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Anomietheorie und Labeling Approach

Title: Anomietheorie und Labeling Approach

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 32 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Gesa Brüchmann (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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In jeder Gesellschaft gib es die unterschiedlichsten Verhaltensformen. Zum einen können sie der Gesellschaft dienen, zum anderem dem Individuum selbst. Es gibt aber auch Verhaltensweisen, die auf den ersten Blick weder für die Gesellschaft noch für den Einzelnen positive Folgen zu haben scheinen. Diese Verhaltensweisen werden allgemein als abweichendes Verhalten definiert. Es stellt sich also die Frage nach den Ursachen von abweichendem Verhalten und den darauf folgenden Reaktionen aus der Gesellschaft. Mittlerweile hat sich eine wahre Vielfalt an Theorien und Ansätzen zu diesem Thema herausgebildet. Sie alle versuchen, wenn auch oft aus unterschiedlichen und zum Teil konträren Richtungen, Erklärungen für Ursachen und Folgen zu finden.

Wissenschaftler aus verschiedenen wissenschaftliche Disziplinen beschäftigen sich mit diesen Frage, und immer wieder kommen neue Aspekte, Erweiterungen oder aber auch Modifizierungen der zahlreichen Erkenntnisse hinzu. Immer wieder wird versucht die Motive und eventuellen Abhängigkeiten von verschiedenen Faktoren zu verstehen und zu erklären. Dabei steht die Suche nach Aussagen über die Gründe und Prognosen über zukünftiges Verhalten im Vordergrund. Am Beispiel zweier bedeutender Ansätze - der Anomietheorie und dem labeling approach - sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie Vorteile und Nachteile beider Positionen gezeigt werden. Lassen sich Überschneidungen und Übereinstimmungen finden, oder wiedersprechen sich Ansätze aus dem ätiologischen und interaktionistischen Lager vielleicht schon in ihren Grundgedanken?

Ätiologische Theorien versuchen Ursachen für das Zustandekommen abweichenden Verhaltens zu finden, das heißt Antworten auf die Frage warum sich Menschen abweichend verhalten. Interaktionistische Theorien dagegen beschäftigen sich mit den Prozessen der Normsetzung und deren Anwendung, durch die es erst zu einer Etikettierung eines Verhaltens als abweichend kommt. Sie fragen sich, warum Menschen von anderen als Abweichende gesehen werden.

Vertreter der ätiologischen Perspektive sind also der Meinung, dass soziale Arbeit auf abweichendes Verhalten mit Einzelinterventionen reagieren kann, Vertreter der interaktionistischen Perspektive dagegen sind der Auffassung, dass die soziale Arbeit im Umfeld intervenieren muss, um Normsetzung und Definition des abweichenden Verhaltens zu beeinflussen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen

3. Überblick über die Entstehung und Entwicklung von Theorien abweichenden Verhaltens (Theorievielfalt, Modifikationen etc.)

4. Die Anomietheorie

4.1. Allgemeine Einordnung

4.2. Der Anomie-Begriff bei Durkheim

4.3. Erklärungspotential, Anwendbarkeit und Kritik

5. Der labeling approach

5.1. Allgemeine Einordnung

5.2. Erklärungspotential, Anwendbarkeit und Kritik

5.3. Fitz Sack als Vertreter der radikalen Perspektive

5.4. Howard S. Becker als Vertreter einer gemäßigteren Perspektive

6. Anomietheorie und Labeling-Approach im Vergleich

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Anomietheorie und den Labeling Approach als zwei bedeutende, aber methodisch unterschiedliche soziologische Ansätze zur Erklärung von abweichendem und kriminellem Verhalten. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Vor- und Nachteile beider Positionen im Hinblick auf ihr Erklärungspotential und ihre Anwendbarkeit herauszuarbeiten.

  • Vergleich ätiologischer Theorien (Anomietheorie) und interaktionistischer Ansätze (Labeling Approach).
  • Analyse der Ursachen abweichenden Verhaltens versus Untersuchung von Definitionsprozessen und Zuschreibungen.
  • Betrachtung gesellschaftlicher Strukturen, Normsetzung und sozialer Kontrolle.
  • Kritische Würdigung der Theorien hinsichtlich ihrer empirischen Überprüfbarkeit und praktischen Relevanz.

Auszug aus dem Buch

4.2. Der Anomie-Begriff bei Durkheim

Wie schon erwähnt kam der Begriff der Anomie bei Durkheim Ende des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit seiner Arbeit „De la division du travail social“ über die Folgen und Auswirkungen der Arbeitsteilung in der Industriegesellschaft auf. Moderne Industriegesellschaften sind für Durkheim dadurch gekennzeichnet, dass eine „starke Funktionsdifferenzierung“22 vorherrscht. Dass heißt, durch die Arbeitsteilung ist die Zusammenarbeit differenzierter als vorher und es herrscht in der Folge weniger Solidarität unter den einzelnen Mitgliedern, da sie sich in einem größeren Umfang voneinander unterschieden.

