jährigen Wittenberger Studenten wider. Lessing stellt in diesem Stück dem Publikum einen Juden vor, der in vollkommenem Widerspruch zu der Vorstellung steht, welche die christliche Majorität jener Zeit von den Juden hatte. Damit begegnete er dem in der Gesellschaft weit verbreiteten Antisemitismus.
In dieser Arbeit werde ich mich mit der Vorurteilsthematik in den "Juden" und den Möglichkeiten der Überwindung allgemeiner Urteile, wie sie innerhalb dieses Dramas vorgeschlagen werden, auseinandersetzen. Dabei ermittle ich zunächst die historischen Wurzelen des Judenhasses im Allgemeinen. Anschließend werde ich zwei der Protagonisten aus Lessings Lustspiel, nämlich Martin Krumm und den Baron, charakterisieren, da sie als repräsentativ für antisemitische Ansichten innerhalb der lessingschen Gesellschaft angesehen werden können und sich besonders an diesen beiden Figuren exemplarisch aufzeigen lässt, wie tief die Vorurteile gegen die Juden verwurzelt sind und wie schwer sie sich überwinden lassen. Schließlich versuche ich, auf der Grundlage der Komödiekonzeption Lessings, die möglichen Lösungs- bzw. Überwindungsperspektiven des antijüdischen Vorurteils bzw. das verbleibende, in der gesellschaftlichen Realität nur schwerlich lösbare Problem des Antisemitismus zu analysieren. Abschließend werde ich auf die Forderung Lessings um mehr Toleranz zwischen den Religionen und um die Emanzipation der jüdischen Bevölkerung in die Gesellschaft eingehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Historische Entwicklung des Antisemitismus
- Vorurteilstrukturen am Beispiel des Dramen-Personals
- Martin Krumm
- Der Baron
- Vorurteil und Rettung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Vorurteilsthematik in Lessings Lustspiel „Die Juden“ und analysiert die Möglichkeiten der Überwindung von Vorurteilen, wie sie im Drama vorgeschlagen werden.
- Die historischen Wurzeln des Judenhasses
- Die Charakterisierung von Martin Krumm und dem Baron als Repräsentanten für antisemitische Ansichten in der lessingschen Gesellschaft
- Die Darstellung der tief verwurzelten Vorurteile gegen Juden und deren Schwierigkeit der Überwindung
- Die Analyse der möglichen Lösungs- bzw. Überwindungsperspektiven des antijüdischen Vorurteils
- Lessings Forderung nach mehr Toleranz zwischen den Religionen und der Emanzipation der jüdischen Bevölkerung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik des Antisemitismus in Lessings „Die Juden“ ein und stellt die Hauptargumente des Dramas dar. Das Kapitel „Historische Entwicklung des Antisemitismus“ beleuchtet die historische Diskriminierung und Verfolgung der Juden im Mittelalter, die sich im 18. Jahrhundert fortsetzte. Das Kapitel „Vorurteilstrukturen am Beispiel des Dramen-Personals“ analysiert die Charaktere von Martin Krumm und dem Baron, welche als Repräsentanten für antisemitische Ansichten in der Gesellschaft dienen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Antisemitismus, Vorurteile, Überwindung, Toleranz, Emanzipation, Juden, Christen, Lessing, „Die Juden“, Dramen-Personals, Martin Krumm, Baron, historische Entwicklung, mittelalterlicher Antisemitismus, Judengesetze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Lessings Lustspiel „Die Juden“?
Lessing präsentiert ein Stück, in dem ein jüdischer Charakter alle antisemitischen Vorurteile der christlichen Mehrheit seiner Zeit widerlegt.
Welche Charaktere repräsentieren Vorurteile im Stück?
Vor allem Martin Krumm und der Baron dienen als Beispiele für tief verwurzelte antisemitische Ansichten in der damaligen Gesellschaft.
Wie versucht Lessing, Vorurteile zu überwinden?
Durch die Darstellung eines edlen Juden, der durch seine Taten (Rettung des Barons) die moralische Überlegenheit beweist und damit allgemeine Urteile entlarvt.
Was sind die historischen Wurzeln des Judenhasses laut der Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die mittelalterliche Diskriminierung und die restriktiven Judengesetze, die das gesellschaftliche Klima des 18. Jahrhunderts prägten.
Welche Forderung stellt Lessing am Ende des Dramas?
Lessing fordert mehr religiöse Toleranz und die gesellschaftliche Emanzipation der jüdischen Bevölkerung.
Ist das Problem des Antisemitismus im Stück vollständig lösbar?
Die Arbeit analysiert kritisch, dass trotz der individuellen Anerkennung des Juden im Stück das strukturelle Problem des Antisemitismus in der Realität schwer zu lösen bleibt.
- Quote paper
- Shuang Liu (Author), 2006, Vorurteilstrukturen und Möglichkeiten ihrer Überwindung am Beispiel von Lessings Lustspiel 'Die Juden', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62623