Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Oral History und deren Verhältnis zur Geschichtswissenschaft. Verdeutlichend zum deutschen „Sonderweg“ wird zunächst auf die Vorreiter USA und Polen eingegangen. Anschließend soll untersucht werden, warum es in Deutschland eine solche Reserviertheit gegenüber dieser Methode gab – erst mit der Nachkriegszeit kam Interesse am Erinnerungsinterview als historischer Dokumentationstechnik auf – und noch immer eine grundlegende Skepsis von Seiten der Forscher die Weiterführung und Ausschöpfung der Möglichkeiten hemmt.
Grundsätzlich ist die Oral History ein retrospektives Erhebungsverfahren, bei dem es um ehemalige Ansichten und Bedeutungen von vergangenen Ereignissen geht. Auf die miteinhergehenden Probleme dieser Methode soll hier im Speziellen eingegangen werden. Zudem werden Diskussionen und mögliche Lösungsansätze vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entwicklung der Oral History in den USA, Polen und Deutschland
- Beginn in den USA: Thomas/Znaniecki
- Entwicklung in der polnischen Soziologie
- Deutscher ,,Sonderweg\"
- Zwischenbilanz zu Beginn der 80er Jahre
- Perspektivenwechsel zu Beginn der 80er Jahre und die Folgezeit
- Theoretischer Ansatz - Probleme und Perspektiven
- Narratives Interview
- Methodische und theoretische Probleme
- Diskussion um mögliche Lösungsansätze
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit beleuchtet die Geschichte der Oral History und ihre Relevanz für die Geschichtswissenschaft. Im Fokus stehen die Unterschiede in der Entwicklung der Methode in den USA, Polen und Deutschland, insbesondere der "Sonderweg" Deutschlands mit seiner Skepsis gegenüber mündlicher Geschichte. Die Arbeit untersucht die Gründe für diese Zurückhaltung und analysiert die methodischen und theoretischen Probleme der Oral History sowie mögliche Lösungsansätze.
- Entwicklung der Oral History in verschiedenen Ländern, insbesondere in den USA, Polen und Deutschland
- Gründe für die Skepsis gegenüber der Oral History in Deutschland
- Methodische und theoretische Herausforderungen der Oral History
- Mögliche Lösungsansätze für die Probleme der Oral History
- Bedeutung der Oral History für die Geschichtswissenschaft
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Bedeutung der Oral History für die Erforschung der Geschichte "der Unteren" heraus und erläutert die Motivation für die Untersuchung der Methode. Kapitel 2 vergleicht die Entwicklung der Oral History in den USA, Polen und Deutschland. Dabei wird der "Sonderweg" Deutschlands mit seiner skeptischen Haltung gegenüber der mündlichen Geschichte deutlich. Kapitel 2.1 behandelt die Entwicklung der biographischen Methode in den USA am Beispiel des Werkes "The Polish Peasant in Europe and America". Kapitel 2.2 beschreibt die Entwicklung der Oral History in der polnischen Soziologie. Kapitel 2.3 diskutiert die spezifischen Herausforderungen und die Skepsis gegenüber der Oral History in Deutschland. Kapitel 3 bietet eine Zwischenbilanz der Oral History zu Beginn der 1980er Jahre. Kapitel 4 analysiert den Perspektivenwechsel in der Oral History zu Beginn der 1980er Jahre und die darauf folgenden Entwicklungen. Kapitel 5 behandelt den theoretischen Ansatz der Oral History, insbesondere das narrative Interview, sowie methodische und theoretische Probleme der Methode.
Schlüsselwörter
Oral History, Geschichtswissenschaft, Biographieforschung, "Sonderweg", narrative Interviews, methodische Probleme, theoretische Ansätze, subjektive Erfahrung, Lebensgeschichte, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Oral History?
Oral History ist ein retrospektives Erhebungsverfahren, bei dem vergangene Ereignisse durch die Erinnerungen und Erzählungen von Zeitzeugen dokumentiert werden.
Warum gab es in Deutschland eine Skepsis gegenüber Oral History?
Die deutsche Geschichtswissenschaft war traditionell stark auf schriftliche Quellen fixiert; subjektive Erinnerungen wurden oft als unzuverlässig angesehen.
Was ist ein "narratives Interview"?
Es ist eine Methode, bei der der Befragte eingeladen wird, seine Lebensgeschichte oder Erlebnisse frei und ohne starre Fragenkataloge zu erzählen.
Welche Länder waren Vorreiter der Methode?
Besonders die USA (Thomas/Znaniecki) und Polen spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der biographischen Methode.
Was ist die Bedeutung der Oral History für die "Geschichte von unten"?
Sie ermöglicht es, die Perspektiven von Menschen sichtbar zu machen, die in offiziellen Dokumenten oft nicht vorkommen (z. B. Arbeiter, Minderheiten).
- Arbeit zitieren
- Bakkalaurea Artium Sandra Schmidt (Autor:in), 2006, Biographieforschung und Geschichtswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62640