Dies führt insgesamt zu einer Schwächung des Kollektivbewusstseins und zu einer gewissen Orientierungslosigkeit, aus der dann wiederum soziale Desintegration resultiert.

Ein paar Jahre später führt Durkheim den Begriff der Anomie in seiner Arbeit „Le Suicide“ weiter aus. Er findet heraus, dass es sowohl in wirtschaftlich sehr guten wie auch in sehr schlechten Zeiten zu einem Anstieg der Selbstmordrate kommt. Personen würden immer dann relativ häufig Selbstmord begehen, wenn ihre Bedürfnisse nicht durch die vorhandenen Mittel erfüllt werden könnten. Dies steht auch damit in Zusammenhang, dass in stabileren Zeiten die Bedürfnisse der Menschen durch die vorherrschenden und als allgemein gültig anerkannten Normen geregelt scheinen und es so nicht zu dieser Art von Instabilität kommen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert abweichendes Verhalten und stellt die beiden zu vergleichenden Theorien, die Anomietheorie und den Labeling Approach, vor.

2. Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel klärt grundlegende Konzepte wie soziale Normen, soziale Kontrolle, Sanktionen und definiert abweichendes Verhalten sowie Devianz.

3. Überblick über die Entstehung und Entwicklung von Theorien abweichenden Verhaltens (Theorievielfalt, Modifikationen etc.): Es wird in den Theoriebegriff eingeführt und ein historischer Überblick über verschiedene soziologische Ansätze zur Kriminalität gegeben.

4. Die Anomietheorie: Das Kapitel erläutert den Anomie-Begriff bei Durkheim und die darauf aufbauende Theorie von Robert K. Merton zur Diskrepanz zwischen kulturellen Zielen und verfügbaren Mitteln.

5. Der labeling approach: Hier werden die Grundlagen des interaktionistischen Ansatzes, die Bedeutung der Etikettierung und die Positionen von Tannenbaum, Lemert, Sack und Becker dargestellt.

6. Anomietheorie und Labeling-Approach im Vergleich: Die beiden Ansätze werden hinsichtlich ihrer Methodik, ihres Erkenntnisinteresses und ihrer Schwächen kritisch gegenübergestellt.

7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für eine Berücksichtigung beider Perspektiven zur Erklärung von Kriminalität.

Schlüsselwörter

Abweichendes Verhalten, Anomietheorie, Labeling Approach, Kriminalsoziologie, Soziale Normen, Soziale Kontrolle, Etikettierung, Devianz, Robert K. Merton, Emile Durkheim, Interaktionismus, Stigmatisierung, Kriminelle Karriere, Sozialstruktur, Sanktionen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Erklärung abweichenden und kriminellen Verhaltens durch den Vergleich zweier unterschiedlicher theoretischer Ansätze: der Anomietheorie und dem Labeling Approach.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Ursachensuche für abweichendes Verhalten bei ätiologischen Theorien sowie die Analyse von gesellschaftlichen Definitions- und Zuschreibungsprozessen bei interaktionistischen Theorien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Vor- und Nachteile beider Ansätze aufzuzeigen, um zu klären, inwieweit sie zur Erklärung von Kriminalität beitragen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und einen vergleichenden Literaturvergleich, um die Konzepte einzuordnen und kritisch zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen, die detaillierte Ausarbeitung der Anomietheorie (Durkheim/Merton) und des Labeling Approach (Tannenbaum/Lemert/Sack/Becker) sowie deren direkten Vergleich.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Devianz, soziale Kontrolle, Anomie, Stigmatisierung, Etikettierung und Kriminalsoziologie.

Warum wird der Labeling Approach als interaktionistischer Ansatz bezeichnet?

Er wird so bezeichnet, da er abweichendes Verhalten nicht als feststehendes Merkmal des Individuums betrachtet, sondern als Resultat eines interaktiven Zuschreibungsprozesses zwischen dem Handelnden und seiner Umwelt.

Welchen Stellenwert nimmt die Typologie von Merton in der Arbeit ein?

Die Typologie Mertons dient der Veranschaulichung individueller Anpassungsreaktionen auf die Diskrepanz zwischen kulturellen Zielen und legitimierten Mitteln in einer Gesellschaft.

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Details

Title
Anomietheorie und Labeling Approach
College
University of Hamburg  (Institut für Soziologie)
Grade
1,3
Author
Gesa Brüchmann (Author)
Publication Year
2005
Pages
32
Catalog Number
V62648
ISBN (eBook)
9783638558556
ISBN (Book)
9783656806714
Language
German
Tags
Anomietheorie Labeling Approach
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Gesa Brüchmann (Author), 2005, Anomietheorie und Labeling Approach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62648
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